Bundesweite Diaspora-Aktion der katholischen Kirche

Foto: Bonifatiuswerk
Foto: Bonifatiuswerk

Diaspora-Aktion 2017 – Aufruf der deutschen Bischöfe

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

„Ich werde dich segnen. Ein Segen sollst du sein“ (Gen 12,2b.d). Diese Zusage und dieser Auftrag Gottes an Abraham dauern bis heute fort. Sie gelten auch uns. Weil wir von Gott Gesegnet sind, können wir segnen und Segen sein für andere.

 

Die diesjährige Diaspora-Aktion des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken steht unter dem Leitwort: „Unsere Identität: Segen sein“. Zum Segen werden auch die kleinen katholischen Minderheiten in der deutschen Diaspora, in Nordeuropa und im Baltikum, wenn sie sich engagiert und kreativ für andere einsetzen. In Gebet, Wort und Tat sind sie Zeugen des Glaubens in schwierigem Umfeld.  

 

Die Katholiken in der Diaspora brauchen dazu unsere Hilfe. Denken wir an die baltischen Länder, wo viele alte, einsame und pflegebedürftige Menschen von uns Christen praktische Unterstützung und ein liebevolles Wort erfahren. Rufen wir uns die Situation in den flächenmäßig riesigen Pfarreien Nordeuropas vor Augen, wo begeisternde Gläubige wichtig sind, um Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit der Botschaft vom Reich Gottes in Kontakt zu bringen.  

 

Liebe Schwestern und Brüder, wir bitten Sie anlässlich des Diaspora-Sonntags am 19. November um Ihr Gebet und Ihre großzügige Spende bei der Kollekte für das Bonifatiuswerk. 

 

Für Ihr segensreiches Tun sagen wir Ihnen ein herzliches „Vergelt’s Gott“.

Diaspora-Aktion 2017

 

Leitwort: „Keiner soll alleine glauben. Unsere Identität: Segen sein.“

 

Ein Leben mit Gott ist nichts für Stubenhocker. Das durfte auch Abraham erfahren. Er wurde von Gott gerufen, sich auf den Weg zu machen. Nicht nur für sich, sondern vielmehr für andere. Damit er ein Beförderer von Gottes Segen wird. Erst im sich Aufmachen für andere, kommt der Segen, den man selbst erhalten hat, zur vollen Entfaltung. Die Ansprache Gottes ist also nicht etwas abgrenzend Exklusives. Insbesondere in der Diaspora ist es von großer Bedeutung, wechselseitig Segen zu sein. Für Christen untereinander und ausdrücklich für die Menschen, die Gott noch nicht kennen. Damit niemand allein glauben muss, denn „auf den Straßen dieser Welt verbirgt sich Gott“, so die Selige Magdalena Delbrêl. Wer Gott finden will, muss also raus aus der Bequemlichkeit des Alltags. Als Christen ist es unsere Identität: Segen sein.

 

 

 

Leitmotiv zur Diaspora-Aktion

 

Es gibt wohl niemanden in unseren Breiten, der das nicht kennt: Es beginnt zu regnen und der Schirm liegt… natürlich daheim. Manchmal prasseln im Leben ebenso schlechte Nachrichten und Ereignisse auf einen herunter, wie ein starker Schauer. Das Gefühl, dem schutzlos ausgeliefert zu sein, lässt einen ohnmächtig zurück. Wie gut tut es dann, wenn jemand da ist, der einen lieben Blick schenkt. Jemand, der ein liebevolles Wort spricht. Der einfach schützend die Hand über einen hält, so wie es das Plakat zum Leitmotiv der Diaspora-Aktion es verdeutlicht. Das ist dann wirklich ein Segen. Durch den Zuspruch Gottes in der Taufe, sind wir als Christen besonders dazu aufgefordert, ein ebensolcher Segen zu sein. Das gilt speziell für die Gemeinschaft mit unseren Schwestern und Brüder in der Diaspora, die wir nicht im Regen stehen zu lassen können.

 

 

 

Diaspora-Kollekte am 19. November 2017

 

Am 19. November ist ein wichtiger Tag der Solidarität mit jenen Glaubensgeschwistern, die in Deutschland, Nordeuropa und dem Baltikum in einer extremen Minderheitensituation ihren Glauben leben. Der Diaspora-Sonntag eröffnet die Chance, Segensaufbrüche in der Diaspora zu ermöglich, durch die der Glaube in einer entchristlichten Gesellschaft neu zur Sprache gebracht wird. Ihre Spenden werden ein Segen für die zu unterstützenden Projekte sein, die eine Gemeinschaft der Glaubenden ermöglichen. Helfen Sie mit am Diaspora-Sonntag 2017, denn „Keiner soll alleine glauben“.

 


Unsere Kirche ist keine Betonkirche

Foto: Bonifatiuswerk
Foto: Bonifatiuswerk

 

 

 

Im Gespräch mit Monsignore Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes. Das Interview führte Patrick Kleibold.

 

Unsere Gesellschaft befindet sich in einem Wandel. In vielen Regionen breitet sich die Diaspora weiter aus. Was bedeutet das für die Arbeit des Bonifatiuswerkes?

