Interview mit TV-Reporter Willi Weitzel über seinen Besuch in einem Sternsinger-Projekt in Lima

Foto: Kindermissionswerk
Foto: Kindermissionswerk

„Das Projekt ist besonders, aber vor allem die Menschen, die das Projekt betreiben, die sind ganz besonders. Besonders tolle, aufmerksame Menschen, die sich zur Aufgabe gemacht haben, Kinder mit Behinderungen, die davon bedroht sind, von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden, in die Gesellschaft zu integrieren“, schwärmt Willi Weitzel nach seiner Reise nach Peru. Der Reporter, Moderator und Welterforscher war bereits zum siebten Mal im Namen der Sternsinger unterwegs. In Peru hat er Projekte besucht, die von den Sternsingern unterstützt werden. Im Mittelpunkt der kommenden 61. Aktion Dreikönigssingen stehen diesmal Kinder mit Behinderung. Für Willi eine ganz besondere Erfahrung, denn auch er hat am eigenen Leib spüren müssen, wie es sich anfühlt, wenn man sich nur eingeschränkt bewegen kann.

 

 

 

1. Willi, diesmal bist du für die Sternsinger nach Peru gereist, wie war es dort?

 

Antwort:

 

Ich habe viele freundliche Menschen in Peru kennengelernt. Ich habe das bisschen Spanisch, das ich spreche, anwenden können und habe so Sachen gesagt wie: „Hola!“, also „Hallo“ oder „Qué tal?“ was so viel heißt wie „Wie geht`s?“. Und „danke“ habe ich sehr oft gesagt und sagen dürfen, weil die Peruaner einfach sehr gute Gastgeber sind. Danke heißt „Gracias“ auf Spanisch.

 

Mich haben auf der Reise viele Themen eingeholt, um die es auf den anderen Reisen für die Sternsinger ging: Unter anderem Klimawandel. Lima ist eine unglaublich trockene Stadt, am Rande einer heißen, bergigen und staubigen Wüste – hier gibt es Wassermangel. Gleich hinter den Anden werden die Regenwälder gerodet, was den Klimawandel natürlich noch einmal befeuert. Und mir ist das Thema Kinderarbeit untergekommen, weil an vielen Ecken Kinder bei der Arbeit zu sehen sind. Ja, und in diesem Umfeld haben dann unsere Dreharbeiten zum eigentlichen Thema stattgefunden: Kinder mit Behinderung.

 

2. Kinder mit Behinderung stehen bei der aktuellen Sternsingeraktion im Mittelpunkt. In Lima hast du ein Projekt für Kinder mit geistiger und körperlicher Behinderung besucht. Erzähl doch mal...

 

Antwort:

 

Ich habe bei meinem Besuch in Lima ein ganz besonderes Projekt besucht. Na ja, das Projekt ist besonders, aber vor allem die Menschen, die das Projekt betreiben, die sind ganz besonders. Besonders liebevoll, besonders tolle, aufmerksame Menschen, die sich zur Aufgabe gemacht haben, Kinder mit Behinderungen, die davon bedroht sind, von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden, in die Gesellschaft zu integrieren. Und auch ihre Eltern und Geschwister zu unterstützen.

 

Das Projekt, das ich besucht habe, heißt „Yancana Huasy“, was so viel bedeutet wie „Haus der Arbeit“. In diesem Haus gibt es einiges zu arbeiten, die Kinder, die dort hinkommen, bekommen auf allen Ebenen Hilfe, je nachdem welche Behinderung sie haben, ob sie Lernschwierigkeiten haben oder körperliche Einschränkungen. Ich habe jetzt gerade in einem Nebensatz erwähnt, dass Kinder mit Behinderungen in Peru ausgegrenzt werden, das ist eine traurige Tatsache, die für viele Länder der Welt gilt. Ich glaube, auch in Deutschland gibt es diese Fälle, dass Menschen mit Behinderung nicht im vollem Umfang am Leben der Gesellschaft teilhaben können. Im Projekt „Yancana Huasy“ gibt es dieses Ausgrenzen nicht. Hier zählt einfach der Mensch, ohne Unterschiede.

 

3. War es für dich schwierig, mit den Mädchen und Jungen in Kontakt zu kommen?

 

Antwort:

 

Nein, überhaupt nicht. Denn die Kinder, die lernen, im Projekt „Yancana Huasy“ keine Unterschiede zwischen Menschen zu machen, und deshalb haben sie mich als fremden Deutschen herzlich aufgenommen. Es gab da auch ein ganz rührendes Erlebnis, ich habe neugierig in einen Raum reingelunzt, in dem eine Handvoll Kinder und ihre Mütter saßen. Eines der Kinder ist dann aufgestanden und hat mich an sich runtergezogen und mir einen dicken Schmatzer auf die Wange gedrückt. Die Mamas haben alle laut gelacht, und ich habe zurückgestrahlt. Ich glaube, diese Begegnung, die steht beispielhaft für alle andern Begegnungen, die ich mit den Menschen dort hatte. Es war eine sehr herzliche Zeit!

