Adveniat erinnert an den Bischof, der vor 40 Jahren ermordet wurde

„Einsatz für Gerechtigkeit hat einen Namen: Óscar Romero"

Der Heilige Óscar Arnulfo Romero ist überall präsent wie auf diesem Wandbild in seinem ehemaligen Wohnhaus in San Salvador. Foto: Adveniat/Matthias Hoch
Der Heilige Óscar Arnulfo Romero ist überall präsent wie auf diesem Wandbild in seinem ehemaligen Wohnhaus in San Salvador. Foto: Adveniat/Matthias Hoch

19.03.2020

 

(Essen/adveniat) - „Einsatz für Gerechtigkeit und Kampf gegen Armut und Unterdrückung haben einen Namen: Óscar Arnulfo Romero." Davon ist der Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Pater Michael Heinz überzeugt. So wie von Papst Franziskus immer wieder gefordert, habe Óscar Romero den christlichen Glauben in seine Zeit und die Situation seines Landes hinein übersetzt und gelebt. Mit aller Konsequenz bis zum gewaltsamen Tod. „Er hat sich von der christlichen Botschaft der Nächstenliebe zu den Armen und Ausgegrenzten persönlich betreffen lassen. Konfrontiert mit dem Leid und der Gewalt gegen die Menschen während der Militärdiktatur hat der ursprünglich konservative Priester sein Leben radikal verändert. Unerschrocken hat er an der Seite der Menschen für die Befreiung aus Armut und Unterdrückung gekämpft. Dieser Einsatz für Andere hat ihn das eigene Leben gekostet", fasst Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Heinz das Leben des Heiligen Óscar Arnulfo Romero zusammen. Er wurde vor vierzig Jahren, am 24. März 1980, während eines Gottesdienstes in einer Krankenhauskapelle in der Hauptstadt San Salvador ermordet.

 

In seinem Heimatland aber auch bei vielen Christinnen und Christen weltweit gilt der ehemalige Bischof von San Salvador schon seit Jahrzehnten als Heiliger, als Mensch, der in außerordentlicher und vorbildhafter Weise die Botschaft der christlichen Nächstenliebe gelebt hat. Vonseiten konservativer Bischöfe in Lateinamerika und vor allem des Vatikans gab es jedoch Vorbehalte und Ablehnung gegenüber Óscar Romero sowie der von ihm vertretenen und gelebten Option für die Armen. Eine Selig- oder gar Heiligsprechung wurde mit dem Hinweis abgelehnt, dass dafür der „Hass gegen den Glauben" bei den Tätern festgestellt werden müsse. „Tatsächlich war ihnen Óscar Romeros Einsatz für die Armen zu politisch", merkt Pater Heinz an. Das änderte sich mit Papst Franziskus, der selbst für einen Glauben und eine Pastoral steht, die strukturelle politischen und gesellschaftliche Veränderungen zugunsten der Armen einfordert und bewirkt. Am 23. Mai 2015 ist Óscar Romero in seiner Heimat seliggesprochen worden. Am 14. Oktober 2018 hat Papst Franziskus ihn schließlich heiliggesprochen.

 

„Seinem Mörder und dessen Auftraggebern ist es nicht gelungen, Óscar Romero auszulöschen – ganz im Gegenteil", betont Adveniat-Chef Pater Heinz, der erst im vergangenen Februar in El Salvador unterwegs war. „Óscar Romero ist überall sichtbar: Auf dem Einreisestempel am nach ihm benannten Flughafen in San Salvador. Jede Stadt und jedes Dorf im Land hat einen Platz, eine Kirche, eine Pfarrei, die seinen Namen trägt. Es wird gerade eine neue Ordensgemeinschaft gegründet, die sich nach ihm benennt und sich seiner Spiritualität und seinem Erbe in besonderer Weise verpflichtet. Und neben den unzähligen Statuen und Wandbildern säen die Menschen die Pflanze ‚Romero' – auf Deutsch: ‚Rosmarin' – aus, berichtet der Adveniat-Hauptgeschäftsführer.

 

Nur Gedenken und Verehren werde der christlichen Botschaft, die Óscar Romero mit seinem Leben bezeugt und bezahlt hat, aber nicht gerecht. „Es müssen Taten folgen", mahnt Adveniat-Chef Pater Heinz. „Die himmelschreiende Ungerechtigkeit und Ungleichheit zwischen Arm und Reich muss ein Ende haben – in El Salvador und weltweit. Es beleidigt das Andenken an Óscar Romero wenn eine reiche Oberschicht Umwelt und Mitmenschen für den eigenen Profit ausplündert, während die Mehrheit in Armut und ohne Zukunftsperspektiven lebt", kritisiert der Adveniat-Hauptgeschäftsführer. Insbesondere die Jugend sieht in El Salvador keine Chancen für sich. Viele Jugendliche schließen sich deshalb den Jugendbanden, den sogenannten Maras an, die das Land mit Gewalt, Raub, Erpressungen und Morden überziehen. Oder sie machen sich auf die lebensgefährliche Route in Richtung Mexiko und USA.

 

Deshalb unterstützt das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat seit Jahrzehnten den ehemaligen Mitarbeiter Óscar Romeros und heutigen Weihbischof von San Salvador Kardinal Gregorio Rosa Chávez. Gemeinsam mit den „Barmherzigen Schwestern" hat er in der Pfarrei San Francisco in einem der Armenvierteln der Hauptstadt eine Grund- und weiterführende Schule aufgebaut sowie eine Nachmittagsbetreuung ins Leben gerufen. Kinder und Jugendliche können hier lernen, eine Ausbildung absolvieren und damit Perspektiven für ihr Leben und ihre Familien entwickeln. Die Schwestern versorgen außerdem die Notleidende mit kostenlosen warmen Mahlzeiten und bringen Kranken Medikamente und Trost. Möglich ist diese Arbeit in der Nachfolge Óscar Romeros dank der Spenderinnen und Spender in Deutschland, wie Kardinal Rosa Chávez betont: „Adveniat ist uns seit vielen Jahren ein verlässlicher Partner. Ohne Ihre Unterstützung wäre die Arbeit mit den Jugendlichen in dieser Form nicht möglich. Vielen Dank dafür."

 

Wer war Óscar Romero? Welche Vision von Kirche und Gesellschaft hatte er? Antworten darauf gibt das Sonderheft „Heiliger Oscar Romero", das in der Reihe Blickpunkt Lateinamerika erschienen ist. Es kann kostenfrei per Mail bestellt werden: blickpunkt@adveniat.de.
Weitere Informationen gibt es unter:
www.adveniat.de/oscar-romero.

 

Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Dazu arbeitet Adveniat entschieden in Kirche und Gesellschaft in Deutschland. Getragen wird das Werk von Hunderttausenden Spenderinnen und Spendern – vor allem auch in der alljährlichen Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember. Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden. Die Hilfe wirkt: Im vergangenen Jahr konnten rund 2.000 Projekte gefördert werden, die mit mehr als 36 Millionen Euro genau dort ansetzen, wo die Hilfe am meisten benötigt wird: an der Basis, direkt bei den Armen.