Verhalten in der Corona-Krise: 50 Prozent der Menschen in Deutschland reagieren egoistisch

Erste Ergebnisse der Bevölkerungsschutz-Studie der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften und Forsa liegen vor: für gegenseitige Hilfe in der Bevölkerung waren deutlich höhere Werte erwartet worden

 

4.04.2020
 

 

(Berlin/pm) -  Bevölkerungsschutz-Forscher der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften haben in einer breit angelegten Studie 7.200 Verhaltensweisen von Menschen in Deutschland während der Corona-Krise analysiert und einen potenziellen Krisenkatalysator festgestellt: 50 Prozent der Teilnehmenden beschreiben zwar einen prosozialen Umgang mit der aktuellen Situation, bei den anderen 50 Prozent überwiegt aber antisoziales und egoistisches Verhalten. Bisherige Studien der Akkon Hochschule und der aktuelle Forschungsstand verzeichnen eine sehr viel deutlichere Tendenz der Bevölkerung zur Kooperation, daher könnte das antisoziale Verhalten in der aktuellen Corona-Krise krisenverstärkend wirken. Ein Großteil der ehrenamtlichen Einsatzkräfte im Katastrophenschutz und im Gesundheitswesen (85 Prozent) spricht sich dafür aus, auch bei einer Verschlechterung der Krise weiter zur Verfügung zu stehen. Das Krisenmanagement der Bundesregierung und des Robert-Koch-Instituts (RKI) beurteilten die Befragten als besonders gut. Ermöglicht wurde die Studie durch die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. (JUH). 

 

Das Forschungsteam um Prof. Dr. Henning Goersch hatte Bürgerinnen und Bürger in Deutschland seit dem 20. März aufgerufen, an einer breit angelegten Bevölkerungsstudie der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften teilzunehmen. Ergänzt wurde diese durch eine in Kooperation mit der Forsa Sozial- und Politikforschung durchgeführte repräsentative Befragung. Mehr als 4.500 Personen haben insgesamt an den Studien teilgenommen, die die Betroffenheit, die Risikowahrnehmung und die Verhaltensweisen der Bevölkerung während der COVID-19-Pandemie untersuchen. Am heutigen Freitag startet die zweite Erhebungswelle.

 

Vollständige Ergebnisse (Zwischenbericht) können hier heruntergeladen werden:

 

https://www.akkon-hochschule.de/newsreader/verhalten-in-der-corona-krise-50-prozent-der-menschen-in-deutschland-reagieren-egoistisch.html 

 


Prof. Dr. Henning Goersch, Lehrstuhl für Bevölkerungsschutz und Katastrophenmanagement an der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften:
„Wir arbeiten auch viel mit offenen Fragen. Das ermöglicht tiefere Einsichten in das Erleben der Menschen. Obwohl wir dabei viele Verhaltensweisen gefunden haben, die die gegenseitige Hilfe betonen, hält sich das ungefähr die Waage mit egoistischen Verhaltensweisen. Das hat uns sehr erstaunt. Dieser Aspekt muss sorgfältig weiter untersucht werden, da sich die allgemeine Situation bei diesem Verhältnis leichter verschlechtern kann." 

 

An der Akkon Hochschule in Berlin, Deutschlands erster Hochschule für Humanwissenschaften, lehren und forschen Experten seit 2009 transdisziplinär in den drei für Hilfs- und Krisensituationen relevanten Fachbereichen „Pflege und Medizin", Pädagogik und Soziales" sowie „Humanitäre Hilfe und Bevölkerungsschutz". Am Lehrstuhl für Bevölkerungsschutz und Katastrophenmanagement wurden vergleichbare Studien bereits nach dem Starkregen in Münster (2014), dem Tornado in Bützow (2015), dem Fallwind in Framersheim (2015), dem Starkregen von Braunsbach/Simbach (2016) oder dem Schneechaos in Deutschland 2019 vorgelegt.

 

Gute Noten für das Krisenmanagement von RKI und Bundesregierung
In der aktuellen Corona-Studie gibt mehr als die Hälfte der Befragten an, den Virus für gefährlich zu halten und von der Situation insgesamt verunsichert zu sein. Trotzdem fühlen sich die meisten gut informiert. Rund die Hälfte der Befragten beurteilt das Krisenmanagement der Bundesregierung als gut bis sehr gut. Bestnoten erhält das Robert-Koch-Institut (RKI) für seine Krisenkommunikation – deutlich über 70 Prozent der Befragten geben diese Einschätzung ab.

