Erstkommunionaktion 2018 des Bonifatiuswerkes

„Wir sind für sie da“ - Im Caritas Kinder- und Jugenddorf Markkleeberg finden Kinder ein neues Zuhause

 

Text und Fotos: Alfred Herrmann

 

 

 

„Die Mädchen in meiner Klasse lachen immer nur“, versucht Jonny*, Rosanna zu ärgern. Er grinst und packt sich eine gehörige Portion Nudeln mit Speck auf den Teller. Rosanna lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und isst geduldig weiter. Beide besuchen die 4 b der örtlichen Grundschule. Jonny hat in der letzten Reihe seinen Platz, bei den Jungs, erklärt er, Rosanna in der Mitte. Zuhause allerdings essen sie gemeinsam zu Mittag.

 

 

 

Rosanna, Julia, Jonny, Timo, Andreas, Paul, Karla und Maria bewohnen „Haus 1“ des Caritas Kinder- und Jugenddorfes in Markkleeberg südlich von Leipzig. Die 7- bis 13-jährigen Jungen und Mädchen bilden die sogenannte „Familiennahe Wohngruppe“. Mindestens zwei Jahre lebt jedes Kind hier. Manche bleiben sogar bis sie erwachsen sind. Das Kinder- und Jugenddorf besteht aus insgesamt vier Häusern. 27 Jungen und Mädchen zwischen fünf und 18 Jahren haben hier ihr Zuhause.

 

 

 

Fern von den Eltern

 

 

 

Nach dem Essen ziehen sich die Kinder zur Mittagsruhe zurück. Sie haben auf ihrem Zimmer Zeit für sich. Paul schläft. Timo spielt mit seinem Playmobil-Krankenhaus. Rosanna verkriecht sich unter ihre Bettdecke und liest „Pferdegeschichten“. Sie findet das Kinderdorf okay. Allerdings wäre sie lieber bei ihren Eltern, gibt sie zu. „Meine Mama kann nicht richtig laufen und muss oft ins Krankenhaus. Mein Papa arbeitet immer bis tief in die Nacht“, erklärt sie, warum sie mit ihrer Schwester Julia im Kinderdorf lebt. Beide Mädchen fahren jedes zweite Wochenende nach Hause.

 

 

 

Jonny traf sich am Sonntag für sieben Stunden mit seinem Vater. Einmal im Monat ist das so verabredet. „Er hat mich hier abgeholt“, ist der Elfjährige stolz. „Bei ihm haben wir dann zwei Filme geguckt.“ Nachdenklich fügt er an: „Wenn ich meinen Papa nicht sehe, bin ich traurig.“ Timo kennt hingegen seinen Vater nicht mehr. Seine Mutter lebt mit einem anderen Mann zusammen. Ihm fällt es schwer, zu verstehen, warum gerade er im Kinderdorf leben muss und nicht einer seiner drei Brüder. Andreas kam vor zwei Monaten ins Kinderdorf. Auf die Frage, warum er hier ist, meint der Neunjährige: „Weil meine Eltern sich gestritten haben.“

 

 

 

„Wenn Kinder von ihren Eltern getrennt leben müssen, ist das immer eine Tragödie! Was ein Kind da durchmacht, das können wir uns nur ganz schwer vorstellen“, betont Kinderdorfleiterin Gabriele Fleck-Hartmuth. „Kinder brauchen den Kontakt zu ihren Eltern, auch wenn die Beziehungen zu den Eltern belastet sind.“ Die Sozialpädagogin sieht in der Zusammenarbeit mit den Eltern eine wichtige Aufgabe des Kinderdorfes. Mit Hilfe von Psychologen und Pädagogen soll der Faden nicht abreißen, auch wenn Kinder zu Hause Gewalt erfahren haben, vernachlässigt wurden oder Missbrauch ausgesetzt waren.

