Besinnlich und heiter

Amtliche Vertretung

Foto: Archiv
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Ein Christ - er hält es wie die meisten
im Hinblick auf die Christlichkeit -
ist schlau, Vertretung sich zu leisten:
Ein andrer opfre Müh und Zeit!

Was soll denn einer selbst berühren,
wo gut ein andrer tragen kann?
Ein Profi mag sich christlich führen...
Der Pfarrer ist der rechte Mann!

So also lässt der Christ beim Beten,
beim Helfen und Zur-Kirche-Gehn
recht gern vom Pfarrer sich vertreten:
So kann er selber ferne stehn!

So gilts in allen Christen-Dingen.
Der Pfarrer hat sich insgesamt
(auch weltlich!) menschlich einzubringen:
Was hat er sonst sein hohes Amt?

Da wäre wo ein Streit zu schlichten;
man könnte selbst... Man ist bequem:
Der Pfarrer mag die Sache richten!
Ist doch sein Fach! (Wie angenehm!)

Da ist ein Nachbar tief im Leiden,
ein andrer liegt seit Wochen krank,
doch lässt sich, selbst zu gehn, vermeiden:
Der Pfarrer geht! (Na, Gott sei Dank!)

Da wär vom Glauben was zu sagen,
ein Zeugnis über Ziel und Sinn...
"Da musst du mal den Pfarrer fragen,
der weiß, woran ich gläubig bin!" -

So gehts in manchem Christenleben,
doch eines, das vergisst man meist:
Am Schluss kanns kein Vertreten geben,
wenns selber abzutreten heißt!


Autor: Pfarrer Manfred Günther; Foto: Archiv - 19.9.2014