 

Monsignore Austen: „In der Tat, Diaspora breitet sich aus. Dies hat mehrfache Gründe. Dabei ist natürlich jeder Austritt eines Menschen aus unserer Glaubensgemeinschaft schmerzhaft. Vielerorts gibt nicht nur eine zahlenmäßige Diaspora, sondern auch eine emotional geprägte Glaubensdiaspora. Auch in traditionell katholisch geprägten Gebieten sind oftmals praktizierende Gläubige mehr und mehr allein. Für uns im Bonifatiuswerk bedeutet das, zunächst einmal genau hinzusehen und wahrzunehmen wo die Gründe dafür liegen. Wir müssen uns die Fragen stellen: Welche Gestalt von Kirche können und wollen wir heute für morgen fördern und wie können wir heute im Sinn des Heiligen Bonifatius Gutes tun, für das Evangelium werben und solidarisch handeln?“

 

Die Diaspora-Aktion steht unter dem Leitwort „Unsere Identität: Segen sein“. Wie kann jeder einzelne von uns zum Segen für die Christen in der Diaspora werden?

 

Monsignore Austen: „Jeder Mensch ist ein Segen Gottes. Und wer sich von Gott gesegnet weiß, der kann nicht anders als diesen Segen weiterzugeben. Wenn wir segnen vertrauen wir einen Menschen Gott an. Du bist für mich ein Segen, das kann heißen, ich erfahre durch dich Unterstützung – du betest für mich. Menschen erfahren, dass sie nicht alleine sind, auch nicht in ihren Lebensnöten. Durch unseren Segen können sie Glaubensgemeinschaft erfahren. Gerade in einer Welt, die oftmals Gott ausklammert, sind Menschen die segensreich wirken ein Geschenk. Letztlich heißt segnen, jemanden die Berührung Gottes spüren zu lassen und mit seinem Leben in Berührung zu kommen.“

 

Sie beziehen Sie Sich auf Gottes Zusage und den Auftrag an Abraham: „Ich werde dich segnen. Ein Segen sollst du sein.“ Was heißt das konkret, nicht nur für den einzelnen, sondern für die ganze katholische Kirche und das Bonifatiuswerk?

 

Monsignore Austen: „Wer den Segen empfängt, kann tiefer und weiter blicken. Es geschieht so viel gutes, gerade durch die Christen in der Diaspora, wo Menschen Orte finden und aufatmen können, wo Lebensbrüche heilen und konkrete Hilfe erfahren wird. Ich bin immer wieder sehr berührt, wenn ich in den Projekten sehe, wie sich Menschen vom Evangelium inspiriert und getragen für andere einsetzen. Ich finde es wichtig, dass wir auch in einer Welt für diejenigen eintreten, die am Rande stehen, deren Leben geschwächt ist und die in den Augen der Gesellschaft keinen Nutzen und keine Leistung bringen. Durch die Zusage Gottes spüren wir, dass er uns in allen Höhen und Tiefen unseres Lebens nicht alleine lässt. Diese Zusage ist zugleich Auftrag an uns, in ökumenischer Verbundenheit und mit allen Menschen guten Willens das Wirken Gottes in dieser Welt sichtbar zu machen.“

 

Sie sind häufig in Diaspora-Regionen unterwegs. Sie kennen die Sorgen und Nöte, ebenso die Chancen und Herausforderungen. Was würden Sie einem Katholik sagen, warum er seine Glaubensgeschwister in der Diaspora nicht nur im Gebet sondern auch in der Tat unterstützen soll?

 

Monsignore Austen: „Ja, es gibt in Deutschland, Nordeuropa oder dem Baltikum Glaubensbrüder- und Schwestern die unbedingt eine finanzielle Unterstützung brauchen, da sie oftmals materiell arm sind und in großen Entfernungen voneinander leben. Sie brauchen Räume, um sich treffen zu können. Sie brauchen Glaubensräume, wo der Glaube gefeiert und erschlossen wird, Glaubensbildung geschieht und Katechese stattfinden kann. Sie brauchen Unterstützung, wie durch unsere BONI-Busse als mobile Glaubenshelfer, und gerade auch in den vielen caritativen Projekten, in denen ersichtlich wird, dass Gebet füreinander und Solidarität miteinander unzertrennlich zusammengehören. Wir können vieles lernen von den Diasporaregionen, in denen Menschen Glaubenszeugnis geben. Gerade in Nordeuropa spüre ich – trotz aller Probleme – immer wieder Zeichen der Ermutigung einer sich im Aufbruch befindenden jungen und internationalen Kirche.“

 

Als Bonifatiuswerk liegt Ihnen insbesondere die Glaubensbildung am Herzen. Warum ist diese so wichtig für ein gutes Miteinander in unserer Gesellschaft?

 

Monsignore Austen: „Menschen müssen heute erleben, dass unsere Kirche einladend ist. Sie ist keine Betonkirche. Sie ist eine Kirche mit Herz. Dieses Herz öffnet sich für die Fragen und Nöte der Menschen und hilft ihnen beim Suchen und Ringen nach Lebensperspektiven. Sie hat ein Herz, das in den Wüsten unseres Alltags etwas von der Barmherzigkeit Gottes wiederspiegelt. Durch dieses Herz spüren wir: Gott lässt uns nicht allein. Jeder ist willkommen und wird mit seinen Lebensbrüchen und Lebensfragen angenommen.

