Der klingende Adventskalender:

16. Dezember - gelesen von Devid Striesow


Wieder warten lernen

„Kinder, wie die Zeit vergeht!“ Wie oft habe ich diese Worte in den vergangenen Tagen gehört und mich bei dem selben Gedanken ertappt ... In der Tat: Es ist, als würden die Tage, Wochen, Monate zerrinnen. Schon wieder Weihnachten.... Es ist wirklich Atem beraubend. Unsere Zeit haben wir nicht in der Hand. Sind wir deshalb so hektisch? Laufen aneinander vorbei, vielem hinterher? Hetzen sogar noch von Besinnung zu Besinnung. Ausgerechnet in der Weihnachtszeit! – Wir haben das Warten verlernt. Das Innehalten. Das Besinnen auf uns selbst. Unsere Zeit liegt in Gottes Händen. Dann könnten wir vom Augenblick sagen: „Verweile doch, du bist so schön!“ Das kann ich lernen. Aber üben muss ich. Die Adventszeit bietet sich dafür an: Einmal nur zu warten. Die Ungeduld zu lassen. Das gestresste Gesicht zu entspannen. Um sich endlich einmal beschenken zu lassen. Und sei es nur von dem Licht der dritten Kerze morgen. Oder von einem freundlichen Lächeln.


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Die verrückten Weihnachtsmänner
- eine Bärchen-und-Rübe-Geschichte

16

„Ja! Stimmt!“ rief Hatschi. „“Was ist denn da passiert?!“
Alle schauten auf den Mond. Groß und gelb hing er da im Himmel. So weit war alles noch in Ordnung. Aber er hatte nun einen langen weißen Bart und eine rote Zipfelmütze auf!
„Viel Erfolg!“ sagten die Engelchen, die sie in den Himmel gebracht hatten. „Geht nun los. Wir verlassen euch hier.“
„Nun denn“, bestimmte Hatschi, „dann gehen wir los.“
Und so marschierten eine Schlange, ein Pinguin, ein Schneemann, Rübe, Bärchen und Hatschi durch den Himmel auf den Mond zu.
Es dauerte gar nicht lange, da kamen sie bei ihm an.
Als der Mond sie sah, rief er: „Hallo, das ist aber schön, daß ihr vor-beikommt! Wisst ihr, ihr könnt mir nämlich helfen. Ich habe meinen Schlitten verloren mit den Rentieren und all den Geschenken.“
„Uff“, stöhnte Rübe, „der auch!“
„Uff“, sagte Bärchen, „noch ein Verrückter!“
„Uff“, sagte auch Hatschi, „das darf doch nicht wahr sein!“
„Ich bin nämlich der Weihnachtsmann“, fuhr der Mond unbeirrt fort.
„Isch bin der Weihnachtschmann!“ rief der Pinguin.
„Ich bin es!“ brüllte der Schneemann.
„Ichzzz bin eszzz!“ zischte die Schlange.
Ich - isch - ich - ichzzz - ich - isch - ich - ichzzz...
Sie versuchten, sich gegenseitig zu übertönen. Das Geschrei wurde immer lauter, immer schriller.
Rübe winkte Bärchen zur Seite. „Weißt du, ich habe keine Lust mehr, die zur Vernunft zu bringen. Wenn ich nur wüsste, was wir hier tun sollen.“
Und Bärchen sagte: „Und wo ist der Engel, der uns helfen soll. Alles ist so verrückt. Ich glaube, ich wäre ganz gerne wieder zuhause und würde mich langweilen.“
Schließlich sagte Hatschi: „Schauen wir uns doch mal um, vielleicht finden wir etwas. Die anderen können weiter streiten.“
So liefen Rübe und Bärchen um den Mond herum, kletterten ihm auf den Rücken, schauten sich überall um. Aber sie entdeckten nichts Besonderes, und den Engel sahen sie auch nicht.
Plötzlich rief Hatschi: „Schaut mal, da! Unter der Zipfelmütze des Mondes, da schaut etwas heraus!“
Rübe und Bärchen kletterten dem Mond über die Ohren. Dann hatten sie es erreicht. Vorsichtig zog Rübe es unter der Zipfelmütze hervor.
„Ein Brief ist es!“ rief sie.
„Mach auf!“ drängelte Bärchen.
Rübe riss den Brief auf.
„Er ist vom Weihnachtsmann“, sagte sie.


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Autor: Jens-Uwe Flügel/ Gert Holle; gelesen von Devid Striesow - 16.12.2017