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Journal / Kultur
Kantig und kämpferisch - Der neue Bond-Film «Ein Quantum Trost»
Foto: Sony Pictures dpa
James Bond (Daniel Craig) in einer Szene von "Ein Quantum Trost" (undatierte Filmszene). Der neue Bond-Film feiert am 29.10.2008 in London Weltpremiere. Darin spielt Craig zum zweiten Mal den Geheimagenten.





Von Aliki Nassoufis, dpa

(Berlin/dpa) - Badehose trägt James Bond nicht mehr, Muskeln hat er immer noch. Daniel Craig hat in «Casino Royale» die Rolle des berühmten Agenten revolutioniert, jetzt kommt seine zweite Mission in die Kinos. Auf technischen Spielkram, den richtigen Drink und Miss Moneypenny verzichtet dieser Bond. Craig hat mit seinen stahlblauen Augen auch nicht mehr den Verführercharme eines britischen Gentleman, sondern ist ein kantiges Muskelpaket im Kampf gegen das Böse. «Ein Quantum Trost», der an diesem Mittwoch (29. Oktober) in London Weltpremiere und am 3. November in Berlin Deutschlandpremiere feiert, knüpft an den Vorgänger an und beginnt inhaltlich dort, wo «Casino Royale» vor zwei Jahren aufhörte. Bond will diesmal herausfinden, wer hinter dem Verrat an seiner großen Liebe Vesper steckt.

Dies nimmt der gebürtige deutsche Regisseur Marc Forster («Monster's Ball») als Ausgangspunkt, um 007 um die halbe Welt zu schicken. Der Agent kämpft in «Bond 22» einmal mehr an unterschiedlichsten Schauplätzen weltweit - mal in Italien, mal in Haiti, dann wiederum in Bolivien oder bei einem Opernabend in Bregenz, für den Regisseur Forster 1000 Statisten in Abendkleidung steckte. Selbst wenn «Ein Quantum Trost» dabei mit gerade einmal 103 Minuten der kürzeste Bond-Film aller Zeiten ist, so ist die Geschichte im Detail doch recht komplex.

Nach einigen Verwicklungen kommt Bond dem rücksichtslosen Geschäftsmann Dominic Greene (Mathieu Almaric) auf die Spur. Greene engagiert sich zwar nach außen für den Umweltschutz. In Wahrheit jedoch ist er treibende Kraft der Organisation «Quantum» und betreibt im Geheimen damit schmutzige Geschäfte. Er will die Natur Boliviens aus dem Gleichgewicht bringen, eine Dürre erzeugen und so viel Geld in die eigenen Taschen spülen lassen.

Mathieu Almaric, der zuletzt als fast vollständig gelähmter Journalist und Lebemann in «Schmetterling und Taucherglocke» zu sehen war, trumpft dabei als Bonds ebenbürtiger Gegenpart auf. Dieser Widersacher ist ein unberechenbarer Geschäftsmann auf globalem Parkett und erwartungsgemäß nicht leicht zu greifen. Zu geschickt wickelt er mit Hilfe seines Assistenten Elvis (gespielt vom Wahl- Berliner Anatole Taubman) immer mehr Mitspieler um seine Finger, so dass seine Ziele und Geschäfte erst nur schwer zu durchschauen sind. In gewisser Weise wird «Ein Quantum Trost» so zum Spiegel der Unsicherheiten unserer Zeit, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse längst nicht mehr so klar verlaufen wie während des Kalten Krieges.

Auch mit seinen inneren Konflikten erinnert Bond mehr an moderne Filmhelden wie etwa kürzlich Batman in «The Dark Knight». Der Verlust seiner Liebe Vesper nagt an 007 und treibt ihn fast manisch voran, so dass er sich irgendwann sogar den Anweisungen seiner Chefin M. (Judi Dench) widersetzt und den Mörder Vespers auf eigene Faust jagt. Unterstützt wird er dabei von dem neuen Bond-Girl Camille (Olga Kurylenko), die ebenfalls nach persönlicher Rache sinnt.

