Umfrage der Care.com Europe GmbH/Betreut.de zum Familienleben in Deutschland

Stadt oder Land – wo wohnen Familien zufriedener?

Foto: Betreut.de/ Westend61 - Getty Images
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Typ:              quantitative Online-Befragung (CAWI=Computer Assisted Web Interviews)

 

Teilnehmer:  810 Frauen und Männer im Alter von 19 bis 50 Jahren

 

Zeitraum:     September 2017

 

 

(Berlin/pi) - Seit Jahrzehnten ist eine ‚Landflucht‘ in Deutschland zu verzeichnen, doch seit einigen Jahren macht sich auch eine gewisse Gegenbewegung bemerkbar. Kultur oder Natur, Erreichbarkeit oder Beschaulichkeit, Großstadtflair oder ländliche Idylle: Die Frage, wo es sich besser lebt, spaltet seit jeher die Deutschen. Betreut.de hat sich die Frage gestellt, welche Gründe Familien haben, in der Stadt oder auf dem Land zu leben – und wie zufrieden sie damit sind.

 

 

 

Die Stadt-Land-Aufteilung


 

Von den 810 von Betreut.de befragten Müttern und Vätern leben die meisten (44%) in der Stadt. Erst danach folgen Vorstadt/Stadtrand mit 32 Prozent und ländliche Gegend mit 23 Prozent. Ausschlaggebend für die Wahl ihres Wohnorts waren für die befragten Mütter und Väter dabei vorrangig drei Gründe: die Erschwinglichkeit (Männer: 67%, Frauen: 54%), die benötigte Zeit von/zum Arbeitsplatz (Männer: 61%, Frauen: 54%) und die Nähe zu Familie und Freunden (Männer: 48%, Frauen 52%). Aber wie zufrieden sind sie mit ihrer Wohngegend? Hier zeigt sich ein recht eindeutiges Stadt-Land-Gefälle: Während lediglich 21 Prozent der Befragten auf dem Land lieber woanders wohnen würden, sind es in der Stadt 40 Prozent. Am Stadtrand bzw. in der Vorstadt sind es durchschnittlich 32 Prozent. Dabei gilt: Je mehr Kinder, desto unzufriedener sind Eltern in der Stadt bzw. in der Vorstadt/am Stadtrand. Lediglich auf dem Land steigt mit mehr Kindern die Zufriedenheit mit der Wohnsituation. Auffällig ist dabei die klare Tendenz, die weg von der Stadt weist: 68 Prozent der Eltern im Stadtgebiet, die gerne woanders wohnen würden, zieht es in die Vorstadt/an den Stadtrand, auf dem Land beträgt dieser Anteil unter denen, die lieber woanders wohnen würden, 65 Prozent. Für 69 Prozent der Eltern, die in der Vorstadt/am Stadtrand wohnen und gerne umziehen würden, ist das Land der favorisierte Wohnort.

 

Reurbanisieurung oder Stadtflucht: Eine Frage der Finanzen

Foto: Betreut.de/ Westend61 - Getty Images
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Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung*1 ist Reurbanisierung, also die Bevölkerungs- und Beschäftigungszunahme in der Kernstadt, ein gefestigter Trend in Deutschland, der vor allem aus Außenzuwanderung und großräumigen Wanderungsströmen zwischen Stadt und Land resultiert. Die Studie hält dabei fest, dass die kontinuierliche Abwanderung aus dem ländlichen Raum insbesondere die dünn besiedelten ländlichen Gebiete betrifft. Dabei profitieren nicht nur die großen Großstädte von der Zuwanderung. Auch Klein- und Mittelstädte verzeichnen einen stärkeren Zuzug. Gleichzeitig lässt sich eine Zunahme der Bevölkerung im direkten Umland der Großstädte aus den jeweiligen Städten beobachten. 

 

Einer der Gründe für diese „Überschwappeffekte“ ist die steigende Anspannung der städtischen Wohnungsmärkte. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hält in einer Studie aus 2017 fest, dass es hier im Hinblick auf Familien eine Korrelation zwischen höheren Wohnkosten und einem stärkeren Wegzug aus der Stadt gibt.*2 Gerade für Familien, die mehr Wohnraum benötigen, ist der Wohnungsmarkt schwierig. Neben der generellen größeren Unzufriedenheit der befragten Eltern in der Stadt gibt es auch konkrete Ergebnisse aus der Betreut.de-Umfrage zur Wohnsituation, die diese These stützen: Die wenigsten Familien in der Stadt verfügen über ein eigenes Haus (22%) beziehungsweise ein gemietetes Haus (4%), sondern wohnen mit Abstand am häufigsten in einer Mietwohnung (55%). Anders sieht es in die Vorstadt/am Stadtrand aus: Hier wohnen immerhin 38 Prozent der Befragten in einem eigenen Haus, 13 Prozent in einem gemieteten Haus. 38 Prozent leben in einer Mietwohnung. Der Großteil der Befragten in ländlichen Gebieten wohnt hingegen in einem eigenen Haus (60%). 