 

Das Bonifatiuswerk ist ein Hilfswerk für den Glauben. Vielen sind heute die Inhalte und Grundlagen unseres Glaubens fremd. Den Glauben kann ich nicht machen oder erzwingen. Er ist zunächst ein Geschenk. Aber wenn ich mich entscheide den Weg des christlichen Glaubens zu gehen, muss ich auch Möglichkeiten haben die Grundlage des Glaubens kennenzulernen. Dies kann nur durch Menschen geschehen, die selbst Zeugnis vom Glauben geben und auskunftsfähig sind über dessen Inhalte. Wir werden oft gefragt was unseren Glauben ausmacht und wie er in der heutigen schnelllebigen Zeit Antworten auf notwendige Fragen geben könne. Gerade hier ist die Glaubensbildung wichtig, besonders in der Kinder- und Jugendkatechese. Ich denke, auch für Erwachsene ist es an der Zeit, aus dem Kommunionanzug herauszuwachsen und Wege erwachsenen Glaubens zu suchen. Denn nur so können wir mit Andersdenkenden und Andersglaubenden in einen Dialog treten. Hier bin ich sehr froh, dass das Bonifatiuswerk sehr viele Projekte unterstützen kann. Dies kann nur durch die vielen Spenderinnen und Spender gelingen, denen ich für ihr großherziges Engagement danke.“

 

Was bedeutet Gottes Zusage „Ein Segen sollst Du sein“ für Ihre persönliche Identität?

 

Monsignore Austen: „Für mich persönlich bedeutet der Segen, dass ich die Schöpfung und den Menschen bejahe und aus der Zuversicht lebe, dass ich mich im Unglück wie im Leid sowie im Gelingen und Scheitern von Gott gesegnet weiß. Ich weiß um den Anspruch, dass ich als Gesegneter mit meinen Gaben und Fähigkeiten, meinen Grenzen und Möglichkeiten sowie meinen Fehlern und Sehnsüchten zum Segen für andere werden soll. Das hoffe ich und dafür bete ich. Das schönste Kompliment für mich ist, wenn mir jemand sagt oder ich anderen sagen kann, Du bist ein Segen. Du bist eine Seele von  Mensch und bist so zum Segen für Andere geworden.“

 

 

 

 

 

Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken

 

Das Bonifatiuswerk unterstützt katholische Christen überall dort, wo sie in einer extremen Minderheitensituation ihren Glauben leben. Es fördert so die Seelsorge in den Bereichen der Deutschen- und Nordischen Bischofskonferenz (Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland und Island) sowie in den baltischen Staaten Estland und Lettland.

 

 

 

Als ein Werk der Solidarität und des missionarischen Wirkens, sammelt das Bonifatiuswerk Spenden und stellt diese u. a. für den Bau von Kirchen und Gemeindezentren, für die Kinder- und Jugendseelsorge und für sozial-caritative Jugendprojekte als Hilfe zur Selbsthilfe objekt- und projektgebunden zur Verfügung. Das Bonifatiuswerk erfüllt damit den Auftrag zur Förderung der Diaspora-Seelsorge, den es von der Deutschen Bischofskonferenz erhalten hat. Gefördert wird so die Weitergabe des Glaubens, Orte der Begegnung und der Gemeinschaft und die pastorale Begleitung und Förderung von Katholiken.

 

 

 

Diese Aufgabe nimmt das von Laien und Priestern gegründete Hilfswerk bereits seit 1849 wahr. Es gehört zum Selbstverständnis des Bonifatiuswerkes, den missionarischen Auftrag der katholischen Kirche aktiv zu unterstützen und besonders dort tätig zu werden, wo Katholiken in einem glaubensfremden und zunehmend ungläubigen Umfeld leben.

 

 

 

 

 

Spendenkonto:

 

BIC: GENODEM1BKC

 

IBAN: DE46472603070010000100

 

Bank für Kirche und Caritas Paderborn eG

 

 

 

Weitere Informationen unter www.bonifatiuswerk.de.

 


„Wir begleiten Familie“

 

 

 

Inmitten der lettischen Diaspora stärkt das „Svētās Ģimenes Māja“ katholische Familien mit einem vielfältigen Angebot

 

von Markus Nowak

 

Geschirrgeklapper, angeregte Tischgespräche, ein CD-Spieler spielt leise Klaviermusik. Einmal in der Woche verwandelt sich das kleine Haus in der Klostera iela 5, inmitten der Rigaer Altstadt, in ein Restaurant der besonderen Art. Serviert wird dann nur ein einfaches Menü, bedient aber werden ausschließlich verheiratete Paare. „Laulāto kurss“, also „Ehekurs“, nennt sich die Seminarreihe hier im „Svētās Ģimenes Māja“, dem „Zentrum der Heiligen Familie“. Und unter den 20 Teilnehmern sind junge Paare, wie Egita und Sanijs Volinskis.

 

„Eigentlich haben wir keine Probleme in der Ehe“, sagten die beiden Mittdreißiger. Da sie aber beruflich sehr eingespannt und mit ihren fünfjährigen Zwillingen und der zweijährigen Tochter viel beschäftigt sind, bleibt oft wenig Zeit für Zweisamkeit. „Es ist gut, wenn nur wir beide ein wenig Zeit miteinander verbringen und sei es nur ein gemeinsames Essen“, sagt die 35-jährige Egita. „Hier machen wir aber noch mehr: Manchmal bekommen wir Hausaufgaben auf und sollen dann darüber sprechen.“

 

Ins Gespräch kommen über die eigene Beziehung, darum gehe es bei den Paarabenden im Ģimenes Māja, sagt Dainis Stikuts. Zusammen mit seiner gleichaltrigen Frau Baiba leitet der 45-Jährige die Ehekurse für Verheiratete und kann sich vor Anmeldungen nicht retten. „Paare brauchen eine gemeinsame Tradition, wie ein Essen nur zu zweit“, sagt er aus der Erfahrung seiner 23 Ehejahre. Das Motto mancher Abende laute daher „Rendezvous“, dann gehe es darum, den Funken in langjährigen Beziehungen nicht zu verlieren, konstatiert Dainis.

