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Bei Londons ältestem Hutmacher kaufen Madonna, Prinz Charles und 007-Bei Londons ältestem Hutmacher kaufen Madonna, Prinz Charles und 007

GlaubeAktuell ist ein tagesaktuelles, unabhängiges Nachrichtenmagazin. Es bietet Themen aus aller Welt, Sport, Politik, Wirtschaft, Kultur. Hintergründe zu Religion, Ethik, Glaubensfragen, PredigtBei Londons ältestem Hutmacher kaufen Madonna, Prinz Charles und 007
Bei Londons ältestem Hutmacher kaufen Madonna, Prinz Charles und 007


Annika Sehl, dpa


(London/dpa) - Große weiße Hutschachteln stapeln sich bis unter
die Decke. Dazwischen hängen Herrenhüte vom der legendären Melone bis zur Baseball-Kappe. Eine antike Standuhr schlägt elf Uhr. Es ist
gemütlich beim ältesten Hutmacher Großbritanniens, in der noblen
Londoner St. James Street direkt neben dem Palast von Prinz Charles.

Vermutlich hat sich nicht viel verändert, seit Schriftsteller
Oscar Wilde 1895 über die Türschwelle trat. «Er hat einen
Klappzylinder, eine Melone und einen breitkrempigen Filzhut gekauft.
Die Rechnung hat er aber nicht bezahlt», sagt Patrick Lamb von James
Lock & Co. Gut für das 1676 gegründete Traditionsgeschäft, dass die
meisten seiner Kunden eine bessere Zahlungsmoral haben. «Sir Winston Churchill, Jackie Kennedy, Prinz Charles, Charlie Chaplin, Sean
Connery, Pierce Brosnan und Axel Springer» - dem freundlichen Mr.
Lamb fällt ein Name nach dem anderen ein. Von Lord Nelsons Bestellung 1805 kurz vor der Schlacht von Trafalgar ist sogar noch eine Notiz vorhanden.

Schmunzeln muss Lamb besonders über eine Begegnung: «Ich hatte
gerade einen Kunden beraten, als die Tür aufging und eine Frau
hereinkam. Sie war klein und eher unauffällig. Ich habe den Kunden
zuerst zu Ende beraten und die Dame solange warten lassen. Danach
habe ich ihr einen Herrenhut verkauft». Die kleine Frau war Madonna,
der Hut für ihren Ehemann Guy Ritchie.

Bekannt ist das traditionelle Hutgeschäft aber vor allem für eins:
den Bowler Hat, die berühmte englische Melone. Bei Lock erlebte sie
ihre Geburtsstunde. Sie war 1850 eine Sonderanfertigung für William
Coke, einen fortschrittlichen Gutsherrn aus Ostengland. Er wünschte
sich einen Hut, der ihn beim Reiten vor überhängenden Zweigen
schützen sollte und eng am Kopf anlag, damit er nicht zu leicht
heruntergeweht werden konnte. Die Hutmacher Thomas und William Bowler entwarfen daraufhin ein gewölbtes Modell, das mit Schellack gehärtet war, und brachten es in die St. James Street, damit William Coke es dort persönlich begutachten konnte. Das tat er, indem er darauf
sprang. Der Hut hielt der Belastung stand und wurde gekauft.

Das fachgerechte Anpassen von Melonen und allen anderen harten
Hüten wurde durch eine französische Erfindung vereinfacht: den
«Conformateur». Die Vorrichtung wurde am Kopf angebracht und übertrug
dessen Konturen in Verkleinerung auf eine Karte. So konnte dem Hut
eine perfekte Passform gegeben und die Karte für künftige
Bestellungen aufbewahrt werden. Patrick Lamb zeigt stolz die Karten
von Prinzessin Diana, Charles de Gaulle und einigen mehr, die gerahmt
an der Wand hängen.

Um 1900 trug halb London Melone. Heute sieht man kaum noch
jemanden «mit Schirm, Charme und Melone» an Big Ben vorbeispazieren. «Aber Richter mögen sie noch gerne, und wir verkaufen auch noch welche», sagt Lamb.

Die Damenabteilung von Lock hat ihre Hochsaison jedes Jahr im Juni
vor dem Pferderennen in Ascot. «Die Damen kommen dann mit ihrem
Kostüm her und wir entwerfen nach ihren Wünschen einen Hut», sagt
Branka Faltin-Randell von der Damenabteilung. Der Preis ist exquisit
- wenn auch nicht so teuer wie ein Hut mit rasiermesserscharfer
Krempe, der für den Killer Odd Job im James Bond-Film «Goldfinger»
gefertigt wurde. Seine Versteigerung erbrachte 1998 über 77 000 Euro.



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Annika Sehl, dpa


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