Erstkommunionaktion 2017 des Bonifatiuswerkes

Jahresthema der Erstkommunionaktion 2017

Foto: Bonifatiuswerk
Foto: Bonifatiuswerk

 

 

 

„Gottes Nähe spüren. Mit Jesus in einem Boot“ –  das ist das Leitwort unserer Erstkommunionaktion 2017. Mit der Geschichte von der „Stillung des Seesturms“ (Markus 4,35-41) möchten wir in diesem Jahr besonders Themen wie die Überwindung der Angst, Zeichen der Hoffnung, Zuversicht, Helfen und Teilen sowie besonders die Freundschaft mit Jesus Christus und seine unüberbietbare Nähe im Sakrament der Eucharistie aufgreifen. Unser Leben ist gerade in den letzten Jahren unsicherer geworden. Nicht selten prägen Vertreibung, Flucht und Terror den Alltag von Millionen Menschen. Die Angst wird größer: Kann unser Leben dennoch gelingen? Wem können wir da noch vertrauen? Wo finden Kinder und Jugendliche Zuflucht vor Gewalt und Bedrohung? Wer auf Jesus Christus setzt, weiß sich in den „Stürmen des Lebens“ behütet und begleitet. Diese Erfahrung ist besonders für Kinder im Kommunionalter elementar. Das diesjährige Erstkommunionmotiv wurde von der renommierten Hamburger Künstlerin Barbara Nascimbeni gestaltet, die auch u.a. zahlreiche Kinderbibeln und Kindergebetsbücher illustriert hat.

 

 

 

Die Erstkommunionaktion des Bonifatiuswerkes hat eine lange Tradition

 

Durch die bundesweiten Gaben der Erstkommuni­onkinder kann die Kinderhilfe des Bonifatiuswerkes jährlich fast 1,8 Mio. Euro für hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche in Deutschland, Nordeuropa sowie in Estland und Lettland zur Verfügung stellen.

 

Die Glaubensweitergabe an Kinder und Jugendliche ist eine besondere Herausforderung in der Diaspora.  Nicht selten sind es sehr wenige Christen in einer Schulklasse oder unter Gleichaltrigen. Sich unter we­nigen Katholiken bei den eigenen Freundinnen und Freunden wahrzunehmen, kann besonders Heran­wachsenden Probleme bereiten.

 

Die Kinder- und Jugendhilfe des Bonifatiuswerkes fördert pastorale sowie diakonisch-karitative Projekte in der Diaspora und ermöglicht auf vielfältige Weise eine Begegnung im Glauben. Bezuschusst werden unter anderem die Religiösen Kinderwochen (RKW) in Ostdeutschland, religiöse Vorschulerziehung und Projekte der Schulpastoral, katholische Kindertages­einrichtungen, Kinderhospizdienste und Jugend­einrichtungen. Sie eröffnen Lebensperspektiven für junge Menschen und lassen christliche Werte erleb­bar werden. Der Glaube bekommt Hand und Fuß. Mehr Informationen zu den Projekten des Bonifati­uswerkes finden Sie unter: http://www.bonifatiuswerk.de/erstkommunion/

 

 

 

Materialien zur Erstkommunionaktion

 

Das Bonifatiuswerk möchte neben der Kinderhilfe aber auch die Erstkommunionkinder unterstützen. Dafür entwickelt das Werk jedes Jahr neu ein Thema und zahlreiche Begleitmaterialien für die Katechese. Mit dem Jahresthema und einem dazugehörigen Erstkommunionbegleiter gibt das Bonifatiuswerk den Verantwortlichen in allen Kirchengemeinden in Deutschland eine kompetente Hilfe für ihre segensreiche Arbeit an die Hand. Erarbeitet wird das Material vom Beirat Religionspädagogik des Bonifatiuswerkes.

 

 

Geschenke zur Erstkommunion

 

Mit den Materialien des Bonifatiuswerkes zur Erstkommunion und für die ganze Familie entdecken Kinder und Jugendliche die Botschaft Jesu ganz neu.

 

So kommen Sie mit ihren Kindern ins Gespräch über die Feier der heiligen Eucharistie, spannende Heilige, kirchliche Feste oder christliche Traditionen.

