Schluss mit Routine

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

 

 

Von Gert Holle

 

Der Blick nach außen scheint heute wichtiger denn je. Nehmen wir die Wahl des Urlaubsortes: „Ferienwohnung mit Panoramablick“ oder „Paradies mit Aussicht aufs Meer“.  Da zahlt man gerne mal ein paar Euro mehr. „Schöne Aussichten“ können der entscheidende Faktor sein – nicht nur im Urlaub. Für den einen oder anderen wird es fast schon zur täglichen Aufgabe, nach „außen“ zu schauen – quasi ein Lebensmotto. Da braucht es oft nicht mal den Blick von der Ferienterrasse, vielen reicht da schon der „Fernseher“ mit den virtuellen Landschaften. Der Blick auf andere und deren Meinung – das gibt vermeintlich Orientierung. Und manch einer merkt nicht einmal, wie er irgendwo im „Außen“ ertrinkt. Wer trägt das coolste T-Shirt? Meiers fahren schon wieder ein neues Auto? Der Chef aber meint …

 

Warum erzähle ich das? Nun, am Pfingstwochenende feierten wir das Fest des Heiligen Geistes, den ich mir vorstelle als Atem Gottes. Ein Hauch, der uns erreicht und etwas Neues in uns wachsen lässt. Atem des Lebens, der uns die Weisheit schenkt, den Blick von außen nach innen zu wenden. Weg vom Vordergründigen, vom Oberflächlichen. Hinein in die Tiefe. - Mein Geburtstag, den ich an jenem Pfingstfest beging, war für mich Anlass, auf das eigene Leben zu schauen. Ein Blick hinter die Kulissen, die sich über Jahrzehnte zu einem starren Raum zusammengefügt haben. Ein Gebäude, in dem man sicher zu sein scheint – und in Wahrheit in der Routine des Alltags gefangen ist. Ich blickte an Pfingsten nach draußen in einen wunderschönen Garten. Aus der Aussicht wurde Einsicht. „Die Welt einmal mit anderen Augen sehen – raus aus der Routine!“ Das sagt sich so leicht – dachte ich. Dabei ist es gar nicht so schwer, die „geistigen Trampelpfade“ zu verlassen, mal neben sich zu treten, in sich hinein zu horchen, Neuland zu betreten. Und ich erinnerte mich mal wieder an den Ausspruch des obdachlosen Philosophen, der mir so oft in den Fußgängerzonen unserer wohlhabenden Einkaufspassagen begegnet war: „Es muss sich etwas ändern, damit alles anders wird. Es muss alles anders werden, damit sich etwas ändert!“

 

Wie wäre es, mal ein Buch zu lesen, das ich sonst nicht lesen würde? Wie wäre es, mal einen anderen Weg zur Arbeit zu fahren und so bewusst dem Alltagstrott entgegenzutreten? Wann habe ich den letzten Brief geschrieben? – Ich meine jetzt nicht eine E-Mail, sondern ein mit eigener Handschrift aufgesetztes Schreiben an einen lieben Menschen. – Oder einfach mal morgens mit dem linken statt mit dem rechten Fuß aufstehen? Es muss gar nichts Revolutionäres sein. Einfach wieder neugierig werden: auf mich selbst und die Menschen in meiner Nähe. Denjenigen ein Lächeln schenken, an denen ich sonst mürrisch vorbeihaste. - Kleine Veränderungen können den Blick auf das Leben verändern und die Tür zu neuen, einzigartigen Erfahrungen öffnen. Die Möglichkeiten dazu schenkt uns der Heilige Geist.

 

„Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes“. Mit diesen Worten aus dem Brief des Paulus an die Römer wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Wochenende.

Ihr Gert Holle

 

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