Zeichen und Wunder

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

 

Kürzlich träumte ich, ich würde Gott interviewen. Gott: „Du möchtest also ein Gespräch mit mir?“ Ich: „Wenn du dafür Zeit hast?“ Er lächelte: „Das kann dauern, meine Zeit ist die Ewigkeit. Aber: was würdest Du gerne wissen?“ Ich: „Worüber wunderst Du Dich am meisten bei den Menschen?“ Er: Dass sie der Kindheit überdrüssig werden, dass sie sich beeilen, erwachsen zu werden, um sich dann danach zu sehnen, wieder Kinder sein zu können. Dass sie durch die ängstlichen Blicke in ihre Zukunft das Jetzt vergessen, so dass sie weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft leben. Dass sie leben, als würden sie niemals sterben, um dann zu sterben, als hätten sie nie gelebt“. Gott nahm meine Hand und wir schwiegen gemeinsam eine Weile.

 

Dann wollte ich wissen: „Was möchtest du, dass deine Kinder lernen?“ Er antwortete mit einem Lächeln: „Dass man niemanden veranlassen kann, jemanden zu lieben, sondern zulassen darf, geliebt zu werden. Dass es nicht förderlich ist, sich mit anderen zu vergleichen. Dass eine reiche Person nicht jemand ist, der oder die das Meiste hat, sondern vielleicht das Wenigste braucht. Dass es nur einige Sekunden braucht, einem Menschen tiefe Wunden zuzufügen, jedoch viele Jahre, diese wieder zu heilen. Dass Vergebung durch gelebtes Vergeben geschieht. Dass es manchmal nicht genug ist, Vergebung zu erhalten, sondern sich selbst zu vergeben. Dass zwei Menschen dasselbe betrachten können und es doch unterschiedlich sehen. Dass es sich lohnt, auf die Zeichen zu achten und nicht nur über Wunder zu staunen. Und dass ich hier bin – immer.“ – Mir gingen dieser Traum und speziell dieser geheimnisvolle Satz, dass es sich lohnt auf die Zeichen zu achten, noch eine Weile nach. Denn bislang hatte ich nicht so wirklich auf den Zusammenhang von Zeichen und Wundern geachtet. Schließlich befasste ich mich in dieser Woche mit dem für diesen Sonntag vorgeschlagenen Predigttext– und bekam unverhofft ein paar Gedanken dazu, die ich Dir/Euch nicht vorenthalten möchte.

 

„Dass Jesus aus Wasser Wein gemacht hat, war das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.“ So lässt der Evangelist Johannes die Geschichte enden, in der Jesus sein erstes Wunder tut – oder, wie Johannes besser scheibt, ein Zeichen. Denn die Verwandlung von Wasser in Wein nur als bloßes Wunder zu begreifen, könnte zu wenig sein. Eine Weile mit offenem Mund und großen Stauneaugen zu schauen reicht nicht. Vielleicht fragt sich der eine oder andere von uns aber auch wie bei einer Zaubervorstellung: „Wie hat Jesus das gemacht?“ - und hält das Ganze für einen Taschenspielertrick. Wenn wir jedoch das Geschehen als Zeichen sehen, das über ein Wunder hinausgeht, und wenn wir dazu noch beachten, dass Jesus es auf einer Hochzeit getan hat, dann blicken wir tiefer hinein in diese Geschichte. Dann wird uns klar, warum Jesus erst gezögert hat, dem Speisemeister frischen Wein zu schaffen und warum er seiner Mutter, die ihn auf den Weinmangel aufmerksam machte, eine so grobe Abfuhr erteilte. Es ging eben um mehr als ein Wunder. Die Geschichte von der Hochzeit zu Kana, die Sie sicher gut kennen, kann verstanden werden als ein Zeichen für die Heilszeit, die Gott seinen Menschen am Ende aller Tage bereiten will. - Du wirst / Ihr werdet jetzt vielleicht einwenden: „Wunder oder Zeichen, was macht das schon? Ist doch letztlich egal - oder?“ - Die Evangelien berichten, wie ein Gelähmter aufsteht und, wie Jesus ihn geheißen hat, sein Bett nimmt und nach Hause geht. (Mk.2,3ff). Der Tochter des Jairus, die gestorben war, sagt er: "Kind, steh auf!" (Lk.8,41ff) Und sie steht auf. Zeichen oder Wunder?

Jesus tut dies nicht, um Menschen zum Staunen und Wundern zu bringen. Aber sie staunen und wundern sich. Er will zuerst den Kranken und den Trauernden helfen, die Menge aber, die es sieht, rühmt seine übernatürlichen Kräfte, preist ihn als Wundertäter, der er gar nicht sein wollte. Auf dem Fest zu Kana aber tut Jesus ein Zeichen. Dass dies auf einer Hochzeit geschieht, zeigt, dass es sich um mehr als ein Wunder handelt! Denn die Juden in Jesu Tagen hatten sich das Reich Gottes wie eine ewige Hochzeit vorgestellt. – Zeichen oder Wunder?

Dem Gelähmten vergibt Jesus, bevor er ihn gesund macht, die Sünden. Darüber erregen sich die Schriftgelehrten, denn Sünden vergeben konnte ihrer Auffassung nach nur Gott. Jesus heilt dann aber auch das körperliche Leiden des Kranken und zeigt damit, dass er die Vollmacht von Gott hat, auch Sünden zu vergeben, dass also mit ihm die Heilszeit angebrochen ist. Ein Zeichen.

Die Auferweckung der Tochter des Jairus sagt es noch deutlicher: Wenn Jesus sogar dem Tod gebietet, dann ist, wie es Johannes der Täufer in der Wüste von Judäa gepredigt hat, "das Himmelreich nahe herbeigekommen." Ein Zeichen.

Und schauen wir schließlich noch nach der "Heilung der zwei Blinden" (Mt.9,27ff), in der deutlich wird, was ein Wunder kann und wozu ein Zeichen führen soll: Die blinden Männer rufen nach Jesus: "Ach, du Sohn Davids, erbarme dich unser!"

Wir wissen oder ahnen, dass er nicht nur ein Wundermann ist, sondern der verheißene Messias, mit dem das Gottesreich beginnt. Dann fragt Jesus die Blinden: "Glaubt ihr, dass ich euch heilen kann?" Und die blinden Männer sagen „Ja“. -

Während ein Wunder uns staunen lässt, weckt ein Zeichen Glauben Die Geschichte von der Hochzeit zu Kana mit der Wandlung von Wasser zu Wein weckt uns zum Glauben: Mit Jesus, dem Sohn Gottes, ist Gottes Reich zu uns gekommen. Die Heilszeit ist angebrochen, das große ewige Fest hat angefangen. Gott ist hier - immer.  

In diesem Sinne wünsche ich Dir und uns allen ein gesegnetes Wochenende.

 

In Liebe

Gert

 

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