 |
Der Rockmusiker Peter Maffay sitzt mit einer Gitarre vor einem Schlagzeug in einer Halle auf dem Maimarktgelände in Mannheim (Archivfoto vom 11.04.2007). Maffay (58) gehört zu Deutschlands erfolgreichsten Rockmusikern. Seit rund vier Jahrzehnten ist der in Rumänien geborene Musiker im Geschäft, gilt als Dauerbrenner in den Charts und Konzerthallen. Zwölf Nummer-Eins-Alben stehen auf Maffays Konto, mit seinen Shows füllt er regelmäßig große Hallen. Zwischen den einzelnen Alben nimmt sich der auf Mallorca lebende Musiker immer wieder Zeit für andere Projekte. So sind seit seinem Album "Laut und Leise" inzwischen drei Jahre vergangen. Jetzt steht er wieder im Studio, will in wenigen Monaten ein neues Werk vorlegen.
(Hamburg/dpa) - Peter Maffay (58) gehört zu Deutschlands erfolgreichsten Rockmusikern. Seit rund vier Jahrzehnten ist der in Rumänien geborene Musiker im Geschäft, gilt als Dauerbrenner in den Charts und Konzerthallen. Zwölf Nummer-Eins-Alben stehen auf Maffays Konto, mit seinen Shows füllt er regelmäßig große Hallen. Zwischen den einzelnen Alben nimmt sich der auf Mallorca lebende Musiker immer wieder Zeit für andere Projekte. So sind seit seinem Album «Laut und Leise» inzwischen drei Jahre vergangen. Jetzt steht er wieder im Studio, will in wenigen Monaten ein neues Werk vorlegen. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa in Hamburg sprach Maffay über die CD und die etwas andere Tour, die bald folgen soll.
Sie stecken mitten in den Arbeiten zu Ihrem neuen Album. Was erwartet die Fans auf der CD?
Maffay: «Es wird ein sehr persönliches Album und nach drei Jahren mal wieder eine ganz "normale" Maffay-CD. Mein dazwischen erschienenes Album "Begegnungen- Eine Allianz für Kinder" war ein Projekt, für das ich mit Musikern aus anderen Ländern zusammengearbeitet habe. Aber seit "Laut und Leise" hat sich einiges an Liedern und Texten angesammelt, deshalb ist es an der Zeit für etwas Neues. Es wird mal wieder Zeit für Maffay pur.»
Suchen Sie gezielt nach anderen Projekten und nach längeren Pausen zwischen den «normalen» Maffay-Alben?
Maffay: «Oftmals ergibt sich das zufällig. Aber ich empfinde es als großen Luxus, immer wieder mal auf ein anderes Gleis springen zu können. Ich kann mich ohne musikalische Grenzen austoben und mit Kollegen zusammenkommen, die Musik anders auffassen und praktizieren - das ist klasse! Die Symbiose daraus sorgt oft für sehr spannende Ergebnisse. Alles das schafft zudem Pausen von sich selbst.»
Ihre Fans dagegen warten schon längst wieder auf neue Songs. Setzt Sie diese große Erwartungshaltung nicht unter Druck?
Maffay: «Ich habe, glaube ich, genügend Ideen im Kopf, die ich umsetzen will. Und wenn ich dann von einem anderen Projekt zurückkomme, ist die Konzentration umso größer. Ideen für neue Songs sammle ich ja immer - egal, womit ich gerade beschäftigt bin.»
Fließt in die Texte Ihrer Lieder viel von Ihnen selbst ein oder vertrauen Sie in diesem Punkt ganz professionellen Textern? Welchen Einfluss haben Sie?
Maffay: «Jeden! Es gibt keinen Text, den ich singe, ohne dass ich einen Bezug dazu habe. Sehr viele dieser Inhalte entstehen aus Aufzeichnungen, die ich im Lauf der Zeit aufschreibe. Dann setze ich mich mit Textern zusammen und wir reden uns den Mund fusselig. Wenn man eine Melodie schreibt, steckt der Inhalt meistens schon drin. Man muss nur noch einmal analysieren, in welcher Situation, aus welchem Grund man es komponiert hat.»
Das Schreiben selbst aber vertrauen Sie dann Ihren Textern an...
Maffay: «Ja, sie formen dann etwas daraus. Weder habe ich die Begabung noch die Geduld, mich hinzusetzen und so etwas zu verfassen. Außerdem mag ich es ganz gern, wenn Frauen meine Texte schreiben. Ihre Sprache ist anders, sie ist feinfühliger, raffinierter.»
Welche Richtung schlägt das Album denn musikalisch ein?
Maffay: «Es wird ein absolutes Rock'n'Roll-Album. Gitarrist Carl Carlton ist wieder mit in der Band, wir sind wieder vollständig. Die Spannbreite der Songs reicht von akustischen Liedern bis hin zu ziemlich harten Stücken. Die nächste Tour dürfte also sehr spannend werden, denn dann präsentieren wir diese Songs auch noch in ungewohnter Umgebung.»
