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Florettfechter Peter Joppich Weltmeister: «Das ist einfach Wahnsinn»-Florettfechter Peter Joppich Weltmeister: «Das ist einfach Wahnsinn»

GlaubeAktuell ist ein tagesaktuelles, unabhängiges Nachrichtenmagazin. Es bietet Themen aus aller Welt, Sport, Politik, Wirtschaft, Kultur. Hintergründe zu Religion, Ethik, Glaubensfragen, PredigtFlorettfechter Peter Joppich Weltmeister: «Das ist einfach Wahnsinn»
Florettfechter Peter Joppich Weltmeister: «Das ist einfach Wahnsinn»



Von Marc Zeilhofer, dpa


(Havanna/dpa) - Mit gerade einmal 20 Jahren hat Peter Joppich die
Reihe deutscher Fechtweltmeister fortgesetzt und eine Sportler-
Karriere im Zeitraffer gekrönt. Der Koblenzer Florett-Spezialist
wurde am Mittwochabend (Ortszeit) in Havanna WM-Champion durch ein
15:14 im Finale gegen Titelverteidiger Simone Vanni (Italien). «Das
ist einfach absoluter Wahnsinn. Das hätte ich mir selber nicht
träumen lassen», sagte Joppich nach seinem Coup. Die erst Einzel-
Medaille des Deutschen Fechter-Bundes (DFeB) in Havanna zehn Jahre
nach dem letzten Florett-Titel durch Alexander Koch in Essen soll
nicht sein letzter Erfolg sein. «Ich will die Mannschaft jetzt nicht
hängen lassen und mit ihr den Titel verteidigen», verkündete er.

Joppich hat schon so viele Siegerehrungen und Nationalhymnen
hinter sich, dass er den Fotografen und Kameraleuten gekonnt Modell
stand. Vor einem Jahr gehörte er zum Weltmeister-Team von Lissabon,
2001 wurde er als Junior Welt-, ein Jahr zuvor Europameister. Ganz
überraschen konnte der Sieg nicht nach einer Saison, in der die
Leistungskurve immer weiter nach oben zeigte. Joppich hatte Vanni
schon zwei Mal geschlagen, im Gesamt-Weltcup Rang drei belegt und mit
dem Weltcup-Turnier in Havanna vom Juni die WM-Generalprobe gewonnen.

Im Halbfinale hatte Joppich Bryce Guyart 15:12 besiegt. Der
französische Mannschafts-Weltmeister von 2001 hatte im Achtelfinale
Vize-Weltmeister Andre Weßels (Tauberbischofsheim) 15:14 bezwungen.
Gegen Vanni ließ sich Joppich nach einem 14:12 auch vom Ausgleich
nicht aus der Ruhe bringen und setzte nervenstark den entscheidenden
Treffer. «Als ob er den knappen Stand braucht, um sich noch besser
konzentrieren zu können», staunte Degen-Bundestrainer Jochen Behr.
«Lass es mal 10:14 stehen, da ist der immer noch nicht am Ende.»

Der 53-Jährige ist seit 1986 Bundestrainer und kann aus einem
Florett-Reservoir schöpfen, um das ihn alle Trainerkollegen beneiden.
Neben Routinier Ralf Bißdorf (32 Jahre) stehen die «Jungen Wilden»
Joppich (20), Weßels (21) und sein Neffe Dominik Behr (22) im Team.
Dazu kommt noch ein halbes Dutzend Talente, die ebenfalls in die
Mannschaft Team drängen. «Ich arbeite ausnahmslos mit guten Heim-
Trainern zusammen, die ich teilweise in der Olympia-Mannschaft von
1992 betreut habe», nennt Behr ein Erfolgs-Geheimnis.

Joppich sprang in die Bresche, als die ebenfalls hoch gewetteten
Bißdorf und Weßels ausgeschieden waren. Der Tauberbischofsheimer
Weßels hatte Pech mit einer schweren Auslosung: Im Achtelfinale war
Endstation. «Das hätte auch ein Gefecht um die Goldmedaille sein
können», sagte Behr. «Das waren alles Gegner, die mir nicht gelegen
haben. Aber so ist das Leben», meinte Weßels. Enttäuschend war
hingegen Bißdorfs 11:15 in der 2. Runde gegen den Österreicher Roland
Schlosser. Der Heidenheimer muss somit weiter auf seine erste WM-
Einzelmedaille warten. Nach einer durchwachsenen Saison strebt der
Olympia-Zweite die Teilnahme an den Spielen 2004 in Athen an.

