Advent - Zeit der Ruhe und des Vertrauens

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

Von Gert Holle

 

 

Advent – das bedeutet: auf die Ankunft warten. Für Kinder scheint die Zeit der 24 Türchen ewig lang und gegen Ende werden sie ganz zappelig vor Vorfreude. Für mich als Erwachsenen hingegen rast die Zeit. Advent scheint da ein anderes Wort für die Tage im Jahr zu sein, in denen ich einen Spagat zwischen meiner Sehnsucht nach Stille und Besinnung auf Weihnachten und - auf der anderen Seite – den Pflichten in Familie und Beruf versuche. So viele Dinge wollen erledigt sein und so viele Verpflichtungen tun sich auf. Zeit für Stille und Besinnung?

 

Einige sagen: „Nein, die Wahrheit ist, dass der Advent nur laut und schrill ist.“ Sie haben kaum das Gefühl, in den Wochen vor Weihnachten zur Ruhe zu kommen. „Ständig umfluten einen neue Reize, vielfältige Geräusche dringen auf uns ein.“ Gerade der Besuch auf einem der zahlreichen Weihnachtsmärkte kann diesen Eindruck verstärken. Doch mir scheint, dass hinter der Teilnahme am adventlichen Budenzauber auch eine zutiefst menschliche Sehnsucht steckt: die Sehnsucht nach Romantik und wärmenden Kindheitserinnerungen, nach freier Zeit, Muße und Spiel; die Sehnsucht nach Gemeinschaft und Begegnung; die Sehnsucht, die Dunkelheit zu durchbrechen, Lichter zu entzünden – als Vorboten für das Licht der Welt, das wir an Weihnachten erwarten.

 

Einige sagen deshalb auch voller Hoffnung: „Gott kommt auf die Erde. Der Advent ist die Zeit, die Sehnsucht auf Gott auszurichten. Wir warten auf das Kommen Jesu. Und dass Jesus, wenn er zu uns kommt, unsere tiefste Sehnsucht erfüllt.“ – Und auch ich spüre, dass sich in der Zeit des Advents irgendetwas ändert, etwas Größeres in meine kleine Welt hineinscheint. Dass es lohnt, sich auszurichten auf das, was kommt. Den Weg nach innen finden, einfach die hektischen Aktivitäten herunterfahren, zur Ruhe kommen. Ich glaube nicht, dass Advent nur laut und schrill sein muss. Keineswegs. – Ob ich mir in diesen Adventstagen Räume der Stille schaffen kann – zum Ausruhen, zum Hören und zum Beten? Die Stille ist ein kostbares Gut. In der Stille kann unser Geist sich sammeln aus der Zerstreuung, sich erholen, zur Ruhe kommen, das Wesentliche sehen, auf den Spagat verzichten.

 

„Alles, was Gott ausmacht, ist in Christus vorhanden“, so schreibt der Verfasser des Epheserbriefes. In Christus zeigt sich uns Gott als Mensch – damit die Welt ein menschlicheres Gesicht bekommt. Vielleicht weckt deshalb jene Zeit der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest, das Fest der Menschwerdung Gottes, auch die Sehnsucht, sich selbst als Mensch zu spüren. Das Kind in der Krippe öffnet den Blick auf unser Mensch-sein, auf unser Leben mit all den hellen und dunklen Seiten. Und es weist darüber hinaus. Der Raum der Stille, des Nachdenkens und der Erwartung füllt sich allmählich mit dem Geheimnis Gottes.

 

Advent – es soll wieder etwas ankommen. Bei mir. Und genau das braucht seine Zeit. Ich will darauf vertrauen, dass es mir gut tun wird. Das lässt mich dann innehalten, tief durchatmen. Das gibt mir Gelassenheit, die mich verändert: Vertrauen statt Ungeduld, Verständnis statt Streit. Ich freue mich im Augenblick am Augenblick – und zünde die zweite Kerze an. „Denn so spricht der Herr, der Heilige Israels: Nur in Umkehr und Ruhe liegt eure Rettung, nur Stille und Vertrauen verleihen euch Kraft.“ (Jesaja 30,15). In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein besinnliches zweites Adventswochenende und eine Zeit der Ruhe und des Vertrauens – bis und über Weihnachten hinaus.

 

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