Mit «Laut und Leise» sind Sie ja sowohl durch Clubs als auch durch die großen Hallen getourt. Wofür entscheiden Sie sich diesmal?
Maffay: «Aufgrund der Machart des Albums und weil wir es noch nie so durchgeführt haben, haben wir uns entschlossen, in Philharmonien und ähnlichen Konzerthäusern zu spielen. Gerade diese Nähe zum Publikum bei der letzten Clubtour hat uns dazu motiviert. Diese Venues sind zwar kleiner, aber immerhin spielen wir diesmal in rund 45 Orten. Wir hätten auch wieder in die großen Hallen gehen können. Aber wir gönnen uns und den Fans diesmal diesen Luxus.»
Warum sind diese Orte diesmal für Sie reizvoller als die großen Hallen und Arenen, in denen Sie wie üblich vor einem viel größeren Publikum spielen könnten?
Maffay: «Wir alle erhoffen uns von der akustischen Qualität eine Menge. Viele filigrane Details sind in einer großen Halle einfach nicht mehr hörbar. In großen Stadien spielt man Musik eben anders, man macht sie plakativer. In einer Philharmonie ist das ganz anders, da verliert sich viel weniger. Der Genuss beim Spielen und beim Zuhören dürfte deutlich größer sein. Das wird echter Rock'n'Roll!»
Bei Ihren Konzerten stehen auch die Musiker auf der Bühne, die zu Udo Lindenbergs Panikorchester gehören. Sie beide selbst kennen sich schon lange - was sagen Sie zu seinem erfolgreichen Comeback?
Maffay: «Was dem Udo da gelungen ist, finde ich unglaublich klasse! Ich gönne ihm das aus tiefstem Herzen - das hat er lange schon verdient. Diese ganzen Vorurteile, diese Verfallsdatumserklärungen - da hat er die Leute, die so dachten, wunderbar an der Nase herumgeführt. Diese kleine Schadenfreude, die ich bei ihm sehe, kann ich nachempfinden.»
Mit seiner CD führt er die Charts an, Sie selbst haben zahlreiche Nummer-Eins-Alben gelandet. Kann für einen Musiker wie Sie nur die Spitzenposition das Ziel sein?
Maffay: «Es gibt nichts geileres als die Nummer Eins! Wir Musiker sind gewissermaßen alle Sportler und versuchen, die Spitze zu erreichen. Aber einen sich einstellenden Automatismus zu erwarten, ist höchst gefährlich! Vor so etwas kann ich nur warnen!»
Auch Jungspunde wie die Kandidaten der Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» (DSDS) hat Lindenberg auf die Plätze hinter ihm verwiesen. An der Sendung hatten Sie erst jüngst Kritik geübt...
Maffay: «Ich habe die verbalen Ausrutscher bei DSDS kritisiert. Die sind absolut unkonstruktiv, unnötig und in höchstem Maße respektlos. Das gilt übrigens für dort ebenso wie für eine Bundestagsdebatte, in der die Politiker mit Beschimpfungen aufeinander losgehen. Ich will nicht den Saubermann herauskehren, aber ich denke, dass dieser Impuls in unserer Gesellschaft eines bewirkt: Dass die Schwelle für so etwas immer weiter sinkt, dass Beleidigungen zur Alltäglichkeit werden, daraus Aggressionen wachsen und sich die Kette immer so fortsetzt.»
Würden Sie denn Ihrem vierjährigen Sohn Jaris später erlauben, bei solch einer Show mitzumachen?
Maffay: «Wenn es sein Wunsch wäre, würde ich mich dem nicht in den Weg stellen. Aber ich würde ihm Tipps geben, wie er sich verhalten soll. Und ich würde ihm sagen: "Du hast gewisse Rechte, Du musst Dir nicht alles bieten lassen!" Diese jungen Kandidaten sind doch meistens gar nicht in der Lage, sich zu wehren. Da steht ein junger Mensch vor einem manchmal abgebrühten Konsortium von Leuten, die ihm mit all der Macht ihrer gemachten Erfahrungen und der dicken Haut, die sie sich zugelegt haben, gegenübertreten.»
Sie stehen seit rund 40 Jahren auf der Bühne. Können Sie sich überhaupt vorstellen, jemals nicht mehr aufzutreten?
Maffay: «Doch, wenn ich irgendwann mal nur noch mit Gehhilfen auf die Bühne komme, dann wäre es wohl höchste Zeit! Aber im Moment sehe ich das überhaupt nicht. An Abschied denke ich noch lange nicht! So wie wir spielen, wie es Spaß macht, wie es funktioniert - da stellt man sich diese Frage nicht. Ich sehe nur die ganzen Projekte, die ich noch vorhabe. Ich habe immer häufiger das Gefühl, dass mir die Zeit davonläuft. Vor 20 Jahren habe ich gesagt: Was kratzt mich der nächste Tag?! Inzwischen kratzt er mich immens!»
Interview: Dorit Koch, dpa
|
 |