16.. März 2017


Artenschutz-Tag: Survival startet Boykott von berüchtigtem Nationalpark

Salomon Dunu vom Volk der Matsés überlebte das Trauma des ersten Kontakts. Ein Video, in dem er Survival von den Bedrohungen durch Ölkonzerne berichtet, wurde von über 4 Millionen Menschen gesehen.
© Survival

Das kanadische Ölunternehmen Pacific E&P hat Survival International mitgeteilt, dass es sich aus einem Gebiet im Amazonasregenwald zurückziehen wird, in dem mehrere unkontaktierte Völker leben.

Pacific E&P hatte zuvor eine Lizenz erhalten, um in großen Teilen des unkontaktierten Amazonas-Grenzlandes nach Erdöl zu suchen. Nirgendwo auf der Welt leben mehr unkontaktierte Völker als dort. Die Region ist zudem sehr artenreich. Pacific E&P hatte 2012 mit einer ersten Erkundungsphase begonnen.

Survival International und mehrere Indigenen-Organisationen aus Peru hatten jahrelang gegen die Erdölsuche gekämpft, darunter AIDESEP, ORPIO und ORAU. ORPIO hat zudem eine Klage gegen die Regierung wegen der Bedrohungen durch Ölerkundung eingereicht.

Tausende Survival-Unterstützer*innen hatten E-Mails an den Geschäftsführer des Unternehmens geschickt, an die peruanische Regierung appelliert und das Unternehmen über eine Online-Demo bei Facebook unter Druck gesetzt.

Survival hatte zuletzt in einem offenen Brief gegen die Bedrohungen durch die Erdölsuche protestiert, dem sich auch die Rainforest Foundation Norwegen und ORPIO anschlossen.

Die Matsés sind auf ihr Land angewiesen. Sie haben große Teile des unkontaktierten Amazonas-Grenzlandes seit Generationen behütet und verwaltet.© Christopher Pillitz

In einem Brief erklärte Pacific E&P nun: „[Das Unternehmen] hat entschieden, auf seine Erkundungs-Rechte im Block 135 zu verzichten (…) mit sofortiger Wirkung. Wir möchten nochmals die Verpflichtung des Unternehmens betonen, seine Geschäfte nach den höchsten Standards für Nachhaltigkeit und Menschenrechte durchzuführen.“

Bei einem Treffen indigener Vertreter*innen Ende 2016 erklärte ein ehemals unkontaktierter Angehöriger der Matsés: „Ich will nicht, dass meine Kinder von Öl und Krieg zerstört werden. Deshalb verteidigen wir uns selbst (…) und deshalb versammeln wir uns. Die Ölkonzerne (…) beleidigen uns und wir werden nicht länger darüber schweigen, dass sie uns auf ihrem angestammten Land ausnutzen. Wenn es sein muss, sterben wir im Kampf gegen das Öl.“

Die Suche nach Erdöl bedeutet eine ständige Landinvasion, die das Risiko von Zwangskontakt mit unkontaktierten Völkern dramatisch erhöht. Es macht sie angreifbar für Gewalt durch Außenstehende, die ihr Land und ihre Ressourcen rauben und kann die Ausbreitung von Krankheiten wie Grippe oder Masern bedeuten, gegen die sie keine Immunabwehr besitzen.

Die Erklärung von Pacific E&P ist ein wichtiger Erfolg für den Schutz unkontaktierter Völker, ihres Landes, Lebens und ihrer Menschenrechte.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, erklärte: „Dies sind großartige Neuigkeiten für die globale Kampagne zum Schutz unkontaktierter Völker und für all jene, die den Völkermord stoppen wollen, der seit der Ankunft von Kolumbus wütet. Allen unkontaktierten Völkern droht eine Katastrophe, falls ihr Land nicht geschützt wird. Wir glauben, dass sie ein wichtiger Teil der menschlichen Vielfalt sind und ihr Recht auf Leben geschützt werden muss. Wir werden weiter dafür kämpfen, dass man sie leben lässt.“

