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Öffentlich geförderte Arbeit für alle Langzeit-Arbeitslosen - Bischof Ackermann im Interview mit der Saarbrücker Zeitung
10.2.2010
(Saarbrücken/Trier/bt) – „Wo die Gesellschaft Menschen zentrale Gestaltungsmöglichkeiten wie die Existenzsicherung durch Arbeit vorenthält, muss der Staat eingreifen." Das hat der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann in einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung erklärt. Bischof Ackermann spricht sich in dem am 6. Februar veröffentlichten Beitrag für mehr öffentlich geförderte Arbeit aus. Der Mensch verwirkliche sich wesentlich in Arbeit und brauche sie, um Mensch zu sein. Ein-Euro-Jobs erreichten das Ziel einer dauerhaften Arbeit in der Regel nicht. Die Arbeitslosen mit Ein-Euro-Jobs, die auf Weiterbeschäftigung hofften, würden enttäuscht.

Die Arbeitsmarktpolitik der letzte Jahre habe das Kernproblem fehlender Arbeitsplätze ausgeblendet. Die zeitliche Begrenzung der bisherigen Förderinstrumente erzeuge einen Drehtüreffekt: „Der Langzeitarbeitslose erhält Arbeit, wird aber nicht übernommen und wird wieder arbeitslos. Dieses Spiel beginnt dann neu und wird endlos fortgesetzt. Das ist demotivierend und menschenunwürdig", kritisiert Bischof Ackermann.

Bischof Ackermann fordert für alle Langzeitarbeitslosen den Zugang zu öffentlich geförderten Beschäftigungen. „Jeder Langzeitarbeitslose ist schwer vermittelbar", erklärt Ackermann. Die Angst von Handwerksmeistern, die Arbeitslosenprojekte und Beschäftigungsbetriebe würden ihnen Arbeit wegnehmen, habe sich längst als nicht berechtigt aufgelöst. Vielmehr sollten alle Arbeitgeber die Instrumente für die dauerhafte Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen nutzen können, ob öffentlich, gemeinnützig oder gewerblich. „Dann könnte man Arbeitslosenprojekte und Beschäftigungsbetriebe nicht mehr als unlautere Konkurrenz verunglimpfen", sagte Ackermann der Saarbrücker Zeitung. Sinn mache die Schaffung von öffentlich geförderter Arbeit „überall". Als Beispiele nennt Bischof Ackermann die „lokale Ökonomie mit ihren Dorfläden", es gäbe gute Ansätze bei haushaltsnahen Dienstleistungen und „große Potenziale bei der Betreuung alter und kranker Menschen."

Im Saarland seien etwa 8000 bis 9000 Menschen länger als zwei Jahre arbeitslos. In diesem Umfang müsste für öffentlich geförderte Beschäftigung gesorgt werden. Nach Berechnungen der „Aktion Arbeit" des Bistums Trier würde eine öffentlich geförderte Beschäftigung von einer Million Langzeitarbeitslosen die öffentlichen Haushalte bundesweit durch Einsparungen bei Hartz IV und durch Steuermehreinnahmen um 2,6 Milliarden Euro entlasten.

Bischof Ackermann sieht Bund, Kommunen und Länder in der Pflicht zur Förderung eines solchen Beschäftigungssektors. „Leider lässt eine vor kurzem erlassene Verordnung des Bundes ein Auslaufen des Programms „JobPerspektive" befürchten, mit dem die Tür für eine dauerhafte Beschäftigung geöffnet worden war", befürchtet Bischof Ackermann hier eine „krasse Fehlentwicklung".


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