Erstkommunionaktion 2019 des Bonifatiuswerkes steht unter dem Jahresthema „Jesus segnet uns“

  •    Informationen und Hintergründe zum Jahresthema und zur Aktion
  • Reportage zu einem Beispielprojekt des Bonifatiuswerkes unter dem Titel „Ein Zuhause zum  Wohlfühlen – Die katholische Wohneinrichtung am Michaelkirchplatz in Berlin sorgt sich um geistig behinderte Kinder und Jugendliche“
  • Interview mit Monsignore Georg Austen zum Jahresthema der Erstkommunionaktion
  • Interview mit Kika Star Juri Tetzlaff

 

Die katholische Wohneinrichtung am Michaelkirchplatz sorgt sich um geistig behinderte Kinder und Jugendliche

Ein Zuhause zum Wohlfühlen

 

„Uaaah!!!“ Mit großem Anlauf und einem lauten Schrei springt Dominik über die orangene Rampe rücklings ins Bällchenbad. Gleich dahinter macht sein Bruder Jean einen weiten Satz ins bunte Vergnügen. Max liegt derweil cool und gelassen zwischen all den grünen, blauen, roten und gelben Plastikkugeln. Nur sein Kopf und seine Ellenbogen schauen heraus. Spielzeit im Sportraum der Heilpädagogischen Wohneinrichtung für Kinder und Jugendliche am Michaelkirchplatz in Berlin-Mitte. Vor einer knappen Stunde kamen Jean, Dominik und Max aus der Schule. Nun toben die Jungs durchs Bällchenbad und übers Trampolin. Danach liefern sie sich ein Match am Tischkicker. Mittendrin Judith Neyen, Anja Richter und Florian Seufert. Die Heilerziehungspflegerin, die Erzieherin und der Sozialarbeiter spielen mit und passen auf, dass nichts passiert.

 

Fern von den Eltern daheim

 

Seit drei Jahren leben Dominik und Jean bereits in der Einrichtung der Caritas Familien- und Jugend-hilfe. Ihre Eltern, selbst in einer schwierigen Lebenssituation, kamen mit der geistigen Beeinträchtigung der beiden Söhne kaum zurecht. Die elf und sieben Jahre alten Brüder sind in ihrer Entwicklung noch nicht so weit wie andere Kinder ihres Alters und zeigen sich besonders verhaltensauffällig. Die beiden Jungs teilen sich nun ein großes Zimmer und wachsen mit sechs weiteren Kindern und Jugendlichen wie in einer großen Familie auf. 16 Mädchen und Jungen leben zurzeit in zwei Wohngruppen in der Heilpädagogischen Wohneinrichtung am Michaelkirchplatz.

 

„Wir sind eine Wohnstätte für Kinder und Jugendliche von sechs bis 21 Jahren mit geistiger Behinderung“, erklärt Simone Bachstein von der Hausleitung. „Unsere Bewohner bringen einen ausgeprägten Autismus mit oder sind traumatisiert, haben das Down-Syndrom oder Epilepsie, kämpfen mit den Folgen einer Sauerstoffunterversorgung bei ihrer Geburt oder eines Alkohol- und Drogenmissbrauchs ihrer Mutter während der Schwangerschaft.“ Hinzu komme oftmals eine schwierige Situation im Elternhaus, erläutert die Heilerziehungspflegerin. Das reiche von überforderten Eltern über Scheidungs- und Trennungsprobleme bis hin zu Gewalt und Missbrauch. Dennoch: „Ziel ist immer, die Eltern in alles miteinzubeziehen“, meint Bachstein.

 

Für ein selbstständiges Leben

 

Marco Riccardi zieht ein großes blaues Kissen in die geräumige Wohnküche. Benjamin lässt sich nicht lange bitten und legt sich bequem auf den Bauch. Der Erzieher gibt ihm noch eine Plastikgitarre, auf der er in aller Ruhe herumzupft. „Benjamin liebt es, hier mitten in der Wohngruppe zu liegen, wo ständig Leute vorbeikommen und etwas passiert“, meint Riccardi. Benjamin kann nicht sprechen. Er kam mit dem Down-Syndrom zur Welt und braucht bis heute sehr viel Betreuung.

 

Dominik ist der Erste, der vom Duschen wieder-kommt. In Schlafanzug und Bademantel hilft er Riccardi, das Abendbrot vorzubereiten und den langen Holztisch zu decken. Den Salat, den Dominik mit Himbeerdressing begießt und kräftig durch-mischt, haben die Jugendlichen der Wohngruppe gemeinsam am Nachmittag geschnitten.