Das unkontaktierte Amazonas-Grenzland umfasst auch die Wasserscheide-Berge (Sierra del Divisor), eine einzigartige und artenreiche Region, die für ihre kegelförmigen Berge berühmt ist.
© Diego Perez

Hintergrundinformationen
▪ Der Ölblock 135 liegt innerhalb des geplanten indigenen Schutzgebietes Yavarí Tapiche. die peruanische Organisation AIDESEP ruft seit über 14 Jahren zum Schutz des Gebietes auf.
▪ Ein Teil der Konzession liegt im neu geschaffenen Nationalpark Sierra del Divisor. Die peruanische Regierung hatte Pacific E&P eine Erkundungs-Lizenz erteilt.
▪ Yavarí Tapiche ist Teil des unkontaktierten Amazonas-Grenzlandes. Das Grenzland erstreckt sich entlang der Grenzen zwischen Peru, Brasilien und Bolivien. Es ist die Heimat von mehr unkontaktierten Völkern als irgendwo sonst auf dem Planeten.
▪ Peru hat das internationale Abkommen ILO 169 zum Schutz von in Stämmen lebenden Völkern ratifiziert und sich damit verpflichtet, indigene Landrechte zu schützen.
▪ Man weiß nur sehr wenig über die unkontaktierten Völker der Region. Einige zählen wahrscheinlich zu den Matsés, doch es gibt dort noch andere nomadische Völker ohne Kontakt zur Außenwelt.
▪ Am 21. März ist Internationaler Tag des Waldes. Indigene Völker sind die besten Wächter der Natur. Und Belege zeigen, dass indigene Gebiete die beste Barriere gegen Abholzung darstellen.

 

Das unkontaktierte Grenzland des Amazonasgebietes ist die Heimat von mehr unkontaktierten Völkern als irgendwo sonst auf dem Planeten.
© Survival International

Unkontaktierte Völker sind weder rückständig noch sind sie primitive Überreste aus einer entfernten Vergangenheit. Sie sind unsere Zeitgenossen und ein sehr wichtiger Teil der menschlichen Vielfalt. Wo ihre Rechte geachtet werden, können sie weiterhin gut und erfolgreich leben.

Ihr Wissen ist unersetzlich und hat sich über Jahrtausende entwickelt. Sie sind die besten Wächter der Natur. Und Belege zeigen, dass indigene Gebiete die beste Barriere gegen Abholzung darstellen.

Allen unkontaktierten Völkern droht eine Katastrophe, falls ihr Land nicht geschützt wird. Survival tut alles in seiner Macht Stehende, um es für sie zu schützen und ihnen die Chance zu geben, ihre eigene Zukunft zu bestimmen.

 


Indigene verklagen Regierung wegen fehlenden Schutzes für Unkontaktierte

 

Die Matsés leben seit Generationen als Jäger und Sammler im Unkontaktierten Amazonas-Grenzland. © Christopher Pillitz

In Peru verklagt eine indigene Organisation die Regierung. Sie wirft ihr vor unkontaktierter Völker nicht vor Eindringlingen und Ölerkundungen geschützt zu haben.

Der peruanische Indigenen-Verband AIDESEP zieht gegen Perus Kultusministerium vor Gericht, das seiner gesetzlichen Pflicht nicht nachkomme, fünf indigene Schutzgebiete zu schaffen, bzw. diese zu kartieren. Den hier lebenden stark bedrohten unkontaktierten Völkern versage der peruanische Staat den Schutz.

2007 hatte Peru dem kanadischen Ölunternehmen Pacific E&P die Genehmigung erteilt, Erkundungen in Yavari Tapiche vorzunehmen, wo ein indigenes Schutzgebiet eingerichtet werden sollte. AIDESEP fordert dessen Schaffung seit 14 Jahren und Survival International führt die globale Kampagne für das Recht unkontaktierter Völker an, selbst über ihre Zukunft zu entscheiden.