 

 

 

„Alle Kinder, die zu uns kommen, haben eine Situation im häuslichen Umfeld erleben müssen, die für sie sehr schwer war“, erklärt Fleck-Hartmuth. Sie spricht von Eltern, die aufgrund psychischer Erkrankungen oder körperlicher Einschränkungen nicht angemessen für ihre Kinder sorgen können, von Eltern, die aufgrund von Alkohol- und Drogensucht den Blick für ihre Kinder verlieren, von Eltern, die ihre Kinder zu Zeugen und zu Opfern von Gewalt machen. „Alle Kinder im Kinder- und Jugenddorf bringen psychische Verletzungen mit“, eröffnet die Leiterin der Einrichtung einen Blick hinter die oftmals nur vordergründig fröhlichen Gesichter der Jungen und Mädchen. Sie leiden unter posttraumatischen Belastungsstörungen, unter impulsiven Wut- und Gefühlsausbrüchen, zeigen Sprachdefizite, haben Konzentrationsschwächen und Schwierigkeiten, sich alleine zu beschäftigen. Symptome wie Aufmerksamkeitsstörungen oder Einnässen sind keine Seltenheit.

 

 

 

Tagesstruktur, Beziehungen und Glaubensangebote

 

 

 

„Die Kinder sollen wissen, dass wir für sie da sind und mit ihnen durch ihre Krise hindurchgehen.“ Ein festes Team von Erziehern, Sozialpädagogen und einer Psychologin begleiten die Kinder durchs Leben. Sie sorgen sich um eine geeignete Schule, um Ergotherapie, Logotherapie, psychologische Betreuung. „Die Kinder und Jugendlichen brauchen eine feste Tagesstruktur und verlässliche Beziehungen“, nennt Fleck-Hartmuth die haltgebenden Eckwerte der Einrichtung. „Wir machen den Kindern Beziehungsangebote und durchleben mit ihnen einen klar durchstrukturierten Tag.“

 

 

 

Ab halb drei am Nachmittag sitzen die Kinder über ihren Hausaufgaben. Am großen Tisch im Wohnzimmer übt Jonny mit einem Erzieher Mathe: „Was ist ein Liter?“ lautet die Frage. Daneben schneidet Julia ein Bühnenbild für ihr Papiertheater aus, das sie in der Schule gebastelt hat. Andreas muss noch etwas ausmalen. Eine Erzieherin kontrolliert währenddessen das Hausaufgabenheft von Rosanna. Sie ist bereits fertig und freut sich auf die Freizeit. Für eine halbe Stunde darf die 10-Jährige ins Internet. Für sie heißt das, Musik hören und Comedy-Clips schauen.

 

 

 

Jonny fuhr letzten Sommer mit zur Religiösen Kinderwoche der Pfarrei St. Peter und Paul. Getauft ist er zwar nicht, wie fast alle im Kinderdorf. Markkleeberg liegt in der Diaspora. Mehr als drei Viertel der Gesamtbevölkerung gehören in Sachsen weder einer christlichen Kirche noch einer anderen Religion an. Jonny interessiert sich dennoch an Religion. „Wir machen den Kindern religiöse Angebote“, betont Kinderdorfleiterin Fleck-Hartmuth. „Wir feiern die katholischen Feste im Jahreskreis, beten zum Essen und besuchen auch mal den Sonntagsgottesdienst.“ Wichtiger ist ihr jedoch die innere Haltung der Kinderdorfmitarbeitenden. „Durch unsere Haltung wird die religiöse Einstellung unserer Einrichtung deutlich, welche Wertschätzung man einem Kind entgegenbringt, mit welcher Geduld dem Kind vermittelt wird: ,Du bist okay, so wie du bist.‘“

 

 

 

*Namen der Kinder geändert

 


Monsignore Georg Austen zur Erstkommunionaktion 2018. Das Gespräch führte Patrick Kleibold.

Jesus ist in unserer Welt auch heute gegenwärtig

Foto: Bonifatiuswerk
Foto: Bonifatiuswerk

 

 

 

 

Das Bonifatiuswerk unterstützt die Kommunionkinder und Katecheten bei der Vorbereitung. Wie versuchen Sie denn, die Kinder für Glaubensthemen zu begeistern?

