Original-Krippenbogen von Edmund von Wörndle (1827–1906)

Die Wörndle-Weihnachtskrippe

Foto: Tyrolia
Foto: Tyrolia

Mit 81 Figuren samt Grotte und Hintergrund

 

8 Blätter, 81 farb. Abb., 36 x 28 cm; Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien 2019; ISBN 978-3-7022-3622-9; € 24,95 (volle MwSt./unverb. Preisempfehlung)

Papierkrippen waren um 1900 sehr in Mode und erfreuen sich auch heute wieder großer Beliebtheit, weil sie eine kunstvolle und doch günstige Gelegenheit bieten, die Weihnachtsszenen für die ganze Familie anschaulich zu machen. Die Krippe des Tiroler Kunstmalers Edmund von Wörndle entstand nach einer Reise ins Heilige Land und bietet viele schöne orientalische Details - und auch einen Elefanten! Die verschieden großen Figuren können perspektivisch angeordnet werden und erlauben die Darstellung mehrerer Szenen, wie etwa die Anbetung der Hirten oder der Könige.

 

Krippenkunst für Alt und Jung

Farbenprächtige Weihnachtsfiguren zum Ausschneiden

 

Dieser Reprint macht die um 1900 äußerst populäre Wörndle-Krippe vollständig und im Originalmaßstab (Hauptfiguren ca. 13 cm hoch) wieder zugänglich. Erst im Alter hatte sich der berühmte und erfolgreiche Landschafts- und Historienmaler Edmund von Wörndle der Krippenkunst zugewandt. Sein von der lithographischen Anstalt Karl Redlich herausgegebener Krippenbogen im Nazarenerstil zeichnet sich durch seine Farbenpracht aus, wobei die Figuren durch die Umrandung vergleichsweise leicht auszuschneiden sind.

 

Der Ausschneidebogen beinhaltet vier Szenen: Geburt und Anbetung der Hirten – mit vielen Schafen und Ziegen, Verkündigung – mit Engel und Hirten in kleinerem Maßstab zur Anbringung im Hintergrund, Zug der Könige – mit Dienern, fünf Kamelen und einem Elefanten! – und die Anbetung der Könige.

Mit Grotte und Stadt im Hintergrund sowie einer Anleitung, wie die Figuren befestigt und angeordnet werden können.

 

Der Künstler:

 

Edmund von Wörndle (1827–1906), geb. in Wien, besuchte die Wiener Akademie der Bildenden Künste, wirkte in jungen Jahren als Landschafts- und Kirchenmaler in Rom und ab 1859 in Innsbruck. Die Landschaften Syriens und Palästinas kannte er aus eigener Anschauung.

 

Edmund von Wörndle (1827–1906) und seine Weihnachtskrippe

Er hatte vor kurzem sein Kunststudium beendet, als Edmund von Wörndle am 7. März 1855 von Triest aus zu einer zweimonatigen Pilgerfahrt ins Heilige Land aufbrach. Über Griechenland, Kleinasien und Ägypten steuerte die österreichische Pilgergruppe Palästina an. Sie durchreiste Samaria und Galiläa und verbrachte die Karwoche in Jerusalem und den Ostersonntag, den 8. April, in Bethlehem. Beeindruckt füllte der junge Maler sein Skizzenbuch. Und diese Reise, die orientalischen Landschaften und Siedlungen, Menschen und Alltagsgegenstände, sollten sein ganzes künstlerisches Schaffen beeinflussen – auch diese große Weihnachtskrippe.

 

Edmund stammt aus dem Tiroler Adelsgeschlecht der Wörndle zu Adelsfried und Weiherburg. Er kam am 28. Juli 1927 in Wien zur Welt, wo sein Vater Bauverwalter der Wiener Hofburg war, und hier besuchte er auch die Akademie der Bildenden Künste. Schwerpunkt seiner Ausbildung war das Studium der Landschaftsmalerei bei den Professoren Franz Steinfeld und Thomas Ender, er besuchte aber auch Vorlesungen bei Josef Führich (1800–1876), dem stilprägenden Krippenkünstler des Historismus, mit dem ihn stets ein geistiges Band verbinden sollte. Nach der Reise ins Heilige Land konnte Wörndle die ersten Palästina-Bilder in Wien und Innsbruck ausstellen, anschließend lebte er für drei Jahre in der österreichischen Botschaft in Rom. Von den Kontakten, die er dort knüpfen konnte, profitierte er zeit seines Lebens, er nutzte die Jahre in Rom aber auch zu ausgedehnten Reisen und Landschaftsstudien in Mittelitalien.

