Sonderausstellungen und grosses Familienfest in Köln

150. Geburtstag von Käthe Kollwitz

„Ich will wirken in dieser Zeit“

Philipp Kester, Käthe Kollwitz 1906, Photographie aus dem Nachlass Kollwitz © Käthe Kollwitz Museum Köln
Philipp Kester, Käthe Kollwitz 1906, Photographie aus dem Nachlass Kollwitz © Käthe Kollwitz Museum Köln

Von: Käthe Kollwitz Museum

 

 

(Köln/kkm) - „Ich will wirken in dieser Zeit, in der die Menschen so ratlos und hilfsbedürftig sind.“ Dieser Satz, ein Tagebucheintrag aus dem Jahr 1922 und noch heute so aktuell wie damals, entstammt nicht der Feder eines Politikers, ist nicht das Motto einer Hilfsorganisation. Er ist das Bekenntnis einer großen Künstlerin: Käthe Kollwitz (1867–1945), die mit ihren Zeichnungen, Druckgraphiken und Skulpturen weltweites Ansehen erlangte. Am 8. Juli jährt sich ihr Geburtstag zum 150. Mal.

 

Ihre politischen Plakate wie „Nie wieder Krieg“ (1924), eine Ikone der Friedensbewegung, die Radierung „Weberzug“ (1893/97) oder die Lithographie „Deutschlands Kinder hungern!“ (1923) gehören seit Generationen zum Kanon der Schulbuch-Illustrationen. Doch ihre Kunst umfasst weit mehr. In Köln befindet sich die weltweit umfangreichste Sammlung ihrer Werke. Seit mehr als 30 Jahren vermittelt das Käthe Kollwitz Museum Köln ein umfassendes Bild seiner Künstlerin, das über eine rein politische Vereinnahmung weit hinausgeht. An kaum einem anderen Ort kann man Käthe Kollwitz näher kommen.

 

Eine universelle Sprache – sämtlichen Strömungen ihrer Zeit zum Trotz

 

In Ausstellungen und Publikationen zeigt Hannelore Fischer, Direktorin der Kölner Kollwitz Sammlung, wie das OEuvre der bedeutendsten deutschen Künstlerin der klassischen Moderne, die auch international höchstes Ansehen erlangte, als einzigartiges künstlerisches Solitär in der Kunstgeschichte fest verankert ist.

 

„Die Kollwitz lässt sich mit keinem der bekannten ‚ismen’ des 20. Jahrhunderts etikettieren.
Sie kommt aus der akademischen Tradition, hat Berührung mit dem Naturalismus,
dem Realismus, dem Symbolismus, dem Expressionismus und und und…
Letzten Endes entwickelt sie jedoch ihre eigene Handschrift zu einem unverwechselbaren Stil –
und eben dies ist die Sprache, die uns bis heute berührt, zeitlos aktuell und länderübergreifend.“
Hannelore Fischer, Direktorin des Käthe Kollwitz Museum Köln

 

Bei einem Rundgang durch das Kölner Museum lässt sich dies erleben. Gezeigt werden unter anderem auch die Selbstbildnisse der Künstlerin.

 

Wie kaum eine andere hat sich Käthe Kollwitz zeitlebens selbst reflektiert – gedanklich in ihren Tagebüchern und künstlerisch in ihren Selbstportraits. Kollwitz zeigt sich nicht nur in autonomen Selbstbildnissen, sondern auch in sogenannten „verkappten“ Selbstportraits: Sie verallgemeinert im Laufe ihres Schaffens ihre Züge und weitet ihr Portrait zu einem generellen Frauentypus, vor allem dann, wenn sie sich mit einem zu bearbeitenden Thema vollkommen identifiziert. Immer wieder nimmt sie sich selbst als Modell, schlüpft in Rollen und ist so in den verschiedensten Szenen wiederzuerkennen.

 

„In Stein gehauen oder in Bronze gegossen, als Zeichnung,
Radierung, Lithographie oder Holzschnitt in hohen Auflagen
weit verbreitet: Ihr Bildnis ist im kollektiven Gedächtnis der
Menschen ihrer Zeit und bis heute fest verankert“,
so Fischer.

