Textile Erwerbungen und Sammlungsstrategien europäischer Museen in der NS-Zeit

Foto: Nünnerich-Asmus
Foto: Nünnerich-Asmus

  • Thematisierung von Kulturgutraub mit dem Schwerpunkt Textil anhand konkreter Beispiele
  • Erstmals Handelnde und Staatsorgane der NS-Zeit gemeinsam erfasst

 

Textilsammlungen in der Zeit des Nationalsozialismus
Textilien wurden bislang nur selten in den Fokus der Provenienzforschung genommen. Dies geht aus einer umfassenden Recherche zum Erwerb der Trachtensammlung aus dem Besitz des Malers Paul Prött im Jahre 1943 hervor, die vom Deutschen Textilmuseum durchgeführt wurde. Die Sammlung gelangte 1943 an die Gewebesammlung der Textilingenieurschule Krefeld, den Vorgänger des Deutschen Textilmuseums.


Um die Diskussion über diese Materialgattung zu eröffnen und darzulegen, dass auch hier Forschungsbedarf besteht, lud das Deutsche Textilmuseum Forscherinnen und Forscher im September 2017 zu einem internationalen Symposium nach Krefeld ein, um die wenigen Fallbeispiele zusammen zu tragen.
Von besonderem Interesse waren hierbei die Verbindungen europäischer Sammler und Sammlungen untereinander, aber auch die internationalen Verfl echtungen und Mechanismen des Kunsthandels, die Erfassung von handelnden Staatsorganen sowie die in Erscheinung tretenden Protagonisten.

 

 

Die Provenienzforschung in Deutschland hat mit dem Fall Cornelius Gurlitt einen Schub in der öffentlichen Wahrnehmung erhalten, den dieses Thema bis dato nicht hatte. Standen bisher nur Gemälde und Skulpturen im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung, werden mit dem Sammelband „Textile Erwerbungen und Sammlungsstrategien europäischer Museen in der NS-Zeit“ nun erstmals Textilien, darunter u. a. Kleidung, Tapisserien, große Gobelins oder persische Seidengewebe auf ihre Herkunft untersucht.
Thematisiert werden die den Textilien eigenen Schwierigkeiten der Zuordnung zu ihren ursprünglichen Besitzern, die Rahmenbedingungen für die unrechtmäßige Enteignung der Textilien durch die Nationalsozialisten und die Schwierigkeiten der Rückführung in ihre Herkunftsländer, wenn sich dort die politischen Umstände grundsätzlich verändert haben.
Dieses Werk schlägt mit der bisher unbeachteten Thematik der Textilien ein neues Kapitel in der Provenienzforschung auf.

 

Annette Paetz gen. Schieck, Dirk Senger (Hrsg.)

Textile Erwerbungen und Sammlungsstrategien europäischer Museen in der NS-Zeit
€ 25,00 (D) / € 25,70 (A)
168 Seiten, 65 Abbildungen
17 x 24 cm
gebunden
ISBN: 978-3-96176-095-4

Nünnerich-Asmus-Verlag

 

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Autor: Nünnerich-Asmus Verlag zusammengestellt von Gert Holle – 16.10.2019