Von Dagobert Kohlmeyer, dpa
(Bonn/dpa) - Mit 4:2 hat das Hamburger Schachprogramm Deep Fritz
in Bonn einen klaren Sieg über Wladimir Kramnik gefeiert. Nach dem
Verlust der sechsten Partie am Dienstagabend musste der Weltmeister
aus Russland die Spielstärke des Rechners anerkennen. Kramnik hatte
zuletzt auch mit Schwarz noch einmal alles versucht, um das Match zu
drehen, wurde aber von Deep Fritz ausmanövriert.
Der Weltmeister wählte die scharfe Sizilianische Verteidigung und
ging damit volles Risiko. In dem offenen Schlagabtausch gewann Deep
Fritz einen Bauern und später die Partie. Nach viereinhalb Stunden
und 47 Zügen kapitulierte Kramnik gegen den Computer, der eine
unvorstellbare Rechenkraft besitzt. Pro Sekunde prüft Deep Fritz acht
bis zehn Millionen Stellungen. Dieser Gewalt konnte der Mensch in dem
Match nur seine Intuition entgegensetzen.
Das Vorhaben gelang nicht in jeder Partie. Eine Schlüsselrolle
hatte das zweite Spiel, in dem Kramnik ein einzügiges Matt übersah.
«Ich bin etwas enttäuscht, aber fühle mich der Maschine nicht
unterlegen», erklärte der Russe nach dem Wettkampf. Der Hamburger
Matthias Wüllenweber, einer der Väter von Deep Fritz, sagte
anerkennend: «Der Weltmeister hat uns Paroli geboten.» Kramniks Trost
sind 500 000 Dollar Honorar für das ungleiche Duell und die Tatsache,
dass er nicht der erste Weltmeister ist, der gegen einen
Schachcomputer verliert. 1997 unterlag Kramniks Vorgänger Garri
Kasparow in New York dem IBM-Rechner Deep Blue.
Nach der rasanten Entwicklung der Computer und dem deutlichen
Ergebnis des jetzt beendeten Zweikampfes trauen die Fachleute dem
Menschen künftig keinen Erfolg mehr gegen die Rechenmonster zu. Die
Veranstalter des Schachspektakels in der Bonner Bundeskunsthalle
zogen indessen eine positive Bilanz. Nicht nur in Deutschland hatte
der Wettkampf ein großes Medienecho, er sorgte auch weltweit für
großes Aufsehen. Die Besucherzahlen im Internet übertrafen alle
Erwartungen. Etwa zehn Millionen Menschen haben die Live-
Übertragungen der Partien zwischen Kramnik und Deep Fritz verfolgt.
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