 

1959 zog Wörndle nach Innsbruck, in den Ansitz Weiherburg, der seiner Familie gehörte. Er heiratete Sophie von Attlmeier und machte später in den Sommermonaten regelmäßig mit seinen Söhnen ausgedehnte Fußwanderungen durch das alte Tirol, nach Bayern und ins Salzkammergut. Wörndles Landschaftsbilder von orientalischen, mediterranen, aber auch von Tiroler Landschaften erfreuten sich bei den Zeitgenossen großer Beliebtheit, es sind aber vor allem zwei figurale Zyklen, die heute mit dem Namen Edmund von Wörndle verbunden werden: der Parzival-Zyklus im Theatersaal des Vinzentinums in Brixen (1885–1888) sowie die Bilder in der Herz-Jesu-Gedenkkapelle beim Sandwirt in St. Leonhard in Passeier (1893), die neben Tiroler Heiligen und Seligen Szenen aus dem Leben des Freiheitskämpfers Andreas Hofer zeigen und die er gemeinsam mit seinem Sohn Wilhelm (1863–1927) ausführte.

 

In Innsbruck stand Wörndle in regem Kontakt mit Künstlerkollegen, befreundet war er u. a. mit der Künstlerfamilie Redlich, Carl Friedrich (1823–1897), der von Bayreuth nach Innsbruck übersiedelt und hier zum Katholizismus konvertiert war, und seinem Sohn Josef (1863–1947). Carl F. Redlich war akademischer Maler, aber auch ausgebildeter Lithograf. Nach Lehrjahren bei Carl Alexander Czichna und Johann Kravogl gründetet er 1857 seine eigne Steindruckerei, für Jahrzehnte die wirtschaftliche Basis der Redlichs. Wörndle lieferte den Redlichs die Vorlage für einen Satz Tiroler Spielkarten (1886) und die Vorlage für die hier reproduzierte Weihnachtskrippe (1897). Die Originale hatte Wörndle für seine Familie geschaffen, innerhalb derer sie von Generation zu Generation weitergegeben wurden. (Auch eine Fastenkrippe hat Wörndle geschaffen; sie wurde noch 1928 vom Krippenverein ausgestellt.)

 

Der Erstdruck dieser Weihnachtskrippe bei Redlich – „6 Blätter mit Figuren, Tieren und Hintergrund“, ein Steindruck in neun Farben – wurde am 30. Oktober 1897 in den „Tiroler Stimmen“ beworben: „Das Ganze kostet in hübscher Enveloppe bloß 1.80 Gulden. Hiermit ist jedem die beste Gelegenheit gegeben, sich und seinen lieben Kleinen eine billige und sehr hübsche Weihnachtskrippe zu beschaffen.“ Den Umschlag (die genannte Enveloppe) hatte Josef Redlich gezeichnet und mit J. R. 1897 signiert. Die Krippe wurde ein Verkaufserfolg, sie wurde 1919 und 1929 (jetzt mit 8 Blättern) nachgedruckt und war bis 1939 durchgehend erhältlich.

 

Gedruckte Krippenbögen waren um 1900 sehr in Mode. Ein Vorzug der Wörndle-Krippe war, dass auch die Grotte, etwas Vegetation und eine Stadt im Hintergrund mitgeliefert wurden, wobei diese mit den charakteristischen Kuppeln und den kleinen Fenstern einer Skizze folgt, die Redlich 1955 in Palästina angefertigt hatte. Die über 80 Figuren, Menschen und Tiere, haben drei verschiedene Größen, sie eignen sich daher auch für einen tiefen Krippenberg. Neben den Szenen Anbetung der Hirten und Besuch der Könige gibt es Hirtengruppen und Musiker für die mittlere Entfernung, während die Verkündigung des Engels am Hirtenfeld rechts und der Zug der Könige mit Kamelen und sogar einem Elefanten links hinten angeordnet werden können. Über die Qualität der gedruckten Wörndle-Krippe urteilte der „Krippenfreund“ im Jahre 1939: „Die Figuren zeichnen sich an Farbenpracht und Abwechslung aus und gehören heute noch zu den besten unter den vielen verschiedenen Papierkrippen. Mancher Volkskünstler hat sie nachgeschnitzt.“

 

Die Weihnachtskrippe des Landschafts- und Historienmalers Edmund von Wörndle kennzeichnet ein großer Figurenreichtum. Neben den beiden Szenen Anbetung der Hirten und Besuch der Könige im Vordergrund sind im Hintergrund – mit kleineren Figuren – die Verkündigung der Engel am Hirtenfeld und der Zug der Könige mit Kamelen und einem Elefanten zu sehen. Wörndle kannte Bethlehem aus eigener Anschauung. Er hatte es 1855 besucht und manches Detail der Architektur oder der 56 Personendarstellungen hatte Wörndle vor Ort in Palästina skizziert. Die zarten schwarzen Umrandungen der Lithografien erleichtern das Ausschneiden.

 

Die Wörndle-Weihnachtskrippe

Original-Krippenbogen
von Edmund von Wörndle (1827–1906)

Mit 81 Figuren samt Grotte und Hintergrund 

8 Blätter, 81 farb. Abb., 36 x 28 cm

Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien 2019

ISBN 978-3-7022-3622-9

€ 24,95 (volle MwSt./unverbindliche Preisempfehlung)

 

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Autor: Tyrolia; zusammengestellt von Gert Holle – 30.10.2019