 

Kaiserzeit, Erster Weltkrieg, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg – eine Biographie in Zeiten großer Umbrüche

 

„Niemals habe ich einen Menschen gekannt,
der, ohne selbst ein Wort zu sprechen,
durch seine bloße Gegenwart einen solchen Eindruck machte“.
Der Maler Werner Held, 1947

 

Geboren wurde die Kollwitz in der ostpreußischen Residenzstadt Königsberg. Ihr Vater, ein Mann mit liberal-sozialistischen Idealen, war es, der die künstlerische Veranlagung seiner Tochter früh erkannte und förderte. Zum Studium schickt die Familie sie nach Berlin und München, in sogenannten Künstlerinnenschulen erlernt sie das künstlerische Handwerk. Zum Hauptmedium ihrer Arbeit werden später jedoch die Drucktechniken, die sie überwiegend autodidaktisch erlernt.

 

Mit ihren ersten beiden druckgraphischen Zyklen „Ein Weberaufstand“ (1893–97) und „Bauernkrieg“ (1902–08) erwirbt Kollwitz als Künstlerin bereits früh höchste Anerkennung. Ihre Radierungen, Lithographien und später auch Holzschnitte, Auflagenwerke mit großer Verbreitung, gehen bereits zu ihren Lebzeiten in die Sammlungen namhafter Kunstinstitute wie den Kupferstich-Kabinetten in Berlin und Dresden ein. Zunehmend wird die Künstlerin auch international wahrgenommen.

 

Dann der Erste Weltkrieg. Die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ wird für Käthe und Karl Kollwitz zum einschneidenden Ereignis: Der jüngere Sohn Peter fällt, nur 18 Jahre alt, wenige Tage nach seiner Einberufung. Fortan widmet sich die Kollwitz in ihrer Kunst verstärkt dem Engagement für den Frieden. In den sieben Bildern der Holzschnittfolge „Krieg“ (1921/22) bringt sie eindringlich die eigenen Erfahrungen zum Ausdruck – und erfasst damit zugleich das Erlebte all jener Menschen, die den Krieg ertragen mussten.

 

Mit dem Erstarken des Nationalsozialismus wandelt sich die Rezeption der Kunst dramatisch. Die Werke der Kollwitz werden in Deutschland nicht mehr ausgestellt. Der Künstlerin selbst bleibt nur der Weg in die innere Emigration. In Vorahnung auf den Zweiten Weltkrieg konzentriert sie sich von nun an auf ihr plastisches Werk.

 

Mahnmale für den Frieden – das Vermächtnis der Künstlerin

 

In jahrelanger Arbeit und intensivem Ringen um die „neue Form für den neuen Inhalt“ entsteht unter anderem ihr Mahnmal „Trauernde Eltern“ (1914–32), heute auf dem Soldatenfriedhof im belgischen Vladslo, auf dem ihr Sohn begraben liegt.

 

Dieses Mahnmal, die bedeutendste Grabplastik des 20. Jahrhunderts, erhält rund 25 Jahre nach seiner Fertigstellung eine zusätzliche Auszeichnung: als Erste Bundesgedenkstätte für die Toten der beiden Weltkriege wird 1959 von Bundespräsident Theodor Heuss eine Kopie der Skulpturengruppe aus der Werkstatt Ewald Mataré in der Kölner Kirchenruine Alt St. Alban eingeweiht.

 

Auch 1993, nach dem Umzug des Regierungssitzes vom Rhein an die Spree, ist es wieder eine Kollwitz-Plastik, die als Mahnmal in der neuen Zentralen Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland aufgestellt wird: Ihre „Pietá“ (1937–39), die auf Wunsch von Bundeskanzler Helmut Kohl und in vierhundertprozentiger Vergrößerung durch den Bildhauer Harald Haacke für die Neue Wache kopiert wird.

 

Kollwitz‘ Werke gegen den Krieg und für soziale Gerechtigkeit sind Sinnbilder des Lebens und Überlebens. Tod, Trauer und Verzweiflung, aber auch Liebe, Geborgenheit und das Ringen um Frieden – wie kaum einer Anderen gelingt es Kollwitz, die existenziellen Themen des menschlichen Daseins in höchster künstlerischer Qualität zum Ausdruck zu bringen.

