WIR IM NETZ

Foto: Michael Guist
Foto: Michael Guist

Niemand lebt allein

Wie weit darf, ja muss ich gehen, wenn ich Ungerechtigkeiten sehe?  In dem Moment, in dem ich Verantwortung für andere trage oder übernehme, entsteht eine Situation, in der ich möglicherweise handel, ohne die Rückendeckung einer Mehrheit oder der Herrschenden hinter mir zu haben. Verantwortliches Handeln für andere entsteht in der konkreten Situation unter Abwägung der Konsequenzen. Kompass für das Abwägen ist das eigene Gewissen, das anzeigt, ob ich noch in Einheit mit mir selbst bin. Die Aufgabe kann es nicht sein, gegen jeden und alles zu opponieren, die Welt gleichermaßen revolutionieren zu wollen, sondern je nach Situation das Notwendige mit voller Kraft zu tun. "Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen", befand Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung, Band 8, Seite 34). Protest, nur um zu protestieren, erscheint allerdings nicht als sinnvolles Handeln, sondern eher als kontraproduktive Prinzipienreiterei. Wir leben innerhalb einer von Gottes Wort gestalteten und begrenzten Welt mit Herrschaftsstrukturen und Abhängigkeiten. Die Frage der persönlichen Freiheit ist dabei in einem übergeordneten Kontext zu betrachten. Wie weit sind die im Grundgesetz garantierten Freiheiten wie Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit usw. geeignet, die Freiheit des Lebens nach den Geboten Gottes zu fördern und sicher zu stellen? Die Kunstform der Satire kann nicht den Deckmantel für Beleidigungen, Schmähungen oder Ähnliches bieten, wenn dabei lediglich die Absicht des sich in den Vordergrundspielens durch unfaires Herabsetzen eines Anderen oder gar einer anderen Gesellschaft Antrieb des Handelns darstellt. Diese Form der Auseinandersetzung kann auch nicht mit dem Begriff der Freiheit gerechtfertigt werden. Denn der Begriff der Freiheit zielt in erster Linie auf die Verantwortung gegenüber dem Nächsten. Freiheit ist Verantwortung. Für diejenigen, die aufgrund ihres Berufes in Situationen geraten, in denen eine Abwägung schwierig erscheint, sei mit Bonhoeffer gesagt: "Gerade weil Beruf Verantwortung ist und weil Verantwortung eine ganze Antwort des ganzen Menschen auf das Ganze der Wirklichkeit ist, gibt es kein banausisches Sichbeschränken auf die engsten Berufspflichten; eine derartige Verschränkung wäre Verantwortungslosigkeit". (Dietrich Bonhoeffer: Konspiration und Haft 1940-1945, DBW Band 16, Seite 540).

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Kommentare: 12
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  • #8

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  • #12

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