 

Austen: „Wir können nur Impulse setzen, unsere Glaubensinhalte selbstbewusst leben und den Kindern verständlich vermitteln. Für mich sind dabei eine generationenübergreifende Vorbereitung und auch die Einbindung von Großeltern, Paten und anderen Gemeindemitgliedern ganz wichtig, da viele Eltern keinen Bezug mehr zur Kirche haben. Es stellt sich die Frage, wie können wir Kinder für die Glaubensinhalte sensibilisieren, damit sie unseren Glauben näher kennenlernen können. Positive Erfahrungen in der Vorbereitung auf dieses besondere Fest, auf die erste Begegnung mit Jesus Christus in der Eucharistie, sind ganz wichtig. Sie prägen die Kinder und das erlebte Gemeinschaftsgefühl kann sie ein Leben lang begleiten.“

 

 

Welche Ansätze wählen Sie für diese Sensibilisierung?

 

Austen: „Als Bonifatiuswerk versuchen wir, jedes Jahr neue kreative und katechetisch interessante Ansätze zu entwickeln. In Kooperation mit einem religionspädagogischen Beirat, der aus Theologen, Katecheten und auch aus Professoren besteht, entwickeln wir für das jeweilige Jahr ein umfangreiches Begleitheft und weitere Materialien für die Katechesevorbereitung. Der Aufbau, das Leitmotiv und das Leitwort knüpfen dabei immer eng an eine Bibelstelle an. Die Denkanstöße und Impulse, die wir geben möchten, sollen Gemeinden bei der Erstkommunionkatechese unterstützen und den Kindern einen entsprechenden Zugang zu den Inhalten des Glaubens ermöglichen.“

 

 

Das Motto des Bonifatiuswerks ist in diesem Jahr „Jesus, wohnst Du?“. Warum haben Sie das gewählt?

 

Austen: „Die Erstkommunionkinder empfangen bald zum ersten Mal den Leib Christi in der Gestalt des Brotes und wachsen immer mehr in die Gemeinschaft der Kirche hinein. Sie erfahren, wo Gott, wo Jesus, in unserer Welt auch heute gegenwärtig ist, wo wir ihn erfahren können, am Erstkommuniontag und weit darüber hinaus. „Wo wohnst du?“ – in dieser Frage schwingt mit: Wo ist Jesus zu Hause? Wo können wir Gott finden? Für uns Katholiken ist Jesus Christus in besonderer Weise im Sakrament der Eucharistie gegenwärtig. Ebenso wie die Jünger Andreas und Johannes im Johannesevangelium sind wir und insbesondere die Erstkommunionkinder voller Erwartungen und auf der Suche, um unser Leben durch Jesus Christus verändern zu lassen.“

 

 

Die Kommunionkinder geben traditionell eine Gabe an das Bonifatiuswerk. Welches Projekt unterstützen Sie in diesem Jahr damit?

 

Austen: „Wir unterstützen das von der Caritas getragene Kinder- und Jugenddorf Markkleeberg. Dabei handelt es sich um eine stationäre Jugendhilfeeinrichtung mit 27 Plätzen in vier Häusern, südlich von Leipzig. Derzeit leben dort  27 Jungen und Mädchen zwischen fünf und 18 Jahren. Alle Kinder im Kinder- und Jugenddorf haben eine Situation im häuslichen Umfeld erleben müssen, die für sie sehr schwer war. Einige der Eltern können aufgrund psychischer Erkrankungen, körperlicher Einschränkungen oder aufgrund von Alkohol- und Drogensucht nicht angemessen für ihre Kinder sorgen. Es gibt auch Kinder, die Zeugen oder Opfer von Gewalt wurden. Sie leiden unter posttraumatischen Belastungsstörungen, unter impulsiven Wut- und Gefühlsausbrüchen, zeigen Sprachdefizite, haben Konzentrationsschwächen und Schwierigkeiten, sich alleine zu beschäftigen. Im Kinder- und Jugenddorf erfahren sie, dass jemand für sie da ist und mit ihnen durch ihre Krise hindurchgeht. Ein festes Team von Erziehern, Sozialpädagogen und einer Psychologin begleiten sie durchs Leben. Sie sorgen sich um eine geeignete Schule, um Ergotherapie, Logotherapie, psychologische Betreuung.

 

Mit ihrer Gabe setzen die Erstkommunionkinder ein großartiges, ein starkes Zeichen der Solidarität. Dafür danke ich allen Kommunionkindern von ganzem Herzen!“

 


Interview mit der Religionslehrerin und Miss Germany 2016, Lena Bröder

„Wir müssen das Leben lieben und gestalten!“

Foto: Bonifatiuswerk
Foto: Bonifatiuswerk

 

 

Miss Germany waren schon viele Frauen. Aber noch nie hat eine Religionslehrerin den Titel gewonnen. Lena Bröder hat es getan und erzählt im Erstkommunion-Interview mit Matthias Micheel über ihren Glauben, den Tod, die Erstkommunion und die Liebe zur Welt

 

 

Wie kamen Sie dazu, katholische Religion zu studieren?  

