DER DENKANSTOSS

Wie Fische im Wasser 

Foto: Archiv
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War das nicht ein toller Sommer? Sonne und Wärme satt – da brauchten wir gar nicht in die Ferne schweifen. Berge und Seen direkt vor der Haustür. Erholung pur. Verweilen in Ruhe-Zonen, an Orten der Entspannung. Was für ein Geschenk!

„… Und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele“, heißt es in Psalm 23, einem meiner Lieblingstexte in der Bibel. Vielleicht deshalb, weil ich seit frühester Kindheit den Aufenthalt an und im Wasser besonders genieße. Schon immer beruhigt mich der Blick auf die glatte Oberfläche eines Sees. Und wenn der Wind ein bisschen darüber streicht, erfrischen mich die ans Ufer brandenden seichten Wellen mit ihren spritzenden Tropfen. Ein tiefes Durchatmen ist dann möglich. Einfach mal hinter sich lassen, was Last oder Routine war.

So verbrachte ich in diesen Sommertagen manche Stunde am und im Wasser des Nidda-Stausees und ließ meine Gedanken und Blicke schweifen. Beruhigendes Wasser, belebend und erfrischend. An einem sonnigen Morgen sah ich sie: Sie fühlten sich wie Fische im Wasser. Die kleinen und die großen. Die wenigen und die vielen. Warm war das Wasser. Und klar. Klar, dass sie sich wohl fühlten. Eben: wie Fische im Wasser... In Schwärmen und auch allein. Leicht hatten sie es. Und niemand da, der ihnen etwas hätte antun können.

Nur einer passte dort eigentlich gar nicht hin: Ein graues schmales Röhrchen. Und vorne ein silbrig glänzender kleiner Kopf. Er schien sich nicht zu bewegen. Und alle schwammen achtlos vorbei. Alle. Bis auf einen winzig kleinen Fisch. Er war allein und ließ die anderen um sich herum vorbeischwimmen. Seine ganze Aufmerksamkeit gehörte dem Andersartigen. Denn Gefahr schien näher zu kommen: Meine Fußspuren im Sand des seichten Wassers. Aufgeregt umschwamm der kleine Fisch den anderen. Stieß ihn vorne an und hinten. Und immer wieder vor allem den in der Sonne silbrig schimmernden kleinen Kopf. Der zuckte. Zaghaft zunächst. Dann selbstbewusster. Energischer. Willensstärker. Bis ein Ruck durch den ganzen Körper hindurchging. Energie wurde frei gesetzt. Um ihn von seiner Hülle zu befreien. Sie blieb zurück im Sand der Vergangenheit. Und dann: Volle Kraft voraus. Zu zweit. Die beiden neuen Freunde. Der Gefahr entronnen. Dem Leben geschenkt. Auf dem Weg in die Freiheit. Und die beiden Fische fühlten sich wohl. Wie Fische im Wasser, eben...

Und nun – nach den Tagen des Durchatmens? Ich spüre Vorfreude auf das, was kommen mag: Begegnungen – Bekanntes vielleicht und noch nie Dagewesenes. Gut erholt an Leib und Seele, voller schöner Erinnerungen an wundervolle Sommertage – gelassener und in guter Erwartung an das, was kommen wird. Voller Gottvertrauen. Und sehr dankbar dafür, dass der „gute Hirte“ mich an frisches Wasser geführt und meine Seele erquickt hat.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Wochenende.


Autor: Gert Holle; Foto: Archiv - 22.8.2015