Bis zum Showdown in der Flammenhölle bietet «Ein Quantum Trost» aber natürlich zahlreiche, extrem schnell geschnittene Actionszenen. Ob Bond in schwindelerregender Höhe von Dach zu Dach springt, mit einem kleinen Fischerboot atemberaubende Stunts vollführt oder gleich in der Eröffnungssequenz über enge, kurvige Straßen am Berghang rast - stets wirken diese Verfolgungen authentisch und handgemacht und lassen Craigs Körpereinsatz sowie seine Verletzungen während des Drehs erahnen. Dabei wirkt «Ein Quantum Trost» zwar streckenweise etwas zu glatt poliert, dem Vergnügen als rasantes, cleveres und zeitgemäßes Actiondrama steht das aber nicht im Weg. Vom 6. November an wird der Film in deutschen Kinos zu sehen sein.

Internet: www.ein-quantum-trost.de

Auf den Spuren von Gert Fröbe: Anatole Taubman bekämpft James Bond
Foto: Sony Pictures dpa
Der Schauspieler Anatole Taubmann in einer Szene von "James Bond - Ein Quantum Trost" (undatierte Filmszene). In dem neuen James Bond Film spielt der 36-Jährige den Handlanger und Cousin des Oberbösen.


Von Wolf von Dewitz, dpa

(Berlin/dpa) Soviel ist klar: Anatole Taubman wird scheitern. Er wird James Bond nicht aufhalten können. Als Leinwand-Schurke wird er das Duell mit dem berühmtesten Geheimagenten der Welt nicht überstehen. Im wirklichen Leben scheint der Schweizer Schauspieler, der seit knapp zehn Jahren in Berlin lebt, derzeit alles richtig zu machen. In dem neuen 007-Film «Ein Quantum Trost» ist der 36-Jährige als Handlanger und Cousin des Oberbösen bald weltweit vor Millionenpublikum zu sehen. Bis Ende Oktober steht er beim Dreh des Sönke-Wortmann-Films «Die Päpstin» als intriganter Geistlicher vor der Kamera. Und obendrein bekam er den eidgenössischen «Prix Walo» als «bester Schweizer Schauspieler 2007».

Deutschsprachige Gegenspieler haben in der Welt von James Bond Tradition. Gert Fröbe («Goldfinger», 1964), Klaus Maria Brandauer («Sag niemals nie», 1983) und Gottfried John («Goldeneye», 1995) traten gegen 007 an. Inzwischen sind die Rollen deutscher Gegenspieler auf Mini-Parts geschrumpft. Zuletzt huschte Clemens Schick in «Casino Royale» mit grimmigem Gesichtsausdruck durchs Bild.

In dem neuen Bond-Film verkörpere er keinen eindimensionalen Schläger, sagt Taubman. «Ich spiele eine schillernde und schräge Figur namens Elvis, der Cousin und Handlanger vom Oberbösen Dominic Green ist.» Elvis nehme sich viel zu ernst und sei dadurch auch ein «komödiantisches Ventil». Das besondere an der Rolle sei auch, dass er mit Oberfiesling Mathieu Amalric vor der Kamera nicht nur über 007, sondern auch über Alltagsthemen parliere. Mehr will er über seinen Part gar nicht verraten. «Das ist alles noch unter Verschluss», sagt er. Vier Monate war er für den Dreh in Panama, London und Bregenz.

Das Duell mit James Bond ist für ihn der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere als Leinwand-Böser. Er war schon als muslimischer Terroristenführer («Fay Grim», 2006), serbischer Kriegsverbrecher («Waking the Dead», 2008) und fanatischer Kosovo-Albaner in «Mörderischer Frieden» (2007) zu sehen. «Ich kann jeden europäischen Akzent im Englischen ziemlich glaubhaft nachmachen», erklärt er, warum er als Böser aus fernen Ländern herhalten muss. Er kämpfte vor der Kamera gegen US-Soldaten, Bosnier und die Bundeswehr. Nun also Bond, James Bond.

