DAS LEITWORT DER DIASPORA-AKTION 2020

WERDE HOFFNUNGSTRÄGER!

Foto: Bonifatiuswerk
Foto: Bonifatiuswerk

Das Leitwort der diesjährigen Diaspora-Aktion heißt „Werde Hoffnungsträger“. Als das Leitwort vor zwei Jahren festgelegt wurde, konnte niemand ahnen, wie prophetisch es sich in Anbetracht der Corona- Krise erweisen würde. Das Bonifatiuswerk möchte zum Ausdruck bringen, wie wichtig gerade in diesen belastenden Zeiten Hoffnung und Solidarität untereinander sind. Es will andere und auch sich selbst dazu ermutigen, zu Hoffnungsträgern für unsere Mitmenschen zu werden. Dazu muss die Hoffnung in Menschen verkörpert sein, die andere inspirieren, motivieren und mitreißen, so wie Jesus Christus, der für uns Christen die personifizierte Hoffnung ist.

DIE DIASPORA-AKTION – UND IHR HÖHEPUNKT AM 15. NOVEMBER 2020

Im November macht das Bonifatiuswerk mit der Diaspora-Aktion auf die Herausforderungen katholischer Christen aufmerksam, die als Minderheit in der Gesellschaft ihren Glauben leben. Alle sind dazu eingeladen, sich mit der Glaubenssituation in der eigenen Lebensumgebung auseinanderzusetzen und sich für die Anliegen der Katholiken in der Diaspora aktiv einzusetzen. Höhepunkt der deutschlandweiten Aktion bildet der „Diaspora-Sonntag“ am 15. November. Dieser große Tag der Solidarität wird traditionell am dritten Wochenende im November begangen. Dann sammeln katholische Christen in den Gottesdiensten für die Belange ihrer Glaubensgeschwister in der Diaspora. Die feierliche Eröffnung ist für den 8. November in Würzburg geplant.

 

UND SO KÖNNEN SIE HELFEN – WERDEN SIE HOFFNUNGSTRÄGER

Trotz der momentanen Einschränkung an Gottesdiensten teilzunehmen, haben Sie die Möglichkeit das Bonifatiuswerk zu unterstützen: einfach und schnell mit einer Online-Spende unter https://www.bonifatiuswerk.de/online-spende/ oder als Überweisung auf unser Spendenkonto IBAN DE46 4726 0307 0010 0001 00. Gerne sind auch die Mitarbeiter des Hilfswerkes telefonisch für sie erreichbar unter: 05251 29 96 - 0

 

ZUM BEISPIEL HELFEN SIE HIER – KINDER- UND JUGENDZENTRUM DON BOSCO, MAGDEBURG

Eine kleine Oase inmitten der schwierigen Welt. Ein friedlicher Ort, der die Hoffnung bringt; an dem man auftanken kann: Das Kinder- und Jugendzentrum Don Bosco bietet Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 27 Jahren einen „Anker der Hoffnung“. Hier stehen ihnen die Don Bosco Schwestern zur Seite. Sie hören zu, ermutigen, schenken Begleitung, Bildung und Beheimatung und möchten so dazu beitragen, dass das Leben gelingt – egal aus welchem sozialen Kontext die jungen Besucher stammen. Dafür gibt es ein breites Angebot an Freizeitaktivitäten, Hilfen bei Hausaufgaben, gemeinsames Kochen und bei größeren Problemen ein Beratungsangebot.

NEU! ONLINE-WORKSHOP – JETZT ANMELDEN

Der Online-Workshop am 20. und 22. Oktober 2020 für hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im pastoralen Dienst und engagierte Ehrenamtliche bietet ansteckende Ideen, Anregungen und einsetzbare Materialien aus unserer Arbeit für ihre Arbeit in der Gemeinde oder an anderen Orten. Ansprechpartnerin: Theresa Meier (05251 29 96 – 58)

 

WEITERE INFORMATIONEN ZUR DIAPORA-AKTION
www.werde-hoffnungsträger.de

 

Interview zur Diaspora-Aktion 2020

„Kirche muss existenzrelevant für den Menschen sein“

Foto: Bonifatiuswerk
Foto: Bonifatiuswerk

Monsignore Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken, über christliche Hoffnung während der Corona-Pandemie, über Kirche sein in der Diaspora und über den bundesweiten Diaspora-Sonntag am 15. November. Das Interview führte Patrick Kleibold.