 

Bröder: „Ich bin christlich aufgewachsen, allerdings nicht sonderlich streng religiös erzogen worden. Meine drei Schwestern und ich waren in einem katholischen Kindergarten, und da hatten wir schon sehr früh einen intensiven Bezug zur christlichen Botschaft und zur katholischen Kirche. Die Kirche als Gebäude war ja direkt nebenan. Katholische Religion zu studieren, das war erst gar nicht mein Plan, ich wollte eigentlich zur Polizei gehen und hatte auch schon alle Einstellungstests bestanden. Dann bin ich noch einmal in mich gegangen und habe mit einer Freundin, die Theologie auf Lehramt studierte,  Vorlesungen und Seminare besucht, einfach mal geschaut, wie das da so abläuft  - und ich fand es faszinierend. Dann habe ich mir gesagt: okay, wenn ich Lehramt mache, dann möchte ich auf jeden Fall katholische Religion oder Theologie studieren. Ich habe nämlich selber ganz tolle Religionslehrer gehabt, die mich nicht einfach mit Worten „bekehren“ und „belehren“ wollten, sondern richtige Vorbilder im Glauben und Leben waren. Und das wurde dann auch mein Grundsatz: den Schülern Wege zu eröffnen, ohne sie zu bedrängen, damit sie zu ihrem eigenen Glauben und Leben finden.“

 

 

Gibt es bestimmte Situationen, in denen Sie Gott besonders nahe waren?

 

Bröder: „Bei uns war die Oma, die Mutter meiner Mama, eine der wichtigsten Personen. Sie war immer für uns da und hat alles für uns Kinder getan. Sie wurde fast 93 Jahre alt,  war bis ins hohe Alter aktiv und engagierte zum sehr für den Tierschutz. Was „Bewahrung der Schöpfung“ heißt, das habe ich von ihr gelernt. Ihr Tod hat mich sehr berührt. An ihrem Grab habe ich die Erfahrung gemacht: Wenn dieser Halt plötzlich weg ist, was bleibt dann? Ich spürte: Ich bin nicht haltlos, weil ich meine Familie habe. Aber auch, weil ich meinen Glauben habe. Für mich war die Grabesrede nicht der letzte Abgesang auf meine Oma, sondern nur ein Tschüss auf Erden und ein „Auf geht’s“ in das Paradies oder in den Himmel. Wie man das nun nennt, ist völlig egal. Hauptsache ist, dass für mich feststeht, dass es meiner Oma gut geht, dort wo sie jetzt ist. Dieser Glaube hat mich bei der Beerdigung getragen, und er tut es auch heute. Wir müssen das Leben als Geschenk annehmen, als etwas, das uns gegeben wurde, dass wir gestalten sollen und müssen. Wir müssen das Leben lieben. Das hat meine Oma getan. Und das gehört für mich selbstverständlich zum christlichen Glauben dazu. Gerade auch weil es für mich ein Leben nach dem Tod gibt. Das Leben zu lieben, dazu gehört, so paradox es klingt, auch der Tod. Aber dieses Ende ist zugleich ein neuer Anfang, in dem Gott verspricht: Ich hole dich zu mir. „Leben geht weiter“, das war ein typischer Satz meiner Oma.“

 

 

Was ist für Sie das Wichtigste am christlichen Glauben?

 

Bröder: „Die Aussage: Christus wurde von Gott von den Toten auferweckt. Wenn er es nicht wurde, ist unser Glaube sinnlos. Wer nicht an die Auferstehung glaubt, der glaubt meines Erachtens nicht an das Zentrale des Christentums. Christ zu sein, ohne an diese konkrete Person Jesus Christus zu glauben, der lebte, gekreuzigt wurde und von Gott auferweckt worden ist, das würde mir absurd erscheinen. Christ ohne Christus, nur so als Idee oder abstrakte Lehre, das geht nun einmal nicht. Für mich ist Jesus ein unsichtbarer Wegbegleiter, der immer da ist. Ich sehe ihn nicht. Manchmal spüre ich ihn stärker, manchmal weniger stark. Aber er ist immer da.“

 

 

Was ist Ihnen besonders wichtig?