 

Ehrenamtliche Einsatzkräfte auch bei einer Verschlechterung der Krise bereit
Besonders erfreulich, so Prof. Dr. Henning Goersch, seien die Antworten auf die Frage, ob die ehrenamtlichen Kräfte im Katastrophenschutz und im Gesundheitswesen auch bei einer Verschlechterung der Krise weiterhin für Einsätze zur Verfügung stehen: 85 Prozent der Befragten sind sich sicher bzw. sehr sicher, dass sie auch in diesem Fall zur Verfügung stehen.

 

Zweite Befragungswelle
Heute startet die zweite Befragungswelle der Online-Studie. Bei den Teilnehmenden handelt es sich um diejenigen, die in der ersten Studienwelle der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften ihre E-Mail-Adressen für weitere Befragungen hinterlassen hatten. In zehn- bis 14-tätigen Intervallen werden diese Personen nun erneut befragt, um Veränderungen in ihrem Erleben und Verhalten im zeitlichen Verlauf sichtbar zu machen und gegebenenfalls Warnhinweise an die Politik geben zu können.

 

Hochschule für systemrelevante Berufsfelder in Hilfs- und Krisensituationen
Die Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin ist seit 2009 Deutschlands erste Hochschule für Humanwissenschaften. Die staatlich anerkannte private Hochschule bietet transdisziplinäre Studiengänge in den drei für Hilfs- und Krisensituationen relevanten Fachbereichen „Pflege und Medizin", Pädagogik und Soziales" sowie „Humanitäre Hilfe und Bevölkerungsschutz". Die Studiengänge richten sich überwiegend an Berufstätige und qualifizieren sie akademisch für erweiterte Fach- und Führungspositionen. In der praxisorientierten Lehre und wissenschaftlichen Forschung arbeitet die Akkon Hochschule eng mit nationalen und internationalen sozialen und humanitären Organisationen sowie öffentlichen Institutionen zusammen.

 

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2020-04-02-Zwischenbericht_Akkon_Studie.
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Corona-Krise: "Ich halt euch nicht mehr aus!" SOS-Familientipps für konfliktreiche Zeiten

Von der Corona-Krise zur Familienkrise ist es nicht weit. Die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer weltweit hat Tipps für diese Zeit des erhöhten Streitpotentials. Zum Beispiel: Abendliches Vorlesen ist nicht nur ein gutes Einschlafritual, sondern hilft auch Eltern und Kindern Konflikte zu bewältigen. Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Katerina Ilievska

 

24.03.2020

(München/ots) - Von der Corona-Krise zur Familienkrise ist es nicht weit. Die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer weltweit hat Tipps für diese Zeit des erhöhten Streitpotentials.

 

Den Kindern ist langweilig, die Eltern müssen von zu Hause aus arbeiten und die Nachrichtenflut schürt Ängste. Familien stehen in den kommenden Wochen vor extrem großen Herausforderungen. Nicht alle erleben die Corona-Zeit mit Garten, Balkon, voller Tiefkühltruhe, Netflix-Abo und allen digitalen Möglichkeiten. Viele Familien trifft die Entschleunigung als Vollbremsung mit voller Wucht.

 

Existenzangst, Isolation und Überforderung machen aus der Corona-Krise schnell eine Familienkrise. Der rasante Anstieg der Scheidungsrate in China liefert bereits trauriges Zeugnis. Auch hierzulande befürchten Expertinnen und Experten, dass sich Konflikte in vielen Familien zuspitzen könnten. "Die lange gemeinsame Zeit auf engem Raum und die Unsicherheit, wie es weitergeht, sind der beste Nährboden für Gefühlsausbrüche und dicke Luft", so Heidemarie Stuck, Pädagogische Leiterin im SOS-Kinderdorf Moosburg. "Streiten ist etwas völlig Normales. Sich in die Haare zu kriegen, wenn man unterschiedlicher Meinung ist oder die Emotionen hochgehen, muss einem keine Angst machen. Jedoch sollte ein gewisser Punkt nicht überschritten werden."