Den Begriff Leinwand-Schurke hört er nicht gern. «Ich spiele auch viele Sympathieträger», meint er. In «Chanel & Stravinsky The Secret Story» steht er alsbald als Chanels Geliebter vor der Kamera. Unter der Regie von Tom Hanks spielte er 1999 einen KZ-Überlebenden in der Serie «Band of Brothers». «Die Rolle war für mich ein Türöffner für internationale Produktionen.» Damals nahm er einige Kilo ab und blieb damit seinem Prinzip des «Method Acting» treu, also des realitätsnahen Verinnerlichens einer Rolle.

«Ich würde fast alles machen für eine Rolle», meint er. Seine Gesundheit ließe er sich allerdings nicht ruinieren, schließlich habe er Familie. Taubman ist seit 2001 mit Schauspielerin Claudia Michelsen («42 plus») liiert. Die beiden haben zwei Töchter.

Taubman ist der Inbegriff eines Multi-Kulti-Künstlers in Zeiten der Globalisierung. Er stammt aus einer Familie mit polnischen, russischen und slowakischen Wurzeln, wuchs in London und in Zürich auf. Dass er trotz 50 Film- und Serienrollen in nur zehn Jahren in Deutschland nicht allzu bekannt ist, liegt auch an seinem internationalen Werdegang: Nach der Ausbildung an einer Schauspielschule in New York spielte er in Produktionen aus halb Europa und den USA mit. Dadurch war er in der hiesigen TV-Landschaft nicht allzu oft zu sehen.

«Ich würde gerne mal in einem Rosamunde-Pilcher-Film mitmachen», sagt Taubman plötzlich und lacht. «Ich habe gehört, da dreht man von morgens neun bis um 15.00 Uhr. Das ist doch toll. Bei vielen Low- Budget-Produktionen arbeitest du 18 Stunden am Tag und bekommst wenig Geld.» Allerdings würde er als Ex-Bond-Bösewicht wohl kaum als unglücklich verliebter Graf besetzt werden.

Daniel Craig: Blonder James Bond mit Mut zur Schwäche
Foto: Daniel Deme dpa
James-Bond-Darsteller Daniel Craig (Archivfoto vom 13.04.2008). Der neue Bond-Film "Quantum of Solace" feiert am 29.10.2008 in London Weltpremiere. Darin spielt Craig zum zweiten Mal den Geheimagenten.


(London/dpa) - Blond statt braun, mehr Mensch und weniger Supermann: Nicht nur in seiner Haarfarbe unterscheidet sich James- Bond-Darsteller Daniel Craig von allen fünf Vorgängern, die den Geheimagenten bislang auf der Leinwand verkörpert haben. Der 40- jährige Brite spielt die Figur des Schriftstellers Ian Fleming mit einer Eigenschaft, die von Sean Connery bis Pierce Brosnan kein anderer Bond-Darsteller so stark in den Vordergrund rückte - Schwäche. Craigs Bond zeigt Angst, empfindet glaubhaft Schmerz, macht Fehler und gibt sie sogar zu. Es war auch diese neue Facette der Filmfigur, die Craig an dem Rollenangebot reizte.

Schließlich war Craig für seine Vielseitigkeit bekannt, bevor er als 007 in den Dienst ihrer Majestät trat. In Großbritannien gilt er als Alleskönner. Craig spielte einen Drogendealer, einen Poeten, einen Psychopathen, einen Höfling und war im Action-Streifen «Tomb Raider» an der Seite von Angelina Jolie zu sehen. Für die Hauptrolle in dem Ian-McEwan-Thriller «Enduring Love» wählten ihn Londoner Filmkritiker zum besten britischen Schauspieler des Jahres 2004.

Craig wurde am 2. März 1968 in der Kleinstadt Chester an der Grenze zwischen England und Wales geboren und wuchs in der Beatles- Stadt Liverpool auf. Mit 16 verließ er die Schule, um in London am National Youth Theatre Schauspiel-Unterricht zu nehmen. Später studierte Craig an der renommierten Londoner Guildhall School of Music and Drama, wo er zu den Besten gehörte. Erste Stationen des Mimen waren nach Abschluss des Studiums verschiedene Londoner Bühnen, darunter auch das legendäre Old Vic.