 

Bröder: „Was sich wirklich durch mein bisheriges Leben zieht, sind Teamfähigkeit und das Einstehen für Andere. Ich habe das Gefühl, das verschwindet in unserer Gesellschaft. Unsere Gesellschaft ist zu einer Ellenbogengesellschaft geworden, jeder versucht das Beste für sich rauszuschlagen. Und das ganz unverhohlen. Ich bin mit drei Schwestern aufgewachsen, ich habe gelernt zu teilen, für den Anderen einzustehen und auch für Sachen gradezustehen, wenn etwas mal nicht so lief. Und das würde ich gerne weitergeben und versuchen, meinen Schülern zu vermitteln, weil es zu meiner christlichen Identität gehört. Ich bete immer noch vor wichtigen Situationen. Einfach, weil es mir Kraft gibt. Ich habe einmal gelesen, dass der ursprüngliche Sinn des Gebets das Danken ist. Das finde ich auch: Bitten, das ist natürlich wichtig für mich. Doch danken, das ist fast noch wertvoller.“

 

 

Im Evangelium sind ja oft die Kleinen die Sieger und nicht so sehr die vordergründig Erfolgreichen oder Reichen. Aber Sie sind ja doch auch sehr erfolgreich…?

 

Bröder: „Ich ordne das ganz einfach so ein, dass jeder Mensch auf seine Art und Weise erfolgreich ist und sein kann, und bei mir waren das jetzt halt die Misswahlen. Ich war dafür aber in der Schule schlecht. In der elften Klasse blieb ich sitzen, da war Schluss mit durchmogeln. Sitzenbleiben hört sich so harmlos an, doch anfühlen tut es sich ziemlich schlimm. Es ist ein kleines Scheitern. Erfolg hat für mich damit zu tun, dass man an sich  arbeitet. Mir kam der Erfolg bestimmt nicht zugeflogen, ich musste hart dafür kämpfen.“

 

 

In Deutschland werden eigentlich immer weniger Kinder getauft. Was würden Sie einem Kind sagen, wenn es sagt, mit Religion sehe ich nicht so cool aus…?

 

Bröder: „Ich kann natürlich in meiner Lehrerrolle nur versuchen, die Klischees aus dem Weg zu räumen und zeigen, dass die Kirche sehr wohl modern und ansprechend sein kann. Aber es ist, ehrlich gesagt, generell schwierig, wenn da das Elternhaus generell dagegen arbeitet. Es kommt darauf an, dass die Eltern das vertiefen. Es geht nicht darum, dass sie streng religiös sind, aber dass sie wenigstens ein paar Grundlagen und paar Grundwerte des Glaubens in die Erziehung einbringen.“

 

 

Haben Sie Erinnerungen an Ihre eigene Erstkommunion?

 

Bröder: „Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich mit meiner Schwester zusammen Erstkommunion hatte. Es war natürlich eine sehr, sehr schöne Feier. Und ich hatte das Erstkommunionkleid von meiner etwas älteren Schwester an. Das weiß ich auch noch. Es wurde weitergereicht, es ging durch die ganze Familie.“

 

 

Was wünschen Sie den Erstkommunionkindern 2018?

 

Bröder: „Viel Glück und viel Segen auf all euren Wegen! Und vergesst das Danken nicht!“

 


Gedankensplitter zum Jahresthema des Bonifatiuswerkes von Alois Prinz

Wo wohnt Jesus?

