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Von Elisabeth Werthern, dpa
(München/dpa) - Das 16. Jahrhundert mit seinen politischen Wirren
und Verschwörungen in dem reichen und unabhängigen Stadtstaat Lucca
bilden die Kulisse eines packend geschriebenen historischen Romans
von Constanze Wilken. Sie erzählt von der schönen «Tochter des
Tuchhändlers», die einem herzlosen Mann angetraut wird, sich in
dessen rechtschaffenen Soldatenbruder verliebt und - als ob das nicht
genug wäre - auch noch in einen heimtückischen Komplott des Vatikans
hineingezogen wird, der die Freiheit ihrer toskanischen Heimatstadt
erschüttert. In Wilkens geschickt aufgebauten und dennoch nie
unübersichtlichen Sittengemälde tummeln sich zahlreiche Figuren -
Repräsentanten einer aufregenden Zeit, in die sich die Autorin
gründlich vertieft hat.
Beatrice Rimortelli, Kind eines reichen Händlers und seiner
schönen deutschen Frau, ahnt noch nichts Böses, als man sie im Jahre
1525 dem reichen Erben Federico Buornardi zur Ehefrau gibt. Doch bald
offenbart der Gatte sein kaltherziges und berechnendes Wesen. Das
neue Heim der jungen Ehefrau verwandelt sich immer mehr zu einem
Gefängnis, zumal der freundliche Schwager Matteo nur allzu oft in den
Krieg für den deutschen Kaiser Karl V. gegen Frankreich ziehen muss.
Als ein Gesandter des Papstes in Lucca ermordet wird, fällt der
Verdacht auch auf Federico und seine Freunde, mit denen er sich
regelmäßig Ausschweifungen hingibt.
Für Beatrice wird das Leben an der Seite ihres Mannes
unerträglich, als ihre Eltern auf einer Reise über die Alpen ermordet
werden, und ein alter Freund der Familie, der päpstliche Sekretär
Alberto Mari, ebenfalls einem Anschlag zum Opfer fällt. Mari hatte
recht widerwillig im Auftrag des Vatikans einen Unbekannten ausfindig
machen wollen, der die stolze Stadt Lucca an den machtgierigen Papst
zu verraten bereit war. Dank einiger treuer Freunde gelingt Beatrice
die Flucht nach Rom, wo sie ihre vom eigenen Vater böswillig
entführte Tochter vermutet.
Hoch oben im kühlen Norden - in ihrer Heimat St. Peter-Ording -
hat sich Wilken ein brandheißes historisches Thema ausgesucht, das
genügend Stoff für eine spannende Geschichte liefert. Der Leser
erfährt einiges über die internationalen Verflechtungen in Zeiten des
Umbruchs, in denen Italien zersplittert und den Begehrlichkeiten
anderer Staaten ausgesetzt war. Er kann sich vorstellen, wie
gefährlich das Leben damals war, als eine Reise über die Alpen noch
einem russischen Roulette gleichkam. Und er vermag nachzuvollziehen,
wie selbst vermögende Frauen der Willkür ihrer Ehemänner ausgesetzt
waren. Sprachlich nicht eben originell, überzeugt das Debütwerk mit
einem überaus temporeichen und vielschichtigen Plot.
Constanze Wilken: Die Tochter des Tuchhändlers
Goldmann Verlag, München
Taschenbuch
596 S., Euro 9,95
ISBN 978-3-4424-6667-2
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