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Foto: Michael Guist
Foto: Michael Guist

Gedanken zum Karfreitag – 14. April 2017: Der Weg der Befreiung und Erlösung

 

 

 

 

Von Gert Holle

 

Tatort Golgatha – ein Hügel außerhalb des antiken Jerusalem. Von den Einheimischen auch Ort des Schädels genannt. Pflichtbewusst führen Soldaten das aus, was ihre Oberen angeordnet haben. Drei Kreuze liegen bereit, auf die drei Menschen an Händen und Füßen festgenagelt werden. Gaffer amüsieren sich an diesen Grausamkeiten. Einige Andere stehen fassungslos etwas abseits. Ein Bild des Scheiterns. So scheint es. Der eine in der Mitte wird zur Zielscheibe von Hohn und Spott. Nackt hängt er an dem nun aufgerichteten Kreuz, während einige der Soldaten um seinen Rock zocken. Direkt unter ihm sitzen sie und würfeln - eiskalt. Über seinem Haupt eine Aufschrift in drei Sprachen, damit jeder lesen kann, für welches Vergehen der Gekreuzigte hingerichtet wird – in der Landessprache Hebräisch, in der Verkehrssprache Griechisch und in der Militärsprache Latein: „Jesus Nazarenus Rex Judaeorum.“ Am Kreuz hängt Jesus von Nazareth, der König der Juden. „INRI“. Das soll natürlich der Abschreckung dienen: Wer so etwas von sich behauptet, wird auch so enden! Aus römischer Sicht ein politisches Vergehen, möglicherweise der Beginn politischer Rebellion, die es im Keim zu ersticken gilt. Die Würfel sind längst gefallen: Jesus ist König, Jesus muss sterben. Sie setzen ihm eine Dornenkrone auf, quälen ihn zu Tode – mitten unter Sündern und Verbrechern. Und das einzige, was er an weltlichen Gütern hinterlässt, ist ein Rock, um den seine Häscher würfeln.

 

Was weder die Spötter, die Soldaten, noch seine Richter erkennen: Dieser König ist nicht gekommen, um politische Befreiung zu bringen, sondern Befreiung von Schuld. Er bringt seinem Volk nicht die Rückkehr zur politischen Unabhängigkeit von der römischen Besetzungsmacht, sondern er eröffnet ihm den Weg zurück zu Gott. Während die einen noch würfeln, ist der eigentliche Sieger schon längst ermittelt. Weil Jesus sein letztes Hemd für alle gegeben hat, weil er alle Stationen des Lebens, Leidens und Sterbens für uns erlitten und durchschritten hat, deshalb ist unser Leben nicht länger ein Glücksspiel, keine Frage des Verzockens und Verlierens. Der Weg Jesu – sein Kreuz – durchbricht die Spirale der Gewalt, ist der Weg der Versöhnung. Am Kreuz wird das Problem meiner Schuld gelöst. Jenseits aller Selbstverbesserungsversuche, die doch nicht zum Ziel führen; jenseits aller Versuche, mich selbst zu „entschuldigen“ oder Schuld überhaupt zu leugnen. Jenseits auch des Versuchs, anderen die Verantwortung für mein Verhalten aufzuladen, steht das Kreuz da als ein unverrückbares Pluszeichen. Hier ist das Thema Schuld ein für allemal bewältigt. Ich weiß: Jesus Christus starb für meine Schuld und nahm sie mit sich in den Tod. Und deshalb kann ich heute frei und mit erhobenem Haupt leben.

 

Jesus am Kreuz braucht kein Mitleid. Er möchte uns vielmehr vom Kreuz herab sagen: „Mit all deinen Fehlern und Schwächen, mit all deinen guten Seiten und Tugenden, aber auch mit all deiner Schuld umarme ich dich!“ So ist Golgatha genau das Gegenteil von einem Bild der Katastrophe. Gottes Weg in die Welt ist nicht gescheitert. Es ist der Weg der Befreiung und der Erlösung. Lebendig ist das Kreuz, das wir als Jesu Nachfolger tragen. Lebendig ist die Kraft der Liebe, wofür es in der ganzen Welt Zeichen gibt. Die Liebe kommt zu uns und sie geht von uns aus und mischt sich ein. So können wir den Karfreitag feiern, indem wir die Geschichte vom Kreuz in uns und in der Welt nachklingen lassen. Wir feiern am Karfreitag, dass Jesus sein Leben für uns aufs Spiel gesetzt hat und uns bis zum Ende geliebt hat. Schauen wir auf die Liebe, die uns in Jesu Leiden und in seinem Sterben am Kreuz begegnet. Betrachten wir Jesu ausgebreitete Arme am Kreuz und fühlen uns in seiner Liebe umarmt. – „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“  Mit diesen Worten aus dem Johannesevangelium wünsche ich Ihnen einen gesegneten Karfreitag und ein frohes Osterfest!

 

Niemand lebt allein

Wie weit darf, ja muss ich gehen, wenn ich Ungerechtigkeiten sehe?  In dem Moment, in dem ich Verantwortung für andere trage oder übernehme, entsteht eine Situation, in der ich möglicherweise handel, ohne die Rückendeckung einer Mehrheit oder der Herrschenden hinter mir zu haben. Verantwortliches Handeln für andere entsteht in der konkreten Situation unter Abwägung der Konsequenzen. Kompass für das Abwägen ist das eigene Gewissen, das anzeigt, ob ich noch in Einheit mit mir selbst bin. Die Aufgabe kann es nicht sein, gegen jeden und alles zu opponieren, die Welt gleichermaßen revolutionieren zu wollen, sondern je nach Situation das Notwendige mit voller Kraft zu tun. "Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen", befand Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung, Band 8, Seite 34). Protest, nur um zu protestieren, erscheint allerdings nicht als sinnvolles Handeln, sondern eher als kontraproduktive Prinzipienreiterei. Wir leben innerhalb einer von Gottes Wort gestalteten und begrenzten Welt mit Herrschaftsstrukturen und Abhängigkeiten. Die Frage der persönlichen Freiheit ist dabei in einem übergeordneten Kontext zu betrachten. Wie weit sind die im Grundgesetz garantierten Freiheiten wie Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit usw. geeignet, die Freiheit des Lebens nach den Geboten Gottes zu fördern und sicher zu stellen? Die Kunstform der Satire kann nicht den Deckmantel für Beleidigungen, Schmähungen oder Ähnliches bieten, wenn dabei lediglich die Absicht des sich in den Vordergrundspielens durch unfaires Herabsetzen eines Anderen oder gar einer anderen Gesellschaft Antrieb des Handelns darstellt. Diese Form der Auseinandersetzung kann auch nicht mit dem Begriff der Freiheit gerechtfertigt werden. Denn der Begriff der Freiheit zielt in erster Linie auf die Verantwortung gegenüber dem Nächsten. Freiheit ist Verantwortung. Für diejenigen, die aufgrund ihres Berufes in Situationen geraten, in denen eine Abwägung schwierig erscheint, sei mit Bonhoeffer gesagt: "Gerade weil Beruf Verantwortung ist und weil Verantwortung eine ganze Antwort des ganzen Menschen auf das Ganze der Wirklichkeit ist, gibt es kein banausisches Sichbeschränken auf die engsten Berufspflichten; eine derartige Verschränkung wäre Verantwortungslosigkeit". (Dietrich Bonhoeffer: Konspiration und Haft 1940-1945, DBW Band 16, Seite 540).

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Kommentare: 12
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