 

Um mit der Situation gut umzugehen, haben die SOS-Kinderdörfer Tipps für Konfliktbewältigung in der Krisenzeit:

 

1 Geteiltes Leid

 

Die aktuelle Situation ist herausfordernd. Für Sie genauso wie für Ihr Kind. Stellen Sie sich Ihren eigenen Gefühlen und fragen Sie sich, was Sie verändern möchten. Die gleiche Frage stellen Sie Ihrem Nachwuchs. Vielleicht wollen Sie auch ein Ritual einführen, um sich nicht erst dann auszutauschen, wenn die Stimmung schon leidet. Besprechen Sie zum Beispiel jeden Tag beim Abendessen kurz mit Ihren Kindern, was an dem Tag schön war, was genervt hat oder ob sie etwas bekümmert. Seien Sie offen für die Wünsche Ihres Kindes und zeigen Sie Verständnis. Vielleicht lässt sich ein Kompromiss finden und auch wenn es nicht für alles eine Lösung gibt, tut es gut, Gefühle zu teilen.

 

2 Eine Pause einlegen

 

Schaffen Sie zwischendurch bewusst Abstand - so gut es eben in dieser Situation geht. Das kann für jedes Familienmitglied anders aussehen. Ein paar Minuten am offenen Fenster tief durchatmen, mit der Lieblingsmusik im Ohr eine Viertelstunde tanzen oder mit einem guten Buch ins Bett zurückziehen - oft reichen schon kleine Pausen und ein bisschen Zeit für sich allein, um sich zu beruhigen und positivere Gedanken zu fassen.

 

3 Regeln brechen

 

Lassen Sie in dieser Ausnahmesituation auch mal Fünfe gerade sein und schrauben Sie Ihren Anspruch runter, Haushalt, Heimschule, Homeoffice und Co perfekt machen zu müssen. Die ganze Familie muss sich derzeit einschränken. Zum Ausgleich darf es in manchen Bereichen ruhig etwas lockerer zugehen - zum Beispiel, wenn der Nachwuchs länger vor dem Fernseher sitzt als normal vereinbart oder Zähneputzen und Naschen in der falschen Reihenfolge ablaufen. Und wenn der Geschirrspüler mal nicht gleich am Abend eingeräumt wird und stattdessen Zeit für ein Familienspiel bleibt - gut so!

 

4 Aufeinander zugehen

 

Wenn Sie einen konkreten Kritikpunkt haben, sprechen Sie diesen offen und sachlich an. Frust in sich hineinzufressen vergrößert die Spannung und kann später einen unkontrollierten Ausbruch auslösen.

 

5 Richtig streiten

 

Sollte ein Streit losbrechen, versuchen Sie diesen konstruktiv zu führen. Hören Sie den Kindern oder Jugendlichen zu, lassen Sie sie ausreden und erklären Sie Ihre Sicht der Dinge altersgerecht. Sagen Sie klar, was Sie sich wünschen, anstatt Ihr Kind mit Vorwürfen zu konfrontieren. So lernt der Nachwuchs, wie man auf Augenhöhe streitet, ohne den anderen zu verletzten.

 

6 Sind wir wieder gut?

 

Je wilder die Fetzen geflogen sind, desto wichtiger ist eine bewusste Versöhnung. Kinder und Jugendliche brauchen die Sicherheit, dass ein Streit keinen Beziehungsabbruch bedeutet. Gehen Sie auf Ihren Nachwuchs zu, wenn sich die Gemüter beruhigt haben. Falls Ihnen noch etwas am Herzen liegt, besprechen Sie es in Ruhe mit Ihrem Kind. Warum haben Sie sich geärgert? Was macht Sie traurig? Was tut Ihnen leid? Entschuldigen Sie sich, falls im Streit harte Worte gefallen sind. Vielleicht auch mal mit einem kleinen Briefchen oder Bild. Danach tut es gut, gemeinsam etwas zu machen, das allen Spaß bringt - etwa das Lieblingsspiel Ihres Kindes zu spielen oder sich bei einem lustigen Film auf der Couch zusammen zu kuscheln.