 

4. Was glaubst du ist für die Kinder mit Behinderungen am wichtigsten? Dort in Peru, aber auch hier in Deutschland zum Beispiel?

 

Antwort:

 

Was für diese Kinder notwendig zum Leben ist, das ist, so glaube ich, für alle Menschen, ob sie jetzt in Peru oder in Deutschland oder sonst wo leben, wichtig: Alle Menschen brauchen Wärme. Wir wollen akzeptiert werden, wir wollen angenommen werden, so wie wir sind mit allen unseren Macken, Kanten und Ecken. Vielleicht kann man das Wort Wärme übersetzen auch als Liebe.

 

5. Was hat dich auf deiner Reise diesmal am meisten beeindruckt?

 

Antwort:

 

Ich hatte diesen wunderbaren Interviewpartner Eddú, einen 13-jährigen Schüler, der keine Rücksicht darauf genommen hat, dass ich kein Spanisch kann. Er hat mich genommen wie ich bin, und ohne Punkt und Komma auf mich eingeredet. Ich habe dann einfach auf Deutsch weitergeredet und er auf Spanisch und wir haben uns bestens verstanden und hatten eine Menge Spaß. Wir haben einen Nachmittag lang Schach miteinander gespielt und Eddú hat mich leider Schachmatt gesetzt. Das war eine wunderbare Begegnung, die mich nach wie vor sehr beeindruckt.

 

6. Hast du ein Andenken, ein Mitbringsel aus Peru mitgebracht?

 

Antwort:

 

Also, ich habe ein schönes Mitbringsel mitgebracht, dass ist eine kleine gehäkelte weiß-rote Stoffkugel. Die baumelt jetzt an meinem Rucksack. Rot Weiß sind die Farben Perus, und diese Kugel, die habe ich von den Mitarbeitern von „Yancana Huasy“ geschenkt bekommen. Die trage ich sehr gerne und auch mit Stolz als Andenken an meine Reise.

 

7. Im Film sieht man dich kurz auf Krücken? Wie ist das passiert?

 

Antwort:

 

Also, ich weiß nicht, wie ich das erklären soll, ich habe mich einfach verletzt. Wir haben am Strand von Lima Surfer gefilmt, wie die auf den Wellen reiten. Und irgendwie kam eine große Welle auf dem Strand gelaufen, eine, die viel größer war als alle anderen Wellen. Ich bin irgendwie hochgesprungen und hab versucht auszuweichen.  Das Kamerateam stand bis zu den Waden im Wasser, ich bin noch vor der Welle weggesprungen und hab mir dabei aber das Knie verdreht und musste deswegen in Peru mit Krücken unterwegs sein. Dummerweise hat sich dann in Deutschland rausgestellt, dass mein Meniskus gerissen war, und deshalb habe ich jetzt zwei kleine Narben an meinem Knie, bin operiert worden. Das ist ein echtes Andenken an Peru.

 

8. Da draußen stehen viele Tausend Sternsinger in den Startlöchern... Was gibst du ihnen mit auf den Weg als zusätzliche Motivation?

 

Antwort:

 

So Leute, ich habe dieses Jahr bei der Fußballweltmeisterschaft mit traurigen Augen beobachten müssen, wie ein Team, das eigentlich dazu gemacht ist, etwas weltmeisterliches zu vollbringen, gescheitert ist. Aber ich bin davon überzeugt, die beste Gelegenheit zu zeigen, dass wir in Deutschland Teams zusammenstellen können, die es doch schaffen, etwas Großartiges zu erreichen und etwas zu bewegen.

 

In Peru und anderen armen Ländern werden Kinder mit Behinderungen, und das ist eine sehr traurige Tatsache, oft von ihren Eltern und Verwandten versteckt, weil sie sich für sie schämen. Wenn diese Kinder, die nicht so viel zu lachen haben, erfahren, dass in Deutschland Kinder und Jugendliche auf die Straße gehen, im kalten Winter von Tür zu Tür ziehen und das auch noch für sie tun, dann ist das wirklich ein großer Segen für diese Kinder. Die freuen sich wirklich darüber. Und von meiner Seite sage ich auch eins: Ich bin stolz auf euch und vielen, vielen Dank!

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Autor: Kindermissionswerk; zusammengestellt von Gert Holle - 7.12.2018