Denkanstöße in schwierigen Zeiten – oder die Kraft der Hoffnung

 

„Es gibt Hoffnungen, die erscheinen verrückt; aber sie sind es nicht. Diese verrückten Hoffnungen sind nämlich oft gerade diejenigen Hoffnungen, die helfen, nicht verrückt zu werden.““ Heribert Prantl
 
Die Weltzuversicht vieler Menschen zerbricht. Die Populisten, die Nationalisten und die Terroristen sind nicht nur Ursache, sondern auch Symptom des erschütterten Vertrauens in eine gesicherte Zukunft. Der Glaube daran, dass Demokratie und Rechtstaatlichkeit sich, und sei es langsam, weiterentwickeln, geht immer mehr verloren.

 

Heribert Prantl schreibt in „Die Kraft der Hoffnung“ an gegen das Ohnmachtsgefühl und gegen den vermeintlichen Sog der Fremdbestimmung. Er vertraut der Kraft der Hoffnung; diese Kraft steckt nicht im billigen Optimismus; sie verweigert vielmehr dem Unheil den totalen Zugriff. Prantl glaubt daran, dass die Zukunft positiv gestaltbar ist. Und er sagt wie: „Die Frage ist nicht, welche Zukunft man hat oder erduldet, die Frage ist, welche Zukunft man haben will und wie man darauf hinarbeitet.“

 

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Die größte Hoffnung findet man bei denen, die keinen Grund haben zu hoffen. Sterbebegleiter erleben Schwerstkranke, die bis zum Schluss hoffen; sie hoffen, bis sie sterben. Im Laufe der Krankheit ändert sich ihre Hoffnung: Anfangs hoffen sie auf Heilung, später auf eine gute Begegnung, auf einen Besuch, auf einen schönen Tag, und dann auf ein seliges Ende. Machen sie sich etwas vor? Nein, sie machen sich nichts vor, sie hoffen. Das sind zweierlei Dinge.

 

 

„Auffällig oft reden diejenigen die Hoffnung schlecht, denen es persönlich gar nicht schlecht geht. Die vermeintlich hoffnungslosen Fälle können es sich nicht erlauben, auf Hoffnung zu verzichten. Hoffnungslosigkeit ist eine Extravaganz, die man sich nicht leisten kann, wenn es wirklich schlecht steht. Die Zukunft ist nicht geformt, sie wird geformt, in jedem Augenblick der Gegenwart,“ so Heribert Prantl.

 

Prof. Dr. Heribert Prantl, Jahrgang 1953, ist Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, Chef der innenpolitischen Redaktion, Honorarprofessor für Rechtswissenschaft an der juristischen Fakultät der Universität Bielefeld, politischer Publizist, gelernter Richter und Staatsanwalt. Zuletzt erschienen: „Kindheit. Erste Heimat“ (2015) und „Was ein Einzelner vermag“ (2016).

 

 

Heribert Prantl

 

Die Kraft der Hoffnung

 

Denkanstöße in schwierigen Zeiten

 

Hardcover mit Schutzumschlag, 284 Seiten

 

Format: 13 x 20,5 cm

 

ISBN 978-3-86497-423-6

 

€ 24,90 (D)

 


Von Gert Holle

Würdigung: Hoffnung in schwierigen Zeiten

Heribert Prantls Anzahl von Buchveröffentlichungen ist sehr beachtlich. Dabei beeindruckt der Ressortchef Innenpolitik und Mitglied der Chefredaktion bei der Süddeutschen Zeitung mit Engagement, einem fundierten Wissen und Sachverstand. Prantl macht sich stark für die Gestaltung der politischen Kultur, wobei er mit zunehmendem Alter an Vehemenz und Deutlichkeit zugelegt hat. Sein jüngstes Werk "Die Kraft der Hoffnung" - eine Sammlung von Zeitungsbeiträgen, Essays, Grußworten und Vorträgen aus den vergangenen Jahren - enthält leidenschaftliche Plädoyers, in denen immer wieder seine Überzeugung zum Ausdruck kommt: "Zukunft lässt sich positiv gestalten!" Die Frage für ihn ist schlicht und ergreifend: "Welche Zukunft wollen wir haben und wie kann man darauf hinarbeiten?"

 

Besonders gut haben mir seine Denkanstöße zur Frage "Sind Journalisten die Theologen der Demokratie" gefallen.  "Die Bibel steht im Zweifel auf Seiten der Schwachen, das Grundgesetz auch. Das hat Folgen für die Theologen, das hat Folgen auch für die Journalisten." Und natürlich auch für Heribert Prantl. "Pressefreiheit ist nicht die Freiheit zu bequemer Berufsausübung; sie ist vor allem die Pflicht zur Aufklärung." Sich nicht einschüchtern lassen, nicht von Politik, nicht von der Wirtschaft, nicht von so genannten Sach- und Sparzwängen - das kommt in allen seinen Beiträgen zum Ausdruck. Es geht um Haltung - in der Flüchtlingsfrage genauso wie im Blick auf Zustände in der forensischen Psychiatrie oder auf das Handeln des Recep Tayyip Erdogan oder der EU.  Es geht darum, dazu beizutragen, dass es in der Welt, in der Gesellschaft ein wenig besser wird. "Journalisten können dazu beitragen, dass es nicht noch schlimmer kommt." Das ist Heribert Prantls Vision. Sympathisch - wie ich finde. Hoffnungsvoll. "Ohne Loyalität kann eine Gesellschaft nicht leben. Aber ohne die Zivilcourage dessen, der Missstände aufdeckt, auch nicht." So hofft er in seinem letztem Kapitel zur Rolle des "Whistleblowers" auf Widerstand - ohne die Rolle von Edward Snowden zu glorifizieren. "Der Whistleblower ist ein vorbildlicher Demokrat - weil für ihn Verantwortung kein bloßes Sprüchlein ist. Er sieht Verantwortung nicht nur bei den anderen, sondern bei sich selbst."

 

Lesen Sie bitte das Buch und lassen Sie sich von den Gedanken Heribert Prantls anstecken.

 

"Die Zukunft ist nicht geformt, sie wird geformt, in jedem Augenblick der Gegenwart."

 

 

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Autor: Süddeutsche Zeitung Edition; zusammengestellt von Gert Holle - 12.10.2017


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