DNK/LWB-Vorsitzender zieht Fazit aus den Gesprächen mit Papst Franziskus, Erzbischof Ladaria und dem Einheitsrat

„Kein Bremssignal für den ökumenischen Dialog“

6.06.2018

 

 

 

(Hannover/ dnk/lwb) - Der Vorsitzende des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB) hat ein positives Fazit aus seinen Gesprächen im Vatikan gezogen: „Für den ökumenischen Weg von Lutheranern und Katholiken weltweit haben wir in den Gesprächen viel Rückenwind erfahren“, so Landesbischof Gerhard Ulrich. „Wir waren uns einig, dass wir nach 2017 nun die grundlegenden Themen Amt, Eucharistie und Kirche behandeln müssen. Dies sind zentrale Themen für die weitere Annäherung. Sie werden gründlich und eingehend vom Lutherischen Weltbund und Vatikan bearbeitet werden, damit daraus Resultate folgen können, die in der gesamten Welt Wirkung entfalten. Dass solche Fragen nicht übereilt gelöst werden, ist selbstverständlich“, unterstrich Ulrich.

 

 

 

Der Vorsitzende des DNK/LWB widersprach damit der Interpretation, dass Papst Franziskus bei der Audienz des DNK/LWB die lutherisch-katholischen Ökumene bremsen wollte. „Franziskus und ich haben beide betont, dass der Schwung des ökumenischen Reformationsgedenkens unbedingt genutzt werden muss, um weiter voranzuschreiten“, hielt Ulrich fest. Der Papst habe den ökumenischen Weg deutlich bestätigt und sogar davor gewarnt, auf diesem Weg stehenzubleiben. „Es ist abwegig, einen Halbsatz aus Franziskus Rede als Bremssignal für den Fortgang des ökumenischen Dialogs zu werten. Diese Interpretation ignoriert den Rest der Rede völlig“, so der Landesbischof der Nordkirche. Bedeutend sei auch, dass Papst Franziskus in seiner Rede keinerlei Hindernisse für die weitere Annäherung benannt habe. „Im Gegenteil, Papst Franziskus hat das Ziel der völligen Überwindung der Divergenzen und die Aufforderung, eine ‚immer konkretere und sichtbarere Einheit untereinander zu erreichen‘ unterstrichen“, hob Ulrich hervor.

 

 

 

Am gestrigen Dienstag traf die Delegation des DNK/LWB den Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Ladaria. Dieser bestätigte den Eindruck der Delegation, dass Papst Franziskus die ökumenischen Dialoge mit dem LWB systematisch fortentwickeln will. Mit dem Schreiben von Ladaria hatte der Vatikan in den aktuellen Prozess der Deutschen Bischofskonferenz zur Erleichterung der Eucharistie in konfessionsverbindenden Ehen eingegriffen. „Natürlich haben wir auf ein positives Ergebnis dieser innerkatholischen Beratung gehofft. Das habe ich gegenüber Erzbischof Ladaria auch deutlich ausgedrückt“, unterstrich Ulrich. Ladaria hat im Gespräch der Delegation die Hintergründe des Schreibens erläutert. „Er hat auch versucht, uns die Befürchtung des Papstes zu erklären, dass eine solche nationale Lösung negative Auswirkungen auf die katholische Weltkirche haben könnte. Daher betone das Schreiben die Orts- und die Weltebene“, so der Vorsitzende des DNK/LWB.

 

 

 

Bereits am Montagvormittag kam die Delegation mit Monsignore Türk vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen zusammen. In dem ausführlichen und freundlichen Gespräch wurden Pläne für den künftigen Gesprächsprozess zu Amt, Eucharistie und Kirche diskutiert. „Wir wollen noch dieses Jahr die ersten konkreten Schritte für diesen Prozess angehen“, fasste Ulrich zusammen. „In der aktuellen Situation ist es umso wichtiger, hier nicht stehenzubleiben, sondern kontinuierlich weiterzugehen.“ Neben Landesbischof Ulrich nahmen auch der Catholica-Beauftragte der VELKD, Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke, sowie Vertreter der Geschäftsstelle des DNK/LWB und des Amtsbereichs der VELKD an den Gesprächen im Vatikan teil.

 

 

 

Hinweis:

 

Die Reden von Landesbischof Ulrich und Papst Franziskus finden Sie unter

https://kirchencloud.ekd.de/index.php/s/A0Bd77xcFbqD5N3 und unter

http://w2.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2018/june/documents/papa-francesco_20180604_chiesa-luterana-tedesca.html.

 

 

 

Das Deutsche Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB) vertritt die elf deutschen Mitgliedskirchen im Lutherischen Weltbund (LWB), die circa 11,5 Millionen Gemeindeglieder umfassen. Aufgabe des DNK/LWB ist es, die Beziehungen der deutschen Mitgliedskirchen zum LWB zu koordinieren und dessen Arbeit zu begleiten und zu fördern. Vorsitzender des DNK/LWB ist Landesbischof Gerhard Ulrich (Nordkirche). Die Geschäftsstelle des DNK/LWB in Hannover leitet Oberkirchenrat Norbert Denecke.

 

 

 

Der LWB ist die größte lutherische Kirchengemeinschaft weltweit. Er umfasst über 74 Millionen Gläubige in 145 Mitgliedskirchen aus 98 Ländern. Aus Deutschland sind elf Kirchen Mitglied im LWB: die Landeskirchen Bayern, Braunschweig, Hannover, Mitteldeutschland, Norddeutschland, Oldenburg, Sachsen, Schaumburg-Lippe und Württemberg sowie die Evangelisch-Lutherische Kirche in Baden und die Lutherische Klasse der Lippischen Landeskirche.