 

 

In Zeiten der Corona-Pandemie erweist sich gerade die Hoffnung als lebenswichtig. Wie treffend, dass die Diaspora-Aktion in diesem Jahr unter dem Leitwort „Werde Hoffnungsträger“ steht.

 

Monsignore Austen: „Da haben Sie Recht. Bei der Entscheidung für dieses Leitwort war nicht vorauszusehen, wie prophetisch es sich erweisen würde. Für uns Christen ist die Hoffnung ein grundlegender Wesensvollzug. Hoffnung ist existenzrelevant für den Menschen, wie die Atemluft. Christliche Hoffnung ist verankert in der Botschaft des Evangeliums und atmet den Geist der Befreiung. Mit dem Leitwort der Diaspora-Aktion „Werde Hoffnungsträger“ laden wir dazu ein, diese Zuversicht in die Welt zu tragen. Somit ist der Auftrag der Kirche nicht nur für ein System relevant zu sein, sondern existenzrelevant für den Menschen.“

 

Wie versuchen sie dieses Leitwort mit Leben zu füllen?

 

Monsignore Austen: „Christliche Hoffnung heißt, sich aktiv für ein besseres Heute einzusetzen, ohne den Blick auf das Ewige zu verlieren. Es geht darum unsere Hoffnung weiterzutragen und konkrete erfahrbare Hoffnungszeichen zu setzen, in dem wir andere und uns selbst dazu ermutigen, zu Hoffnungsträgern für unsere Mitmenschen zu werden. Und wenn wir genau hinsehen, finden wir an vielen Orten solche Menschen, die bereits jetzt diese wichtige Rolle als Hoffnungsträger für andere eingenommen haben. Gerade in der Diaspora ist es wichtig, Menschen in ihrem Engagement zu unterstützen, damit die Frohe Botschaft des Evangeliums spürbar wird. Konkret sind wir alle aufgefordert, von der Hoffnung zu sprechen, die uns selbst erfüllt.“

 

Alle gesellschaftlichen und damit auch kirchlichen Bereiche sind von der Corona-Pandemie betroffen. Was bedeutet das für das Glaubensleben?

 

Monsignore Austen: Die Corona-Pandemie hat meines Erachtens eine neue Dimension, ja sogar ein Novum geschaffen. Wir alle erleben derzeit ein bisschen, wie es sich wohl anfühlen mag, in der Diaspora zu leben. Vereinzelt, zerstreut, ohne die Möglichkeit in einer großen Gemeinschaft Gottesdienst zu feiern, sich zu treffen um zu singen und gemeinsam zu beten. Aber das heißt nicht, dass wir alleine glauben. Vielmehr sind wir als Glaubensgemeinschaft über alle Grenzen und alles trennende hinaus im Gebet miteinander verbunden. Die Diasporaerfahrung trennt uns nicht, sie bringt uns nicht auseinander, sie schweißt uns tiefer im Glauben zusammen. Trotzdem ist es auf Dauer nicht gut, wenn der Mensch allein ist. Wir sind soziale Wesen, die gerade durch die Beziehungen zueinander geprägt sind und auch daraus Kraft für die Herausforderungen des Alltags ziehen. Ich persönlich habe für mich aus diesem bisherigen Jahr mitgenommen, dass unsere Kirche nicht für jeden systemrelavant zu sein scheint, jedoch ist unsere Kirche, unser Glauben meines Erachtens existenzrelevant für die Menschen.“

 

Vor welchen Herausforderungen steht aktuell das Bonifatiuswerk?