 

Mithelfen und sich einbringen, das gilt für alle Bewohner. Denn jede Wohngruppe organisiert ihren Alltag selbst. Unterstützt von ihren Betreuern, gehen die Kinder und Jugendlichen einkaufen. Sie kochen gemeinsam, kümmern sich um ihre Wäsche, helfen mit beim Saubermachen. Das Ziel ist es, dass die Bewohner je nach ihren Möglichkeiten all das lernen, was sie auch später einmal allein können müssen. Die Kleineren bekommen beigebracht, sich selbstständig zu waschen und anzuziehen, den Tisch zu decken und beim Kochen mitzuhelfen. Bei den Größeren geht es darum, Wege allein zu bewältigen, zum Beispiel allein zum Arzt oder zur Schule zu fahren, oder einzukaufen und dabei richtig mit dem Geld umzugehen. „Unser Ziel ist es, die Bewohner so weit wie möglich zur Selbstständigkeit zu erziehen“, betont Bachstein, „damit sie später vielleicht einmal fähig sind, in einer eigenen Wohnung mit oder ohne Unterstützung zu leben.“

 

Bis dahin allerdings sollen sich die Kinder in der Wohnstätte am Michaelkirchplatz wohlfühlen. „Wir tun alles dafür, den Kindern ein gutes Zuhause zu geben.“ Vieles jedoch ist von Spenden abhängig. Besonders was die Freizeitgestaltung der Kinder und Jugendlichen betrifft, braucht die Einrichtung Unterstützung. Der eigene Spielplatz direkt vor der Haustür oder der Computerraum, aber auch individuelle Spielsachen oder eine mehrtägige Urlaubsfahrt im Sommer: Ohne zusätzliche Spendengelder bleibt vieles für die Kinder und Jugendlichen unmöglich.

 

Mit der Gabe der Erstkommunionkinder, die an das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken geht, wird unter anderem diese Einrichtung unterstützt. Diese Kinder tragen ein sehr schwieriges Schicksal, und das für ihr gesamtes Leben. Durch die Gaben können auch diese Kinder erfahren, dass sie gewollt sind, dass sie geliebt werden und dass sie von Jesus angenommen sind. Die Wohneinrichtung ist ein wichtiges Zeugnis der Nächstenliebe und des gelebten Glaubens mitten in der Großstadt Berlin. An dieser Stelle möchten ich danke sagen: Danke an alle, die sich in der Wohneinrichtung engagieren und den Kindern zeigen, dass sie geliebt werden. Danke sage ich auch allen Kommunionkindern für ihre wichtige und ein kleines Stück die Welt verändernde Hilfe“, sagte der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen.

 

Das ganze Kind im Blick

 

Heilpädagogisches Konzept und christlich-katholisches Denken fließen in der Caritas-Einrichtung ineinander. „Wir arbeiten nicht defizitorientiert, sondern betrachten das ganze Kind“, erklärt Bachstein: „Wenn ein Kind schlecht spricht, gehen wir nicht nur zur Logopädin, sondern überlegen umfassend: Wo liegen die Ursachen, welche Unterstützung braucht es noch?

 

Zentral für den Umgang miteinander ist das christliche Menschenbild: „Wir versuchen, jeden Menschen so anzunehmen, wie er ist“, meint die Heilerziehungspflegerin. Das wirke prägend für die Bewohner wie für die Mitarbeitenden. Für Bachstein wird damit die Heilpädagogische Wohneinrichtung zu einem wichtigen Zeugnis der Nächstenliebe und des gelebten Glaubens mitten in einer Stadt, in der 75 Prozent der Bewohner keiner christlichen Konfession mehr angehören.

 

So langsam füllt sich die Wohnküche mit Leben. Benjamin freut sich. Eine Betreuerin hängt noch eben die Wäsche ab. Eine Teenagerin kommt vom Friseurbesuch mit ihrer Mutter zurück und zeigt stolz ihre neue Frisur. Dann setzen sich Bewohner und Betreuer um den langen Tisch. Riccardi spricht ein kurzes Gebet, bevor alle zufrieden essen und sich von ihren Erlebnissen des Tages erzählen – eben wie in einer Familie.

