Spende für ein Lebenswerk

Wenn die Zeit zum Feinde wird: Bergrettung in höchster Not

Schöner Schein, der Trost geben will: Am Fuße des Matter-horns im schweizerischen Zermatt gedenkt man an Allerheiligen auch jenen Opfern, die Erstbesteiger waren. Foto: aeterna lichte

Wenn in Zermatt das Abendlicht dem Matterhorn seine einzigartige Aura verleiht, ist man als Tourist berauscht. Ein Bild, das immer wieder um die Welt geht und viele Menschen motiviert, hoch in die Berge zu gehen. Doch nicht selten führt es bei manchem Enthusiasten zu keinem Happy End – Rettung tut Not. Der Hamburger Grablichte-Hersteller Aeterna Lichte gedachte an Allerheiligen mit einer Illumination auf dem örtlichen Berg-steigerfriedhof den Gefallenen unter den Erstbesteigern des Matterhorns und den unzähligen Bergopfern bis in die heutige Zeit.

Aktiv in den Hochalpen, zum Schutz der Menschen: Jan, Andree und Klaus, von der Bergrettung in Zermatt, Ortspfarrer Stefan Roth und Bruno Jelk, ex- Rettungsleiter, heute noch in Nepal tätig (v.l.n.r.). Foto: aeterna lichte
Aktiv in den Hochalpen, zum Schutz der Menschen: Jan, Andree und Klaus, von der Bergrettung in Zermatt, Ortspfarrer Stefan Roth und Bruno Jelk, ex- Rettungsleiter, heute noch in Nepal tätig (v.l.n.r.). Foto: aeterna lichte

 

 

(Hamburg/pm) - Das Licht neigt sich der „Blauen Stunde“ zu, der Moment der Tag- und Nachtgleiche, die genau genommen nur ein paar Minuten währt. In gebückter Haltung gehen Thomas, Jan, Andree und Klaus, gestandene Männer im Alter zwischen 40 und 50 Jahren daran, rote und weiße Lichte aus Kartons zu holen, sie anzuzünden und wohl dekoriert auf Gräber und verwitterte Grabplatten zu stellen. Ihrer ledern gegerbt wirkenden Haut sieht man an, dass sie ihr bisheriges berufliches Leben wohl kaum hinter dem Schreibtisch verbracht haben dürften. Sie gehören zur Staffel der Bergrettung in den Walliser Alpen, rund um das Matterhorn, dem wohl bekanntesten Wahrzeichen der Schweiz weltweit.

 

Ein Mann wie ein Baum – ruhig, fest verwurzelt, allen Wettern gefeit

Hilfsgelder von Hamburg ins Himalaya: Stefan Roth (links), Pfarrer der Gemeinde Zermatt, übergibt eine Spende der Aeterna-Lichte an Bruno Jelk, Bergrettungsführer, für seine Hilfstätigkeit in Nepal. Foto: aeterna lichte

 

Mit ihnen, hier auf dem Bergfriedhof am Seitenhang an der katholischen Kirche im Zentrum von Zermatt, ist Bruno Jelk, ein stiller, sympathisch wirkender Mann von 72 Jahren. Er kennt die Gegend ringsum wie seine Westentasche. 24 Berge mit einer Gipfelhöhe von über 4.000 Metern gehörten zu seinem Observationsgebiet. Rund 1.700 Rettungseinsätze der schweren Art befehligte er in den meisten der 34 Dienstjahre. In einer Rettungsstaffel führte es ihn meist per Hubschrauber durchs hochalpine Gelände. Gemeinsam als Team, das in der Regel aus dem Hubschrauber-führer, einem Flughelfer, dem Arzt, einem Rettungssanitäter und ihm als Chef der Bergrettung bestand, ging man Tag und Nacht den Hilferufen bis in höchste Höhen nach.  Von Hilfe bei Skiunfällen beim Abgang von Lawinen, von verzweifelten Versuchen, Menschen aus unwegsamen Situationen zu befreien, bis zu tagelangem Suchen von Vermissten reichen die Erfahrungen des Alpinisten. Für ihn gab es keine Probleme, sondern Aufgaben, die es zu lösen galt. „Einen Fehler darf man nur einmal begehen“, hebt er betont hervor, „begeht man ihn nochmals, hat man daraus nicht gelernt.“ Dieser selbst gesetzte Anspruch lies ihn in solchen Fällen keine Ruhe und machte ihn nicht selten zum Erfinder technischer Lösungen. Auch das „Dreibein“ gehörte dazu – eine Möglichkeit, Menschen sicherer aus Gletscherspalten zu befreien.