 

Monsignore Austen: „Wie auch alle anderen Hilfswerke spüren wir als Bonifatiuswerk die Auswirkungen sehr unmittelbar. Bisher zeichnet sich ein deutlicher Rückgang unserer Kollektengelder durch ausgefallene oder verschobene Erstkommunion- und Firmfeiern ab und dadurch, dass nur eine sehr begrenzte Anzahl an Menschen die Gottesdienste besuchen können, befürchten wir auch einen Rückgang der Spenden zum Diaspora-Sonntag. Daher richte ich meine Bitte an alle, die uns in den vergangenen Jahren solidarisch unterstützt haben, helft uns auch in diesem Jahr. Sollten Sie nicht zum Gottesdienst in die Kirche gehen können, so gibt es auch Möglichkeiten der Online-Spende. Nicht nur wir, sondern vor allem unsere Projektpartner sind Ihnen sehr dankbar dafür.

 

Können Sie uns ein Beispielprojekt nennen, das in diesem Jahr auf die Spenden aus der Diaspora-Aktion angewiesen ist?

 

Monsignore Austen: „Trotz Corona geht die Arbeit in unseren Hilfsprojekten weiter. Zudem gibt es pastorale und soziale Projekte, die gerade in dieser herausfordernden Zeit Menschen auf unterschiedliche Weise unterstützen, die wir fördern konnten. Viele Menschen sind auf unsere Solidarität angewiesen, so auch die Kinder und Jugendlichen des Kinder- und Jugendzentrums Don Bosco in Magdeburg. Das Zentrum bietet Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 27 Jahren einen „Anker der Hoffnung“. Hier stehen ihnen die Don Bosco Schwestern zur Seite. Sie hören zu, ermutigen, schenken Begleitung, Bildung und Beheimatung und möchten so dazu beitragen, dass das Leben gelingt – egal aus welchem sozialen Kontext die jungen Besucher stammen. Dafür gibt es ein breites Angebot an Freizeitaktivitäten, Hilfen bei Hausaufgaben, gemeinsames Kochen und bei größeren Problemen ein Beratungsangebot.“

 

Was wünschen Sie Sich persönlich für die Diaspora-Aktion in diesem Jahr?

 

Monsignore Austen: „Das wir erkennen, dass es auch in den bewegten und belasteten Zeiten unserer Kirche vielerorts Glaubensbrüder und -schwestern gibt, die aus der Zuversicht des Glaubens heraus leben und handeln. Zugleich wünsche ich mich mir, dass uns möglichst viele Menschen am bundesweiten Diaspora-Sonntag unterstützen und wir als Bonifatiuswerk auch weiterhin den Menschen in den Diasporaregionen finanziell und ideell zur Seite stehen können.“

 

»Eine kleine Oase inmitten der schwierigen Welt«

 

 

Das Kinder- und Jugendzentrum Don Bosco in Magdeburg schenkt Hoffnung – das Bonifatiuswerk unterstützt mit der Diaspora-Aktion 2020 unter anderem die Arbeit der Ordensschwestern

 

 

Text: Theresa Meier

 

 

Zwischen kleinen Wohnhäusern, Plattenbauten und einem Hochhaus findet sich im Norden von Magdeburg, in unmittelbarer Nähe zum Stadtviertel Kannenstieg, das Kinder- und Jugendzentrum Don Bosco. Seine weitläufigen Grünflächen mit Tischtennisplatte, Rutsche, Klettergerüst, Schaukel, Trampolin und Sportplatz laden Kinder und Jugendliche von sechs bis 27 Jahren zum Verweilen ein. Von montags bis samstags hat die Einrichtung nachmittags und abends seit mittlerweile 27 Jahren geöffnet.

 

Von Anfang an dabei ist Schwester Lydia Kaps, die das Kinder- und Jugendzentrum mitbegründet hat und seit 1995 leitet. Mit zwei weiteren Ordensfrauen bietet sie jungen Menschen aus unterschiedlichen sozialen Kontexten einen Ort, der für viele über eine einfache Freizeitbeschäftigung hinausgeht. »Wir bekommen oft zu hören, dass wir eine kleine Oase inmitten der schwierigen Welt seien. Eine Oase bringt immer Hoffnung, sie ist ein friedlicher Ort, an dem man auftanken kann«, sagt Schwester Lydia. Diese Atmosphäre zeigt sich auch in der sogenannten Friedensecke vor dem Eingang zum Jugendraum. Neben selbst gebauten Möbeln und einem Hochbeet mit kleinem Kräutergarten haben dort Friedenstauben auf liebevoll gestalteten Holzpaletten ihren Platz gefunden.

