300 Jahre jüdisches Leben bis heute

Die Juden vom Altrhein

Foto: Nünnerich-Asmus
Foto: Nünnerich-Asmus

Neues Buch ist Rückschau und Blick in die Zukunft

 

 

Am Beispiel der Region Rheinhessen beleuchtet die Dokumentation „Die Juden vom Altrhein. Biografische Dokumentation von den Anfängen bis zum Holocaust und dem Weiterleben in der Emigration“ von Gabriele Hannah, Martina und Hans-Dieter Graf die wechselvollen Lebensgeschichten deutscher Landjuden. Illustriert durch zahlreiche bisher unveröffentlichte Fotos, Briefe und Dokumente entsteht ein anschauliches Portrait jüdischen Lebens über die Jahrhunderte. Der Band beginnt mit der ersten Ansiedlung jüdischer Familien in Rheinhessen Ende des 17. Jahrhunderts und schildert chronologisch deren Lebensbilder bis hin zur Vertreibung und Vernichtung jüdischen Lebens durch den nationalsozialistischen Terror. Das Buch aber schaut weit darüber hinaus bis in die Gegenwart und folgt den Spuren der Familien bis in die heutige Generation.

 

 

Am 14. Juni um 18 Uhr wird der Band „Die Juden vom Altrhein“ im Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz, Flachsmarktstraße 36, 55116 Mainz vorgestellt.

 

 

Zeitzeugen und Nachfahren berichten

Das nördlich von Worms zwischen Rhein und Hügelland gelegene Gebiet, in dem die rheinhessischen Altrheinorte Gimbsheim, Eich und Hamm liegen, war für mehr als 300 Jahre Heimat jüdischer Familien. Als Landjuden waren sie Teil des deutsch-jüdischen Lebens, das in dieser Region 1939 mit dem Wegzug des letzten jüdischen Bewohners aus Gimbsheim unwiederbringlich verlorenging.


Die Dokumentation stellt die Lebensgeschichten der jüdischen Familien, die einst in der Altrheinregion beheimatet waren, von ihrer ersten Ansiedlung bis zu ihrer Vertreibung 1939 dar. Sie verfolgt die Lebenswege der Überlebenden und ihrer Nachfahren bis in die Gegenwart und zeigt das Leben der Familien in der Emigration in Nordamerika. Durch die Erforschung der Biografien werden die Familienstrukturen und die Beziehungen zwischen den einzelnen jüdischen Familien der drei Altrheingemeinden und weit über diese hinaus sichtbar.

Damit leistet das Werk zugleich einen Beitrag zur jüdischen Geschichte Rheinhessens und zur Emigrationsgeschichte des 19. u. 20. Jahrhunderts. Anschaulich deutlich am Beispiel nahezu aller ausgewanderten bzw. emigrierten Familien wird das in der Forschung beschriebene Phänomen der Kettenwanderung.

Die Arbeit ist mehr als nur eine historische Bestandsaufnahme und Rückbesinnung. Vielmehr verfolgen die Autoren die Spuren der jüdischen Familien bis in die heutige Generation. Dabei skizzieren unbekannte und unveröffentlichte Abbildungen in Form von Fotos, Briefen, Dokumenten und Interviews das einstige Leben der Juden am Altrhein, in den Konzentrations- und Vernichtungslagern und in der Emigration.

Zusammen mit ihren Herausgebern, den evangelischen und katholischen Kirchengemeinden aus Hamm, Eich und Gimbsheim und gemeinsam mit den Nachfahren möchten die Autoren eine Erinnerungsarbeit leisten und so mit diesem Werk zum gegenseitigen Verständnis und zur Versöhnung beitragen.

 

 

 

Gabriele Hannah (Studium der Amerikanistik und Germanistik in Berlin und Austin, Texas), Hans-Dieter Graf (Studium der Buchwissenschaft, Publizistik und Philosophie in Mainz) und Martina Graf (Studium der Buchwissenschaft, Publizistik und Germanistik in Mainz) gehören einem kleinen Team ehrenamtlich forschender Regionalhistoriker an, das sich mit der Geschichte der rheinhessischen Juden und deren Weiterleben im Exil sowie der Auswanderung aus Rheinhessen im 19. und 20. Jahrhundert beschäftigt.

 

 

Die Juden vom Altrhein
Biografische Dokumentation von den Anfängen bis zum Holocaust und dem Weiterleben in der Emigration
Gabriele Hannah, Martina Graf,
Hans-Dieter Graf

 

€ 39,90 (D) / sFr 39,90 / € 41,10 (A)
560 Seiten, 465 Abbildungen
22 x 27 cm
gebunden
ISBN: 978-3-961760-20-6

 

*****************

 

Autor: Nünnerich-Asmus; zusammengestellt von Gert Holle – 5.06.2018