Der Geburtstag des Abenteurers, Vollblut-Piloten, Ordensgeistlichen und Gründers der Diaspora-MIVA, der heutigen Verkehrshilfe des Bonifatiuswerkes, Pater Paul Schulte, jährt sich zum 125. Mal

„Der Fliegende Pater“

Foto: Bonifatiuswerk
Foto: Bonifatiuswerk

Von Patrick Kleibold

 

 

Der christliche Abenteurer, Vollblut-Pilot und Ordensgeistliche der Kongregation der Oblaten-Missionare Pater Paul Schulte erlangte als „Der Fliegende Pater“ weltweite Bekanntheit. Sein Geburtstag am 14. Mai 1895 hat sich nun zum 125. Mal gejährt. Grund genug, auf das aufregende Abenteurerleben des fliegenden Paters zurückzublicken, zu dem Papst Pius XI. während eines Treffens im Jahr 1932 in Rom sagte: „Sie brauchen mich nicht zu begeistern, ich bin begeistert.“ Zu seinem Lebenswerk und Vermächtnis gehört die Gründung der Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft, kurz MIVA genannt im Jahr 1927, die heute als Verkehrshilfe im Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken lebendig ist und Gläubige darin unterstützt, in der Diaspora weite Wege zu überwinden und Gemeinschaft im Glauben zu erleben.

 

Erste Flugerfahrungen sammelte Pater Paul Schulte bereits im Jahr 1915 mit gerade einmal 20 Jahren. In diesem Jahr wurde der als Sohn der Dampfpflugbesitzer und Eheleute Franz und Maria Schulte am 14. Mai 1895 in Magdeburg geboren Schulte als Sanitäter im Ersten Weltkrieg eingezogen. Kurz zuvor war er nach dem Abschluss des Gymnasiums der Oblaten im niederländischen Valkenburg in Noviziat der Oblaten eingetreten. Im dritten Jahr des großen Krieges wurde er in der Fliegerschule in Fürstenwalde/Spree zum Jagdpiloten ausgebildet.

 

An einen besonderen Flug sollte er sich sein Leben lang erinnern. Als er als Soldat in Palästina stationiert war, nahm ihn ein Pilot einer türkischen Fliegereinheit auf einen Flug über den See Genezareth und die Orte, die ihm bereits aus der Bibel bekannt waren, mit. Den Flug beschrieb er als sehr holperig und die Landung es als sehr unsanft, er habe auch das Gefühl gehabt, alle seine Knochen würden brechen, aber die Freude am Fliegen habe ihn im Rausch übermannt. Sein Entschluss stand fest: Du wirst Flieger! Sofort schrieb er begeistert seinen Eltern von seinem großen Erlebnis. Diese Begeisterung ließ ihn für den Rest seines Lebens nicht mehr los und aus diesem Antrieb heraus, machte Paul Schulte im geheimen im Jahr 1926 den zivilen Flugschein, erhielt aber zunächst von Seiten der Kirche ein Flugverbot, das ihn zutiefst traf.

 

 

Durch den Tod seines Freundes P. Otto Fuhrmann OMI, der als Missionar in Südwestafrika tätig war und 1925 an einer Lungenentzündung starb, weil er nicht rechtzeitig zu einem Arzt transportiert werden konnte, kam er auf die Idee, eine Vereinigung zu gründen, die das Ziel hat, die Missionare in aller Welt mit Fahrzeugen auszustatten. Nachdem sich 1926 herausgestellt hatte, dass sich dies im Rahmen des Päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung nicht verwirklichen ließ, gründete Pater Schulte am 22. März 1927 in Köln die Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft, die MIVAG, die später in die MIVA umbenannt wurde. Diese hatte den Zweck, motorisierte Fahrzeuge aller Art in der Weltmission einzusetzen. Ihr erster Vorsitzender wurde Konrad Adenauer. Alleine bis zum Jahr 1933 konnten vierzehn Flugzeuge und Hunderte von Autos in den Dienst der Missionen gestellt werden. Die Missionspiloten wurden auf dem Flugplatz Butzweilerhof ausgebildet. Paul Schulte flog vor allem für die Missionen im südlichen Afrika. Seine Missionsfilme und sein 1934 im Ullstein Verlag erschienenes, damals vielgelesenes Buch „Der fliegende Pater“ machte sein Werk und – unter diesem Namen – ihn selbst bekannt. Am 8. Mai 1936 feierte Pater Schulte als erster Priester weltweit eine katholische heilige Messe in der Luft: an Bord des Luftschiffs Hindenburg.

