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Denkanstoß
Keine saure Soße!
Foto: Archiv

Neulich las ich in der Zeitung: „Die beiden großen christlichen Kirchen haben vor einem überzogenen Fitness- und Gesundheitskult gewarnt.“ Stichworte waren „Gesundheitsreligion“ und die Gefahr der gesellschaftlichen Ausgrenzung Kranker und Behinderter. Die Warnung ist sicher berechtigt. Aber sie ist auch banal. Denn alles, was Menschen exzessiv tun, hat die Gefahr schädlicher Nebenwirkungen in sich. Das wussten schon die antiken Philosophen und meine Großmutter. Sie rieten deshalb zu vernünftigem Maßhalten in allen Dingen. Die Oma sagte: „Allzu viel ist ungesund!“ Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin der gleichen Ansicht. Mich stört aber das viele Mahnen und Warnen. Es nervt. Die Kirchen haben doch viel Wichtigeres zu sagen.

Mein erster Gedanke zum Bericht über die zeitgeistkritische kirchliche Wortmeldung war: Ach, jetzt mahnen und warnen sie wieder. Deshalb erstaunt mich auch die Bemerkung eines Jugendlichen nicht. Er sagte: „Die Kirche gießt saure Soße auf alles, was Spaß macht.“ So einseitig ist es zwar nicht. Aber viele gutgemeinte Worte können diesen Eindruck erzeugen und nähren. Ist er erst einmal vorhanden, dann findet er auch weitere Bekräftigungen. Ich vermute, dass er in vielen Menschen wohnt. Sie gehen der Kirche aus dem Weg, weil sie mit gar nichts anderem mehr rechnen. Schade. Im Übrigen scheint der Zeitgeist heutzutage ohnehin unbeeindruckt vom kirchlichen Murren sein Werk zu tun. Er produziert eine Mode nach der anderen.

Es geht auch anders. In der Apostelgeschichte (Kapitel 17 Vers 22 bis 28) wird eine Episode aus dem Leben des Paulus erzählt. Der Missionar sprach auf dem Marktplatz von Athen. Dort mahnte und warnte er nicht. Er bezog sich auf eine Altarinschrift, die er eben gelesen hatte: Dem unbekannten Gott. Seine Rede gilt diesem Gott. Er hat alles geschaffen, was ist. Er hat allen Lebewesen das Leben und den Atem gegeben. Und „in ihm leben, weben und sind wir.“ So konnte Paulus den Leuten von Gott erzählen. Einige lehnten ihn ab, manche wollten noch mehr wissen, andere schlossen sich ihm an. Die Zuhörer waren weder unwissend noch ohne Interesse. Sie suchten nach Leben und fragten nach Gott. Und sie hatten schon beträchtliche eigene Erfahrungen und Erkenntnisse auf diesem Gebiet.

Die heutige Lage ähnelt ist vieler Hinsicht der antiken Szene. Religion ist wieder ein Thema. Es gibt eine große Suchbewegung. Die Menschen möchten gutes und erfülltes Leben für sich und auf der ganzen Erde. Viele wünschen sich Gotteserfahrungen und Gotteserkenntnis. Und sie haben dies ja auch in unterschiedlichster Art und Deutung. Dabei gibt es kein kirchliches Monopol mehr. Die Kirche nimmt an dieser weitverzweigten Suche in Sachen Leben, Welt, Zukunft und Gott teil. Die anderen, die mit ihnen auf dem Weg sind, warten nicht unbedingt auf ihre Beiträge. Wach, besorgt und nachdenklich sind sie doch meistens schon von sich aus.

Da kommt die Kirche nur allzu schnell in den Ruf saure Soße zu verschütten. Das ist nicht ihr Auftrag. Ich wünsche mir, dass die Christen taktvoll, freundlich, ohne belehrend zu sein ihr Bestes sagen. Wie Paulus auf dem Marktplatz von Athen. Alles stammt von Gott. In ihm leben, weben und sind wir. Und es gibt eine Kraft Gottes, die befreit.






Autor: Friedrich Fuchs, Pfarrer in Büdingen – Wolf; Foto: Archiv - 3.9.2014
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