Aktivist*innen befürchten, dass die unkontaktierten Indigenen in der Gegend ausgelöscht werden könnten durch gewalttätige Eindringlinge und durch eingeschleppte Krankheiten, gegen die sie keine Abwehrkräfte besitzen. Angestellte des Ölunternehmens könnten in Kontakt mit den Indigenen kommen. Außerdem werden im Rahmen der Erkundung Tausende von unterirdischen Sprengungen durchgeführt, die die Jagdbeute der Indigenen verscheuchen.

Der Kontakt erwies sich für die Matsés als Katastrophe, die ansteckende Krankheiten und Gewalt in ihr Gebiet brachte. © Survival International

Das Volk der Matsés, das in der Nähe des geplanten Schutzgebietes lebt, kritisiert das Versagen von Perus Regierung, den Ölerkundungen einen Riegel vorzuschieben. Kürzlich erklärte ein Mann auf einem Treffen des indigenen Volkes: „Ich will nicht, dass meine Kinder durch das Öl zerstört werden (…) Deshalb setzen wir uns zur Wehr (…) und sind als Matsés zusammengekommen. Die Ölunternehmen (…) beschimpfen uns, aber wir werden nicht stumm zusehen, wie sie uns auf unserem Land ausbeuten. Wenn es sein muss, werden wir im Krieg gegen das Öl sterben.“

Auch ORPIO, eine weitere indigene Organisation, klagt wegen der Bedrohung durch die Ölerkundung.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, prangert an:„Unkontaktierte Völker sind die bedrohtesten Gesellschaften unseres Planeten, doch der peruanische Staat hält die Profite von Ölunternehmen offenbar für wichtiger als die Menschenrechte oder das Land und Leben der Indigenen. Dass die Regierung bei der Schaffung der indigenen Schutzgebiete versagt, ist nicht nur eine Katastrophe für die Umwelt, sondern könnte ganze Völker für immer auslöschen.“

Seit sie in Kontakt gerieten, kämpfen die Matsés gegen schwere Krankheiten wie Malaria und eingeschleppte Erkrankungen, mit deren Heilung sie keine Erfahrung haben. © Survival International

Hintergrundinformationen

- AIDESEP ist Perus Organisation für die im Amazonasgebiet lebenden Indigenen. Sie setzt sich für die Menschenrechte der indigenen Peruaner ein.

- AIDESEP hat bei Limas Oberstem Gerichtshof Klage eingereicht mit Unterstützung der Rechtshilfeorganisation IDL.

- Perus Kultusministerium ist verantwortlich für die Kartierung und den Schutz indigener Gebiete. Peruanisches Recht schützt eigentlich das Land unkontaktierter Völker, aber der Schutz ist oft nicht angemessen oder fehlt ganz.

- Peru hat Übereinkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) über eingeborene und in Stämmen lebende Völker ratifiziert und hat sich dabei verpflichtet, die Menschen- und Landrechte indigener Völker zu achten.

- Zu den bedrohten Völkern im Unkontaktierten Amazonas-Grenzland, zählen unkontaktierte Angehörige der Matsés.

- Zahlreiche Matsés gerieten 1969 gegen ihren Willen in Kontakt mit Missionaren aus den USA, nachdem es in der Gegend zu gewaltsamen Zusammenstößen mit Siedlern gekommen war. Der Kontakt bedeutete für die Indigenen Gewalt und Krankheit, viele Angehörige der Matsés starben.

- Die fünf geplanten indigenen Schutzgebiete heißen: Yavari Tapiche, Yavari Mirim, Sierra del Divisor Occidental, Napo Tigre und Cacataibo.

Im Grenzgebiet von Brasilien und Peru leben auf einer großen Fläche so viele unkontaktierte Völker, wie in dieser Konzentration sonst nirgends auf der Erde. © Survival International

Wir wissen nur sehr wenig über unkontaktierte Völker. Doch wir wissen, dass es weltweit mehr als einhundert von ihnen gibt. Und wir wissen, dass ganze Gemeinden durch die völkermörderische Gewalt Außenstehender ausgelöscht werden. Diese Eindringlinge rauben nicht nur ihr Land und ihre Ressourcen, sondern schleppen auch Krankheiten wie Grippe oder Masern ein, gegen die Unkontaktierte keine Abwehrkräfte besitzen.

