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Denkanstoß
Manchmal nehme ich mir die Zeit ...
Foto: Michael Guist

Zufällig waren wir uns am Geldautomaten in der Bank begegnet. Ich freute mich. Schließlich hatten wir uns eine lange Zeit nicht mehr gesehen. „Lass uns doch mal was ausmachen, ins Kino gehen oder nur mal so in der Kneipe treffen.“ Hastig kramte er in seiner abgegriffenen Aktentasche, holte seinen ledergebundenen Kalender hervor. „Ja, diese Woche geht es nicht mehr. Am Donnerstag habe ich den ganzen Tag eine wichtige Konferenz, am Freitag bin ich auf einer Fortbildung. Aber sicher nächste Woche. Ach nein, alles schon voll. Ich rufe Dich an und sage Dir, wann es passt. Ich bin momentan etwas im Stress.“ Eine kurze Umarmung, dann war er auch schon wieder verschwunden. „Mach’s gut, mein armer Freund!“

Stress muss schon sein, gehört zum Leben. Wer wirklich leben will, muss tätig sein und tüchtig, er muss etwas taugen. Termine, Termine, Termine. Angst zwingt zum Sorgen und Besorgen. Das geht auch mir oft nicht anders. Und selbst, wenn ich manchmal atemlos bin, schaffe ich eines mit Sicherheit nicht: Das Eigentliche, was mein Leben ausmachen sollte: Freude und Glück, Hoffnung und Zuversicht.

Manchmal nehme ich mir aber auch einfach die Zeit und lasse Termine Termine sein. Mein Auto bleibt stehen und ich laufe von meiner Wohnung aus ins Büro, gut fünf Kilometer über Felder, durch den Kurpark in Bad Salzhausen. Ich freue mich. Und ich atme, höre dem Gezwitscher der Vögel zu: Sie tun das Lebensnotwendigste - Tag für Tag. Alles zu seiner Zeit. Ohne Stress und Hektik. Ohne Überforderung. Sie haben, was sie brauchen. Um das Unbesorgbare kümmern sie sich nicht. Dass sie leben, das bekamen sie geschenkt.

In der Tat: Wer sich zuviel sorgt und alles selber leisten will, wird unsensibel für Geschenke. Dem kann man nichts mehr schenken. Und das Ergebnis: Ein Leben mit den Enttäuschungen.
Wie arm viele Reiche sind, wie unheilbar viele Gesunde, wie hungrig oft Satte, wie tot viele Lebende.

Deshalb: Schaut die Vögel unter dem Himmel. Wenn Gott für sie sorgt, warum sollte er das nicht auch für mich tun? Warum sollte ich mir dann unnötig viel Sorgen und Stress machen.....



Autor: Gert Holle; Foto: Archiv - 29.8.2014
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