Von Marc Zeilhofer, dpa
(Havanna/dpa) - Der Kinofilm kurz vor der Abreise war kein
schlechtes Omen für die Weltmeisterschaft: Peter Joppich widerfuhr
auf Kuba kein «Fluch der Karibik». Der neue Florett-Weltmeister
verblüfft die Fachwelt mit seinem feinen Fechtstil und seiner
Nervenstärke. «Der Junge ist nicht kaputt zu kriegen», sagt
Bundestrainer Jochen Behr und Joppichs Heimtrainer Ulrich Schreck
meint: «Ich kenne keinen, der auf den Beinen und im Kopf so flink ist
wie er.»
Das ist bei einer für Fechter bescheidenen Größe von 1,76 m aber
auch nötig. Mit einer exzellenten Beinarbeit macht Joppich den
vermeintlichen Nachteil mehr als wett. «Da bin ich klar besser als
alle anderen», sagt der Koblenzer, der seinen Fechtstil als «eher
instinktiv» bezeichnet. Mit gerade einmal 20 Jahren legt er auf der
Planche eine Kaltschnäuzigkeit an den Tag, die er aber nach dem
letzten Treffer sofort wieder ablegt. «Das ist wohl angeborene
Einstellungssache», sagt Joppich so zurückhaltend, dass man ihm die
Selbsteinschätzung «Ich bin der Typ, der auf dem Boden der Tatsachen
bleibt» sofort abnimmt.
Seitdem er Soldat der Sportförderkompanie ist, hat er seine
Athletik mit täglich mehrstündigem Training gesteigert. «Bei der
Bundeswehr kann ich mich sehr professionell auf die Olympischen
Spiele in Athen vorbereiten», sagt Joppich und beeilt sich
hinzuzufügen: «Wenn ich mich überhaupt qualifiziere.» Das ist kein
kalkuliertes Understatement, sondern echte Bescheidenheit.
Der Rheinländer kam bereits als Fünfjähriger zum Fechtsport. 1988
verfolgte er die Olympischen Spiele von Seoul am Fernsehen und wollte
das auch machen. Rasch stellten sich Erfolge ein, im Bonner Fecht-
Internat erhielt Joppich dann den Feinschliff. Mutter Hilde und Vater
Peter wurden gleich nach dem Finale per Handy über den Triumph
informiert. Dass sie die größte Stunde ihres Sohnes am Fernseher und
nicht vor Ort verfolgten, wer weiß, wofür das gut war. Joppich:
«Meine Mutter ist immer so hibbelig.»