Unkontaktierte Völker sind weder rückständig noch sind sie primitive Überreste aus einer entfernten Vergangenheit. Sie sind unsere Zeitgenossen und ein sehr wichtiger Teil der menschlichen Vielfalt. Wo ihre Rechte geachtet werden, können sie weiterhin gut und erfolgreich leben.

Ihr Wissen ist unersetzlich und hat sich über Jahrtausende entwickelt. Sie sind die besten Wächter der Natur. Und Belege zeigen, dass indigene Gebiete die beste Barriere gegen Abholzung darstellen.

 


Indigenes Volk fürchtet brutale Vertreibung aus „Dschungelbuch“-Land

 


Diese Baiga-Frauen wurden 2014 illegale aus dem Tigerschutzgebiet Kanha in Indien vertrieben.
© Survival International

Indigene Dorfbewohner*innen in Zentralindien haben angesichts drohender illegaler Vertreibung durch die Forstbehörde ein verzweifeltes Plädoyer für ihre Landrechte gehalten. Die Region ist bekannt als Inspiration für „Das Dschungelbuch“.

Angehörigen der Baiga aus dem Dorf Rajak wurde mitgeteilt, dass sie ihr angestammtes Land im Tigerschutzgebiet Achanakmar verlassen müssen, auf das sie seit Generationen angewiesen sind – obwohl es keine Beweise gibt, dass ihre Anwesenheit dort die Umwelt beeinträchtigt. Nach indischem und internationalem Recht ist ihnen erlaubt zu bleiben.

Indische Aktivist*innen hatten in der Vergangenheit erklärt, dass „korrupte Beamte … Geld abschöpfen“, welches die Behörden für Umsiedlungen zur Verfügung stellen.

In anderen Fällen wurden indigene Gemeinden in mangelhafte staatliche Siedlungen „umgesiedelt“ oder in ein Leben in Armut am Rande der indischen Gesellschaft gezwungen.

Diese Indigenen wurden 2013 illegal aus dem Similipal-Tigerreservat vertrieben und lebten danach in Armut unter Plastikplanen.

© Survival International

Ein Baiga-Mann sagte: „Wenn mich jemand aus dem Dschungel in die Stadt bringt, dann ist es, als ob sie mich umbringen.“

In einem Brief an die Forstabteilung schrieben die Baiga: „In Rajak ist das Land sehr fruchtbar und wir leben hier seit Generationen. Aber weil das Dorf im Kerngebiet [des Tigerreservates] liegt, sind wir ständig unter Druck. Wir werden aufgefordert in das Dorf Bharatpur zu gehen. Wir haben das Land dort gesehen, es ist voll von Steinen und es wird unsere Bedürfnisse nicht erfüllen. Es ist nicht geeignet, um unsere Kinder dort zu erziehen und es wird ihre Zukunft ruinieren.“

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte: „Indiens Wälder werden weiterhin durch industrielle ‚Entwicklung’ zerstört und Tiger noch immer gewildert. Aber Forstbeamt*innen entscheiden sich dafür, indigene Waldbewohner*innen zu tyrannisieren und vertreiben sie von ihrem Land. Es ist ein Schwindel und es wird der Umwelt schaden. Es ist an der Zeit, dass die großen Naturschutzorganisationen diese angeblich „freiwilligen“ Umsiedlungen verurteilen und eingestehen, dass es in Wirklichkeit illegale Vertreibungen sind, die direkt zur Zerstörung ganzer Völker führen."

Der verheerende Rückgang der indischen Tigerzahlen war vor allem auf die Jagd durch koloniale Eliten zurückzuführen – und nicht auf indigene Völker, die seit Jahrtausenden mit Tigern leben.
© Survival International

Hintergrundinformationen

- „Umsiedlungen“ müssen nach indischem Recht freiwillig stattfinden. Trotzdem werden Indigene häufig bestochen, eingeschüchtert und in einigen Fällen drohen ihnen Haft, Schläge, Folter und sogar Tod.

