Journal / Besinnlich und heiter

Foto: Archiv
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Ein Christ will im Advent statt Hetzen,
sich öffnen und besinnlich sein.
Er möchte neu Akzente setzen:
mit Bibel und mit Kerzenschein.

Die „Kerzen“ hat er schnell gefunden
(das erste Licht auch schon entfacht)
nur seine Bibel bleibt verschwunden,
was hat er bloß mit der gemacht?

Er weiß genau: Er hatte eine,
zur Trauung gabs die doch geschenkt!
So eine schwarze, gar nicht kleine...
Der Christ besinnt sich, denkt und denkt...

Bald sieht man ihn sein Haus durchwühlen;
er stemmt und stapelt, räumt und hetzt;
er schaut in Schränken, unter Stühlen,
sogar im Keller noch zuletzt.

Doch kann und kann er sie nicht finden!
Er ist entnervt und schweißdurchnässt.
(Wärs besser nicht, statt sich zu schinden,
er hielte an „Besinnung“ fest?!)

Es ist zu spät! Jetzt will ers wissen!
Er fegt und forscht im ganzen Haus,
das Auge starr, der Mund verbissen,
der ganze Christ sieht grimmig aus!

Und schließlich kommt er ganz nach oben:
Durchkämmt den Speicher, kramt und sucht;
so manche Truhe wird geschoben,
es wirbelt Staub, er keucht und flucht...

und endlich - tief in einer Kiste
(der Tipp mit „Trauung“ stimmt genau!)
erspäht er sie, die lang vermisste,
beim Hochzeitskleid von seiner Frau!

Nun sieht man ihn ganz müd vom Hetzen
mit seiner Bibel in der Hand,
sich zur Besinnung niedersetzen,
schon sind zwei Kerzen angebrannt...

Doch er, derweil es flackernd schummert,
fällt nach und nach in süße Ruh
und eben ist er ganz entschlummert...
sein Schnarchen setzt „Akzent“ dazu!





Autor: Manfred Günther; Foto: Archiv - 3.12.2014