Anfang der 90er Jahre war Craig kurz mit der Schauspielerin Fiona Loudon verheiratet. Später lebte er mehrere Jahre mit Schauspielerin Heike Makatsch zusammen. Derzeit ist er mit der Produzentin Satsuki Mitchell liiert.

Die Schwächen, die Craigs James Bond im Film zeigt, scheinen sich manchmal auch auf die Dreharbeiten zu übertragen: So hatte sich Craig mehrfach am Set verletzt - allerdings auch, weil er, so oft es geht, auf Stuntmen verzichtet. So schnitt er sich einmal in den Finger, ein anderes mal fügte ihm ein Kollege eine Platzwunde im Gesicht zu.

Die James Bond-Filme in Zahlen
Fotos: dpa
Die Archivbild-Kombo zeigt die verschiedenen James Bond Darsteller: v.l. (oben) Sean Connery (Archivbild 1983), George Lazenby (Archivbild 1969), Roger Moore (Archivbild 1983), (unten) Timothy Dalton (Archivbild 1988), Pierce Brosnan (Archivbild 2002) und den letzten 007-Agenten Daniel Craig (Archivbild 09.02.2005). Der neue Bond-Film "Ein Quantum Trost" feiert am 29.10.2008 in London Weltpremiere. Darin spielt Craig zum zweiten Mal den Geheimagenten.


(Hamburg/dpa) - Seit 46 Jahren jagt James Bond, alias «007», Bösewichte über die Kinoleinwände. Mit seinen Sprüchen, Liebschaften und modernen Waffen wurde der britische Geheimagent zum Kult. Die James-Bond-Filme von 1962 bis 2006 in Zahlen:

- Der bislang erfolgreichste Bond-Streifen «Casino Royale» (2006) hatte ein Budget von rund 150 Millionen Dollar. Der erste Film «007 jagt Dr. No» kostete die Produzenten 1962 nur etwa 1 Million Dollar.

- In diesem Jahr wäre der Erfinder von Bond, Ian Fleming (1908-1964), 100 Jahre alt geworden. Er schrieb 14 Romane über den Agenten mit der Lizenz zum Töten.

- Filmexperten bezeichnen 54 Schauspielerinnen als «Bondgirls». Insgesamt soll der Agent etwa 80 Frauen verzückt haben. Zu ihnen gehören Ursula Andress, Jane Seymour oder Halle Berry. Doch nur mit einer Frau macht er Ernst: In «Im Geheimdienst ihrer Majestät» (1969) heiratet er Tracy, die auf dem Weg in die Flitterwochen erschossen wird.

- Auf seinen Reisen verschlug es Bond in mehr als 40 Länder - darunter viele exotische Ziele wie die Bahamas, Hongkong oder Thailand. Auch den Weltraum besuchte «007». In Deutschland wurden Szenen aus «Octopussy» (1983) und «Der Morgen stirbt nie» (1997) gedreht.

- James Bond fuhr in den Filmen mindestens 29 Autotypen, die über ungewöhnliche Extras wie Raketenwerfer oder einen Schleudersitz verfügten. Der «Lotus Esprit» fuhr auch unter Wasser, andere Sportwagen konnten sich unsichtbar machen. Als Bond-Klassiker gilt jedoch der «Aston Martin DB5».

- Für einen solchen Sportwagen zahlte ein Schweizer vor zwei Jahren knapp 2,1 Millionen Dollar (1,7 Millionen Euro). Sean Connery fuhr den «Aston Martin DB5» in «Goldfinger» und «Feuerball».

- 5 Bonds bestellten ihren Wodka Martini «Geschüttelt, nicht gerührt». Der sechste, Daniel Craig, antwortet auf die entsprechende Frage des Barkeepers: «Sehe ich so aus, als ob mich das interessiert?»

- Sean Connery und Roger Moore verkörperten den Agenten am häufigsten. Sie spielten ihn jeweils 7 Mal.

- Einer der bekanntesten Bösewichte, «Beißer», ist mindestens 2,20 Meter groß. Der US-Schauspieler Richard Kiel verfolgte Bond mit seinem metallenen Gebiss in «Der Spion, der mich liebte» (1977) und «Moonraker» (1979).


Autor: Korrespondenten der dpa - 28.10.2008
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