Anwalt und RTL-Moderator Christopher Posch über die Bedeutung der Reformation

“Selber denken!“

 

26.01.2017

(Frankfurt am Main/gep)  – 500 Jahre Reformation – und auch Christopher Posch feiert mit. Der Anwalt und RTL-Moderator unterstützt als ehrenamtlicher Botschafter das Reformationsjubiläum 2017. Weil er Menschen schätzt, die wie Martin Luther Haltung zeigen, die sich und die Welt hinterfragen.

„Wenn ich Nachrichten sehe, denke ich oft: An dieser Stelle würde Reformation gut tun!“, sagt er. „Dann würde ich den Menschen am liebsten das Brett vorm Kopf wegnehmen, ihnen sagen: Lasst euch doch nicht immer das vorsetzen, was euch die da oben, rechts oder links einflüstern, sondern traut euch, selber zu denken! So wie Luther das getan hat“, so Posch weiter.

 

Zusammen mit Jürgen Klopp, Gundula Gause, Eckart von Hirschhausen und Frauke Ludowig gehört Christopher Posch zu den mehr als 20 prominenten Frauen und Männern, die die evangelische Kirche dafür gewonnen hat, im Rahmen des Reformationsjubiläums öffentlich über ihren Glauben und die Bedeutung der Reformation für ihren Alltag zu sprechen. Sie werden bis Oktober 2017 in Medien und bei Veranstaltungen auftreten. Und vermitteln – ganz im Sinne protestantischer Vielfalt – ihre eigene Sicht auf das, was vor 500 Jahren in Wittenberg begann. Damals veröffentlichte der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit. Der legendäre Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation.

 

Die Auftritte organisiert das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP). Es ist das zentrale Medienunternehmen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und verantwortet unter anderem die Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes (epd), das evangelische Monatsmagazin chrismon und die Fastenaktion „7 Wochen Ohne“. 

 

 

Interview mit Christopher Posch

Foto: gep
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Die evangelische Kirche feiert 500 Jahre Reformation – und der Anwalt und RTL-Moderator Christopher Posch feiert mit. Weil er Menschen schätzt, die wie Martin Luther Haltung zeigen, die sich und die Welt hinterfragen.

 

 

 

Herr Posch, die evangelische Kirche feiert 500 Jahre Reformation. Warum feiern sie mit?

 

Vor 500 Jahren hat Martin Luther eine Lawine losgetreten, indem er die Kirche seiner Zeit hinterfragt hat. Das hat zu dramatischen gesellschaftlichen Umbrüchen geführt. So riesengroße Sprünge sind heute nicht mehr nötig. Aber es bleibt wichtig, dass wir die Welt hinterfragen! Wenn ich Nachrichten sehe, denke ich oft: An dieser Stelle würde Reformation gut tun! Dann würde ich den Menschen am liebsten das Brett vorm Kopf wegnehmen, ihnen sagen: Lasst euch doch nicht immer das vorsetzen, was euch die da oben, rechts oder links einflüstern, sondern traut euch, selber zu denken! So wie Luther das getan hat.

 

Sie setzen sich vor der Kamera und vor Gericht für Menschen ein. Steckt da ein Luther in Ihnen?

 

Soweit würde ich nicht gehen. Aber ich mag es, mich zu reiben, Dinge zu hinterfragen und für Überzeugungen zu kämpfen. Das gehört zu meiner Arbeit als Rechtsanwalt und Strafverteidiger. Ich kann aber auch andere Meinungen stehen lassen – und lasse mich gern überzeugen. So wie ich es schätze, wenn Menschen sich selbst hinterfragen. Auch das ist Reformation für mich. Vor Gericht erlebe ich stattdessen oft, wie mit dem Finger auf andere gezeigt wird.

 

Auch Martin Luther stand vor Gericht: Beim Reichstag zu Worms war er des Hochverrats angeklagt. Hätte es Sie gereizt, ihn zu verteidigen?

 

Aber klar! Das ist doch das Salz in der Suppe jedes Verteidigers, diejenigen zu verteidigen, mit denen man sich identifizieren kann, an deren Seite man sich stellen möchte. Aber das ist nicht die Regel. Jeder Mensch, auch der kriminelle, hat das Recht auf eine optimale Verteidigung. Deshalb bin ich Anwalt geworden.

 

Foto: gep
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Sie sind auch evangelisch, sogar gern evangelisch. Warum?

 

Ich bin in einem Elternhaus aufgewachsen, das mich evangelisch erzogen hat. Und ich bin als Jugendlicher in meiner Gemeinde auf einen Pfarrer gestoßen, der mich mit seinen Predigten erreicht hat. Sie hatten immer aktuelle Bezüge und brachten mich auf neue Gedanken. Ich habe immer etwas aus dem Gottesdienst mitgenommen! Rückblickend ist das eine wichtige Erfahrung. Ich mag die evangelische Kirche, weil sie solche Pfarrerinnen und Pfarrer hat.

 

Was verbindet Sie außerdem mit ihr?

 

Sie ist bereit, sich immer wieder zu verändern. Ich schätze es, wenn Menschen offen sind. Wenn sie andere Religionen, überhaupt andere Menschen, ihr Anders-Sein akzeptieren. Das repräsentiert die evangelische Kirche für mich am ehesten.

 

Wer ist Gott für Sie?

 

Der, der immer bei mir ist. Der da ist, wenn man ihn braucht – egal in welcher Situation. Der mich nie verrät, der immer zu mir steht. Diesen Glauben kann mir niemand nehmen. Jeder Mensch braucht so ein Fundament.

 

Nehmen wir an, Luther würde heute eine Sendung bei RTL machen. Welche wäre das?

 

Luther müsste seine Talente in einer One-Man-Show ausspielen. Er könnte die Menschen im übertragenen Sinne aufklären. Wir haben neue Parteien, die versuchen, den Menschen Flöhe ins Ohr zu setzen und immer nach den einfachen Lösungen suchen. Wir haben so viele Verschwörungstheoretiker … Luther wäre eine glaubhafte, weil unabhängige Instanz, die dem entgegenwirken könnte.