Besinnlich und heiter

Sicherheitsmaßnahme

Foto: Archiv
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(Wenn Sie sonntags zum Gottesdienst geht
und Er zu Hause bleibt.)


Ein Christ (es ist die Christin heute!)
trifft gegen elf zur Kirche ein.
Zu Hause - was den Gatten freute - schmort schon ein Bratenstück vom Schwein.

Das solls nachher zu Mittag geben.
Doch brauchts ein gutes Stündchen Zeit.
Das reicht, die Seele zu erheben
im Gottesdienst von Pfarrer Reith,

dems meist gelingt, es kurz zu machen.
Schon kommt er auch den Gang entlang
gewandet in den schwarzen Sachen...
Die Christin schaltet auf Empfang

und öffnet sich der frohen Kunde,
die Pfarrer Reith zu sagen hat,
erlebt der Woche schönste Stunde:
Hier werden Herz und Seele satt.

Dem Mann zu Hause ist befohlen,
dass er halb zwölf den Braten dreht
und ihn im Bräter rauszuholen,
wenns gegen elf Uhr fünfzig geht.

Sie selbst kehrt nur Minuten später,
versprach sie, kurz nach zwölf zurück.
Solang bleibt warm das Schwein im Bräter.
Dazu gibts Bauernbrot ein Stück

und noch Salat, der ist schon fertig.
Ein Pudding rundet das Gericht. -
Nun fragt man sich, wies gegenwärtig
- wer kennt die Gier der Männer nicht? -

die Christin schafft, entspannt zu bleiben,
dass sie hier betet, hört und singt,
derweil ihr Mann vielleicht in Scheiben
das Schwein zu Haus allein verschlingt?

Die Christin sitzt, was schwer zu glauben,
ganz unbeschwert im Gottesdienst,
Nichts kann ihr ihre Ruhe rauben.
Sie lächelt gar, ach nein, sie grienst!

Da fragt man sich, wie mag das kommen?
Hat wohl des Pfarrers Predigtwort
Befürchtung und Verdacht genommen
und nahm auch die Bedenken fort,

ihr Männe könne sich alleine
(vielleicht gerade momentan?)
dem Sonntagsbratenstück vom Schweine
verfrüht in böser Absicht nahn?

Ach was! Sie macht sich keine Sorgen,
weil das Gebiss, da liegt es gut,
des Mannes seit dem frühen Morgen
in ihrer Manteltasche ruht!

Autor: Pfarrer Manfred Günther; 8.05.2014