Foto: Bonifatiuswerk
Foto: Bonifatiuswerk

 

 

Als Kind war für mich die Sache klar: Jesus wohnt in der Kirche. Wo auch sonst? Außerhalb der Kirche war die Schule, der Fußballplatz, und da waren meine Freunde. Jesus konnte ich mir da damals nicht vorstellen. Gott war weit weg, im Himmel. Natürlich war Jesus für mich da: in der Kirche. Das bewiesen zum Beispiel die vielen Jesus-Bilder darin. An der Seitenwand waren die Bilder seines Lebens, von der Geburt in Bethlehem bis zu Kreuzigung auf Golgatha. Als ich Ministrant wurde – das war zu der Zeit schon lange vor der Erstkommunion durchaus üblich –, grenzte ich den Wohnort von Jesus noch weiter ein. Ich kniete auf den marmornen Stufen des Altars und beobachtete fasziniert, wie der Pfarrer nach der Eucharistiefeier den Kelch mit den Hostien in den Tabernakel verschloss. In diesem goldverzierten Kasten, der auf einer Säule stand, so dachte ich, wohnt also Jesus. So lange jedenfalls, bis er wieder in der nächsten Messe herausgeholt wird.

 

 

 

Dann kam die Erstkommunion und ich musste meine Vorstellung davon, wo Jesus wohnt, wieder ändern. Die Hostien blieben ja nicht einfach im Tabernakel und auch nicht im Kelch oder in der Hostienschale. Sie wurden an die Gläubigen verteilt. Jesus musste also auch „teilbar“ sein. Jeder, der eine Hostie bekam, trug ihn mit sich fort. Das war ein geheimnisvoller Gedanke, und ich war schon gespannt, wie sich das anfühlt, Jesus in sich zu haben. Am Tag der der ersten Heiligen Kommunion war es dann soweit. Ich weiß es noch genau: Die Mädchen und Jungen standen um den Altar, Sonnenstrahlen fielen durch die Fenster, und der Weihrauch stieg zur Decke empor. Es war ein feierlicher Moment, als der Pfarrer uns die Hostien reichte. Im Kommunionunterricht hatte ich gelernt, dass die geweihten Hostien das Fleisch von Jesus sind. Danach nahm ich also wirklich Jesus in meinen Mund und schluckte ihn hinunter. Ich hatte erwartet, dass etwas Wunderbares passiert, dass ich mich von einem Moment auf den anderen verändere, verwandle. Aber nichts geschah. Und doch hatte ich Jesus in mir. Ich war jetzt sein Wohnort. Aber was bedeutet das?

 

 

 

Viele Jahre später reiste ich das erste Mal in das Heilige Land, nach Israel. Ich besuchte die Orte, wo Jesus gelebt hatte, als wirklicher Mensch aus Fleisch und Blut, den man damals anfassen konnte. Ich war am Jordan, wo er getauft wurde. In Nazareth, wo er bei seiner Familie gewohnt hat. Und in Kafarnaum am See Genesareth, seiner zweiten Heimat. In Kafarnaum kann man die Mauerreste der Häuser sehen, in denen die Jünger Jesu wie Johannes und Petrus gewohnt haben. Das Haus, das Petrus gehört haben soll, ist größer als die anderen und hat eine runde Form. Man nimmt an, dass Jesus dort gewohnt hat. Jesus selber hat gesagt, dass er keinen Platz hat, wo er schlafen kann. Heute würde man sagen, er hatte keinen festen Wohnsitz. Man kann das auch so verstehen, dass er überall wohnt, zu allen Menschen kommt.

 

 

 

Später wurde er dann in Jerusalem verurteilt und ans Kreuz geschlagen. Am dritten Tag, so steht es in der Bibel, ist er auferstanden und dann zu seinem Vater in den Himmel aufgefahren. Seither ist er aber nicht weg, sondern kann von Menschen immer wieder erfahren werden, so, als ob er leibhaftig anwesend wäre. Der heilige Paulus war einer der ersten, der das erlebt hat, als ihn auf dem Weg nach Damaskus Jesus wie ein Blitz aus dem Himmel zu Boden warf und zu ihm sprach. Im Mittelalter gab es fromme Frauen und Männer, man nannte sie Mystiker, die glaubten, dass jeder Mensch eine Seele hat, die Jesus aufnehmen kann. Teresa von Avila, die heute als Heilige und Lehrerin der Kirche verehrt wird, nannte die Seele eine Wohnung für Jesus. Wenn er darin anwesend ist, so beschreibt es Teresa, kann man mit ihm reden wie mit einem Freund. Als ihre Mitschwestern sich beschwerten, dass sie vor lauter Arbeit in der Küche nicht zum Beten kommen, meinte Teresa: Gott wohnt auch zwischen den Kochtöpfen. Damit meinte sie, dass man Jesus überall erfahren kann, in der Natur, beim Lesen eines Buches, bei der Arbeit, beim Spiel. Herbeizwingen kann man ihn allerdings nicht. Man kann sich nur bereit machen. „Gott wohnt, wo man ihn einlässt“, sagt ein jüdisches Sprichwort. Diese Erfahrung kann man vor allem dann machen, wenn man für andere da ist, für schwache, arme, hilfsbedürftige Menschen. Es sind Momente, in denen man ganz gewiss ist, von guten Mächten beschützt, von einem unerschütterlichen Vertrauen getragen zu sein. Wie gesagt, eine Wohnung für Jesus zu werden, das kann man nicht „machen“, dafür gibt es keine Technik. Jesus lässt sich nicht zwingen. Er gibt sich als Geschenk. Man kann sozusagen nur die Wohnung für ihn herrichten – und dann, wenn er darin einzieht, dankbar dafür sein.

