Gott sei Dank

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

 

Von Gert Holle

 

Es gibt eine schöne Fingerübung, die man einmal am Tag als Ritual durchführen kann: Zählen Sie an zehn Fingern auf, wofür Sie heute konkret dankbar sind. Falls Ihnen das zu einfach erscheint und Sie eine andere Herausforderung suchen, habe ich etwas, das Ihnen vielleicht mehr Spaß macht. Zunächst möchte ich Ihnen aber einige Gedanken zum Thema Dankbarkeit näher bringen. Sind Sie neugierig? – Falls nicht, brauchen Sie jetzt nicht weiter zu lesen. Dann seien Sie einfach dankbar für die Zeit, die Sie gewonnen haben.

 

Wenn man auf „Dankbarkeit“ zu sprechen kommt, reden spirituelle Menschen oft davon, dass sie sich gesegnet fühlen, dass sie auf die Großzügigkeit oder auch Gnade Gottes vertrauen. Dahinter steckt die Vorstellung, dass das, was ihnen an Segnungen zuteilwird, nicht den eigenen Quellen entsprungen ist. Sie sind zutiefst dankbar, dass Gott sie hält. Vielleicht sind Sie ja selbst so jemand, der anderen dadurch auffällt, das Sie mit der Welt gelassen, friedlich und freundlich umgehen? Und vielleicht fühlen Sie sich auch eins mit Gottes guter Schöpfung und entwickeln aus diesem Gefühl heraus neue Energie, die Sie durch die Unbilden des Lebens trägt?

 

Einer amerikanischen Studie stellte schon vor 20 Jahren fest: Dankbarkeit wirkt sich auf jeden Menschen und seine Einstellung zum Leben aus. Dankbare Menschen sind optimistischer und zufriedener mit ihrem Leben. Sie verstehen es auch mit Krisen, die in jeder Biographie vorkommen können, eigenverantwortlich umzugehen. Weil sie nicht hadern, sich nicht betrogen fühlen oder verbittert sind. Sie nehmen die Dinge selbst in die Hand.

 

Sie sind neugierig, sonst hätten Sie nicht bis zu dieser Stelle gelesen. Und diese Neugier lohnt sich: Wer neugierig ist, der erfährt etwas. Entdeckt neue Erkenntnisse jenseits der eigenen Komfortzone, ist wissbegierig und offen für das, was das Leben zu bieten hat. Eine dankbare Haltung wächst in uns allen, wenn wir immer wieder nach dankbaren Augenblicken im Leben Ausschau halten. Die wunderbaren kleinen und großen Momente des Lebens lassen sich mit ein wenig Entdeckergeist finden.

 

Kindern ist die Neugier in die Wiege gelegt. Sie erforschen ihre Umgebung, probieren aus. So viele Fragen haben wir als Kinder gestellt: Wer, wie, was, warum, wer nicht fragt … - Warum ist die Banane krumm? Über wie viel Unendliches haben wir gestaunt? Und heute, viele Jahre danach? - Es muss wahrhaft nichts Großartiges sein: ein Regenbogen am Himmel; vielleicht das Lächeln einer anderen Person im Zug auf der Fahrt zur Arbeit; oder der rote Apfel am Baum. Staunen ist gar nicht so schwer, nicht wahr? Wandeln Sie einfach mal Ihre Alltagsroutine um, schärfen Sie Ihren Blick und Sie werden spüren, wie in Ihnen Dankbarkeit wächst. - Haben Sie schon einmal als Rechtshänder versucht, einen Tag alles mit der linken Hand zu tun? Haben Sie schon einmal beim Abendbrot danach gefragt, wer alles daran beteiligt war, dass das Käsebrot so auf dem Teller liegt? Schauen Sie sich einfach mal um und betrachten Sie vertraute Gegenstände mit kindlicher Neugierde - so, als würden Sie sie zum ersten Mal sehen. Lust auf Neues lässt die Angst vor dem Unbekannten hinter sich. Die Welt eines Kindes hat etwas Magisches, etwas Neues und Schönes – wie der Morgen eines erwachenden Tages.

 

In vielen Gottesdiensten wird an diesem Wochenende an den Zusammenhang von Mensch und Natur erinnert. Für die Ernte zu danken gehört seit jeher zu den religiösen Grundbedürfnissen. Dabei werden die Altäre zum Abschluss der Ernte mit Feldfrüchten festlich geschmückt. Vielleicht haben Sie ja Lust, sich während des Ganges zur Kirche ein wenig inspirieren zu lassen, womit ich bei der Alternative zur anfänglichen Fingerübung wäre: Finden Sie zu den Buchstaben des Wortes E-R-N-T-E-D-A-N-K neun Begriffe bzw. Ereignisse, für die Sie dankbar sind. Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Erntedankfest!

Ihr

Gert Holle

 

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