Für die deutschen Säbeldamen wäre nach ansprechenden Leistungen
mehr drin gewesen. Im Achtelfinale scheiterten Sandra Benad
(Eislingen) und Stefanie Kubissa (Dormagen). Benad verlor gegen die
Weltranglisten-Erste Sada Jacobsen (USA) 12:15, Kubissa scheiterte an
der Kubanerin Ana Faex Mielin 10:15. Beide hatten bei ihren
Niederlagen ebenso wenig die Obmänner auf ihrer Seite wie Susanne
König (Tauberbischofsheim). Sie verlor in der Runde der letzten 32
gegen Faex Mielin nach einer 14:10-Führung noch 14:15.
Joppich Weltmeister - Behr: «Der Bursche ist nicht kaputt zu kriegen»
Von Marc Zeilhofer, dpa

(Havanna/dpa) - Der Kinofilm kurz vor der Abreise war kein
schlechtes Omen für die Weltmeisterschaft: Peter Joppich widerfuhr
auf Kuba kein «Fluch der Karibik». Der neue Florett-Weltmeister
verblüfft die Fachwelt mit seinem feinen Fechtstil und seiner
Nervenstärke. «Der Junge ist nicht kaputt zu kriegen», sagt
Bundestrainer Jochen Behr und Joppichs Heimtrainer Ulrich Schreck
meint: «Ich kenne keinen, der auf den Beinen und im Kopf so flink ist
wie er.»

Das ist bei einer für Fechter bescheidenen Größe von 1,76 m aber
auch nötig. Mit einer exzellenten Beinarbeit macht Joppich den
vermeintlichen Nachteil mehr als wett. «Da bin ich klar besser als
alle anderen», sagt der Koblenzer, der seinen Fechtstil als «eher
instinktiv» bezeichnet. Mit gerade einmal 20 Jahren legt er auf der
Planche eine Kaltschnäuzigkeit an den Tag, die er aber nach dem
letzten Treffer sofort wieder ablegt. «Das ist wohl angeborene
Einstellungssache», sagt Joppich so zurückhaltend, dass man ihm die
Selbsteinschätzung «Ich bin der Typ, der auf dem Boden der Tatsachen
bleibt» sofort abnimmt.

Seitdem er Soldat der Sportförderkompanie ist, hat er seine
Athletik mit täglich mehrstündigem Training gesteigert. «Bei der
Bundeswehr kann ich mich sehr professionell auf die Olympischen
Spiele in Athen vorbereiten», sagt Joppich und beeilt sich
hinzuzufügen: «Wenn ich mich überhaupt qualifiziere.» Das ist kein
kalkuliertes Understatement, sondern echte Bescheidenheit.

Der Rheinländer kam bereits als Fünfjähriger zum Fechtsport. 1988
verfolgte er die Olympischen Spiele von Seoul am Fernsehen und wollte
das auch machen. Rasch stellten sich Erfolge ein, im Bonner Fecht-
Internat erhielt Joppich dann den Feinschliff. Mutter Hilde und Vater
Peter wurden gleich nach dem Finale per Handy über den Triumph
informiert. Dass sie die größte Stunde ihres Sohnes am Fernseher und
nicht vor Ort verfolgten, wer weiß, wofür das gut war. Joppich:
«Meine Mutter ist immer so hibbelig.»

Von Wessel bis Joppich: Die deutschen Florett-Weltmeister
(Havanna/dpa) - Die Anzahl der deutschen Florett-Weltmeister hält
sich in Grenzen. Während die Damen Titel und Medaillen hamsterten,
hielten sich die Herren zurück. Peter Joppich (Koblenz) gewann 34
Jahre nach Friedrich Wessel erneut WM-Gold. Einen deutschen
Olympiasieger gab es noch nie: Ralf Bißdorf (Heidenheim) fehlte 2000
in Sydney ein Treffer.

Die deutschen Florett-Weltmeister:

1969 in Havanna: Friedrich Wessel
1970 in Ankara: Friedrich Wessel
1987 in Lausanne: Matthias Gey
1989 in Denver: Alexander Koch
1991 in Budapest: Ingo Weissenborn
1993 in Essen: Alexander Koch
2003 in Havanna: Peter Joppich




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dpa


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