 

Als Frischverliebte sind die heutigen Ehepaare früher gemeinsam essen gegangen, sprachen über ihre Träume und Sorgen und verbrachten Zeit miteinander. „Oft tritt der Alltag ein. Neben Job und Familie bleibt da keine Zeit mehr für die Beziehung“, ergänzt seine Frau Baiba. „Kirche bringt dann die Romantik“, lacht Ehemann Dainis. „Zumindest aber kann man Familienleben lernen“, relativiert der fünffache Familienvater. „Wir zeigen, dass es ist nicht perfekt wird. Aber, dass wir es hinbekommen.“

 

So gibt es bei den Abenden immer wieder Vorträge zum Familienleben und die Teilnehmer bekommen Arbeitshefte mit nach Hause. Darin stehen Tipps für Paare und auch manch Aufgabe, die gemeinsam mit dem Partner gelöst werden soll oder zur Reflektion über die eigene Beziehung anregen. „Der lettische Staat bereitet die Menschen nicht auf die Ehe vor“, konstatiert Andris Kravalis. Als Pfarrer der Maria-Magdalena-Kirche auf der gegenüberliegenden Straßenseite, zugleich Träger des „Svētās Ģimenes Māja“, kennt er die soziale Situation in Lettland gut.

 

So kommen statistisch auf 10 Eheschließungen 6 Scheidungen und fast jedes zweite Kind wird in Lettland nicht in eine Familie hineingeboren. Jene familienfeindliche Struktur sei noch ein Überbleibsel aus der Sowjetzeit, in der die katholische Kirche und somit ein christliches Menschenbild unterdrückt wurde. „Unsere Gesellschaft sieht Familie zu wenig als Wert an“, sagt Kravalis. „Es wird zu wenig getan, um Familien zu stärken.“

 

Dem will das „Svētās Ģimenes Māja“ entgegentreten. „Wir begleiten Familien“, sagt die Direktorin Inese Švekle und das „in guten und in schlechten Zeiten“. So gibt es nicht nur Ehekurse, sondern auch Angebote für junge Eltern aber auch Seniorengruppen. Zudem bestehen Therapieangebote für Menschen in Not und auch die Selbsthilfegruppen, wie Anonyme Alkoholiker, versammeln sich unter dem Dach des „Svētās Ģimenes Māja“.

 

Das Zentrum wurde zwar erst 2015 eröffnet, das Gebäude blickt aber auf eine lange Geschichte, die bis ins 13. Jahrhundert reicht. Im Keller ist die Geschichte des einstigen Zisterzienserklosters noch gut sichtbar: Hier wurde ein kleines Museum errichtet, wo manchmal die „Kunstwerke“ aus den Krabbelgruppen oder Malereien von Suchtkranken ausgestellt werden.  „Die Räume waren in einem schlechten Zustand, erst eine großzügige Unterstützung des Bonifatiuswerkes hat die Sanierung und die Eröffnung ermöglicht“, sagt Pfarrer Kravalis.

 

Das Bonifatiuswerk hat 100.000 Euro für das Familienzentrum inmitten der lettischen Diaspora zur Verfügung gestellt und zur Einweihung kam Monsignore Georg Austen persönlich nach Riga. Der Generalsekretär des Bonifatiuswerks überbrachte ein weiteres, wenn auch kleineres Geschenk. Ein buntes Kreuz, das nun über der Eingangstür hängt. „Es symbolisiert die Vielfalt unseres Hauses“, freut sich Direktorin Inese. „In Sorge für die Familie.“

 

Das bestätigen Mareks und Dace Kardasovi. Die beiden Rigaer sind seit zwei Jahren verheiratet und kommen nun zu den Paarabenden, da sie gute Erfahrungen in dem Ehevorbereitungsseminar hier gemacht haben. „Wir haben viele Freunde, die mal verheiratet waren und nun geschieden sind“, sagt der 23-jährige Student. „Eine Ehe kaputt machen geht leicht, aber an ihr arbeiten ist schwer und braucht Unterstützung.“ Und diese bekommen er und seine Frau im „Svētās Ģimenes Māja“.

 


„Wir sind für sie da“

 

 

 

 

 

Im Caritas Kinder- und Jugenddorf Markkleeberg finden Kinder ein neues Zuhause

 

 

 

Text: Alfred Herrmann

 

 

 

„Die Mädchen in meiner Klasse lachen immer nur“, versucht Jonny*, Rosanna zu ärgern. Er grinst und packt sich eine gehörige Portion Nudeln mit Speck auf den Teller. Rosanna lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und isst geduldig weiter. Beide besuchen die 4 b der örtlichen Grundschule. Jonny hat in der letzten Reihe seinen Platz, bei den Jungs, erklärt er, Rosanna in der Mitte. Zuhause allerdings essen sie gemeinsam zu Mittag.