 

In dem Gebäude aus den 70er-Jahren erwarten die jungen Menschen vielfältige Angebote. Der große Spielraum bietet ihnen die Möglichkeit, Darts, Billard und Air-Hockey zu spielen oder sich in der Sitzecke auszutauschen. In der Werkstatt können sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen und eigene Holzmodelle herstellen. Für die jüngeren Besucher gibt es einen separaten Raum mit kindgerechten Angeboten. Erst kürzlich wurde ein Rückzugsraum nur für Mädchen eingerichtet. Dass die jungen Menschen in der Einrichtung selbst mitgestalten können, ist nicht nur den drei Ordensschwestern, sondern auch dem pädagogischen Mitarbeiter Leonel Oliveira wichtig. »Wir wollen ihnen nicht nur Angebote vorsetzen, sondern wir motivieren sie, sich selbst miteinzubringen «, sagt der 30-jährige gebürtige Argentinier, der über den Bundesfreiwilligendienst zu den Don Bosco Schwestern gekommen ist und zurzeit eine Ausbildung zum Erzieher absolviert.

 

»Viele sehen uns als Anker, an dem sie sich festmachen können, an dem sie Hoffnung, Vertrauen und Sicherheit erfahren«, erklärt Schwester Lydia. Diesen verlässlichen Anker der Hoffnung hat auch schon der 20-jährige Alex erfahren. Vor neun Jahren hat ihn ein Freund mit in das Kinder- und Jugendzentrum genommen. Seitdem ist er fast täglich dort. Für ihn schafft dieser Ort eine feste Struktur in seinem Tagesablauf, wo er gleichzeitig seine Freunde treffen kann. »Wir kennen uns schon jahrelang hier, das ist wie eine Familie«, sagt der junge Mann, der den Schwestern für ihre Unterstützung sehr dankbar ist. »Ich war relativ faul damals, und sie haben mir gezeigt, wo es langgeht und worauf es im Leben ankommt. Sie haben mir bei den Hausaufgaben geholfen und mit mir Mathe und Englisch gelernt. Sonst hätte ich jetzt auch nicht eine Ausbildung zum Gebäudereiniger begonnen. «Andere Jugendliche, die Schwester Lydia in ihren 27 Jahren im Zentrum kennengelernt hat, sind beispielsweise Altenpfleger, Erzieher oder Sozialpädagogen geworden. Dass Schwester Lydia und ihre Mitschwestern die Lebenswege der jungen Menschen mitprägen, freut sie sehr. »Es kommt vor, dass ich zu Hochzeiten unserer ehemaligen Besucher eingeladen werde und ich öffentlich vorgestellt werde, warum ich denn zu dieser Hochzeitsgesellschaft gehöre. «Oft gebe es auch den Wunsch, dass sie das meist nicht stark kirchlich geprägte Brautpaar segnen möge.

 

Wenn die Schwestern gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen die kirchlichen Hochfeste erarbeiten, kommt es vor, dass die Einrichtungsleiterin von einer Mutter die Rückmeldung bekommt, dass sie das alles toll finde, es aber schön wäre, wenn sie den Eltern dies auch erkläre, damit sie ihre Kinder weiter begleiten könnten. »Ich habe das Gefühl, dass die Jugendlichen und Eltern uns abnehmen, dass wir christlich geprägt sind und an einen Gott glauben, der uns hilft. Sie wollen dann im Gegenzug wissen, ob und wie es uns hilft, und wollen, dass wir ihnen irgendetwas in dieser Richtung vermitteln«, sagt die Ordensfrau. Solche Erfahrungen gebe es immer wieder, und das in einer Gegend, in der die große Mehrheit der Einwohner keiner Religionsgemeinschaft oder Kirche angehört. Die Zahl der Katholiken liegt im Bistum Magdeburg bei etwa drei Prozent. Der lange Jahre vorherrschende Atheismus hat den Glauben der Menschen stark beeinflusst. Die 70 bis 80 Kinder und Jugendlichen, die regelmäßig ins Kinder- und Jugendzentrum Don Bosco kommen, gehören verschiedenen Nationen an und sind konfessionell meist nicht gebunden.

