Steht auf!

Foto: Michael Guist
Foto: Michael Guist

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

 

 

meine Gedanken zum bevorstehenden Wochenende hätten humorvoll sein können, denn ursprünglich wollte ich mich der Frage nähern, ob Gott gar Humor hat. Mich damit befassen, dass das Leben als Christ und Freude zusammengehören, gerade in diesen Tagen, da die Fastnachtszeit ihrem Höhepunkt entgegenstrebt. Bis zum Mittwochabend war dies auch noch ein durchaus ansprechendes Thema für mich. Doch nach dem Anschlag von Hanau ist nicht mehr die Zeit für Humbta-Tätärä und fröhliches Lachen. Nicht für mich und  sicher auch nicht mehr für Sie. Ministerpräsident Volker Bouffier sagte am Donnerstagabend in Hanau: „ Es ist schwer, angemessen im Angesicht dieser grausamen Tat zu reagieren.“ Ja, so einfach zur Tagesordnung überzugehen ist nicht möglich. Jetzt zumindest wäre es an der Zeit innezuhalten und darüber nachzudenken, wie weit wir in unserer Gesellschaft gekommen sind – oder sollte ich sagen, wie tief wir gesunken sind? Wie tief die Gräben zwischen Menschen sind, wie verwirrt und entfremdet manche sind.

 

 

 

Jetzt ist die Zeit der Trauer. Weltweit müssen Menschen Tag für Tag ähnlich schmerzende Schicksale erleiden und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Der Wahn des Terrors mit all den fürchterlichen Folgen für Hinterbliebene und verletzte Überlebende überschattet unser Leben in einem unbegreiflichen Ausmaß. Da jeder anders trauert, ist auch die Reaktion eines jeden unterschiedlich ausgeprägt. Tränen, Wut, Verzweiflung und auch Schockverhalten gehören  zur Trauer, gerade nach einem solchen barbarischen Anschlag, der so plötzlich das Leben aller verändert. Wir trauern mit den Angehörigen der Toten und sind ihnen in ihrem Schmerz nahe. Wir beten für die Leidtragenden. Wir beten für die an Leib und Seele Verletzten, dass sie wieder gesund werden. Und wir werden ganz still in unserer Fassungslosigkeit. Der Mittwochabend hat das Leben verändert – in unmittelbarer Nähe in Hanau, in Hessen, in Deutschland.

 

 

 

Es ist die Zeit zur Einkehr, zu Gesprächen, zu Gebeten und zum Schweigen. Doch was kommt dann? Was kommt nach dem Innehalten? – Die üblichen Mechanismen: Man müsste, man sollte …?  Die Innenminister sprechen davon, dass die Sicherheit erhöht werden muss. Doch ist es nicht an mir, an uns, etwas gegen den Hass zu tun? Ist es nicht an der Zeit aufzustehen und dem Hass unsere Liebe entgegenzusetzen?  Das meine ich durchaus nicht in naiver Weise. Ich meine es ernst, so wie ich es mit einem Liedtext vor vielen Jahren ernst meinte, den ich für Sie heute ins Deutsche übertragen habe.

 

 

 

Stehe auf, fühle, dass die Liebe in Dir brennt.
Stehe auf, kämpfe für den Frieden.
Stehe auf. Ja, mein Herz schlägt mit den Völkern dieser Welt.
Stehe jetzt auf. Stehe jetzt auf. Stehe jetzt auf.
Stehe jetzt auf für die Völker dieser Welt.

Es gibt einen Traum:
Wir können alle gemeinsam in Liebe und Frieden leben.
Es gibt ein Lied, das wir gemeinsam singen können,
eine Melodie für Dich und mich:
Hab’ keine Angst, die Wirrköpfe dieser Welt werden nicht siegen.
Erfülle die Welt mit Deiner Liebe.

 

 

 

Kommt, singt mit – jetzt:
Stehe auf, fühle, dass die Liebe in Dir brennt.
Stehe auf, kämpfe für den Frieden.
Stehe auf.
Ja, mein Herz schlägt mit den Völkern dieser Welt.
Stehe jetzt auf. Stehe jetzt auf. Stehe jetzt auf.
Stehe jetzt auf für die Völker dieser Welt.

Du kannst es glauben:
Unsere Liebe wird stärker sein, stärker als Hass und die Gier nach Geld .
Sei gewiss: Die Liebe Gottes ist das Beste, was Du verschenken kannst.

Hab’ keine Angst, lass Dich nicht von Kriegstreibern einschüchtern.
Verbreite Deine Liebeskraft über die ganze Welt. Steht auf …

 

 

 

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

Rassismus und Hass haben sich in unserer Gesellschaft ausgebreitet. Und die meisten von uns haben diesem Treiben viel zu lange ohnmächtig zugeschaut. Weggeschaut. Nun ist es an der Zeit aufzustehen: Mut zeigen, wo andere gedankenlos Witze über andere machen. Einspruch erheben, wo andere herabgewürdigt werden. Nein sagen, wo Grenzen überschritten werden. Liebe leben. Jetzt. Denn wo Liebe wächst gedeiht Leben.

 

 

Gert Holle

(Herausgeber www.glaubeaktuell.net)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0