 

Vielleicht haben Sie ja auch mal wieder Lust gemeinsam etwas zu basteln?

 

 

 

·         Erstkommunionkerze als Bastelset

 

„Gottes Nähe spüren. Mit Jesus in einem Boot“ – das ist das Leitwort der Erstkommunionaktion 2017. Mit der Geschichte von der Stillung des Seesturms stehen Gefühle wie Angst, Hoffnung und Zuversicht sowie die Freundschaft mit Jesus Christus und seine Nähe in der Eucharistie im Mittelpunkt. Wer auf Jesus Christus setzt, weiß sich in den Stürmen des Lebens behütet. Basteln Sie die eigene Kommunionkerze passend zum Motiv der Aktion doch einfach mal selbst. Preis: 25 Euro

 

·         Erstkommunionschatzkiste

 

Die Erstkommunionschatzkiste, eine kleine Kiste aus Holz mit Erstkommunionmotiven. Darin enthalten sind eine Kommunion-CD „Kleines Glück ganz groß“ mit Begleitheft, ein Bändchen „Freundschaft mit Christus“, ein Ichthys-Erstkommunionfisch, ein Missionsrosenkränzchen und eine Erstkommunion-Glückwunschkarte mit Mini-CD. Preis: 9.95 Euro

 

·         Glückwunschkarten

 

Für jeden ist es ein schönes Gefühl, wenn andere an einen denken. Verschenken auch Sie dieses Gefühl mit einer Glückwunschkart zur Erstkommunion. Preis: Je Karte 1.50 Euro

 

·         Broschüre zur Erinnerung an die Erstkommunion

 

Mit den schönsten Illustrationen der Erstkommunion-Aktionen liefert die Broschüre „Jesus gibt uns Brot zum Leben“ Geschichten, Gebete und Lieder rund um die Erstkommunion. Das ideale Geschenk der Gemeinde – mit Platz für eine persönliche Widmung. (32 Seiten). Preis: 3.95 Euro

 

 

 

Der Verkaufserlös kommt Projekten der Kinder- und Jugendhilfe in der Diaspora zugute. Erfahren Sie hier mehr über die Erstkommunionaktion und kostenfreien Materialien.

 


„Ein neues Zuhause“

 

 

 

Erstkommunionkinder unterstützen mit Ihrer Gabe für das Bonifatiuswerk die „Orte zum Leben“ in Brandenburg – diese sind für Kinder- und Jugendliche wie Rettungsboote nach einem Schiffsbruch

 

Von Markus Nowak

 

Die Jungziegen bekommen warme Milch aus der Flasche, die Lamas wollen lieber grobgeschnittene Karotten und die Hunde sind einfach noch verspielt. Nach der Schule und am Wochenende warten auf Celina zahlreiche Aufgaben. Aber sie macht diese gern. „Den Tieren kann man alles erzählen und sie hören einem zu“, sagt die 13-Jährige verschüchtert. Seit drei Jahren wohnt Celina auf dem Jugendbauernhof Biesenbrow in der Uckermark, den sie als ihr Zuhause bezeichnet. Zu ihrer Mutter in Berlin hat sie kaum noch Kontakt.

 

„Wir wollen den Kindern die Eltern nicht ersetzen und ihnen trotzdem ein Zuhause geben“, sagt Madlen Vietmeier. Die 38-jährige Sozialpädagogin hat früher selbst als innewohnende Erzieherin hier in Biesenbrow gelebt und gearbeitet. Heute leitet sie die fünf „Orte zum Leben“ an verschiedenen Standorten, zu dem auch jener Bauernhof gehört. Das Projekt der Caritas Kinder- und Jugendhilfe bietet nördlich von Berlin Kindern- und Jugendlichen Zufluchtsorte, wenn diese von den Eltern vernachlässigt werden, aus zerrütteten Elternhäusern kommen oder andere Probleme vorliegen, bei denen das Jugendamt einschreiten musste.