 

UNESCO-Gedenktag 8. Juli 2017 – 150. Geburtstag von Käthe Kollwitz
Würdigungen in TV, Radio und zahlreichen Sonderausstellungen

 

Die Kunst der Kollwitz ergreift ihre Betrachter bis heute. Jeder versteht: keines ihrer großen Werke ist ohne Botschaft. Auch deshalb hat die Organisation der Vereinten Nationen ihren 150. Geburtstag am 8. Juli als einen von nur zwei UNESCOGedenktagen im Jahr 2017 erklärt.

 

Fernseh- und Rundfunkmedien senden Programme zum Jubiläumstag, zahlreiche Museen und Galerien weltweit widmen der Künstlerin Ausstellungen. Allen voran trägt das Käthe Kollwitz Museum Köln dazu bei, seine Künstlerin immer wieder neu zu präsentieren. Rund 200 Werke aus seinem Sammlungsbestand gehen 2017 auf Reisen, um Ausstellungen in ganz Deutschland zu ermöglichen, darunter die Sonderschau „Es ist nicht mehr Schmerz, sondern Nachsinnen“ Käthe Kollwitz. Der Tod im Leben an ihrem Sterbeort, dem Käthe-Kollwitz-Haus Moritzburg, oder die umfangreiche Ausstellung „Käthe Kollwitz und Berlin“, in der Galerie Parterre, der Kunstsammlung des Berliner Bezirks Pankow am Prenzlauer Berg, unweit ihrer damaligen Wohnung.

 

Das Geburtstagsfest für Käthe Kollwitz in Köln!

 

Das Kölner Museum selbst feiert den 150. Geburtstag seiner Künstlerin mit einem umfangreichen Jubiläumsprogramm. Mit insgesamt vier Sonderausstellungen und entsprechenden Sammlungspräsentationen im Jahr 2017 lädt das Museum in der Domstadt dazu ein, die Kollwitz immer wieder neu zu entdecken.

 

Höhepunkt ist das große Familienfest am 8. Juli 2017: Inmitten der Sonderausstellung „Gustav Seitz – Ein Denkmal für Käthe Kollwitz“, die von einer intensiven Präsentation ihrer Selbstportraits aus fünf Jahrzehnten begleitet wird, finden spannende Aktionen, Workshops und Führungen für Kollwitz-Fans in jedem Alter statt.

 

Das Highlight des Tages ist die Präsentation des neuen Dokumentarfilms „Kollwitz – Ein Leben in Leidenschaft“ von Yury und Sonya Winterberg mit anschließendem Autorengespräch.

 

Erwartet wird auch die Familie Kollwitz – die Enkel Jutta Bohnke-Kollwitz und Arne Kollwitz ebenso wie die Urenkel der Künstlerin und selbstverständlich zahlreiche Besucherinnen und Besucher!

 

Presse-Informationen zu den Ausstellungen:
www.kollwitz.de/presse_informationen.aspx

 

 

 

KOLLWITZ 2017 | 150. GEBURTSTAG
Großes Familienfest mit Führungen, Workshops und Filmpräsentation

 

Samstag, 8. Juli 2017 // 11–18 Uhr

 

Am 8. Juli 2017, dem 150. Geburtstag der Künstlerin, lädt das Käthe Kollwitz Museum Köln zu einem großen Fest für die ganze Familie ein!

 

Inmitten der Jubiläumsausstellung »Gustav Seitz – Ein Denkmal für Käthe Kollwitz«, die von Porträts und Selbstporträts aus der Kölner Kollwitz Sammlung eingerahmt wird, finden spannende Führungen und Workshops für Kollwitz-Fans in jedem Alter statt.

 

Highlight des Tages:
Die Präsentation des neuen Dokumentarfilms »Kollwitz – Ein Leben in Leidenschaft« (2016) von Yury und Sonya Winterberg mit anschließendem
Autorengespräch.