 


„Ein Zeugnis der Nächstenliebe und des gelebten Glaubens“

Foto: Bonifatiuswerk
Foto: Bonifatiuswerk

 

 

Monsignore Georg Austen über die Bedeutung der Erstkommunion, was er den Kindern zu ihrem besonderen Tag wünscht und welche Kinderprojekte mit den Gaben zur Erstkommunion gefördert werden können. Das Gespräch führte Patrick Kleibold.

 

Die Erstkommunion steht unter dem Leitwort „Jesus segnet uns“. Was konkret bedeutet das?

 

Für Jesus standen gerade auch die Kinder im Mittelpunkt. Er hat sie gesegnet, ihnen Leben zugesprochen und damit in aller Deutlichkeit gesagt, dass Kinder nicht erst die Zukunft unserer Gesellschaft und Kirche sind, sondern immer auch unsere Gegenwart. Für mich heißt das: Kinder sind ein Segen für uns und unsere Welt. Durch den Tag der Erstkommunion und durch die Katechese auf dem Weg dahin erfahren die Kinder mehr über die Inhalte des Glaubens. Die Kindersegnung im Markusevangelium ist für mich eine sehr bedeutsame Bibelstelle. Jesus lässt die Kinder zu sich kommen. Bei ihm können sie sich geborgen fühlen. Er nimmt sie an und er segnet sie. Und an diesem Punkt knüpft das Leitwort an: Es ist wichtig die Kinder in ihrer religiösen Entwicklung und bei ihrer eigenen Lebensgestaltung zu unterstützen. Sie sollen sich in unserer Glaubensgemeinschaft geborgen und angenommen fühlen. Darum ist für mich auch jeder einzelne Missbrauchsfall in unserer Kirche unerträglich und ein Verbrechen. Der Lebensschutz jedes einzelnen muss an erster Stelle stehen. Die Erstkommunion kann für die Kinder ein positiver Lebensbaustein sein, durch den sie erfahren, dass sie persönlich von Jesus im Glauben angenommen sind. Diese Erfahrung prägt und stärkt sie gleichermaßen für ihren weiteren Lebensweg. Und so können sie selbst zum Segen für andere Menschen werden.

 

Wie wichtig ist dabei die Bildsprache?

 

Sehr wichtig sogar. Kinder lernen sehr stark mit den Augen. Bilder sind ein bedeutsamer Ansatz, Kinder für ein Thema zu begeistern. Daher versuchen wir als Bonifatiuswerk immer wieder neue und kreative Wege zu finden, um die Katechese zur Erstkommunion interessant zu gestalten. Und gerade unsere Bibel enthält tolle und inhaltlich prägende Bilder, die wir versuchen für die Augen Kinderaugen zum Leuchten zu bringen. In diesem Jahr wurde das Bild zum Leitwort „Jesus segnet uns“ von der italienischen Künstlerin Barbara Nascimbeni gezeichnet. Darauf sehen wir Jesus, der ein Kind in den Armen trägt. Die Zeichnerin vermittelt auf diese Weise sehr schön, dass wir alle von Gott getragen sind. Im Bild finden wir auch einen Tisch mit Brot und Wein. Dieses zentrale Symbol unseres Glaubens drückt aus, dass wir in der Feier der Erstkommunion Jesus in besonderer Weise nahekommen. Jesus ist in diesem Moment konkret unter uns. Wir können ihn spüren, wir stehen unter seinem Schutz und diese Gewissheit kann uns eine Menge Kraft für unser Leben geben.

 

Die Erstkommunionkinder geben an ihrem besonderen Tag immer traditionell eine kleine Gabe für andere Kinder und Jugendliche. Was geschieht mit diesem Geld?

 

Durch ihre Gabe helfen unsere Erstkommunionkinder anderen Kindern, die weniger Glück in ihrem Leben haben als sie selbst, denn viele haben auch Zerrissenheit und Brüche in ihren Familien und menschlichen Beziehungen erlebt. Mit dem Geld werden Projekte im Bereich der Kinder- und Jugendhilfearbeit gefördert. Wichtig sind uns im Bonifatiuswerk insbesondere Projekte im sozial-karitativen aber eben auch im pastoralen Bereich. Gefördert werden so die katholischen Kindergärten in den ostdeutschen Diözesen, religiöse Kinderwochen oder auch Sozialeinrichtungen, in denen Kinder zu essen bekommen, Schulbildung erhalten, Anlaufstellen finden oder wo auch Jugendliche einen Weg aus einer Drogen- und Gewaltspirale herausfinden.