 

Kinder übernehmen Verantwortung und fassen Vertrauen

 

„Die Kinder bringen einen Rucksack, der mit einer besonderen Lebensgeschichte gefüllt ist“, umschreibt Vietmeier die jungen Bewohner des Bauernhofs. „Ihnen bieten wir Orte zum Leben.“ Der Bauernhof Biesenbrow setzt dabei auf die Arbeit mit Tieren und Thorsten Köpp. Der 46-jährige Erzieher lebt hier mit sechs Kindern und beobachtet, dass die Tiere den jungen Bewohnern sehr gut tun. „Die Kinder lernen über die Tiere Verantwortung zu übernehmen und Vertrauen zu anderen zu fassen“, sagt Köpp. Eigenschaften, die viele der Kinder von Zuhause oft nicht kennen, beobachtet er.

 

Auch der zwölfjährige Justin lebt in Biesenbrow. Und wenn auch er in das Gehege mit den gerade erst geborenen Ziegen geht, wird aus einem unruhigen und verhaltensauffälligen Berliner Jungen, plötzlich ein ruhiges, liebevolles Kind. „Hier bin ich vielmehr mit anderen Kindern in Kontakt als Zuhause in Berlin“, erzählt er. Zu häufig sei er mit der Mutter und dem Stiefvater umgezogen und habe keinen Anschluss gefunden. „Und hier ist es ein bisschen wie in der Familie.“ Später einmal will „Zwerg“, wie Justin von anderen oft genannt wird, Fußballer werden. Doch bis dahin müssen sich die Zensuren in der Schule verbessern. Die dritte Klasse einer Förderschule hat er bereits wiederholt. Nun droht gleiches in der sechsten.

 

Konflikte der Eltern färben auf Kinder ab

 

Wenn Eltern mit den Schwierigkeiten des eigenen Lebens nicht mehr klarkommen, etwa wegen Alkoholsucht, übertragen sie ihre Probleme häufig auf ihre Kinder, beobachtet Sozialpädagogin Vietmeier. Sie nutzt das Bild des „Schiffbruchs, von der Gesellschaft aus betrachtet.“ Als Folge haben Kinder dann oft Konflikte in der Schule bis hin zu seelischen Störungen. Häufig schreite dann das Jugendamt ein, um die Kinder von ihren Eltern zu trennen. Oft beginnt dann eine lange Odyssee: Aufenthalte in Jugendheimen, bei Pflegefamilien oder anderen Einrichtungen. Wenn die Kinder in den „Orte zum Leben“ unterkommen, gehe es darum, „sie während des Heranwachsens zu begleiten“. Im betreuten Einzelwohnen etwa  können Jugendliche dann das selbstständige Leben trainieren, sagt Vietmeier.

 

Training steht auch in der Wohngruppe „Haus Ägidius“ in Sommerfelde bei Eberswalde mehrfach in der Woche auf dem Programm. Ob Fußball, Laufen oder Fahrradfahren – die sechs Jungs erleben in dem Haus einen klar geregelten und strukturierten Tagesablauf, der gesundheitsbewusste und sporttherapeutische Ansätze hat. „Sport, gerade in der Mannschaft, stärke das Wir-Gefühl“, sagt Fabiam Quirmbach, Erzieher in Ausbildung und Trainer. Für heranwachsende Jungs sei das wichtig, weiß der 27-Jährige. „Außerdem gibt es im Sport schnelle Erfolge, was das Selbstwertgefühl und letztlich auch die Jungs stärkt.“ Nicht zu verachten sei, dass sich die Jugendlichen beim Sport auspowern und aufgestaute Aggressionen abbauen können, erklärt der angehende Erzieher.

