Information des sächsischen Staatsministeriums für Justiz:
Der sächsische Justizminister Geert Mackenroth hat eine innovative Alternative zum herkömmlichen Strafvollzug für Jugendstrafgefangene auf den Weg gebracht.
Das neue sächsische Jugendstrafvollzugsgesetz hat dafür die Grundlage gelegt. Mit dem Verein Prisma e.V. hat das Sächsische Staatsministerium der Justiz nun einen geeigneten freien Träger für das Projekt gefunden. Der Verein betreibt mit dem „Seehaus Leonberg“ bereits seit über fünf Jahren in Baden-Württemberg ein ähnliches Projekt mit großem Erfolg. Nach der vorliegenden Konzeption sollen in Sachsen junge Gefangene im Alter von 14 bis ca. 23 Jahren aufgenommen werden, die zu einer Jugendstrafe verurteilt worden sind. Die Einrichtung wird schrittweise aufgebaut. Im Endausbau sollen bis zu 20 Gefangene untergebracht werden. Prisma e.V. ist derzeit auf der Suche nach einer geeigneten Immobilie im Freistaat.
„Jugendliche Straftäter sollen außerhalb von Justizvollzugsanstalten einen strukturierten Alltag mit klaren Regeln und in gegenseitigem Respekt erfahren. Das wird für viele der Gefangenen wahrlich kein Zuckerschlecken werden. Aber diese Erziehungsstätten bieten eine Chance auf ein Leben ohne Straftaten. Schon das lohnt die Anstrengung. Wir wollen zudem kriminelle Karrieren von Jugendlichen möglichst frühzeitig unterbrechen. Das schafft unmittelbar Sicherheit für die Bürger in Sachsen“, erklärte der Minister in Dresden.
In einer Einrichtung ohne Mauern und Gittern werden die Jugendstrafgefangenen in familienähnlichen Strukturen intensiv betreut. Die Gefangenen lernen, oft zum ersten Mal, wie ein geordnetes und von Respekt und Vertrauen geprägtes Zusammenleben aussieht. Durch einen konsequent durchstrukturierten Tagesablauf mit Sport, schulischer oder beruflicher Ausbildung und sozialem Training werden sie kontinuierlich gefördert – aber auch gefordert. Sie müssen Verantwortung füreinander übernehmen, für andere da sein und sich gegenseitig helfen. Auch gemeinnützige Arbeit und die Wiedergutmachung des von ihnen angerichteten Schadens sind Bestandteil des Jugendstrafvollzuges in freien Formen. Nach der Entlassung werden die Gefangenen während einer Übergangsphase weiter begleitet, das vermeidet soziale und berufliche Anpassungsschwierigkeiten und einen Rückfall in die Kriminalität.
Diplom-Sozialpädagoge Tobias Merckle, Leiter einer bundesweit beachteten Modelleinrichtung in Baden-Württemberg und Geschäftsführer des Vereins Prisma e.V: "Wir freuen uns, dass wir auch in Sachsen die Möglichkeit bekommen, straffällige Jugendliche auf ein Leben ohne Straftaten vorzubereiten und ihnen helfen können, ihre Potentiale zu entwickeln, so dass sie sich positiv in die Gesellschaft einbringen können."
Internet
www.prisma-jugendhilfe.de
Das Seehaus Leonberg wurde 2007 als einer von 365 Orten von der Bundesregierung und dem BDI als "Ort im Land der Ideen" ausgewählt.