 

 

 

Rosanna, Julia, Jonny, Timo, Andreas, Paul, Karla und Maria bewohnen „Haus 1“ des Caritas Kinder- und Jugenddorfes in Markkleeberg südlich von Leipzig. Die 7- bis 13-jährigen Jungen und Mädchen bilden die sogenannte „Familiennahe Wohngruppe“. Mindestens zwei Jahre lebt jedes Kind hier. Manche bleiben sogar bis sie erwachsen sind. Das Kinder- und Jugenddorf besteht aus insgesamt vier Häusern. 27 Jungen und Mädchen zwischen fünf und 18 Jahren haben hier ihr Zuhause.

 

 

 

Nach dem Essen ziehen sich die Kinder zur Mittagsruhe zurück. Sie haben auf ihrem Zimmer Zeit für sich. Paul schläft. Timo spielt mit seinem Playmobil-Krankenhaus. Rosanna verkriecht sich unter ihre Bettdecke und liest „Pferdegeschichten“. Sie findet das Kinderdorf okay. Allerdings wäre sie lieber bei ihren Eltern, gibt sie zu. „Meine Mama kann nicht richtig laufen und muss oft ins Krankenhaus. Mein Papa arbeitet immer bis tief in die Nacht“, erklärt sie, warum sie mit ihrer Schwester Julia im Kinderdorf lebt. Beide Mädchen fahren jedes zweite Wochenende nach Hause.

 

 

 

Jonny traf sich am Sonntag für sieben Stunden mit seinem Vater. Einmal im Monat ist das so verabredet. „Er hat mich hier abgeholt“, ist der Elfjährige stolz. „Bei ihm haben wir dann zwei Filme geguckt.“ Nachdenklich fügt er an: „Wenn ich meinen Papa nicht sehe, bin ich traurig.“ Timo kennt hingegen seinen Vater nicht mehr. Seine Mutter lebt mit einem anderen Mann zusammen. Ihm fällt es schwer, zu verstehen, warum gerade er im Kinderdorf leben muss und nicht einer seiner drei Brüder. Andreas kam vor zwei Monaten ins Kinderdorf. Auf die Frage, warum er hier ist, meint der Neunjährige: „Weil meine Eltern sich gestritten haben.“

 

 

 

„Wenn Kinder von ihren Eltern getrennt leben müssen, ist das immer eine Tragödie! Was ein Kind da durchmacht, das können wir uns nur ganz schwer vorstellen“, betont Kinderdorfleiterin Gabriele Fleck-Hartmuth. „Kinder brauchen den Kontakt zu ihren Eltern, auch wenn die Beziehungen zu den Eltern belastet sind.“ Die Sozialpädagogin sieht in der Zusammenarbeit mit den Eltern eine wichtige Aufgabe des Kinderdorfes. Mit Hilfe von Psychologen und Pädagogen soll der Faden nicht abreißen, auch wenn Kinder zu Hause Gewalt erfahren haben, vernachlässigt wurden oder Missbrauch ausgesetzt waren.

 

 

 

„Alle Kinder, die zu uns kommen, haben eine Situation im häuslichen Umfeld erleben müssen, die für sie sehr schwer war“, erklärt Fleck-Hartmuth. Sie spricht von Eltern, die aufgrund psychischer Erkrankungen oder körperlicher Einschränkungen nicht angemessen für ihre Kinder sorgen können, von Eltern, die aufgrund von Alkohol- und Drogensucht den Blick für ihre Kinder verlieren, von Eltern, die ihre Kinder zu Zeugen und zu Opfern von Gewalt machen. „Alle Kinder im Kinder- und Jugenddorf bringen psychische Verletzungen mit“, eröffnet die Leiterin der Einrichtung einen Blick hinter die oftmals nur vordergründig fröhlichen Gesichter der Jungen und Mädchen. Sie leiden unter posttraumatischen Belastungsstörungen, unter impulsiven Wut- und Gefühlsausbrüchen, zeigen Sprachdefizite, haben Konzentrationsschwächen und Schwierigkeiten, sich alleine zu beschäftigen. Symptome wie Aufmerksamkeitsstörungen oder Einnässen sind keine Seltenheit.

 

 

 

„Die Kinder sollen wissen, dass wir für sie da sind und mit ihnen durch ihre Krise hindurchgehen.“ Ein festes Team von Erziehern, Sozialpädagogen und einer Psychologin begleiten die Kinder durchs Leben. Sie sorgen sich um eine geeignete Schule, um Ergotherapie, Logotherapie, psychologische Betreuung. „Die Kinder und Jugendlichen brauchen eine feste Tagesstruktur und verlässliche Beziehungen“, nennt Fleck-Hartmuth die haltgebenden Eckwerte der Einrichtung. „Wir machen den Kindern Beziehungsangebote und durchleben mit ihnen einen klar durchstrukturierten Tag.“

 

 

 

Ab halb drei am Nachmittag sitzen die Kinder über ihren Hausaufgaben. Am großen Tisch im Wohnzimmer übt Jonny mit einem Erzieher Mathe: „Was ist ein Liter?“ lautet die Frage. Daneben schneidet Julia ein Bühnenbild für ihr Papiertheater aus, das sie in der Schule gebastelt hat. Andreas muss noch etwas ausmalen. Eine Erzieherin kontrolliert währenddessen das Hausaufgabenheft von Rosanna. Sie ist bereits fertig und freut sich auf die Freizeit. Für eine halbe Stunde darf die 10-Jährige ins Internet. Für sie heißt das, Musik hören und Comedy-Clips schauen.