 

Sport als pädagogischer Ansatz

 

Ausgepowert sein, das kennt der 17-jährige Max sehr gut. Der Zehntklässler spielt jede freie Minute Fußball, ist auf dem BMX-Rad in der Umgebung unterwegs und macht auch mal bei Stadtläufen mit. Zuhause in Brandenburg habe er dagegen früher oft nur Computer gespielt und habe „rumgehagen“. Nach zwei Jahren im „Haus Ägidius“ ist sein Alltag strukturiert und „durch Sport bin ich abgelenkt und sitze nicht nur rum“, sagt er. „Leben ohne Sport ist für mich langweilig“, ein Satz, der ihm früher nicht über die Lippen gegangen wäre und Trainer Quirmbach freut. „Wir wollen, wie ein Anker im Alltag sein und, dass sie dieses positive Gefühl mit in den Alltag nehmen.“

 

Zum Anker gehört auch ein Boot und als ein Rettungsboot beschreibt Sozialpädagogin Vietmeier die „Orte zum Leben“. „Wenn die Eltern Schiffbruch erleiden, wollen wir den Kindern ein neues Boot sein“, fasst sie das in Worte. Jenem Bild zufolge sind dann die Tiere vom „Bauernhof Biesenbrow“ und das gemeinsame Training der Jugendlichen im „Haus Ägidius“ die Ruder. Denn mit ihnen können die Kinder und Jugendlichen nach vorne schwimmen und vorankommen im Leben. Bei solchen Bildern muss die 13-jährige Celina lachen. „Tiere mit Paddel zu vergleichen, das gehe doch nicht.“ Ganz besonders hat sie den Bernhardiner „Daddy“ ins Herz geschlossen. Und wenn sie mit ihm spielt, wird aus einem schüchternen Mädchen gleich ein fröhliches Kind.

 

Viele der Angebote werden nicht refinanziert. Damit die „Orte zum Leben“ weiterhin die Kinder auf ihrem oft schweren Weg begleiten können, sind sie drin­gend auf Spenden angewiesen. Mit den Gaben der Erstkommunionkinder unterstützt das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken in diesem Jahr die „Orte zum Leben“ in Brandenburg.

 


„Nicht mehr auf Kosten anderer Leben“

Foto: Bonifatiuswerk
Foto: Bonifatiuswerk

 

 

 

 

 

Professor Dr. Klaus Töpfer über die Bewahrung der Schöpfung, die Eucharistie und die Erstkommunion

 

 

 

Das Interview führte Alfred Herrmann

 

 

 

Das neue Buch „Wir entdecken die Schöpfung“ des Bonifatiuswerkes gehöre auf den Gabentisch eines jeden Kommunionkindes, empfiehlt Professor Dr. Klaus Töpfer. Der ehemalige Bundesumweltminister und Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) setzt sich bis heute auf internationaler Ebene in der Umwelt- und Entwicklungspolitik für die Bewahrung der Schöpfung ein. Mit dem 77-Jährigen gläubigen Katholiken sprach Alfred Herrmann.

 

 

 

Frage: Das Buch des Bonifatiuswerkes „Wir entdecken die Schöpfung“ führt Kindern die Vielfalt der Schöpfung vor Augen. Gleichzeitig zeigt es, wie bedroht diese ist. Was nehmen wir den kommenden Generationen, wenn wir dem menschengemachten Aussterben ganzer Tier- und Pflanzenarten tatenlos zusehen?

 

Töpfer: Wir nehmen ihnen mindestens drei Dimensionen eines erfüllten Lebens: Erstens, dass sie die Vielfalt der Schöpfung noch erleben, sich daran erfreuen und darin die Weisheit Gottes wiedererkennen können. Wir nehmen ihnen Zweitens eine unerschöpfliche Fundstätte von genetischen Lösungen für Probleme, die wir möglicherweise heute noch gar nicht richtig übersehen können. Wir nehmen ihnen genetisches Potential, also durchaus etwas, was eine Welt mit künftig neun Milliarden Menschen sicherlich braucht, um in Frieden miteinander leben zu können. Die wunderbare Enzyklika „Laudato si‘“ von Papst Franziskus führt uns vor Augen, dass wir Drittens aus der Natur heraus lernen können, mit uns ins Reine zu kommen, eine Balance zu finden und sie nicht allein auf das rein Ökonomische zu reduzieren. Die Ökonomie ist eine der Grundlagen unseres Umgangs mit der Natur, aber sie muss eingebunden sein in das Verständnis von der Güte und der Schöpferkraft Gottes.

 

 

 

Frage: Der Papst spricht in der Enzyklika „Laudato si‘“ von „ökologischer Schuld“. Wo konnten Sie die Auswirkungen dieser Schuld im Rahmen Ihrer Arbeit besonders hart spüren?