 

Ab 1936 wirkte Schulte als Missionar bei den Cree an der James Bay und unter den Inuit an der Hudson Bay sowie kurzzeitig an der Arctic Bay. Als die kanadische Regierung ihn nach dem Kriegsausbruch 1939 der Spionage verdächtigte, zog er sich in die USA zurück. Nach dem Kriegseintritt der USA versetzten seine Oberen ihn in ein Kloster in Belleville im Bundesstaat Illinois, das er als „feindlicher Ausländer“ nicht verlassen durfte. 1944 konnte er, durch Bischof Henry Althoff von Belleville gedeckt, inkognito die Missionsfliegerschule „Wings of Mercy“ gründen. Nach Kriegsende brachte er von den USA aus Hilfslieferungen in die zerstörte Heimat auf den Weg.

 

1949 kehrte Pater Schulte dann wieder für einen längeren Zeitraum nach Deutschland zurück. Aufgrund eines Beschlusses der Deutschen Bischofskonferenz konnte er zuerst die Arbeit für „seine“ MIVA nicht wieder aufnehmen. Dies veranlasste ihn dazu, sie aufzulösen und als Diaspora-MIVA neu zugründen, diesmal mit dem Ziel, die Seelsorger in den deutschen Diaspora-Gebieten mit Fahrzeugen auszustatten. Eingegliedert wurde die MIVA in den Bonifatiusverein mit Sitz in Paderborn, das kurz darauf in Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken umbenannt wurde und seit dem Jahr 1849 katholische Christen in Regionen unterstützt, in denen sie ihren Glauben in einer extremen Minderheitensituation leben.

 

„Der Fliegende Pater“ zählt zu den Pionieren der modernen Seelsorge. Seine ungewöhnliche Priester-Persönlichkeit verdient es, nicht vergessen zu werden. Im Bonifatiuswerk sind wir ihm für seinen unermüdlichen Einsatz und seine Ideen, die in unserer täglichen Arbeit lebendig sind, unendlich dankbar. Pater Paul Schulte verstand es, mit den Männern der Wirtschaft und der Kirchen zu verhandeln und zielstrebig seine Ziele umzusetzen. Gleichzeitig begeisterte er die Herzen der Gläubigen“, würdigte der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen, den Fliegenden Pater anlässlich seines 125. Geburtstages.

 

Das von Pater Paul Schulte gelegte Fundament, die Idee der Motorisierungshilfe und seine Leidenschaft leben bis heute im Bonifatiuswerk weiter. Mittlerweile unter dem Namen Verkehrshilfe können jährlich 40 bis 45 Fahrzeuge, sogenannte BONI-Busse für die Diaspora-Seelsorge angeschafft werden. In ganz Deutschland sind derzeit 600 solcher Fahrzeuge im Einsatz. „Die BONI-Busse sind bis heute ein wichtiges Markenzeichen für uns. Sie unterstützen Gläubige darin, in der extremen Diaspora weite Wege zu überwinden und Gemeinschaft im Glauben zu erleben, ganz im Sinne von Pater Schulte“, sagte Monsignore Austen.

 

Bis 1970 wirkte Pater Schulte als Präsident der Diaspora-MIVA. Doch seine Liebe zu Afrika ließ ihn ebenso wenig los, wie seine Liebe zur Fliegerei. Seinen Lebensabend verbrachte er in der Gemeinschaft der Oblaten in Swakopmund in Namibia. Er starb am 7. Januar 1974 und wurde auf dem Friedhof des Provinzialates der Oblaten in Döbra (Namibia) bestattet.

 

Der Nachricht vom Tod des Fliegenden Paters ging rund um die Welt. Noch einmal machten in der Presse sein Leben und sein Werk Schlagzeilen. Der Osservatore Romano umschrieb seine Bedeutung: „Er ist eingegangen in die Geschichte der Kirche im 20. Jahrhundert. Er war ein Priester, der mit seinen Händen die Verkehrsinstrumente des Flugzeuges zu bedienen verstand und Steuer, Kreuz und Rosenkranz vereinte.“

 

Kardinal Jäger predigte beim Requiem für den verstorbenen in der Gaukirche zu Paderborn: „Er schien keine Gefahr zu kennen, sobald Menschen körperliche und geistliche Hilfe brauchten.“ Weiterhin sagte Kardinal Jäger: „In der Chronik des Bonifatiuswerkes werden die großen Leistungen und Erfolge festgehalten, die seiner Initiative und seinem Einfallsreichtum für priesterliches Wirken in der Diaspora zu verdanken sind. Auf ihn trifft das Wort des großen französischen Kanzlerredners Lacordaire zu: „Wenn alles verloren zu sein scheint, dann ist die Stunde der großherzigen Seelen gekommen.“

 

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Autor: Patrick Kleibold / Bonifatiuswerk; zusammengestellt von Gert Holle - 15.05.2020