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Griechischer Maler Jannis Kounellis wird 70 Jahre alt
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Foto: Gero Breloer
(Athen/dpa) - Der griechische Maler und Objektkünstler Jannis Kounellis (Archivfoto vom 30.04.1998) wird am kommenden Donnerstag 70 Jahre alt. Kounellis zählt zu den wenigen Künstlern Griechenlands, die seit den 60er Jahren eine ständige Aufmerksamkeit innerhalb der internationalen Kunstöffentlichkeit beanspruchen konnten.
Von Takis Tsafos, dpa
(Athen/dpa) - Der griechische Maler und Objektkünstler Jannis
Kounellis wird am nächsten Donnerstag (23. März) 70 Jahre alt. Er
zählt zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart, ist aber in
seinem eigenen Lande wenig bekannt.
Geboren wurde Kounellis am 23. März 1936 in der Hafenstadt Piräus.
Seine Jugend erlebte er in einer schwierigen Zeit für die Griechen.
Er wuchs in einer Gesellschaft auf, die aus einem blutigen
Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und Nationalisten (1947-1949)
herauskam.
Die Gewinner des Bürgerkrieges, die Konservativen, verfolgten
damals jeden der auch nur annähernd einen Kontakt mit den Verlierern,
den Kommunisten, gehabt haben könnte. Da sein Vater als Antifaschist
zu den Verlierern gehörte, sah Kounellis seine Zukunft «schwarz», wie
er mehrmals sagte. Er begann sein Studium an der Universität Athen.
Als 20-Jähriger entschied er sich, nach Italien auszuwandern, um mit
seiner Frau an der Accademia di Belle Arti von Rom zu studieren.
«Ich bin eine griechische Person, aber ein italienischer
Künstler», beschrieb er einmal seine Identität. Der Begriff Freiheit
spielte für ihn eine sehr wichtige Rolle. «Ich habe nie einen
Menschen getötet. Ich bin jedoch bereit einen zu töten, wenn es um
die Freiheit geht», hat Kounellis einmal geschrieben.
Sein Werk kann als Auseinandersetzung mit Sprache, Mythen,
Kulturgeschichte, politischen und ästhetischen Strukturen im Raum
verstanden werden. Kounellis schafft sinnliche Bilder aus Materialien
unterschiedlichster Herkunft. Fundstücke, Rohstoffe und präzise
gebaute Versatzteile verbinden sich zu buchstäblich vielschichtigen
Inszenierungen. Dabei verbindet und verschmilzt er seine Routen aus
der griechisch-römischen Antike mit der Gegenwart von Natur und
Technik, Leichtem und Schwerem in einem komplexen Netzwerk voller
Bezüge und Assoziationen.
Kounellis zählt zu den wenigen Künstlern Griechenlands, die seit
den 60er Jahren eine ständige Aufmerksamkeit innerhalb der
internationalen Kunstöffentlichkeit beanspruchen konnten. In
Deutschland wurde er mit seinem Beitrag für die Kasseler documenta
1982 bekannt: Die goldene Wand mit dem davor platzierten
Kleiderständer, an dem Hut und Mantel hingen, empfing als
großflächiges, verrätseltes Entree die Besucher der Ausstellung.
1990 ehrten Museen in Amsterdam und Den Haag den griechischen
Künstler, und 1991 gab ihm die Oper von Amsterdam Gelegenheit, sich
als Bühnenbildner zu präsentieren: Aus rußgeschwärzten Metallplatten
gestaltete Kounellis den Raum für Schönbergs Monodram «Die glückliche Hand» und Morton Feldmans «Neither». 1991 arbeitete er mit Heiner Müller für dessen Trilogie «Mauser», «Quartett», «Der Findling»
zusammen, die am Deutschen Theater in Berlin inszeniert wurde.
In seiner Heimat Griechenland ist der Künstler nicht sehr bekannt.
«Ich habe mal den Namen gehört. Ich weiß aber nicht, was der macht»,
sagte der als Kult-Barman geltende Giorgos Tzanettos in Athen.
Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag von Kounellis sind in seinem
Heimatland nicht geplant. Als im Mai 2005 die Universität
Thessaloniki Kounellis zum Ehrendoktor ernannte, war die Halle halb
leer, berichtete die Zeitung der Hafenstadt «Angeliaforos» und
kommentierte: «Wir wissen eben nicht, wie wichtig Kounellis
international ist. Es war sehr enttäuschend.»
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