 

Töpfer: Acht Jahre lang habe ich das Umweltprogramm der Vereinten Nationen geleitet, das einzige Programm der Vereinten Nationen, das nicht in New York oder Genf angesiedelt ist, sondern in der Mitte Afrikas, in Nairobi, in Kenia. Wenn Sie dort vor Ort sind, merken Sie genau, welche Schuld wir haben. Ich bezeichne sie als ökologische Aggression. Wir wälzen die Kosten aus unserem Leben, aus unserem Wohlstand ab. Wir lassen sie bezahlen, von Menschen, die räumlich und zeitlich weit von uns entfernt leben. Wie sehr die Auswirkung unseres Lebensstiles andere massiv belasten, das können Sie an jeder Ecke Nairobis und in jeder Entwicklung auf dem Land verfolgen. Besonders intensiv zeigt sich das an der Veränderung des Klimas, aber genauso an der Veränderung der Landwirtschaft.

 

 

 

Frage: Können Sie ein Beispiel nennen?

 

Töpfer: Immer wieder werden große Mengen landwirtschaftlicher Produkte aus industriell betriebenen Monokulturen, wie etwa Mais aus den Vereinigten Staaten, bei guten Ernten auf dem Weltmarkt stark subventioniert verkauft. Damit wird die Existenzgrundlage für landwirtschaftliche Betriebe und Kleinbauern in afrikanischen Staaten in Frage gestellt und die soziale Stabilität gefährdet. Das ist nur ein Beispiel. Die Auswirkungen unseres Handelns sind nicht abstrakt, sondern ganz konkret. Wir geben anderen nicht dieselben Chancen, die wir ganz selbstverständlich für uns einfordern. Daher schließe ich mich der Forderung unseres ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler an, der in seiner Berliner Rede 2009 formulierte: „Wir wollen beschließen, nicht mehr auf Kosten anderer zu leben.“ Manchmal bezweifle ich allerdings, dass es uns überhaupt bewusst ist, dass wir auf Kosten anderer leben.

 

 

 

Frage: Wo können wir mit der ökologischen Schuld umgehen?

 

Töpfer: Wir müssen uns bewusst werden, was es heißt, dass wir durch Wissenschaft und Technik immer tiefer in die Bausteine von Natur und Leben eindringen und von daher die Möglichkeit besitzen, diese Konstruktionsmuster von Natur und Leben zu verändern. Damit stehen wir in einer besonderen Verantwortung. Der ehemalige Bundespräsidenten Johannes Rau mahnte: „Der Mensch bleibt Geschöpf und wird nicht Schöpfer.“ Manchmal, so ist meine Sorge, wähnt sich der Mensch allerdings schon als Schöpfer, nur weil er seine DNA aufgedeckt hat. Wenn ein Staat wie Großbritannien, wie kürzlich geschehen, Genversuche an menschlichen Embryonen für die Forschung freigibt, dann müssen wir uns dringend fragen: Wo stehen wir eigentlich? Was hat der Mensch aus der ihm von Gott gegebenen Klugheit und dem Verstand gemacht? Da schließe ich mich Papst Franziskus an, der in seiner Enzyklika sagt: „Eine Technik, die von der Ethik abgekoppelt wird, wird sich niemals selbst begrenzen.“ Genau das ist unsere Situation.

 

 

 

Frage: Sehen wir zu sehr durch die rein ökonomische Brille? Geht uns der Blick für die Wunder der Natur ab?

 

Töpfer: Als Landesminister für Umwelt und Gesundheit in Rheinland-Pfalz durfte ich ganz konkret Naturschutz mitgestalten, sprich helfen, die Vielfalt der Schöpfung zu erhalten. Da merken Sie schnell, die konkret Betroffenen – das ist vielleicht sogar gut nachvollziehbar – fragen sich sofort: Was ist wichtiger, einen Wasserlauf zu begradigen, um mir damit wirtschaftliche Vorteile zu schaffen, oder den Lebensraum einer bedrohten Tierart zu schützen? Für viele stand in der Tat sehr lange ersteres im Vordergrund. Auch die Kirche hat sich lange auf eine fast schon anthropozentrische Ebene begeben, muss man selbstkritisch zugeben. Sie hat sich mehr an Genesis eins gehalten: „Wachset und mehret euch und machet euch die Erde untertan“ (Gen 1,28) und hat dabei Genesis zwei: „Der Herr setzte den Menschen in den Garten Eden, auf dass er ihn bebaue und bewahre“ (Gen 2,15) vergessen. Daran erinnert Papst Franziskus sehr eindringlich.

