Interview mit Guido Cantz - Entertainer, Fernsehmoderator und Buchautor

„Gott ist mein Freund, mein Berater“

Foto: Jan Duefelsiek
Foto: Jan Duefelsiek

Guido Cantz, Entertainer, Fernsehmoderator und Buchautor, kann sich noch genau an seine Erstkommunion erinnern. Im Interview mit dem Bonifatiuswerk spricht er zudem über seinen Glaubensweg und über die Krise der Kirche.

 

An die eigene Taufe erinnern sich die wenigsten, bei der Erstkommunion sieht das anders aus. Wie lief ihre Kommunionfeier damals ab?

 

Guido Cantz: Wir sind bei wunderschönem Wetter von einer kleinen Kapelle aus in die Kirche eingezogen. Das war Anno Domini 1980. Nach dem Hochamt waren Omas und Opas zu uns nach Hause eingeladen.

 

Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

 

Guido Cantz: Mein weißer Rollkragenpullover. Ich war einer der ganz wenigen, der keine Fliege oder keinen Schlips trug. Ein Geschenk werde ich nie wieder vergessen…mein erstes VfB Stuttgart Trikot mit der passenden Hose. Die weißen Kniestrümpfe passten hervorragend als Stutzen Ersatz.

 

So wie Kinder zu Erwachsenen werden, so wachsen sie durch die Kommunion auch weiter in die Kirche hinein. Wer hat Ihren Glaubensweg geprägt und begleitet?

 

Guido Cantz: Meine Eltern, ganz besonders meine Mutter. Aber auch die Messdiener-Gemeinschaft hat einen großen Teil dazu beigetragen.

 

Die Erstkommunion-Aktion 2022 des Bonifatiuswerkes steht unter dem Motto „Bei mir bist du groß!“. Durch was werden Sie „groß“?

 

Guido Cantz: Durch einen Besuch in meiner „Mama-Kirche“ St. Aegidius in Köln-Porz-Wahn.

 

Haben Sie schon einmal jemanden „groß“ gemacht bzw. gestärkt?

 

Guido Cantz: Ich hoffe meinen Sohn… In unserer Familie versuchen wir uns alle gegenseitig zu unterstützen.

 

Was für ein Gottesbild haben Sie?

 

Guido Cantz: Kein bestimmtes. Mich faszinieren, schon seit meiner Kindheit, die Fenster unserer Kirche über dem Hochaltar. Dort sind auf der linken Seite der Namenspatron, der heilige Aegidius, und in der Mitte Jesus am Kreuz dargestellt. Diese Bildnisse haben mich geprägt.

 

Wie würden Sie den Kontakt zwischen Gott und sich beschreiben?

 

Guido Cantz: Gott ist mein Freund, mein Berater. Jemand, der mir zuhört und mich lenkt.

 

Sie haben im letzten Jahr Ihre Autobiographie unter dem Titel „Bauchgefühl und Gottvertrauen. Mein Leben von 1971 bis 20 Uhr 15“ herausgegeben. Fiel es Ihnen schwer, sich in der Öffentlichkeit über Ihr Glaubensleben zu äußern?

 

Guido Cantz: Nein, warum? Auch wenn die katholische Kirche zurecht in der Kritik steht, bleibe ich Vereinsmitglied (lacht). Ohne eine zeitnahe Neuorientierung und Umstrukturierung werden der Kirche noch mehr Menschen weglaufen.

 

Seit Anfang Februar sehen wir Sie im TV in der Neuauflage von „7 Tage, 7 Köpfe“. Ein Kollege von Ihnen sagte in der Sendung zu kontrovers diskutierten Themen: „Selbst mittelgute Witze darüber sind besser als gar nichts zu sagen“. Wie gehen Sie mit Sprachlosigkeit um?

 

Guido Cantz: Es passiert wirklich sehr selten, dass mir die Worte fehlen. Aber auch das kann ich ertragen.

 

Müssen Sie überhaupt mal um die richtigen Worte ringen?

 

Guido Cantz: Natürlich, auch wenn ich seit 30 Jahren auf der Bühne stehe und davon lebe, die richtigen und lustigen Worte zu finden oder erfinden.

 

Und wie empfinden Sie die Sprachfähigkeit der kirchlichen Amtsträger in der aktuellen Krise?

 

Guido Cantz: Die Kommunikation, wenn man überhaupt davon sprechen kann, in meinem Heimatbistum Köln ist katastrophal. Für mich hätte Kardinal Woelki zurücktreten müssen…

 

Das Gespräch führte Simon Helmers, Bonifatiuswerk.

 

 

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Autor: Bonifatiuswerk - zusammengestellt von Gert Holle - 9.03.2022