 

 

 

Jonny fuhr letzten Sommer mit zur Religiösen Kinderwoche der Pfarrei St. Peter und Paul. Getauft ist er nicht, wie fast alle im Kinderdorf. Markkleeberg liegt in der Diaspora. Mehr als drei Viertel der Gesamtbevölkerung gehören in Sachsen weder einer christlichen Kirche noch einer anderen Religion an. Jonny interessiert sich dennoch an Religion. „Wir machen den Kindern religiöse Angebote“, betont Kinderdorfleiterin Fleck-Hartmuth. „Wir feiern die katholischen Feste im Jahreskreis, beten zum Essen und besuchen auch mal den Sonntagsgottesdienst.“ Wichtiger ist ihr jedoch die innere Haltung der Kinderdorfmitarbeitenden. „Durch unsere Haltung wird die religiöse Einstellung unserer Einrichtung deutlich, welche Wertschätzung man einem Kind entgegenbringt, mit welcher Geduld dem Kind vermittelt wird: ,Du bist okay, so wie du bist.‘“

 

 

 

*Namen der Kinder geändert

 


„Ein Stück Zuhause“

 

 

 

 

 

Ein Segen in der Diaspora: Im Kieler St. Antoniushaus leben Kinder und Jugendliche mit schwersten Behinderungen wie in einer Familie

 

 

 

Text: Alfred Herrmann

 

 

 

Gelb und rot, lila und grün – im gleichmäßigen Rhythmus ändert sich die Farbe des Lichts, das die Wassersäule durchdringt. In unendlicher Zahl steigen in ihr Luftblasen auf und entfalten in dem dunklen Raum ein faszinierendes Farbenspiel. Starr richtet Lisa ihren Blick der Säule entlang nach oben. Ihre Augen und ihr Mund sind weit aufgerissen. Mit ihren beiden Händen umschlingt Simone Schetsche den zerbrechlichen Körper der kleinen Vierjährigen und drückt ihn liebevoll an sich. Lisa kann nicht alleine sitzen. Das Wunderwerk direkt vor ihren Augen erkennt sie nur schemenhaft.

 

 

 

Schetsche hat sich mit Lisa für eine halbe Stunde in die Stille des Snoezelenraums zurückgezogen. Die Kinderkrankenschwester ist die Bezugsbetreuerin des kleinen Mädchens. „Lisa fühlt, dass da etwas ist. Und sie genießt den direkten Kontakt auf meinem Arm.“ Von alleine kann Lisa nur wenig. Sie wird mittels Magensonde ernährt, kann nicht sprechen, sitzt im Rollstuhl.

 

 

 

Lisa lebt im Wohnbereich für Menschen mit Schwerst-Mehrfach Behinderungen des St. Antoniushauses in Kiel. Die Einrichtung mit verschiedenen Hilfsbereichen wird vom Sozialdienst katholischer Frauen Kiel (SkF) betrieben und durch das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken finanziell unterstützt. 33 Kinder und Jugendliche zwischen null und 18 Jahren sowie 20 junge Erwachsene wohnen hier in sechs Gruppen. „Unsere Bewohner leben mit starken geistigen wie auch körperlichen Einschränkungen, von schweren Formen des Down-Syndroms über Probleme durch Sauerstoffmangel bei der Geburt bis hin zu schweren Verletzungen durch Unfälle und körperliche Misshandlung“, erklärt Myriam Hahnkamm, die Leiterin des Wohnbereichs.

 

 

 

Fast alle Bewohner werden über eine Magensonde ernährt, leiden unter Inkontinenz und können sich nur sehr eingeschränkt bewegen. Nur wenige sind in der Lage, ihre Wünsche und Bedürfnisse über die Sprache zu äußern. Die meisten kommunizieren auf non-verbalen Wegen. „Unsere Bewohner haben eine eingeschränkte Lebenserwartung. Unser Auftrag ist es, diese Zeit für sie gut zu gestalten“, betont Hahnkamm. „Wir versuchen uns, in jeden einzelnen einzufühlen und dementsprechend den Tagesablauf und das Umfeld zu gestalten, um auf diesem Weg seine Lebensqualität zu fördern.“

 

 

 

Stolz zeigt Andreas sein Zimmer. Ein Bett, ein Schrank, an der Decke ein buntes Mobile, über dem Schreibtisch eine Pinnwand: sieben Felder, für jeden Tag eines: ein Wochenplan aus kleinen Bildern. In den Regalen des Zwölfjährigen liegen Gesellschaftsspiele, CDs, Bilderbücher, ein Bagger, ein LKW. Vormittags geht Andreas in das nahegelegene Förderzentrum für geistige Entwicklung zur Schule. Am Nachmittag erledigt er Hausaufgaben, spielt, oder es geht gemeinsam zum Einkaufen oder auf den Spielplatz. Mal machen die Kinder einen Ausflug, mal muss ein Arztbesuch absolviert werden. Im Sommer steht eine gemeinsame Ferienfreizeit an. Andreas wohnt mit sieben weiteren, jüngeren wie älteren Kindern und Jugendlichen, in einer Wohngruppe zusammen. Sämtliche Wohngruppen sind altersdurchmischt. „Wir leben hier Alltag, ähnlich wie in einer Familie. Die Kinder streiten sich wie Geschwister, kuscheln zusammen, fragen nach, wenn jemand fehlt“, erklärt Myriam Hahnkamm.