 


Materialien und Jahresthema zur Erstkommunionaktion 2018

Das Bonifatiuswerk entwickelt jährlich ein neues Thema und Begleitmaterialien für die Erstkommunion-Katechese in den Gemeinden. Mit dem Jahresthema und dem dazugehörigen Erstkommunionbegleiter gibt das Bonifatiuswerk den Verantwortlichen in allen Kirchengemeinden Deutschlands eine Hilfe für ihre Katechese an die Hand. Erarbeitet wird das Material von einem Beirat Religionspädagogik, der aus Theologen, Katecheten und auch Dozenten besteht.

 

 

 

„Jesus, wo wohnst Du“, das ist das Leitwort der Erstkommunionaktion 2018. Die Jünger Andreas und Johannes antworten auf die Frage Jesu: „Was wollt ihr?“, mit einer Gegenfrage: „Meister, wo wohnst du?“ (Joh 1,38). Den Jüngern geht es aber natürlich um mehr als nur darum, seine Adresse zu erfahren! Sie stehen für zwei Suchende voller Erwartung, die bereit sind, ihr Leben verändern zu lassen.

 

„Wo wohnst du?“ – in dieser Frage schwebt mit; Wo ist Jesus zu Hause? Wo können wir Gott finden? Für uns katholische Christen ist Jesus Christus in besonderer Weise im Sakrament der Eucharistie gegenwärtig. Die Erstkommunionkinder empfangen zum ersten Mal den Leib Christi und wachsen immer mehr in die Gemeinschaft der Kirche hinein. Sie erfahren, wo Gott, wo Jesus, in unserer Welt auch heute gegenwärtig ist, wo wir ihn erfahren können, am Erstkommuniontag und weit darüber hinaus.

 

Das Bildmotiv stammt von dem renommierten deutschen Kinderbuchillustratoren, Silvio Neuendorf.

 


Die Erstkommunionaktion des Bonifatiuswerkes hat eine lange Tradition

 

Durch die bundesweiten Gaben der Erstkommuni­onkinder kann die Kinderhilfe des Bonifatiuswerkes jährlich fast 1,8 Mio. Euro für hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche in Deutschland, Nordeuropa sowie in Estland und Lettland zur Verfügung stellen.

 

Die Glaubensweitergabe an Kinder und Jugendliche ist eine besondere Herausforderung in der Diaspora.  Nicht selten sind sehr wenige christliche Kinder in einer Schulklasse. Sich unter we­nigen Katholiken bei den eigenen Freunden wahrzunehmen, kann besonders Heran­wachsenden Probleme bereiten.

 

Die Kinder- und Jugendhilfe des Bonifatiuswerkes fördert pastorale sowie diakonisch-karitative Projekte in der Diaspora und ermöglicht auf vielfältige Weise eine Begegnung im Glauben. Bezuschusst werden unter anderem die Religiösen Kinderwochen (RKW) in Ostdeutschland, religiöse Vorschulerziehung und Projekte der Schulpastoral, katholische Kindertages­einrichtungen, Kinderhospizdienste und Jugend­einrichtungen. Sie eröffnen Lebensperspektiven für junge Menschen und lassen christliche Werte erleb­bar werden.

 

Mehr Informationen zu den Projekten des Bonifati­uswerkes unter: http://www.bonifatiuswerk.de/erstkommunion/