Besinnlich und heiter - aktuell

Gleichnis - (Ein Nachtrag zum Erntedankfest)

Foto: Archiv
Foto: Archiv

Ein Christ hat eine weiße Ziege...
(...das heißt, bevor ich mit dem Block
der Feministen Ärger kriege:
Das Tier ist weiblich und ein Bock!)

Die Ziege also ist beim Grasen,
sie weidet vor des Christen Haus
und zupft genüsslich aus dem Rasen
die saftig-grünen Kräuter aus.

Sie hat es gut, darf immer fressen;
das Fell ist glänzend, schön und glatt.
Der frische Trunk ging nicht vergessen:
Dort steht der Trog, sie säuft sich satt.

Der Weidegrund, die fette Wiese,
schenkt alles, was der Ziege nützt,
ein Leben wie im Paradiese:
Gehegt, gepflegt, ernährt, beschützt.

So gibt die Ziege - will man denken -
für Pflege, Güte, Schutz und Glück
als ihren Dank für all das Schenken
in Form von Milch auch gern zurück...

Doch weit gefehlt: Nicht eine Tasse!
Es zählt nur, dass ihr Futter stimmt
und keiner ihr ans Euter fasse!
Sie lebt für sich, sie grast und nimmt. -

Der Christ, so denk ich, wird verstehen,
was dieses Gleichnis' Deutung meint...
Sonst mag er hin zum Spiegel gehen:
Die „Ziege“ ists, die dort erscheint! -

Wenn nicht, kanns zweierlei bedeuten:
Des Christen Spiegelglas ist blind.
(Vielleicht auch zählt er zu den Leuten,
die wirklich tätig dankbar sind?)



Autor: Manfred Günther; Foto: Archiv - 09.10.2014