 

 

 

„Wir bieten unseren Bewohnern ein Stück Zuhause“, betont Jochen Weber das Motto des St. Antoniushauses. Er leitet den Kinder- und Jugendhausbereich, der sich ebenfalls unter dem Dach der katholischen Einrichtung in der Kieler Rüsterstraße befindet. In drei Kinder- und einer Jugendhausgruppe sowie einem Verselbständigungshaus leben 43 Mädchen und Jungs, für die es schwierig geworden ist, bei ihren Eltern aufzuwachsen. Daneben bietet die Einrichtung zehn Plätze für junge Mütter, die im Umgang mit ihren Babys überfordert sind und Begleitung brauchen. Außerdem befindet sich im St. Antoniushaus eine Kita für 57 Kinder.

 

 

 

Mitten in der Diaspora – in Schleswig-Holstein liegt der Anteil katholischer Einwohner bei nicht mal sechs Prozent – ist das St. Antoniushaus ein Segen für Kinder und Jugendliche, die auf Hilfe im Leben angewiesen sind. „Unser Leitwort: ,Da sein – Leben helfen‘ versuchen wir mit dem St. Antoniushaus in der Diaspora zu verwirklichen“, unterstreicht Renate Linders vom Vorstand des SkF-Kiel. Zwar finanzieren die örtlichen Kostenträger, wie gesetzlich zugesichert, den laufenden Betrieb, dennoch unterstreicht Linders: „Nicht alles, was unseren Schutzbefohlenen gut tut, wird heute von den Kostenträgern bezahlt!“ Sie ist daher dankbar für die Unterstützung durch das Bonifatiuswerk. Die Hilfe aus Spendenmitteln ermögliche in vielen Fällen das Mehr, das eine intensivere individuelle Förderung jedes einzelnen Bewohners zulässt – nicht zuletzt im Snoezelenraum.

 

 

 

Nachdem Lisa noch einige Zeit in der Klangwiege verbracht hat, verlässt Simone Schetsche mit ihr den Snoezelenraum und Svea von Drathen schiebt Jan herein. Der Teenager liebt es auf dem Wasserbett zu liegen und darauf leicht hin und her zu schaukeln. Die Betreuerin hebt den Jungen aus dem Rollstuhl auf die schwabbelige Matte und schaltet die Diskokugel ein. Der sich gleichmäßig drehende Spiegelball zeichnet leuchtende Muster in wechselnden Farben auf Wände und Decke. Ruhe kehrt ein. Zufrieden schaut Jan den kreisenden Lichtpunkten hinterher.

 


„Jeder Sonntag ist für uns wie Pfingsten in Jerusalem“

Foto: P. Kleibold
Foto: P. Kleibold

 

 

 

Im Gespräch mit dem Bischof von Oslo, Bernt Eidsvig, über die Situation der katholischen Kirche in Norwegen. Das Interview führte Patrick Kleibold.

 

Wie entwickelt sich derzeit die Katholische Kirche in Norwegen?

 

Bischof Bernt Eidsvig: „Die große Einwanderung ist zurückgegangen. Es gibt jedoch sehr viele Einwanderungen von Katholiken aus Polen, Litauen und neuerdings auch aus Kroatien. Die Situation ist jedoch ein bisschen stabiler geworden. Im europäischen Vergleich wächst unsere Kirche immer noch sehr schnell. So ein Wachstum zu verkraften, verlangt sehr viel.“

 

Wie viele Katholiken leben derzeit in Norwegen und wie viele Priester stehen Ihnen für die Seelsorge zur Verfügung?

 

Bischof Bernt Eidsvig: „Etwa 160.000 Katholiken leben derzeit in Norwegen, das macht in etwa 3,4 Prozent der Bevölkerung aus. In der Seelsorge sind – inklusive der Priester in den Klöstern – 100 Priester im Einsatz. Verhältnismäßig ist das eine sehr gute Anzahl an Priestern. Ich glaube, wenn Sie so einen Durchschnitt in Deutschland hätten, wären Sie sehr zufrieden. Die große Herausforderung, die sich uns stellt, ist die Sprachenvielfalt. In größeren Pfarreien werden sonntags bereits Messen in vier bis sieben Sprachen gefeiert. Wir können allerdings nicht alle Sprachen bedienen. Eine weitere Herausforderung sind die flächenmäßig riesigen Pfarreien. Ein Pfarrer kann bis zu sieben Außenstellen haben. Um den Gottesdienst in diesen Gemeinden zu feiern, müssen die Pfarrer Fahrtstrecken von bis zu 500 Kilometer zurücklegen.“

 

Welche besonderen Merkmale zeichnen die katholische Kirche in Norwegen noch aus?

 

Bischof Bernt Eidsvig: „Unsere Kirche ist eine Migrantenkirche, die nicht norwegisch geprägt ist. Nur 15 Prozent unserer Gläubigen sind in Norwegen geboren. Das macht unsere Kirche auf eine Weise sehr spannend und lebendig. Jeder Sonntag ist für uns wie Pfingsten in Jerusalem. Für die Pfarrer und Seelsorger ist es jedoch eine große Herausforderung, so eine heterogene Gruppe zu bedienen.“

 

Wo sehen Sie dir größte Herausforderung?