 

 

 

Arbeit und Familienleben in der Stadt und auf dem Land

Foto: Betreut.de/ Westend61 - Getty Images
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Was sich im Vergleich der Wohngebiete feststellen lässt, ist eine stärkere klassische Rollenverteilung von einem Voll- und einem Teilzeit arbeitenden Elternteil in ländlichen Gebieten. Während im Stadtgebiet mehr als zwei Drittel der befragten Frauen (72%) vollzeitbeschäftigt ist, ist auf dem Land mehr als die Hälfte der Frauen (54%) in Teilzeit tätig. Mit 59 Prozent in Vollzeit und 41 Prozent in Teilzeit arbeitenden Frauen liegt die Vorstadt/der Stadtrand genau zwischen diesen Werten. Homeoffice wird in allen Wohngebieten kaum genutzt, wobei die Nutzung in ländlichen Gegenden am geringsten ausfällt: Im Stadtgebiet gaben 52 Prozent der befragten Mütter und Väter an, nie oder weniger als einen Tag die Woche von Zuhause aus zu arbeiten. In der Vorstadt/am Stadtrand gaben dies 58 Prozent an und auf dem Land 64 Prozent. Die Mehrheit der Befragten, die Homeoffice nutzen, sagen jedoch, dass es sich positiv auf ihre Work-Life-Balance auswirkt – und dabei ist die Zustimmung in ländlichen Gegenden sogar am größten (Stadtgebiet: 71%/ Vorstadt/Stadtrand: 69%/ Ländliche Gegend: 73%). „Gerade Homeoffice-Lösungen können dabei helfen, die Teilzeitquote bei Frauen auf dem Land zu senken. Denn lange Teilzeitphasen führen zu Nachteilen bei Einkommen, Karriere und Altersabsicherung“, erklärt Laura Esnaola, Geschäftsführerin von Care.com Europe. „Unternehmen sollten sich dahingehend mehr öffnen. Leitende Angestellte sollten hierbei eine Vorbildrolle einnehmen. Letzendlich ergibt sich daraus eine Win-Win-Situation für beide Seiten: mehr Zufriedenheit und finanzielle Absicherung bei den Mitarbeiterinnen, während die Unternehmen von motivierten Arbeitnehmerinnen profitieren.“ 

 

Die eingesparte Zeit, die durch die Pendelei wegfällt, nützt allen: Im Durchschnitt benötigen die Befragten auf dem Land mit 43 Minuten pro Tag dabei am wenigsten Zeit für den Weg zur Arbeit und zurück. Im Stadtgebiet liegt der Wert bei 45 Minuten, am längsten brauchen mit 47 Minuten die Mütter und Väter in der Vorstadt/am Stadtrand. 

 

Kindererziehung: Absicherung der Grundbedürfnisse

 

Unabhängig vom Wohnort ähneln sich die Wünsche der Eltern im Hinblick auf die Grundbedürfnisse ihrer Kinder. Egal ob in der Stadt, in der Vorstadt/am Stadtrand oder in ländlichen Gebieten, allernorts gaben die Befragten an, dass sie mehr Geld für die Zukunft ihrer Kinder sparen würden, wenn ihnen mehr Geld zur Verfügung stünde (16%/18%/17%), dicht gefolgt von der Zeit, die sie mehr mit der Familie verbringen könnten (15%/14%/14%). Und ebenfalls über alle Wohnorte hinweg sind es vorrangig Familienmitglieder, die um Hilfe gebeten werden, wenn Eltern Unterstützung bei der Kinderbetreuung brauchen (Stadtgebiet: 53%/ Vorstadt/Stadtrand: 57%/ Ländliche Gegend: 50%*3). 

 

 

 

*1 Angelika Münter/Frank Osterhage: Trend Reurbanisierung? Analyse der Binnenwanderungen in Deutschland 2006 bis 2015, hrsg. von der Bertelsmann Stiftung. 

 

*2 Antonia Milbert: Wie viel (Re-)Urbanisierung durchzieht das Land?, hrsg. vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, Bonn, Mai 2017, S. 14

 

*3 Bezogen auf die Angaben für das 1. Kind. 

 

 

 

 

 

Über Betreut.de – Care.com Europe GmbH


 

Die Care.com Europe GmbH ist eine Tochtergesellschaft von Care.com Inc., dem weltweit größten Onlineportal für Betreuung. 2006 in den USA gegründet, gehören heute 16,9 Millionen Familien und 12,7 Millionen Betreuer in über 20 Ländern zu den Mitgliedern von Care.com. Der Onlinedienst ermöglicht es Familien, einfach und verlässlich mit Kinder-, Senioren- und Tierbetreuern sowie Haushaltshilfen in Kontakt zu treten. Hunderttausende Familien haben zudem Zugriff auf die Care.com Global Workplace Solutions, die zahlreiche Unternehmen ihren Angestellten als Teil ihrer Benefit-Programme anbieten. Die familienunterstützenden Leistungen reichen vom Zugang zur Onlineplattform, über Notfall- oder Ferienbetreuung bis zur Pflegeberatung.