 

Spendenkonto:

 

SOS-Kinderdörfer weltweit

 

IBAN: DE81 4306 0967 2222 2000 05

 

Stichwort: "Coronahilfe weltweit"

 


Hilfsorganisationen von „Aktion Deutschland Hilft“ setzen jetzt auf Vorbeugung, Aufklärung und Hygienemaßnahmen

Humanitäre Hilfe während Corona-Pandemie: „Blick nach außen nicht verlieren“

 

24.03.2020

(Bonn/dh) – Mit Sorge blickt „Aktion Deutschland Hilft“, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen, während der Coronavirus-Pandemie auf die Fortführung der Projekte im Ausland. „So sehr uns das Thema auch hier in Deutschland betrifft: Auch die humanitären Hilfsprojekte sind von den Auswirkungen der Pandemie in Mitleidenschaft gezogen. Um wie viel härter trifft es die armen Länder, in denen das Virus um sich greift. Gerade sie brauchen dringend unsere Solidarität. Die Hilfe darf trotz aller Schwierigkeiten nicht aufhören“, sagt Manuela Roßbach, geschäftsführende Vorständin von „Aktion Deutschland Hilft“. „Wir dürfen in dieser Zeit den Blick nach außen nicht verlieren.“

 

Bereits jetzt sind Experten sich einig, dass Entwicklungs- und Schwellenländer eine schnelle Ausbreitung des Coronavirus ungleich härter treffen wird: Schwache Gesundheitssysteme, unzureichende medizinische Ausstattung und eine mangelhafte Infrastruktur zur Informationsweitergabe und Aufklärung würden zu einer dramatischen Situation führen. Besonders gefährdet sind überlastete Flüchtlingslager wie aktuell in Griechenland oder in Bangladesch. Distanz und Hygiene, zwei elementare Faktoren, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern, sind an diesen Orten nicht möglich: Die Menschen haben in den beengten Lagern einen schlechten Zugang zur Gesundheitsversorgung. Oft sind sie ohnehin geschwächt durch Mangelernährung oder Krankheiten.

 

Bündnisorganisationen haben das Virus und seine Verbreitung seit Anfang des Jahres im Blick. Laufende Hilfsprojekte wurden bereits um Maßnahmen wie Vorbeugung und Aufklärung erweitert. So werden etwa Verteilungen von Hygieneartikeln wie Seife vervielfacht und mobile Handwaschstationen aufgebaut. „Die Helfer des Bündnisses setzen sich nach besten Kräften dafür ein, die Arbeit zum Schutz der Schwächsten zu verstärken“, so Roßbach. „Unsere Hilfsorganisationen sind heute, wahrscheinlich mehr denn je, gefordert, dafür zu sorgen, dass sie in der Lage sind, die Hilfe zu leisten. Dies kann nur mit echter globaler Unterstützung geschehen, die sich aus der Solidarität der politischen Gemeinschaft und der Zivilgesellschaft speist.“

 

„Aktion Deutschland Hilft“ nimmt Spenden für die Corona-Nothilfe weltweit entgegen:

 

Stichwort „Corona-Nothilfe weltweit“

 

IBAN: DE62 3702 0500 0000 1020 30 (Bank für Sozialwirtschaft)

 

Spendenhotline: 0900 55 102030 (kostenfrei aus dem dt. Festnetz, Mobilfunk höher)

 

Charity SMS: SMS mit ADH10 an die 8 11 90 senden

 

(10€ zzgl. üblicher SMS-Gebühr, davon gehen direkt an Aktion Deutschland Hilft 9,83 €)

 

Online spenden unter: www.Aktion-Deutschland-Hilft.de

 

Kurzprofil Aktion Deutschland Hilft e.V.

 

„Aktion Deutschland Hilft“ ist das 2001 gegründete Bündnis von deutschen Hilfsorganisationen, die im Falle großer Katastrophen ihre Kräfte bündeln, um schnelle und effektive Hilfe zu leisten. Die beteiligten Organisationen führen ihre langjährige Erfahrung in der humanitären Hilfe zusammen, um so die bisherige erfolgreiche Arbeit weiter zu optimieren. Unter dem gemeinsamen Spendenkonto 10 20 30 bei der Bank für Sozialwirtschaft Köln ruft das vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) geprüfte und dem Deutschen Spendenrat angehörige Bündnis zu solidarischem Handeln und Helfen im Katastrophenfall auf. www.aktion-deutschland-hilft.de