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Stuttgart zeigt Retrospektive zu Max Bill - Vielseitiger Künstler
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Foto: Norbert Försterling dpa/lsw
(Stuttgart/dpa) - Eine Frau betrachtete am Donnerstag im Kunstmuseum Stuttgart das Ölgemälde "Konstruktive Komposition" des Schweizer Künstlers Max Bill (1908-1094) aus dem Jahre 1941, im Vordergrund sind die Skulpturen "Flächen im Raum" zu sehen. Eine Retrospektive mit über 200 Exponaten gibt vom 10. September 2005 bis zum 8. Januar 2006 einen umfassenden Einblick in das künstlerische Werk Max Bills.
(Stuttgart/dpa) - Der aus der Schweiz stammende Künstler und
Architekt Max Bill (1908-1994) wird im neuen Kunstmuseum Stuttgart in
einer großen Retrospektive mit mehr als 200 Einzelobjekten gewürdigt.
Vom 10. September bis zum 8. Januar 2006 sind unter anderem erstmals Bills in frühen Jahren entstandene Bilder zu sehen. Sein vielseitiges Werk umfasst Architektur, Skulptur und Design sowie Malerei, Grafik und Typografie. Dies sei die erste größere Rückschau auf das Werk seit 1987, sagte Museumsdirektorin Marion Ackermann am Donnerstag.
«Bill überschreitet die Grenzen der Gattungen immer wieder, hebt
diese jedoch niemals auf», sagte Ackermann. Bekannt ist der von den
Bauhaus-Künstlern Wassily Kandinsky, Paul Klee und Oskar Schlemmer
beeinflusste Bill vor allem als Vertreter der Zürcher Konkreten. Für
Bill war das Kunstwerk nicht aus der Natur abstrahiert. Er sah in
seiner Kunst vielmehr eine eigene Wirklichkeit aus Formen und Farben.
Gezeigt werden neben Skulpturen teils großformatige Bilder, die um
das Thema Farbrhythmen und Geometrie kreisen. Ergänzt wird die Schau von Bills Arbeiten der Werbung, Plakat- und Buchgestaltung. Nach
Stuttgart sind im kommenden Jahr Stationen in verschiedenen Städten
Brasiliens geplant. Anschließend geht die Schau auch nach Berlin,
nach Japan und in die Schweiz.
(Zur Ausstellung ist ein Katalog mit vielen farbigen Abbildungen im
Hatje Cantz Verlag zum Preis von 39,80 Euro erschienen)
Max Bill in Stuttgart - «Kunst als Gegenstand zum geistigen Gebrauch»
Von Ulf Mauder, dpa
(Stuttgart/dpa) - Nicht nur als Maler, Bildhauer, Architekt und
Designer lernen Kunstfreunde den gebürtigen Schweizer Max Bill (1908-
1994) im neuen Kunstmuseum in Stuttgart kennen. Auch der überzeugte
Linke und Antifaschist kommt in der Bill-Retrospektive deutlich zum
Vorschein. «Max Bill war kein Mitglied der kommunistischen Partei,
aber sehr weit links», sagt seine Witwe Angela Thomas Schmid. Die
Kunsthistorikerin will während der Sonderschau von diesem Samstag bis
8. Januar besonders diese «vielen Menschen noch unbekannte Seite des
Künstlers» herausgearbeitet wissen.
Bills Arbeit als Typograf für die linken und aufklärerischen
Blätter in der Zeit des Nationalismus nimmt dennoch nur einen kleinen
Teil der mit 200 Werken sehr umfangreichen Exposition ein. Es gibt
keine düstere Kunst, wie sie etwa andere vom Krieg verstörte Künstler
hervorgebracht haben, sondern durchweg Harmonie in der Sammlung. Der 1908 im schweizerischen Winterthur geborene Bill liebt Farben wie
Formen, mal rund, mal kantig. Ganz verschreibt er sich mathematischen
Gesetzen und geometrischen Formen. Auf drei Etagen hat das erst im
März eröffnete Museum Arbeiten dieses vielseitigen Mannes versammelt.
Am Eingang flimmert an der Wand ein riesiges Videoporträt des
schon ergrauten Künstlers mit Brille und dickem Bauch, gleich daneben
hängt eine Hommage Andy Warhols an seinen Kollegen. Wie viele
Vertreter der Zürcher Konkreten war auch Bill beeinflusst von den
Bauhaus-Künstlern wie Paul Klee und Wassily Kandinsky, deren Kurse er
in Dessau besuchte. Im ersten der drei Ausstellungssäle - dem
Laboratorium, wie Museumschefin Marion Ackermann sagt - sind erstmals frühe Teenager-Arbeiten mit ovalen und elliptischen Formen zu sehen.
Seine bekannten «Ulmer Hocker» mit Zitaten von Künstlerkollegen
stehen als Sitze verteilt im Raum, umgeben von riesigen Buchstaben-
Formen, mit denen der Typograf Bill zunächst Geld verdiente. Der
gelernte Silberschmied und Autodidakt entwickelt schnell eine eigene
Wirklichkeit aus Formen und Farben, wie Ackermann berichtet. Wie
andere Vertreter der Zürcher Konkreten abstrahiert er das Kunstwerk
nicht aus der Natur.
«Er verstand Kunst als Gegenstand zum geistigen Gebrauch, zum
logischen Nachvollziehen, auch wenn er dies nicht immer durchgehalten
hat», stellt die Kunstexpertin fest. Großen Raum erhält der
Mitbegründer der Ulmer Hochschule für Gestaltung als Architekt,
begeisterter Brückenbauer und Schöpfer eines Denkmals für den
unbekannten politischen Häftling, das nur als Modell existiert.
Zusammengetragen haben die Kuratoren in Zusammenarbeit mit dem
Tübinger Institut für Kulturaustausch außerdem von Bill gestaltete
Werbung, Plakate und Bücher. Kunstfreunde entdecken den Mann, der für sich zeitlose Gültigkeit beanspruchte, zudem als Designer von
bekannten Uhrenmarken, Stühlen, Tischen, einer Höhensonne und einer
Schreibmaschine. Weil er mit seinem Schaffen unter anderem auch die
konkrete Kunst in Brasilien beeinflusste, tourt die Bill-
Retrospektive anschließend durch mehrere brasilianische Städte. 1951
hatte er den Großen Preis auf der Biennale in Sao Paulo erhalten. In
den kommenden Jahren sind Stationen in Japan, Berlin und in der
Schweiz geplant.
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