 

 

 

Frage: Der Papst plädiert in seiner Enzyklika für einen nachhaltigen Fortschritt. Wie sieht so ein nachhaltiger Fortschritt aus?

 

Töpfer: Ein nachhaltiger Fortschritt wälzt seine Kosten weder auf die Natur noch auf andere Generationen noch auf Menschen in anderen Regionen dieser Welt ab. Nachhaltiger Fortschritt heißt, ernst und ehrlich für seinen Wohlstand einzustehen und eben nicht, ökologische Schulden auf sich zu laden. Dass zum Beispiel eine Mobilität nicht nachhaltig sein kann, die in hohem Maße CO2 emittiert und damit das Klima verändert, merkt man schnell. Daran gilt es zu arbeiten. Ebenso sehen wir Auswirkungen fehlender Nachhaltigkeit bis hinein in die Ursachen der Flüchtlingskrise. Nachhaltigkeit im Sinne von Papst Franziskus verbindet den Umgang mit der Schöpfung mit dem Los der Menschen. Er sagt ganz deutlich: „Das Stöhnen der Erde und der Schrei der Armen sind immer gemeinsam zu hören.“

 

 

 

Frage: Der Papst verlangt eine ökologische Umkehr. Was bedeutet das für uns Christen?

 

Töpfer: …sich bewusst zu machen, was die Konsequenzen meines Handelns sind, sich klar zu machen, dass gerade die Ärmsten der Armen darunter stöhnen, wenn wir, die Reichen dieser Welt, uns auf Kosten von Natur und Umwelt bereichern. Es sind ökologische Umkehrungen, nicht mehr allein die Steigerung des Bruttosozialproduktes als einzige Stellgröße von Fortschritt zu betrachten. Es sind ökologische Umkehrungen, aus dem, wie der Papst sagt, schnellen und fast gedankenlosen Konsum heraus zu kommen. Franziskus betont: „Wir müssen einen kleineren Gang einlegen, langsamer fahren.“ Das ist ökologische Umkehr.

 

 

 

Frage: Das Buch des Bonifatiuswerkes nimmt den päpstlichen Auftrag einer ökologischen Erziehung ernst. Was bedeutet eine ökologische Erziehung für Eltern und Großeltern, Lehrer und Erzieher?

 

Töpfer: Erziehung ist immer Beispiel und Liebe, wie ein großer Pädagoge einmal gesagt hat. Und genau da setzt ökologische Erziehung an, dass man anhand seines eigenen Lebensverhaltens belegt, was ein verantwortungsvoller Umgang mit der Schöpfung bedeutet, dass man bemüht ist, Rücksicht zu nehmen, Verantwortung zu übernehmen und das alles nicht nur vorredet, sondern vorlebt. Ich bin selbst Großvater von vier Enkelkindern und weiß, es ist ein ganz großer Erziehungsauftrag, nicht allein die MINT-Fächer [Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik] in den Vordergrund zu stellen, sondern auch die ethische Dimension unseres Wissens zu vermitteln. Das vorzuleben und deutlich zu machen, ist ein großer Auftrag ökologischer Erziehung. Deswegen ist es gut, wenn das Buch des Bonifatiuswerkes, mit dem Kinder auch auf die Kommunion vorbereitet werden, aufzeigt, dass gutes Leben wesentlich mehr ist, als das rein Ökonomische und Konsum.

 

 

 

Frage: In „Laudato Si‘“ steht die Eucharistie an prominenter Stelle. Was bedeutet für Sie die Eucharistiefeier?