 

Bischof Bernt Eidsvig: „In ganz Europa sind wir meines Erachtens mit derselben Herausforderung und zugleich Fragestellung konfrontiert. Wie können wir Kinder und Jugendliche erreichen und unserer Glaubensgemeinschaft integrieren. Wir müssen neue Wege in der Jugendarbeit- und Projektarbeit sowie in der Katechese finden, um die Kinder und Jugendlichen auch mit einer zeitgemäßen Sprache anzusprechen.“

 

In Trondheim wurde die neue Bischofskirche – eines der großen Leuchtturmprojekte Norwegens – geweiht. Welche Projekte stehen jetzt als Nächstes im Fokus?

 

Bischof Bernt Eidsvig: „Gerade im Südosten von Oslo benötigen wir eine weitere Kirche. Dort leben sehr viele Katholiken und es kommen stetig weitere hinzu. Der Weg von dort ins Zentrum zur nächsten Kirche ist sehr weit. Wir müssen dringend etwas unternehmen, denn circa fünf- bis siebentausend Gläubige haben keine eigene Pfarrkirche. Wir haben bisher noch keine Möglichkeit gefunden, eine solche Kirche zu realisieren, denn die Bauprojekte in Oslo sind erschreckend teuer und für uns alleine nicht finanzierbar.“

 

Vor etwa vier Jahren haben Sie einen neuen Pastoralplan für das Bistum Oslo entwickelt. Welche Ziele setzen Sie sich selbst und wo soll die Entwicklung des Bistums hingehen?

 

Bischof Bernt Eidsvig: „Im Fokus des Pastoralplans stehen die Kinder- und die Jugendarbeit, die Katechese und die Erweiterung des sprachlichen Messeangebotes. Ein weiteres Ziel ist, das seelsorgerische Angebot weiter auszubauen. Für viele unserer Katholiken aus den osteuropäischen Ländern ist die Beichtgelegenheit sehr wichtig. Gerade an dieser Stelle müssen wir unsere seelsorgerische Tätigkeit ausweiten.“

 

Was würden Sie sich mit Blick auf die Entwicklung der katholischen Kirche in Norwegen wünschen?

 

Bischof Bernt Eidsvig: „Unsere Kirche ist von je her eine sehr heterogen zusammengesetzte Kirche. Sie wächst stetig, ein nötiges Zusammenwachsen bedarf jedoch mehr Zeit. Meine Hoffnung ist: Wir alle müssen jetzt sehen, was wir gemeinsam haben, was wir gemeinsam tun können, was wir gemeinsam verstehen und auch gemeinsam ausführen können. Wie bereits erwähnt, ist das aufgrund der vielen unterschiedlichen Sprachen sehr schwierig. Bei uns gibt es keine einheitliche Sprache. Die größte Gemeinsamkeit finden wir bei den Katholiken, die aus Polen kommen. Sie stellen etwa 51 Prozent unserer Katholiken dar. Gerade diese Gruppe braucht eine große Selbstständigkeit. Man kann nicht eine Minderheit in eine Mehrheit oder umgekehrt, eine Mehrheit in eine Minderheit integrieren.“

 

Seit 1974 unterstützt das Bonifatiuswerk die Gläubigen in Nordeuropa. Wieso ist die katholische Kirche in Norwegen auf die Unterstützung aus Deutschland angewiesen?

 

Bischof Bernt Eidsvig: Es gibt viele Gründe. Zum einen ist die Unterstützung vom Staat sehr niedrig. Ein Steuersystem wie in Deutschland kennen wir nicht. Viele der Katholiken, gerade aus den osteuropäischen Ländern, haben sehr geringe Einkommen. Sie können die Kirche nicht finanziell unterstützen. Und unsere Gesellschaft hat noch nicht verinnerlicht, dass wir alle als Gläubige die Kirche mittragen müssen. Wir arbeiten hart daran, auf eigenen Füßen stehen zu können. Und ich hoffe, dass der Tag kommt an dem ich sagen kann, jetzt schaffen wir es selber. Doch der Tag ist leider noch nicht da.

 

 

 


Meditation zum Motto

Unsere Identität: Segen sein

 

 

 

 

 

Heute und an jedem Tag

 

belebe dich und die Menschen,

 

denen du begegnest,

 

die verborgene Kraft Gottes.

 

 

 

Heute und an jedem Tag

 

berühre dich und die Menschen,

 

für die du da bist,

 

der zärtliche Charme Gottes.

 

 

 

Heute und an jedem Tag

 

bewahre dich und die Menschen,

 

mit denen du verbunden bist,

 

die starke Hand Gottes.

 

 

 

Heute und an jedem Tag

 

beseele dich und die Menschen,

 

mit denen du lebst,

 

der unerschöpfliche Atem Gottes.

 

 

 

Heute und an jedem Tag

 

bestärke dich und die Menschen,

 

um die du dich sorgst,

 

die weise Vorsehung Gottes.

 

 

 

Heute und an jedem Tag

 

begleite dich und die Menschen,

 

die du Freunde nennst,

 

der immerwährende Segen Gottes.

 

 

 

Heute und an jedem Tag

 

behüte dich und die Menschen,

 

für die du betest,

 

die beständige Treue Gottes.

 

 

 

Paul Weismantel