 

Neugierig auf das Leben der Ordensfrauen, ergäben sich manchmal prägende Begebenheiten, erinnert sich Schwester Lydia: »Eines Abends sagte ein Jugendlicher zu mir: ›Schwester, wieso lebst du eigentlich noch? Es wird doch immer gesagt, dass die Guten zuerst gehen. Bist du dann nicht so eine Gute, oder warum lebst du noch?‹ Ein anderer Jugendlicher entgegnete ihm, dass er das falsch sehe, da der Gott, an den die Schwester glaube, ein paar von den Guten auf der Erde lasse, damit so Typen wie sie auch noch eine Chance hätten.« Geschichten wie diese kennt auch Leonel. »Einmal haben mich muslimische Jungs gefragt, warum denn die anderen die Mitarbeiterinnen immer Schwester nennen und ob sie mich dann nicht auch mit Bruder ansprechen sollten«, erzählt der 30-Jährige. Dass Dinge so offen gefragt werden können, ist ein Verdienst der Schwestern. Für die jungen Menschen handeln sie authentisch und werden so in ihrem Wirken glaubwürdig.

 

Einen Ort, an dem junge Menschen Glaube, Hoffnung und Vertrauen erfahren können, ist auch das neue Jugendbüro M13. Direkt in der Magdeburger Innenstadt haben Jugendliche in einer ehemaligen Buchhandlung eine Anlaufstelle, in der sie vielfältige und zielgruppengerechte Angebote in Anspruch nehmen können. Ob Hausaufgaben erledigen, kochen, spielen, TV-Abende oder Gesprächsrunden, gemeinsam mit der Arbeitsstelle für Jugendpastoral im Bistum bieten die Don Bosco Schwestern den jungen Menschen in ihrem alltäglichen Umfeld einen offenen Treffpunkt an.

 

Damit die Kinder- und Jugendarbeit der Don Bosco Schwestern weiterhin gelingen kann, gibt es schon Pläne zur Weiterentwicklung des Zentrums. Dafür hoffen die Ordensfrauen auf die Unterstützung des Bonifatiuswerkes, das sich der Anliegen der Katholiken annimmt, die in einer Minderheit leben. Ihnen steht das »Hilfswerk für den Glauben« solidarisch zur Seite. »Das Team der Don Bosco Schwestern in Magdeburg zeigt auf eindrückliche Weise, wie das Leitwort unserer Diaspora- Aktion 2020 Werde Hoffnungsträger! mit Leben gefüllt werden kann. Die Ordensschwestern und Mitarbeiter lassen ihre Hoffnung überspringen und setzen für viele junge Menschen einen Anker des Vertrauens. Durch sie ist zu spüren, was christliche Hoffnung bedeutet, die andere inspirieren, motivieren und mitreißen kann«, sagt der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen. In diesen herausfordernden Zeiten will das Hilfswerk mit der diesjährigen Diaspora-Aktion ermutigen, zu Hoffnungsträgern für andere zu werden.

 

 

 

Leuchtturmprojekt: Marienkloster in Norwegen

Beginn einer neuen spirituellen Blütezeit?

Foto: Marienkloster Tautra
Foto: Marienkloster Tautra

 

 

Marienkloster im norwegischen Tautra wird erweitert – das Bonifatiuswerk unterstützt mit der Diaspora-Aktion 2020 unter anderem die Arbeit der Ordensschwestern

 

Von Patrick Kleibold

 

 

Ringsherum tiefblaues Wasser, in dem sich das Licht der Frühlingssonne bricht. Erst die teils schneebedeckten Berge begrenzen in einiger Entfernung die Weite des Fjordes. Über all dem das Azurblau des Himmels, an dem kaum eine Wolke zu sehen ist: Dieses Panorama, das sich dem Betrachter von dem grasbedeckten Hügel auf Tautra aus bietet, kann sich sprichwörtlich sehen lassen. Kein Wunder, dass sich einst an genau dieser Stelle auf der kleinen Insel im Trondheim-Fjord Zisterziensermönche niederließen. Von dem 1207 gegründeten Kloster sind nur die Ruinen der Abteikirche übriggeblieben – davor eine Hinweistafel, die über Bedeutungsverlust und Aufgabe des Klosters infolge der Reformation informiert. Das Ende des Ordenslebens auf Tautra? Nein. Nur wenige hundert Meter entfernt vom alten Standort setzen Trappisten-Schwestern die Tradition in ihrem 2006 eingeweihten Marienkloster fort.

