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Denkanstoß
Der klingende Adventskalender: 20. Dezember - gelesen von Anneke Kim Sarnau
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An meine Eltern

Heiligenstadt, 20. Dezember 1856

Es wird Weihnachten! Mein ganzes Haus riecht schon nach braunem Kuchen – versteht sich nach Mutters Rezept – und ich sitze sozusagen schon seit einer Woche im Scheine des Tannenbaums. Ja, wie ich den Nagel meines Daumens besehe, so ist auch der schon halbwegs vergoldet. Denn ich arbeite jetzt abends nur in Schaumgold, Knittergold und bunten Bonbonpapieren, und während ich Netze schneide und Tannen- und Fichtenäpfel vergolde, und die Frauen, d.h. meine Frau und Röschen, Lisbeths Puppe ausputzen, liest Onkel Otto uns die „Klausenburg“ von Tieck vor oder gibt hin und wieder eine Probe aus den Bilderbüchern, die Hans und Ernst auf den Teller gelegt werden sollen. Gestern abend habe ich sogar Mandeln und Zitronat für die Weihnachtskuchen schneiden helfen, auch Kardamon dazu gestoßen und Hirschhornsalz. Den Vormittag war ich stundenlang auf den Bergen in den Wäldern herumgeklettert, um die Tannenäpfel zu suchen. Ja, Ihr hättet mich sogar in meinem dicken Wintermantel hoch oben in einer Tannenspitze sehen können.

Jeden Morgen kommt der Postbote und bringt ein Päckchen oder einen Brief aus der Heimat oder aus der Fremde von Freunden. Die Weihnachtszeit ist doch noch gerade so schön, wie sie in meinen Kinderjahren war.

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Die verrückten Weihnachtsmänner
- eine Bärchen-und-Rübe-Geschichte

20

Sie tanzten und lachten, klatschen in die Hände und sprangen in die Luft. Bärchen und Rübe hatten das letzte Teil des Weihnachts-mannherzens gefunden. Hatschi flog von einer Hand in die andere. Und selbst der Engel lachte aus vollem Herzen.
„Puh“, sagte Rübe schließlich. „Jetzt wird mir so richtig warm!“
„Ja!“ rief Bärchen außer Atem. „Genug gefreut. Jetzt lasst uns endlich das Herz zusammensetzen und die Sache zu Ende bringen.“
Also setzten sie sich hin, holten alle Stücke hervor und begannen, sie wieder zusammen zu setzen. Diesmal klappte es auf Anhieb.
„Klasse!“ rief Hatschi.
„Gar nicht Klasse!“ sagte Bärchen.
„Warum?“ fragte Hatschi.
„Schaut doch!“ sagte Bärchen. „Wir haben zwar alle Teile, sie passen zusammen, so weit, so gut. Aber wie sollen sie zusammenbleiben? Sollen wir sie mit Klebstoff zusammenkleben, oder was?“
„Ooh“, Rübe war enttäuscht. Sie hatte gedacht, sie hätten es geschafft, doch Bärchen hatte recht. Wie sollten die Teile des Herzens zusammenhalten. „So wird das Herz nicht wieder schlagen können!“
„Mmh“, der Engel überlegte, „ich glaube, ich habe da eine Idee. Wo-von lebt denn ein Herz?“
„Ach“, antwortete Rübe, „von Blut und Nährstoffen und so. Ich hatte das noch nicht in der Schule.“
„Nein, nein!“ rief Hatschi. „Ich weiß, was er meint. Das ist ein besonderes Herz. Denkt an den Brief. Es lebt von der Liebe.“
„Liebe kann man nicht besorgen und drauf schmieren, damit es hält“, sagte Bärchen.
„Natürlich nicht!“ meinte der Engel. „Aber wir sind hier im Himmel. Manches ist hier anders. Wenn Menschen lieben, erstrahlen die Sterne besonders hell, und die Engel können fliegen. Die Liebe ist ein Wunder. Lasst uns das Licht der Liebe anzünden.“
„Hä?“ fragte Bärchen.
„Wie?“ fragte Rübe.
„Wir setzen uns zusammen“, sagte der Engel, „und halten das Herz in unseren Händen. Denkt an Weihnachten, an jemanden, den ihr lieb habt...“
„Ach, was soll’s“, sagte Bärchen, „probieren wir es.“
Behutsam nahmen sie das zerbrochene Herz in ihre Hände. Sie dachten an Weihnachten. Bärchen dachte auch an Rübe, er hatte seine Schwester gern. Und Rübe dachte an Bärchen und beide dachten an Hatschi.
Da leuchtete ein Licht auf, in ihren Händen, über dem Herzen, ein warmes, heimeliges Licht.


Copyright by Matthias Schwarz, Eichelstraße 30, 63667 Nidda - Nov 2013



Autor: Theodor Storm; gelesen von Anneke Kim Sarnau; Grafik: Gert Holle - 20.12.2014