 

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

 

Um den Kindern beispielhaft zu zeigen, was mit ihren Gaben geschieht, stellen wir jährlich ein Projekt etwas mehr in den Fokus. Dieses Jahr ist das eine Wohneinrichtung der Caritas in Berlin. Dort leben Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und 21 Jahren mit ganz unterschiedlichen körperlichen und auch geistigen Behinderungen. Einige leiden unter Autismus, einem Down-Syndrom, unter unterschiedlichen Traumata oder unter einer starken geistigen Behinderung, ausgelöst durch Sauerstoffmangel bei der Geburt oder aber auch durch exzessiven Drogenmissbrauch der Mutter während der Schwangerschaft. Diese Kinder tragen ein sehr schwieriges Schicksal, und das für ihr gesamtes Leben. Durch die Gaben können auch diese Kinder erfahren, dass sie gewollt sind, dass sie geliebt werden und dass sie von Gott und den Menschen in ihrer Einmaligkeit angenommen sind. Die Wohneinrichtung ist ein wichtiges Zeugnis der Nächstenliebe und des gelebten Glaubens mitten in der Großstadt Berlin. An dieser Stelle möchten ich danke sagen: Danke an alle, die sich in der Wohneinrichtung engagieren und den Kindern zeigen, dass sie geliebt werden. Danke sage ich auch allen Kommunionkindern für ihre wichtige und ein kleines Stück die Welt verändernde Hilfe.

 

Was wünschen Sie den Kindern zu ihrer Erstkommunionfeier?

 

Das sie erfahren, dass Gott es gut mit uns meint und dass er stets an unserer Seite auf den Wegen unseres Lebens unterwegs ist. Auf ihn können wir vertrauen, auf ihn können wir unsere Leben aufbauen. Ich wünsche den Erstkommunionkindern und ihren Familien, Angehörigen und Freunden ein wunderschönes Fest, das nicht einfach nur in schöner Erinnerung bleibt, sondern das Feuer der Frohen Botschaft in ihren Herzen entfacht. Sie mögen ebenso erleben, dass unsere Kirche eine wertvolle Gemeinschaft für sie ist.

 


„Es muss den Moment geben, wo der Groschen fällt“

Juri Tetzlaff bei einer Veranstaltung des Bonifatiuswerkes (Foto: Patrick Kleibold)
Juri Tetzlaff bei einer Veranstaltung des Bonifatiuswerkes (Foto: Patrick Kleibold)

 

 

Erstkommunion-Interview – KiKA-Star Juri Tetzlaff im Gespräch mit dem Bonifatiuswerk. Das Gespräch führte Matthias Micheel.

 

 

Eine ganze Generation von Kindern und jungen Erwachsenen kennt sein Gesicht – und mittlerweile auch der Rest der Nation: Juri Tetzlaff ist seit der ersten Sendung des Kinderkanals (KiKA) als Moderator mit dabei und so etwas wie das Aushängeschild des Senders. Für das Bonifatiuswerk moderierte er im Karlsruher Zoo einen bunten „Tiere der Bibel“-Tag mit über 3.000 Kindern. Juri ist aber nicht nur ein cooler und sympathischer Typ, er ist auch jemand, dem sein Glaube besonders wichtig ist.

 

Juri, was bedeutet dir der christliche Glaube?

 

Der Glaube ist mir sehr wichtig. Ich bin in einem religiösen Elternhaus aufgewachsen. Glaube hat bei uns eine große Rolle gespielt; wir haben völlig selbstverständlich gemeinsam vor dem Essen und Schlafengehen gebetet. Und diese Gebete waren für mich ein richtiger Dialog mit Gott, sie hatten überhaupt nichts Schablonenhaftes. Wir haben einfach Danke gesagt für das, was passiert ist, oder erzählt, was vielleicht nicht so gut war oder wo wir traurig waren. Der Glaube gibt mir auch heute noch Kraft und Halt. Und in glücklichen Tagen animiert er mich, dieses Glück mit anderen zu teilen.

 

Wie erzählst du deinen Kindern von Gott?

 

Besonders meine Großmutter konnte viele Gleichnisse und Geschichten der Bibel auswendig und hat sie mir als Kind erzählt. Ich habe wunderschöne Erinnerungen daran. Mit Kakaotasse und Marmeladenbrot saß ich auf ihrem Schoß, und sie konnte das unheimlich packend und anschaulich rüberbringen. Ich habe jetzt selber zwei kleine Töchter und versuche natürlich, sie an den Glauben heranzuführen. So fesselnd wie bei meiner Oma würde ich mir das wünschen. Aber es ist heute gar nicht so einfach. Ich möchte nicht ein Bild von Gott als altem Mann mit Bart vermitteln. Gott ist für mich derjenige, der nur Gutes will und der will, dass ich selber Gutes tue. Darauf kommt es an.

