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Jahr der Nostalgie - Ü50-Bands dominieren Musikszene und machen Kasse
Von Patrick T. Neumann, dpa
(Hamburg/dpa) - Es war das Jahr der Nostalgie. Nicht die jungen
hippen Stars der gern so coolen Musikszene gaben den Ton an, sondern
die angegrauten Rocker von gestern. Die wiedervereinigten Ü50-Bands
Police und Genesis füllten mit ihren Tourneen 2007 weltweit die
Stadien, das Londoner Comebackkonzert von Led Zeppelin löste einen
Ansturm von 20 Millionen Fans aus, und die Eagles haben kürzlich mit
ihrem ersten Studioalbum seit 30 Jahren Platz eins der US-Charts
erobert.
Viele Millionen Fans geben offensichtlich gern 100 Euro und mehr
aus, um altbekannte Hits live zu hören - denn Neues hatten weder
Police noch Genesis zu bieten. Ein Rezept, mit dem die Rolling Stones
schon seit Jahren Kasse machen. Mit ihrer fast zweijährigen Welttour
«A Bigger Bang» nahmen die Rock-Opas rund 394 Millionen Euro ein und
übernahmen den Titel «erfolgreichste Tournee-Band» von U2, die auch
nicht zur Riege der ganz jungen Rockgruppen gehört.
Die großen Bands seien selbst zu Marken geworden, erklärt
Professor Udo Dahmen, Leiter der Popakademie Mannheim. «Der Megatrend
"Marke" ist ganz wichtig. Da wissen die Leute, was sie kriegen, auch
wenn sie dafür zum Teil horrende Preise bezahlen. Aber da wird man
kaum enttäuscht.»
Das war auch bei den großen, weltumspannenden Festivals so, wo die
Stars der 80er und 70er, ja sogar der 60er Jahre im Vordergrund
standen: Das Gedenkkonzert für Prinzessin Diana im Juli wurde von
Elton John (60) eröffnet, danach rockten seine Altersgenossen Rod
Stewart (62), Bryan Ferry (62) und Tom Jones (67) vor 70 000 Fans im
Wembley-Stadion. Die «Live Earth»-Reihe für den Klimaschutz nur eine
Woche später dominierten Sting (56) und Phil Collins (56) mit ihren
Bands sowie die auch nicht mehr ganz taufrische Madonna (49) und
Yusuf alias Cat Stevens (59).
Ein neuer, frischer Musiktrend ist derzeit nicht in Sicht. Zwar
kündigen sich für 2008 keine großen Wiedervereinigungen alter Rock-
Haudegen an, doch das größte Konzertereignis wird sicherlich die
Welttournee von Chanteuse Celine Dion werden, die nach fünf Jahren
Las-Vegas-Engagement wieder auf große Reise geht. «Wir müssen uns
auch klar darüber sein, dass in 50 Jahren Pop das Genre gewisse
Gesetzmäßigkeiten und Mechanismen entwickelt hat, die einfach
laufen», sagt Dahmen, der an der Popakademie angehende Musikstars und
Branchenprofis ausbildet.
Deshalb werde es auch immer schwieriger, etwas ganz Neues zu
entwickeln. «Die vergangenen fünf Jahre haben stark vom Retro-Trend
gelebt, da können ältere Bands mit ihren Pfunden wuchern», sagt er.
Die großen Trends entstünden eher so: «Bekanntes wird wieder
verarbeitet.» Das hieße aber nicht, dass nur stumpf recycelt werde.
«Man muss die Grundlagen kennen, aber dann etwas schaffen, das
unverwechselbar ist.»
Das haben etliche junge Bands und Musiker im kleineren Rahmen 2007
geschafft - gerade in Deutschland. «Culcha Candela waren erstmals in
den Top 10, Juli hatten eine sehr gute Tour, die Helden haben sich
mit ihrem dritten Album gefestigt und die Fantastischen Vier hatten
Erfolg mit Album und Tour. Der deutsche Trend hat sich verstetigt»,
sagt Dahmen. Gleichzeitig haben die Jungs von Tokio Hotel die
französischen Charts erobert und eine erfolgreiche Europatournee
gespielt. «Auch im deutschen Hip-Hop passiert sehr viel, das hat sich
etabliert» - vom aggressiv-proletenhaften Rap eines Bushido oder Sido
bis zum ironisch-augenzwinkernden Stil eines Jan Delay. «Und
international haben wir Amy Winhouse oder Mika, die tolle Musik
machen, oder auch die Babyshambles um Pete Doherty, die entgegen
aller Voraussagen ein beeindruckendes Album herausgebracht haben.»
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Patrick T. Neumann, dpa
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