 

Töpfer: Wer sich mit Glauben ernsthaft auseinandersetzt, wer dies nicht als die Routine früher Kindheiten nur betrachtet – so schön das an vielen Stellen bis in den Bereich des Heiligen Abend hineinreichend ist – der weiß, dass Eucharistie immer und immer wieder die Möglichkeit darstellt, in engen Kontakt mit Gott treten zu können und sich darin wiederzufinden. Für mich ist es ganz wichtig, dass man sich zweckfrei darüber freuen kann, sich in einem solchen, den ganzen Menschen ansprechenden Gottesdienst mit Gott zu beschäftigen. Auch hier ist Papst Franziskus eine ganz große Bereicherung, wenn er von der Freude und von der sich freuenden Kirche spricht.

 

 

 

Frage: Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre eigene Erstkommunion oder die Ihrer Kinder?

 

Töpfer: Natürlich kann ich mich an meine Erstkommunion und die meiner Kinder erinnern. Vor allem aber denke ich an die Erstkommunion meiner Enkeltochter. Es war eine wunderbare Feier. Allerdings ist es traurig, zu sehen, dass die Zahl derer, die zur Erstkommunion gehen, immer weiter zurückgeht. Deswegen ist es so wichtig, dass so ein Buch, wie das des Bonifatiuswerkes erscheint, um auch die zu erreichen, die vielleicht noch überlegen, ob man zur Erstkommunion gehen sollte.

 

 

 

Frage: Haben sie einen Wunsch an die Erstkommunionkinder?

 

Töpfer: Mein Wunsch für die Erstkommunionkinder ist, dass sie Freude finden am Glauben und diesen ganz selbstverständlich in ihr Leben einbinden, dass sie hoffentlich nie in eine Situation geraten, in der sie am Glauben so zweifeln, dass sie nicht mehr weiter glauben können.

 

 

 

Frage: Das Erstkommunionthema des Bonifatiuswerkes lautet: „Mit Jesus in einem Boot“. Gab es gefährliche Situationen in Ihrem Leben, von denen Sie heute sagen können: Da war Jesus mir im „Sturm des Lebens“ ganz nahe und hat mich beschützt?

 

Töpfer: In meinem Leben gibt es keine abrupten Saulus-Paulus-Begebenheiten. Aber es gibt Weichenstellungen, von denen ich erst hinterher gemerkt habe, wie man in eine solche Situation hineingestellt wurde. Zum Beispiel: geht man aus der Funktion eines Bundesministers in die Mitte von Afrika und beginnt, schon 60 Jahre alt, eine neue Aufgabe? Ich bin unbedarfter in diese Entscheidung hineingegangen, als der ein oder andere wohl glauben mag. Im Nachhinein weiß ich, welche großen Konsequenzen damit verbunden waren. Oder die Weichenstellung, aus den Erwartungen an ein Leben als Universitätsprofessor sich urplötzlich in einem politischen Amt wiederzufinden. Auf einmal merkte ich, dass auch die Gestaltung in einer Demokratie das Mitwirken von Menschen erforderlich macht, und dass dies eine große Chance ist, gegen die allgemeine Meinung, in der Demokratie wäre Politik eigentlich „dirty thing“ und man müsste davon die Finger lassen. Deswegen ist es meine dringende Bitte an die Kommunionkinder und deren Eltern, nicht zu sagen, da kümmern wir uns nicht drum, sondern in der Gesellschaft politisch zu leben und diese mitzugestalten.

 

 

 

Frage: Wie finden Sie das neue Buch des Bonifatiuswerkes „Wir entdecken die Schöpfung“?

 

Töpfer: Dieses Buch sollte auf dem Tisch eines jeden Kommunionkindes liegen. Und es sollte nicht nur dort liegen, um es hinterher, vielleicht noch mit einer Widmung von Opa und Oma versehen, im hinteren Teil des Buchschrankes verschwinden zu lassen, sondern die Kommunionkinder sollen immer wieder darin lesen vielleicht sogar gemeinsam mit den Eltern oder den Geschwistern.

 

 

*******************************

Autor: Bonifatiuswerk; zusammengestellt von Gert Holle - 7.04.2017