 

Das Kloster Tautra ist nur ein Beispiel dafür, dass die kontemplativen Orden in Norwegen derzeit eine Blüte erleben. Wirkten bis vor wenigen Jahren vor allem aktive Gemeinschaften wie die Josephs-, die Franziskus-Xaverius- oder die Elisabethschwestern in Krankenhäusern und Pfarrgemeinden – heute sind vor allem aktive Gemeinschaften aus den Philippinen und Vietnam mit jungen Schwestern vertreten –, zeigt sich mittlerweile ein Trend zu monastischen Orden. Aus deutscher Sicht wirkt das alles wie eine verkehrte Welt: Hierzulande mangelt es den Ordensgemeinschaften massiv an Nachwuchs, es mangelt zudem an Geld. Als Folge werden Klöster – auch traditionsreiche – aufgegeben, Ordensprovinzen werden zusammengeschlossen. Ein Spiegelbild der allgemeinen Kirchenkrise in Deutschland. Parallel dazu Norwegen: Hier heißt es bei den Orden Aufbruch statt Abbruch – in einem Land, in dem die katholische Kirche insgesamt kontinuierlich wächst, in einigen Regionen monatlich sogar um ein Prozent.

 

Mittagsgebet in der Klosterkirche: Sonnenlicht dringt durch das gläserne Dach und fällt auf das darunter liegende Holzgebälk. Ein einzigartiges Licht- und Schattenspiel erfüllt den Raum. Hinter dem Altar gibt eine große Glaswand den Blick auf den Fjord frei: die Schönheit der Schöpfung wird zum Altarbild. Der klare Psalmgesang der Schwestern, begleitet von zarten Harfenklängen, vollendet die mystische Atmosphäre, die ausstrahlt. Ließen sich einst sieben Schwestern aus dem US-Bundestaat Iowa auf der einsamen Insel nieder, führen hier mittlerweile 16 Nonnen aus zwölf Nationen ein beständiges Leben im benediktinischen Rhythmus von Ora et labora et lege.

 

Das Kloster ist daher inzwischen zu klein. Es soll nun um einen neuen Flügel mit weiteren Zellenzimmern erweitert werden. „Manchmal kommen Menschen zu uns, um nach Orientierung im Leben zu suchen“, berichtet Schwester Gilchrist Lavigne von ihren Erfahrungen, „wenn sie mögen, helfen wir ihnen auf ihrem Weg.“ Und genau in dieser Aussage spiegeln sich die Offenheit des Klosters und die gelebte Willkommenskultur der Schwestern wider. In einem Gästehaus bieten die Nonnen Raum für all jene, die sich in die Stille und die spirituelle Atmosphäre dieses Ortes zurückziehen möchten. Auf der Halbinsel sind alle Menschen willkommen und zum Gebet eingeladen, egal ob sie tief im Glauben verwurzelt sind, der Kirche skeptisch gegenüberstehen oder einfach nur aus der Neugierde heraus einen Einblick in das klösterliche Leben bekommen möchten. Viele der Menschen in der Region hätten lange darauf gewartet, dass auf Tautra wieder ein Kloster entstünde. Viele von Ihnen möchten eine Nacht auf Tautra verbringen, um die Stille und Spiritualität des Ortes zu erleben. Die Nachfrage sei so groß, dass die Schwestern leider immer mehr Absagen machen müssten.

