Interview mit Kira Beer - Studentin der kath. Theologie, Bloggerin und christliche Influencerin

Mit der Erstkommunion die spirituelle Heimat entdecken

Foto: Marcel Kraemer
Foto: Marcel Kraemer

 

Kira Beer, Studentin der katholischen Theologie, Bloggerin und christliche Influencerin, spricht im Interview mit dem Bonifatiuswerk über den eigenen Glaubensweg und Chancen der digitalen Glaubenskommunikation.

 

Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an Ihre Erstkommunion zurückdenken?

 

Kira Beer: Ich weiß, dass ich durch und durch glücklich war. Ich war ein gläubiges Kind und auch wenn ich rückblickend betrachtet, glaube ich noch nicht so richtig verstanden hatte, was genau es heißt, den Leib Christi zu empfangen (habe ich das heute?), war es für mich definitiv das erste besondere Erlebnis im Glauben und der Anfang des Hineinwachsens in meine spirituelle Heimat.

 

Wie haben Sie damals die Vorbereitungszeit erlebt? Welchen Eindruck haben Sie von den heutigen Erstkommunionvorbereitungen?

 

Kira Beer: Die Vorbereitungszeit war für mich wirklich schön. Wir waren eine nette Gruppe an Kindern, mit denen ich mit gut verstanden habe und ich hatte großes Interesse an den Themen, die wir behandelt haben. Ich weiß noch, dass ich wirklich traurig war, als dieser Termin in meiner Woche nach der Erstkommunion nicht mehr vorkam. Ich bekomme heute wenig von Erstkommunionvorbereitung mit. Das Einzige, das mir aufgefallen ist, ist dass es eben wesentlich weniger Kinder gibt, die zur Erstkommunion gehen. In meinem Jahrgang (2009) waren wir ca. 12 Kinder aus meinem Ort. Heute gibt es oft nicht mal mehr eine eigenständige Gruppe in meinem Ort, sondern eine auf Ebene der Seelsorgeeinheit, weil es so wenige Kinder sind.

 

Was meinen Sie, welchen Stellenwert haben die Sakramente für die Menschen heute noch?

 

Kira Beer: Schwer zu sagen. Ich denke schon, dass verglichen mit dem allgemeinen Relevanzverlust der Kirche, die Sakramente, die ja oft Fixpunkte im Leben begleiten, noch recht attraktiv sind. Wenn ich bei Hochzeiten ministriert habe, waren das fast immer Paare, die ich sonst noch nie in der Gemeinde gesehen hatte. Für Menschen, die den katholischen Glauben aktiv leben, gilt das vermute ich besonders. Zumindest kann ich für mich sagen, dass Erstkommunion und Firmung einzigartige Tage in meinem Leben waren und ähnlich blicke ich zum Beispiel auf eine mögliche Ehe.

 

Sie sagten mal in einem TV-Interview, dass Sie „durchschnittlich katholisch aufgewachsen“ wären. Was war Ihr erster bewusster Zugang zum Glauben?

 

Kira Beer: Ich glaube, der allererste bewusste Zugang war meine Oma. Meine Eltern sind zwar nicht besonders religiös, aber meine Oma hat von Kindheit an immer, wenn ich bei meinen Großeltern war, abends vor dem Schlafengehen mit mir gebetet. Da habe ich gelernt, mit Gott in Kontakt zu sein. Auch in Kindergarten und Grundschule wurden wir ja schon kindgerecht an den Glauben herangeführt und meine Mama betont bis heute, ich hätte mich schon damals in der frühen Kindheit besonders leidenschaftlich diesen Themen zugewandt.

 

Welche Bibelstelle gefällt Ihnen besonders gut und warum?

 

Kira Beer: Ich habe nicht „die eine“ Lieblingsstelle. Aber ich bin da schon recht kitschig unterwegs und könnte mich zum Beispiel im Hohenlied der Liebe (1 Kor, 13) immer wieder verlieren. Dass diese Sätze mein Leben wirklich durchdringen, das ist ein großes Ideal, dem ich mich annähern will.

 

„Bei mir bist du groß!“ So lautet das aktuelle Motto der Erstkommunion-Aktion des Bonifatiuswerkes. Es greift dabei die bekannte Begegnung des Zollpächters Zachäus mit Jesus in Jericho auf, von der im Lukasevangelium berichtet wird. Wann fühlen Sie sich groß?

 

Kira Beer: Mein erster Impuls ist, dass ich doch gar nicht groß sein will, weil ich das irgendwie automatisch mit „größer sein“ und einer gewissen Übermacht verbinde. Wenn ich weiter denke, heißt „mich groß fühlen“ in einem Umfeld zu sein, in dem ich als die Person, die ich bin, gesehen und geliebt bin. Das klingt jetzt vielleicht abgedroschen, aber ich glaube, es gibt gar nicht so viele Menschen, bei denen das wirklich möglich ist (vielleicht auch nur bei Gott).

 

Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, sprachfähig über den eigenen Glauben zu sein? Inwiefern können dabei die (recht oberflächlichen) sozialen Medien wie Instagram eine Hilfe sein?

 

Kira Beer: Ich glaube, Sprachfähigkeit ist der Schlüssel zur Lebendigkeit des Glaubens. Wenn wir unsere Hoffnung nicht ins verständliche Wort fassen können, wird sie irrelevant. Mir hilft mein Tun auf Social Media total, meine Glaubensüberzeugungen immer wieder neu zu formulieren und vor allem auch durch mein Studium hindurch eine Sprache beizubehalten, die zugänglich ist (ohne dabei unterkomplex zu werden, das ist tatsächlich eine Herausforderung).

 

 

Das Gespräch führte Theresa Meier, Bonifatiuswerk.

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Autor: Bonifatiuswerk - zusammengestellt von Gert Holle - 9.03.2022