 

Und Jesus?

 

Ich finde, Jesus war eine faszinierende Persönlichkeit. Er hat unglaublich viel bewegt, er hat viel verändert, und er hat dem Glauben an Gott ein sehr menschliches Gesicht gegeben. Er hat uns Gleichnisse erzählt, die uns auch heute noch helfen können, uns im Leben zurechtzufinden. Jesus hatte etwas ganz Besonderes, er war unglaublich charismatisch und hat die Weltgeschichte für immer verändert.

 

Gibt es eine Lieblingsgeschichte für dich in der Bibel?

 

Spontan fällt mir das Gleichnis vom „barmherzigen Samariter“ ein oder auch das vom „verlorenen Sohn“. Das sind starke Geschichten. Zu wissen: Man kann zurückkommen wie der verlorene Sohn, und es wird einem vergeben. Das ist eine starke Botschaft. Oder zu spüren, dass es schön ist, sich selbstlos für andere einzusetzen.

 

Wie ist dein Verhältnis zur Kirche?

 

Also, ich finde die Kirche grundsätzlich erst mal sehr gut! Ich finde gut, dass sie sich für ein Thema starkmacht, das sonst in der Gesellschaft eigentlich kaum eine Rolle spielt: der Glaube. Es gibt Vereine für alles Mögliche, aber es gibt eigentlich fast nur die Kirche, die sich wirklich für den Glauben an Gott einsetzt. Mitunter ist sie mir ein bisschen zu bürokratisch, und ich würde mir einfach wünschen, dass sie es noch besser schafft, ihre Botschaft unters Volk zu bringen. Manchmal bleibt sie einfach stecken, weil sie irgendwie vielleicht ein bisschen verstaubt daherkommt. Das finde ich einfach sehr schade. Wenn der Pfarrer nur schimpft, die Leute kommen am Sonntag nicht in die Kirche, die wollen lieber Spaß oder ihr Auto waschen, dann fühle ich mich nicht abgeholt. Aber es gibt viel mehr Positives: viele bunte und frische Gottesdienste, wo junge und charismatische Leute von ihrem Glauben erzählen. Die Kirche macht ja unglaublich viel. Es ist nicht nur der Sonntagsgottesdienst. Jetzt zum Beispiel recherchiere ich für einen Film über Kinderhospizarbeit, und da merke ich einfach, wie die Kirche auch auf diesem Feld unglaublich aktiv ist. Und dann denke ich mir: Ich bin stolz darauf, dass ich in der Kirche bin. Gerade weil sie sich für die Schwachen einsetzt. Es geht hier nicht nur darum, Leistung zu bringen und der Beste zu sein. Jeder wird mitgenommen, ich muss nicht immer in der ersten Reihe sein. Das schätze ich an der Kirche sehr.

 

Es kommt also nicht nur darauf an, besser als alle anderen zu sein...

 

Auf jeden Fall! Sind wir mal ehrlich: In jedem von uns steckt doch auch ein Loser. Jeder ist mal schwach, mal verletzlich, mal etwas falsch. In bestimmten Dingen habe ich beruflich vielleicht einiges erreicht, aber wie jeder andere kämpfe ich mit meinen Ängsten und Schwächen. Ich finde, gerade in der Kirche wird man an diesem Punkt abgeholt und abgefedert. Gerade in Momenten, wo man sich schwach fühlt, verletzlich und nicht wirklich weiterweiß, da gibt einem der Glaube Halt, Geborgenheit und Hoffnung.

 

Was ist für dich das größte Glück?

 

Auf jeden Fall ist meine Familie ein großes Glück. Wenn ich in die Augen der Kinder schaue, wenn wir eine gute Zeit zusammen haben, dann bin ich schon sehr, sehr glücklich. Aber Glück passiert auch sonst. Ich freue mich immer über Menschen, die ich treffe, und ich finde, es ist immer ein großes Glück, im Austausch zu stehen, zu kommunizieren. Egal, ob ich jetzt auf einer Bühne stehe oder ob es im Privaten ist, auf einer Zugfahrt vielleicht. Es gibt immer Momente, wo man jemandem begegnet und dann das Gefühl hat: Jetzt entsteht etwas, jetzt ist plötzlich eine Brücke da. Auf einmal schauen sich wildfremde Menschen an, man kommt ins Gespräch, völlig unvermittelt. Dafür bin ich dankbar.