 

 

 

Ein angenehmer Duft liegt in der Luft, wenn die Nonnen 50 Kilogramm schwere Seifenblöcke, die mit Lavendel, Sandelholz, Mandel, Honig oder diversen Kräutern versetzt sind, in 630 handgerechte Stücke zerteilen. Die Trappistinnen verdienen einen Teil ihres Lebensunterhalts durch die Produktion von Seifen und Cremes. Doch Geld steht hier nicht im Mittelpunkt: „Die Seife bietet ein wunderbare Möglichkeit, den Menschen zu begegnen und mit ihnen in Dialog zu treten“, erklärt Schwester GilChrist: »Wir produzieren jedes Stück Seife als ein Gebet für den Frieden und wir beten für die Menschen, die sie kaufen.“

 

„Orte wie das Marienkloster auf der Halbinsel Tautra, an denen Glaube und Kirche auf besondere Weise gelebt werden sind besondere Ort die zeigen, wie lebendig und erfolgreich Norwegens Katholiken trotz oder gerade wegen ihrer Diaspora-Situation sind“, ist sich der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen sicher. Bei all seinen Besuchen habe er stets eine sehr internationale und stark wachsende Glaubensgemeinschaft erlebt, die sehr viel Mut für die Zukunft mache. Mit seinen 16 Schwestern aus zwölf unterschiedlichen Nationen ist das Marienkloster ein Spiegel der multikulturellen Migrantenkirche in Norwegen.

 

Bischof Bernt Eidsvig spricht von einem Pfingstwunder, denkt er an die vielen verschiedenen Sprachen, die er sonntags in den Gottesdiensten hört. „Die Kirche in Norwegen ist eine ganz untypische Kirche“, betont er, „85 Prozent unserer Mitglieder sind im Ausland geboren.“ Das klinge zwar zunächst schwierig, meint der Oberhirte, allerdings dürfe man dabei nicht vergessen, dass die Kirche in Norwegen schon immer eine Einwandererkirche gewesen sei. „Im 19. Jahrhundert kamen die Katholiken vor allem aus Deutschland, Holland oder Frankreich. Ab den 1970er Jahren war die Kirche asiatisch geprägt. Heute stammen mehr als die Hälfte aller aus Polen.“ Eine ständige pastorale Herausforderung bleibt daher die Frage der Integration all jener, die neu hinzukommen. Die verschiedenen Muttersprachen spielen dabei eine bedeutende Rolle. Gerade die Ordensgemeinschaften spielten daher eine zentrale Rolle bei der Integration der Migranten.

 

Um ihr Kloster weiterentwickeln und weiterbauen zu können, hoffen die Ordensfrauen auf die Unterstützung des Bonifatiuswerkes, das sich der Anliegen der Katholiken annimmt, die in einer Minderheit leben. Ihnen steht das »Hilfswerk für den Glauben« solidarisch zur Seite. „Die Schwestern zeigen auf eindrückliche Weise, wie das Leitwort unserer Diaspora-Aktion 2020 „Werde Hoffnungsträger!“ mit Leben gefüllt werden kann. Die Ordensschwestern lassen ihre Hoffnung überspringen und setzen für viele Menschen einen Anker des Vertrauens. Durch sie ist zu spüren, was christliche Hoffnung bedeutet, die andere inspirieren, motivieren und mitreißen kann«, sagt der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen. In diesen herausfordernden Zeiten will das Hilfswerk mit der diesjährigen Diaspora-Aktion ermutigen, zu Hoffnungsträgern für andere zu werden.

 

 

Aktuelle Förderung des Klosters durch das Bonifatiuswerk: 166.200,00 Euro

 

 

 

Testimonials

 

 

 

„Die Sorge der deutschen Katholiken um uns ist für uns ein Segen.“ Bischof Bernt Eidsvig

 

 

 

Viele Menschen in der Region haben lange darauf gewartet, dass auf Tautra wieder ein Kloster entsteht. Immer mehr Menschen möchten eine Nacht bei uns verbringen, um die Stille und Spiritualität des Ortes zu erleben. Die Nachfrage ist so groß, dass wir leider immer mehr Absagen machen müssen.“ Sr. Gilchrist Lavigne

 

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Autor: Bonifatiuswerk; zusammengestellt von Gert Holle - 10.10.2020