- Achanakmar wurde ursprünglich als Wildreservat gegründet und 2009 zum Tigerreservat erklärt. Auf 914 km2 leben Tiger, Leoparden, Faultiere, Elefanten und gestreifte Hyänen.

- Baiga bedeutet „Medizinmann“. Die Baiga sind für ihre unverwechselbaren Tätowierungen und für ihre sehr enge Beziehung zu ihrer Umgebung bekannt.

- 2013 wurden Angehörige indigener Völker illegal aus dem Similipal-Tigerreservat vertrieben und lebten danach in Armut unter Plastikplanen.

- Viele Baiga wurden 2014 aus dem nahe gelegenen Kanha-Tigerreservat vertrieben. Sie erhielten weder Land noch Unterkünfte oder andere Unterstützung, sondern sollten selbst Land suchen und dies mit ihrer Ausgleichszahlung erwerben. Für Personen, die ihr ganzes Leben im Wald gelebt hatten, war dies ein unbekanntes Konzept. Sie erklärten gegenüber Survival International: „Wir haben etwas Geld, aber wir sind verloren – wandern auf der Suche nach Land. Hier gibt es nur Traurigkeit. Wir brauchen den Dschungel.“

- In einem Tigerreservat in Südindien, wo Soliga-Indigene das Recht auf ihr Land durchsetzten, hat sich die Anzahl der Tiger weit über den nationalen Durchschnitt erhöht.

Die Infrastruktur in den neuen Regierungssiedlungen ist unzureichend. Dieses Gebäude sollte als eine Schule für indigene Kinder dienen, die vor mehr als sieben Jahren umgesiedelt wurden. © Survival International

Das Land indigener Völker ist keine „Wildnis“. Es gibt Beweise dafür, dass sich indigene Völker so gut um ihre Umwelt kümmern wie niemand sonst. Sie sind die besten Umweltschützer und Wächter der Natur. Sie sollten die Naturschutzbewegung anführen.

Dennoch werden indigene Völker unrechtmäßig im Namen des „Naturschutzes” von ihrem angestammten Land vertrieben. Führende Naturschutzorganisationen unterstützen dies, indem sie sich nicht gegen die Vertreibung indigener Völker aussprechen.

 


Leak: WWF wusste von Misshandlungen an „Pygmäen“

 


Dieser Baka-Mann wurde von Wildhütern geschlagen. Survival hat Aussagen von Dutzenden anderen Opfern im Kongo-Becken dokumentiert. © Survival International

Ein interner Bericht, den der World Wildlife Fund (WWF) zu den Auswirkungen seiner Projekte auf Baka-„Pygmäen“ in Kamerun in Auftrag gab, ist öffentlich geworden. Der WWF hatte die Existenz des Berichts bestritten. Der Bericht zeigt:

- Der WWF wußte, dass die Baka nicht konsultiert wurden, als auf ihrem Land Nationalparks errichtet wurden. Die Naturschutzorganisation erklärte jedoch weiter öffentlich, dass es ein „hohes Level an (…) Gemeinschafts-Zustimmung“ gab.

- Einige Wildhüter in dem Gebiet verhalten sich wie „Herren und Gebieter“ gegenüber den Baka und initiieren „Razzien“, die „furchteinflößend“ sind. Dennoch erklärte ein WWF-Sprecher, dass die Wildhüter „ihre vorgesehene Funktion zum Schutz des Waldes und zur Sicherstellung des Zugangs und der Gebiete von Wald-Gemeinden, inklusive jener der Baka“ erfüllen.

