Ketzerisches Venedig. Zwischen Reformation und Inquisition

Foto: Claudius Verlag
Foto: Claudius Verlag

Cristina Gregorin führt den Leser in ihrem historischen Diskurs auf den Wegen der Reformation durch die Lagunenstadt Italiens.

 

Am 31. Oktober 1517 nagelt der Augustinerpater Martin Luther 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg, der Auftakt der Reformation. Die katholische Kirche Italiens reagiert mit den Mitteln der Inquisition auf Luthers Glaubensbotschaft, doch ein Ort entwickelt sich zum Zentrum der neuen Bewegung: Venedig. Die Autorin Cristina Gregorin taucht in ihrem neuen Buch „Ketzerisches Venedig“ tief ein in die Geschichte der Lagunenstadt und legt ihre besondere Rolle im Italien der frühen Neuzeit frei. Der Titel ist im April 2018 im Claudius Verlag erschienen.

Wer sich im heutigen Venedig auf Spurensuche begeben möchte, findet in Cristina Gregorins Buch reichlich Anregung. Opulent bebildert zieht der Band mit Fotoimpressionen, Originaldokumenten und fundierten Einordnungen hinein in eine Zeitreise rund um Venedigs religiöse Vergangenheit. Die einstige Handelsniederlassung deutscher Kaufleute, das Fondaco dei Tedeschi am Canal Grande, etwa gilt als Keimzelle des evangelischen Glaubens auf venezianischem Boden. Ebenfalls eine Markierung auf der Landkarte der Reformation wert: Der Campo Santo Stefano, auf dem 1520 die erste lutherisch geprägte Predigt gegen die Korruption der Römischen Kurie stattfand.

Dass Venedig eine Vorreiterrolle bei der Verbreitung innovativen Gedankenguts übernehmen konnte, lag am weltoffenen Geist der Stadt und nicht zuletzt am gut aufgestellten Buchdruck und Buchhandel. Venedigs Druckereien produzierten im Laufe des 16. Jahrhunderts geschätzte 15 bis 20 Millionen Bände in verschiedenen Sprachen. Der jüdische Talmud und sogar der Koran sollen hier das erste Mal gedruckt worden sein. Die Buchzensur von Seiten der Kurie und sogar Bücherverbrennungen lähmten jedoch auf Dauer diesen Wirtschaftszweig.

Als 1541 der Vatikan die Inquisition neu belebt, tritt die Stadt in eine Phase widerstreitender religiöser und politischer Kräfte. Detailliert beschreibt die Publikation den Einfluss diverser Akteure, wie geheimer Debattierzirkel – Konventikel genannt – und bestimmter nationaler Gemeinden. „Ketzerisches Venedig“ ist ein Fundus an gebündeltem Wissen, der die Entwicklungslinien der Reformation greifbar macht. 

 

 

 

Auf den Spuren von Luther: Cristina Gregorin beleuchtet in „Ketzerisches Venedig“ die Wege der Reformation in Italien

 

 

 

Dr. Cristina Gregorin arbeitet seit 1991 als professionelle Kunstführerin in Venedig. Nach ihrem Studium der Geschichte, Kunstgeschichte und Fremdsprachen in Triest promovierte sie an der Universität Düsseldorf zum Thema „Venedig in der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts“. Bisherige Veröffentlichungen, wie „Venezia: Gli artisti artigiani“ erschienen im Jahr 2000, befassten sich vor allem mit Fragen des  Kunsthandwerks. Die Autorin engagiert sich ebenfalls für sanften und nachhaltigen Tourismus und ist Mitglied einer Bürgerinitiative zum Erhalt der Lagunenstadt.

 

 

 

Cristina Gregorin
Ketzerisches Venedig
Zwischen Reformation und Inquisition

 


130 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag

Claudius Verlag, München
ISBN-13: 978-3-532-62815-7

 

 

 

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Autor: Claudius Verlag; zusammengestellt von Gert Holle – 17.05.2018