Interview mit Monsignore Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes

Erstkommunion 2022 – Bei mir bist du groß!

Foto: Wilfried Hiegemann
Foto: Wilfried Hiegemann

 

Der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen, spricht über die Erstkommunion während der andauernden Corona-Pandemie, Projekte, die mit den Spenden der Erstkommunion unterstützt werden, und über seine persönliche Freundschaft mit Gott.

 

Ein weiteres Jahr, in dem die Erstkommunion von der Corona-Pandemie beeinflusst wird. Haben sich Kinder und Gemeinden mittlerweile an die neue Art von Vorbereitung und Feier gewöhnt?

 

Msgr. Georg Austen: Von Gewöhnen kann hier nur schwer gesprochen werden. Die jetzigen Kommunionkinder hatten gerade die erste Schuljahreshälfte hinter sich, als das öffentliche und private Leben von den Auswirkungen der Corona-Pandemie getroffen wurde. Von jetzt auf gleich durften sie keine Freunde mehr treffen, nicht auf Spielplätze gehen und der Online-Unterricht hat nicht nur die Kinder, sondern auch Eltern und Schulen vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Auch die Gemeinden mussten bei ihrer Vorbereitung neue Wege gehen. Wenn wir dieses Jahr die Erstkommunionfeier begehen, dann ist es bereits der zweite Corona-Jahrgang, dessen Katechese von vorne herein neue Wege gehen musste. Da haben sich bereits kreative und innovative Konzepte gefunden, jedoch hoffen alle Beteiligten, dass die Auswirkungen der Pandemie nachlassen. Besonders die Feiern, die zuletzt nur in kleinem Kreise begangen werden konnten, fehlen den Familien und Gemeinden.

 

Wie kann das Bonifatiuswerk die Gemeinden in dieser Situation unterstützen?

 

Msgr. Georg Austen: „Keiner soll alleine glauben.“ - mit diesem Leitwort unterstützt das Bonifatiuswerk als Hilfswerk für den Glauben nicht nur Katholiken in Nordeuropa, im Baltikum und in Deutschland, die in einer Minderheitensituation leben, sondern auch Katholiken, die fragend sind und auch im Glauben Orientierung suchen. Speziell für die Erstkommunionvorbereitung haben wir umfangreiches Material entwickelt: Motivplakat, Begleitheft, passende Lieder, liturgische Bausteine und digitale Angebote. Für die Vorbereitung in der Corona-Zeit stellen wir Spiel- und Basteltipps zur Verfügung. So kann auch trotz räumlicher Distanz die gemeinschaftliche Nähe erlebbar werden.

 

Was bedeutet die Kommunion für die Teilhabe in der Gemeinde?

 

Msgr. Georg Austen: Die Erstkommunion ist für die teilnehmenden Kinder ein positiver Zugang und eine wertvolle Erfahrung auf ihrem Glaubensweg. Viele fiebern schon seit mehreren Jahren auf dieses Fest hin. Durch die Erstkommunion ändert sich etwas im Glaubensleben der Kinder und das spüren sie auch im Inneren: Es macht etwas mit ihnen, wenn sie mehr in die Mitte der Gemeinschaft gerückt werden. Viele Familien verbinden die Erstkommunion mit einer Feier in der Familie, mit Freunden, Paten und Verwandten, auch diese Aufmerksamkeit zeigt dem Kommunionkind: Du bist wertvoll, dein Leben interessiert uns und es ist schön, dass du diesen Schritt in deinem Glaubensleben gegangen bist. Wichtig ist für mich die Frage, wie die Kinder nach dem Erstkommunionempfang weiter begleitet werden können, damit dieses Ereignis länger wirkt, als es dauert.

 

Traditionell geben Kinder und Eltern zur Erstkommunion eine Spende, die das Bonifatiuswerk erhält. Wohin fließt das Geld? Welche Projekte werden damit unterstützt?

 

Msgr. Georg Austen: Die Kommunionkinder unterstützen mit ihrer Spende die Kinderhilfe des Bonifatiuswerkes und teilen die Freude am eigenen großen Tag dadurch mit weniger privilegierten Kindern. Ihre Spende ermöglicht Kindern und Jugendlichen in der Diaspora auf vielfältige Weise eine Begegnung im Glauben und konkret erfahrbare Hilfe im caritativen und sozialen Bereich. Diese Haltung der Solidarität aus dem Glauben heraus ist auch ein Lernprozess, eine wertvolle Haltung. Unterstützt werden ambulante Kinderhospizdienste, Kinderdörfer, Wohngruppen für Kinder und Jugendliche mit Behinderung sowie Jugendsozialeinrichtungen. Auch Gemeinschaft und Glaubenserlebnisse während Religiöser Kinderwochen oder in katholischen Kindertagesstätten werden gefördert. Beispielhaft für die vielen Projekte steht in diesem Jahr das St.-Josef-Haus der Caritas in Berlin-Neukölln. Dort werden Kinder ab sechs Jahren aufgenommen, deren Eltern nicht in der Lage sind, sie selbstständig zu erziehen. Im Kinder- und Jugendhaus werden sie nicht nur betreut und auf ein eigenständiges Leben vorbereitet, sondern sie erfahren vor allem Gemeinschaft, Geborgenheit und Liebe.

 

Das diesjährige Leitwort zur Erstkommunionaktion des Bonifatiuswerkes heißt: „Bei mir bist du groß!“ Was für ein Verständnis dürfen wir von Gott haben, wenn wir bei ihm groß sind?

 

Msgr. Georg Austen: Die Gesellschaft schaut oft zu sehr auf die Erwachsenen. Auch in der Corona-Pandemie sieht man das: Was es für Kinder bedeutet, die noch in der Entwicklung sind, wenn sie weder Freunde, Sportvereine noch Spielplätze besuchen dürfen, lässt sich nicht mit Erwachsenen vergleichen, die auch Verzicht üben müssen. Für Gott spielt das Alter keine Rolle. Als die Jünger Jesu Kinder nicht zu ihm lassen wollten, ermahnte Jesus sie: Man solle die Kleinsten zu ihm lassen. Doch nicht nur Kinder, auch viele andere Menschen werden von der Gesellschaft als „klein“ betrachtet oder „klein“ gemacht: Kranke, Bedürftige, Flüchtlinge, Kriminelle. Diese Menschen interessieren Gott ebenso und er ist neugierig auf sie. An der Haltung Jesu können wir sehen, dass er all diese Menschen mit offenen Armen willkommen heißt. Manche verstehen diese Haltung nicht, doch Gott liebt jeden Menschen bedingungslos. Er schaut nicht auf die Größe, Klugheit oder Fehler – bei ihm darf jeder sich vollkommen angenommen und akzeptiert fühlen. Er zeigt dabei auch Wege der Umkehr auf. Wer sich auf diese Beziehung zu Gott einlässt, erfährt etwas ganz Besonderes – und diese Begegnung prägt das Leben.

 

„Jesu Freund, ja, das bist du“ heißt es im Mottolied 2022. Wie äußert sich diese Freundschaft bei Ihnen?

 

Msgr. Georg Austen: Die Freundschaft bedeutet für mich ein inneres Bewusstsein, dass Gott da ist und ich in IHM bin. Es ist ein Vertrauen, dass die Beziehung zu Jesus mein Leben trägt und prägt, mir Zuversicht und Orientierung für meinen Lebensweg gibt – auch in der Gemeinschaft, die wir „Kirche“ nennen.

 

 

Das Gespräch führte Simon Helmers, Bonifatiuswerk.

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Autor: Bonifatiuswerk - zusammengestellt von Gert Holle - 9.03.2022