 

Was wünschst du den Kommunionkindern 2019?

 

Ich wünsche ihnen, dass sie einen guten Weg zum Glauben und auch in die Kirche finden. Dass sie spüren, wie der Glaube ihnen hilft und wie er ihnen guttut. Jeder hat, glaube ich, so eine Sternstunde oder einen Moment, wo er zum ersten Mal merkt: Jetzt passiert was! Und das wünsche ich jedem Kind. Dass es diesen Moment gibt, wo der Groschen fällt. Wo man spürt: Das ist etwas, was wirklich mit meinem Leben und mir zu tun hat. Das würde ich ihnen wünschen.

 

Vielen Dank, lieber Juri, für das Gespräch! Hat Spaß gemacht

 


Hintergründe

Erstkommunionaktion

 

Die Feier der ersten heiligen Kommunion ist ein bedeutendes Ereignis im Leben katholischer Kinder. Bereits seit 1918 unterstützt das Bonifatiuswerk bundesweit alle Verantwortlichen in den Kirchengemeinden bei der Vorbereitung dieses Tages. Dazu entwickelt ein Beirat Religionspädagogik des Bonifatiuswerkes jährlich ein neues Jahresthema mit zahlreichen Begleitmaterialien für die Katechese.

 

Leitwort zur Erstkommunionaktion 2019

 

„Jesus segnet uns“ – unter diesem Motto steht die Erstkommunionaktion des Bonifatiuswerkes im Jahr 2019! Insbesondere die Kindersegnung, die wir im Markusevangelium im Kapitel 10 in den Versen 13 bis 16 nachlesen können, wird die Erstkommunionvorbereitung 2019 thematisch begleiten. Jesus nahm die Kinder in seine Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie. Auch heute sagt er jedem Einzelnen von uns: „Es ist gut, dass du da bist, es ist gut, dass es dich gibt!“ Das Wort „segnen“ bedeutet auf Latein „benedicere“ (wörtlich: etwas Gutes zusagen). Im Segen wird deutlich, dass Gott es gut mit uns meint, dass er an unserer Seite auf den Wegen unseres Lebens unterwegs ist.

 

Beispiel-Spendenprojekt zur Aktion

 

Die Gabe der Erstkommunionkinder geht im Jahr 2019 unter anderem an das Projekt „Caritas Wohnen“ in Berlin. Die katholische Wohneinrichtung am Michaelkirchplatz sorgt sich um Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung. Insbesondere für die Freizeitgestaltung der Kinder und Jugendlichen ist die Einrichtung auf Spenden angewiesen. Der eigene Spielplatz direkt vor der Haustür oder der Computerraum, aber auch individuelle Spielsachen oder eine mehrtägige Urlaubsfahrt im Sommer: ohne zusätzliche Spendengelder bleibt vieles für die Kinder und Jugendlichen unmöglich.

 

Die Erstkommunionaktion des Bonifatiuswerkes hat eine lange Tradition

 

Durch die bundesweiten Gaben der Erstkommunionkinder kann die Kinderhilfe des Bonifatiuswerkes jährlich fast 1,8 Mio. Euro für hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche in Deutschland, Nordeuropa sowie in Estland und Lettland zur Verfügung stellen. Die Glaubensweitergabe an Kinder und Jugendliche ist eine besondere Herausforderung in der Diaspora.  Nicht selten sind sehr wenige christliche Kinder in einer Schulklasse. Sich unter wenigen Katholiken bei den eigenen Freunden wahrzunehmen, kann besonders Heranwachsenden Probleme bereiten.

 

Die Kinder- und Jugendhilfe des Bonifatiuswerkes fördert pastorale sowie diakonisch-karitative Projekte in der Diaspora und ermöglicht auf vielfältige Weise eine Begegnung im Glauben. Bezuschusst werden unter anderem die Religiösen Kinderwochen (RKW) in Ostdeutschland, religiöse Vorschulerziehung und Projekte der Schulpastoral, katholische Kindertageseinrichtungen, Kinderhospizdienste und Jugendeinrichtungen. Sie eröffnen Lebensperspektiven für junge Menschen und lassen christliche Werte erleb­bar werden.

 

Mehr Informationen zu den Projekten des Bonifatiuswerkes unter: http://www.bonifatiuswerk.de/erstkommunion/

 

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Autor: Bonifatiuswerk / Patrick Kleibold; zusammengestellt von Gert Holle