- Viele Verursacher von Misshandlungen werden nicht bestraft, wenn Verstöße von den Gemeinden gemeldet werden, „trotz der Schuldigsprechung durch die Gemeinden, mit Belegen“. Der WWF sagt jedoch weiterhin: „Wenn dem WWF inakzeptables Verhalten bekannt wird (…), hat er das Thema direkt und nachdrücklich [bei der Regierung] angesprochen und das Verhalten hat sich dem Eindruck nach verbessert.“

Ohne Zugang zu ihrem angestammten Land hat sich die Gesundheit der Baka gravierend verschlechtert und ihnen droht eine unsichere Zukunft. © Selcen Kucukustel/Atlas

- „Die meisten der lokalen Dörfer sind [von Gewalt durch Wildhüter] betroffen“. In einem Schreiben an die OECD hat der WWF hingegen erklärt, dass „die Möglichkeit von Gewalt durch Wildhüter im Moment keine hohe Priorität für die meisten Baka-Gemeinden zu haben scheint.“

Entgegen seiner eigenen Richtlinien hat der WWF den Bericht unter Verschluss gehalten. Sowohl Survival International als auch Baka-Aktivisten hatten um Einsicht gebeten. In einem Interview mit dem Naturmagazin Mongabay sagte Phil Dickie, Leiter der Abteilung Problem-Managment des WWF, dass der WWF eine Untersuchung der Anschuldigungen von Survival International in Auftrag gegeben hätte.

Survival International hatte im Februar 2016 eine offizielle Beschwerde bei der OECD (Kontaktstelle Schweiz) bezüglich der Aktivitäten des WWF in Kamerun eingereicht. Im Dezember 2016 wurde die Beschwerde für zulässig erklärt, ein beispielloser Zug zur Untersuchung der Aktivitäten einer Nicht-Regierungsorganisation.

Ein Baka-Mann erklärte: „Der Wald war einst für die Baka, aber nun nicht mehr. Wir waren je nach Jahreszeit im Wald unterwegs, aber nun haben wir Angst. Wie können sie uns verbieten in den Wald zu gehen? Wir wissen nicht, wie wir sonst leben sollen. Sie schlagen uns, töten uns und zwingen uns zu fliehen.“

Video: Baka-Mann berichtet vom Tod eines Mädchens im Namen von „Naturschutz“

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte: „Der WWF gab einen Bericht in Auftrag, um die Auswirkungen seiner Arbeit auf die Baka zu untersuchen. Vermutlich inklusive der Vorwürfe von Misshandlungen durch die vom WWF finanzierten Wildhüter. Der Bericht bestätigt, dass die Misshandlungen weitverbreitet und alltäglich sind. Dann streitet der WWF ab, dass es den Bericht gibt. Es ist Zeit, dass diese große Naturschutzorganisation ihre Verantwortung für jene Menschen wahrnimmt, deren Land für Naturschutz geraubt wurde. Und es ist Zeit, dass die Welt nicht mehr die Augen vor dem Horror verschließt, der sich im Namen von Naturschutz abspielt. Es ist nicht nur Kamerun und es ist nicht nur der WWF: Die Naturschutz-Industrie eignet sich seit Jahrzehnten indigenes Land an. Das ist grüner Kolonalismus und wir tun alles dafür, ihn zu bekämpfen. Viele Naturschützer wissen, dass indigene Völker die besten Wächter der natürlichen Welt sind. Deshalb sollten große Naturschutzorganisationen damit beginnen ihnen zuzuhören, statt an ihrer Vernichtung teilzunehmen.“

Eine Gegenüberstellung der Aussagen aus dem internen WWF-Bericht, den öffentlichen Erklärungen des WWF und den Aussagen der Baka finden Sie hier. Falls Sie Einsicht in den vollständigen Bericht wünschen, wenden Sie sich bitte an uns.

„Pygmäen“ ist ein Sammelbegriff, der normalerweise unterschiedliche Jäger-und-Sammler-Völker aus dem Kongobecken und im zentralen Afrika bezeichnet. Auch wenn einige Indigene den Begriff als abschätzig ansehen und ihn vermeiden, nutzen ihn andere aus praktischen Gründen und als einfache Art, sich selbst zu beschreiben.

*************************************************

Autor: Survival International; zusammengestellt von Gert Holle - 16.01.2017

 


*************************************************

Autor: Survival International; zusammengestellt von Gert Holle - 16.01.2017