 


Programm

 

11:00–18:00
LESEECKE: zum Schmökern für Leseratten und Wissbegierige jeden Alters
ENTDECKERQUIZ: für Kunstfreunde ab 8 Jahren

 

11:15 Uhr // Handpuppenführung für Kinder ab 4 Jahren
Lina erzählt
Kennt ihr Lina? Sie war über 50 Jahre lang die Haushälterin und gute Seele der Familie Kollwitz. In einer spannenden Führung erzählt sie uns Geschichten aus dem Familienalltag
mit Käthe, ihrem Mann Karl, den beiden Söhnen Hans und Peter und aus dem Leben und Wirken der berühmten Künstlerin.

 

12–16 Uhr // Offene Werkstatt
Willkommen im Künstler-Atelier!
Am Geburtstagsfest für Käthe Kollwitz werden Kinder in unserem offenen Atelier selbst zu Künstlern! Zeichnen, drucken, kneten, formen – inspiriert von den Werken der Ausstellung werden alle diese Techniken ausprobiert. Dabei entstehen am Ende kleine Meisterwerke.

 

13 Uhr // Führung
Gustav Seitz: Ein Denkmal für Käthe Kollwitz
Das wohl bekannteste und beliebteste Werk von Gustav Seitz ist das überlebensgroße Denkmal für Käthe Kollwitz, das der Bilderhauer 1956–60 nach einem Selbstbildnis der Künstlerin für den Kollwitz-Platz im Berlin der damaligen DDR geschaffen hat. Die aktuelle Sonderausstellung dokumentiert die Entwicklung der Plastik – von der ersten Idee über Werkzeichnungen und Modelle bis hin zum realisierten Kunstwerk – und gibt Aufschluss über den spannenden zeithistorischen Entstehungskontext des Denkmals.

 

14 Uhr // Führung
Käthe Kollwitz – Bildnisse und Selbstbildnisse
In der ständigen Sammlung steht Käthe Kollwitz mit ihren Selbstbildnissen im Fokus. Gezeigt werden an ihrem 150. Geburtstag aber auch Kollwitz-Portraits von anderen Künstlern! Gustav Seitz zum Beispiel, Ernst Barlach, Hedwig Weiß und andere haben die ausdruckstarke Physiognomie als Hommage an die große Künstlerin wiedergegeben. Photographien von Philipp Kester, Hugo Erfurth, E.O. Hoppé und weiteren Zeitgenossen der Kollwitz ergänzen die Schau.

 

15 Uhr // Schnupper-Zeichenkurs für Kinder und Erwachsene von 9-99 Jahren
Von der Linie zur dritten Dimension. Experimentelles Zeichnen
Wie gestaltet man Form, Tiefe und dreidimensionale Illusion auf dem Papier? Die Künstlerin Mechtild Lohmanns gibt eine Stunde lang Tipps und Anleitungen, während die Plastiken von Käthe Kollwitz Gustav Seitz für Sie »Modell stehen«.

 

16 Uhr // Direktorenführung mit Hannelore Fischer
Käthe Kollwitz – Meisterwerke aus der Kölner Kollwitz Sammlung
Am Aktionstag führt Direktorin Hannelore Fischer durch das Museum und stellt die Highlights der Kölner Sammlung in den Fokus, für die Käthe Kollwitz bis heute als bedeutendste deutsche Künstlerpersönlichkeit des 20. Jahrhunderts angesehen wird.

 

18 Uhr // Film im Museum + Autorengespräch
»Kollwitz – Ein Leben in Leidenschaft«
Der neue Dokumentarfilm »Kollwitz – Ein Leben in Leidenschaft« (2016) von Yury und Sonya Winterberg zum 150. Geburtstag der Künstlerin erzählt die Biographie der Künstlerin ebenso wie die Rezeptionsgeschichte und Wirkung ihres Werkes bis heute. Erstmals werden auch Zeitzeugenberichte filmisch dokumentiert, u.a. Erinnerungen der inzwischen hochbetagten Enkel von Kollwitz, die ihre Großmutter während der letzten Tage in Moritzburg
begleitet hatten.
Eine Produktion von LOOKS in Koproduktion mit rbb in Zusammenarbeit mit ARTE.

 

Das Museum ist von 11.00–20.00 Uhr geöffnet.
(letzter Einlass: 17.45 Uhr)
Der Eintritt und alle Veranstaltungen sind kostenlos!