Im Interview mit der Zeitschrift stadtgottes übt Rita Süssmuth Kritik an der CDU und spricht über Klimaschutz, Flüchtlingspolitik und Frauenrechte

Süssmuth: „Jesus hätte uns aus dem Tempel gejagt“

(Sankt Augustin/sm) - Wohl kaum eine andere Politikerin hat sich so vehement für die Rechte von Frauen eingesetzt, wie Rita Süssmuth. Im Interview mit der stadtgottes sprach die ehemalige Bundestagspräsidentin und ehemalige Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit über das „C“ der CDU, die aktuelle Flüchtlingspolitik, Klimaschutz und Frauenrechte.

 

Kritik übte die 82-jährige an der Flüchtlingspolitik. Es gehe nur noch darum, wie man diejenigen wieder loswerden könne, die zu uns kommen und nicht darum, wie diese Menschen ein hoffnungsvolles und produktives Leben führen könnten. „Jesus hätte uns wahrscheinlich aus dem Tempel gejagt, wenn er gesehen hätte, wie wir mit dem C umgehen“, so Süssmuth über ihre Partei. „Wir müssen unsere Gesellschaft wieder auf ein moralisch, ethisch gefestigtes Wertefundament stellen und unserer sozialen Verantwortung gerecht werden.“ Das gelte auch für den Umgang mit Armut.

 

Die öffentliche Debatte zum Klimaschutz zeige eine Veränderung des Denkens bei den Menschen: „Überlegen Sie mal, wann haben wir eine Frage jemals so intensiv gestellt, wie die, die wir jetzt seit Wochen diskutieren.“ Millionen von Menschen fragten sich, ob wir so weiterleben können, wie bisher. „Ich sage: Nein, können und wollen wir nicht! Die Zeit, die uns jetzt noch gegeben ist, ist eine sehr begrenzte. Unser Planet hat nicht beliebige Erneuerungsmöglichkeiten.“ Jeder könne zu einer Lösung des Problems beitragen. „Wir sind doch nicht ohnmächtig“, so Süssmuth gegenüber stadtgottes.

 

Beim Thema Frauenrechte fordere sie keine Frauenquote mehr, sondern eine selbstverständliche Parität. „Es geht darum, dass Frauen und Männer gemeinsam es schaffen, unsere Welt anders und besser zu gestalten“, so Süssmuth. Dafür dürften Männer sich nicht länger fragen, was aus ihnen werde, wenn sie einen Teil ihrer Macht mit Frauen teilen müssten. „Ich kann nur antworten: Wenn ihr nicht wollt, dann tut auch ein bisschen Zwang gut. Ich habe noch nie erlebt, dass fundamentale Änderungen komplett freiwillig gemacht wurden.“

 

Hinweis

Das Interview mit Rita Süssmuth erscheint in der Dezember-Ausgabe der stadtgottes (s.u

 

Über stadtgottes:

Das Magazin stadtgottes ist die älteste katholische Monatszeitschrift Deutschlands. Sie wurde 1878 vom Steyler Ordensstifter, dem heiligen Arnold Janssen, gegründet. In der Zeitschrift werfen wir einen anderen Blick auf soziale, politische und ökologische Themen, die uns täglich beschäftigen. Mit den Erlösen aus dem Verkauf werden soziale Projekte der Steyler Missionare unterstützt.

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Autor: Markus Nowak / Steyler Missionare; zusammengestellt von Gert Holle - 16.11.2019