 

„700 Tote habe ich mit bergen müssen, in all der Zeit“, meint Bruno Jelk und sein Gesicht wirkt bei den Schilderungen merklich ernst, „der schwerste Moment war meist nicht der die Ohnmacht zu erkennen, wenn unsere Hilfe zu spät kam. Es war, den Blick der Verzweiflung derer auszuhalten, denen wir die schmerzliche Nachricht zu überbringen hatten. Das zehrt am Gemüt und lässt einen auch mit langer Erfahrung nicht unberührt“, meint er und seine Stirn legt sich in tiefe Falten. „Das verarbeitet man nur mit reinem Gewissen“, resümiert Jelk, „wenn wir bei jedem tragischen Fall erkennen, unser Bestes gegeben zu haben.“

 

 

 

Rast- und ruhelos unterwegs, Erfahrung an andere weitergeben

 

„Wir leben hier in unseren Breiten zweifelsfrei privilegiert. Das zeigt sich auch bei unserem Rettungsdienst, der einen festgeschriebenen europäischen Standard an Ausrüstung und fachlicher Bergungsqualität aufweisen muss“, betont der eigentlich schon im Pensionsalter befindliche Walliser Jelk. Vor Jahren zu einer Bergrettung in den Himalaya gerufen, erkannte er schnell, das man an anderen Orten weit davon entfernt ist, gleiche Hilfe leisten zu können. „Hier sind wir gefragt, hier braucht man uns und unser Know-how“, betont er und seinen lebhaften Schilderungen ist zu entnehmen, was er sich noch vorgenommen hat. Es war das unsagbare Leid der Nepalesen nach dem verheerenden Erdbeben 2015, das ihn dazu bewog, sich hier weiterhin unentgeltlich für die Bergrettung zu engagieren. Vier Hubschrauberpiloten, 10 Flughelfer und 13 Sherpas konnten mit seiner Hilfe bereits ausgebildet, das fachlich notwendige Wissen erlangen. Gelder, die hier unterstützend eingehen, dienen vornehmlich der weiteren Rettungsausbildung oder werden dem Aufbau der Infrastruktur Nepals, auch der medizinischen Versorgung zuteil.

 

 

Als die Hamburger Aeterna-Lichte GmbH von seinem Lebenswerk erfuhr, kam es zu einer unverhofften 5.000 Euro-Spende für seine selbst gesetzte Mission. Der gesamte Betrag geht direkt und ungeschmälert in die Unterstützung vor Ort, in modernere Ausrüstung für ein Longline-Rettungs-system, für den Kauf jener notwendigen Teile, die in Nepal unerschwinglich sind. Seine Augen blitzen, wenn Bruno Jelk von Vergangenem und engagiert von Zukünftigem erzählt. Sein Lächeln zeigt, dass er trotz allen Leids, das er bei seiner Arbeit gesehen hat, dem Leben zugewandt ist. Anfang Dezember fliegt er erneut nach Nepal, als Ausbilder und zur Einweihung eines vierten, nach dem Beben neu errichteten Schulhauses. Die Flugtickets zahlt er, wie in den Jahren zuvor, „selbstverständlich aus eigener Tasche“. Nach seinem ganz persönlichem Ziel befragt, bleibt er fast stumm und bescheiden: „Gesund will ich für meine Arbeit bleiben, so lange es geht. Mehr nicht.“