Zum Tod von Mikis Theodorakis

Foto: Wassilis Aswestopoulos
Foto: Wassilis Aswestopoulos

Mikis Theodorakis ist tot. Wir, seine Freunde, wussten seit Wochen, das es zu Ende geht, sind aber trotzdem überrascht. Mikis, wie er von allen nur beim Vornamen genannt wird, ordnete seinen Nachlass. Er erkundigte sich über laufende künstlerische Projekte seines langjährigen Freundes, Begleiters, Übersetzers und Managers Asteris Kutulas und gab diesem Vollmachten. Bis zuletzt kommunizierte er mit wachem, lebhaftem und kreativem Geist im schwer kranken Körper. „Komm jetzt und nicht erst Mitte September, denn dann bin ich vielleicht nicht mehr da“, das hatte er Kutulas vor Kurzem mitgeteilt und ihn so von Berlin nach Athen geholt.

 

 

Warum es mir wichtig ist, auf so ein Detail hinzuweisen? Weil Mikis uns lehrte, jeder Katastrophe mit Optimismus, Musik und Kunst zu begegnen. So wie er während der Militärdiktatur seinem Folterer und potentiellen Mörder den Zorbas Song vorpfiff – was ihm das Leben rettete. Die aktuelle Klimakatastrophe beschrieb Mikis schon vor vielen Jahren mit dem absoluten Oxymoron des pessimistischen Optimismus. Wie schön die Welt doch für die Natur, die Tiere und Pflanzen sein werde, wenn die Menschheit sich in ihrer Hybris selbst zum Aussterben verurteilen wird.

Foto: Wassilis Aswestopoulos
Foto: Wassilis Aswestopoulos

Es sind die Widersprüche, in allem das Gute zu suchen aber immer mit dem Finger fest in Wunden zu drücken, die Menschen aber auch den Politiker Theodorakis auszeichnen. In einem im Oktober 2020 verfassten Testament wünscht er, als Kommunist in Erinnerung zu bleiben. Der Glaube an den Sozialismus hinderte ihn nicht daran, bei seinem Konzert in der DDR, die SED-Führung für fehlende Freiheiten und ihr mangelndes Vertrauen in die Bevölkerung streng zu kritisieren. Wie widersprüchlich, aber auch wie integrativ und vermittelnd muss ein Mensch sein, der Moshe Dajan, aber auch Arafat, Che und Fidel Castro zu seinen persönlichen Freunden zählen konnte? Am historischen Camp David Abkommen hatte Mikis seinen Anteil. 

 

Künstlerisch ist sein Vermächtnis unermesslich. Das Bouzouki, was wir heute alle für ein typisch griechisches Instrument halten, brachte er aus den Spelunken der Halbwelt der in Griechenland ins Abseits gedrängten griechischen Flüchtlinge aus Kleinasien in die griechische, und später auch in die symphonische Musik. Er vertonte Nobelpreisdichter wie Elytis und Seferis und brachte ihre Lyrik als Volksmusik in die Münder einfachster Griechen. Er vertonte den Canto General von Pablo Neruda, mithin das literarische Werk, welches die Seele Südamerikas ausmacht. Ein Grieche, als Nationalkomponist Chiles!

Mikis schaffte das scheinbar Unmögliche mit der Vertonung des Mauthausen-Zyklus von Kambanelli. Angesichts des entsetzlichen Grauens der Shoah der Liebe der Opfer eine gewaltige Stimme zu geben, und so ihr Andenken über Alles zu stellen, das ist eine Revolutionen des mir persönlich auch im Rollstuhl der letzten Lebensjahre als Giganten erscheinenden Mikis, zu dem ich seit meiner Kindheit immer aufgeschaut habe.

 

 

gez. Wassilis Aswestopoulos

Mikis Theodorakis – Komponist. Friedensstifter. Volksheld.

Von Wassilis Aswestopoulos; Fotos Wassilis AswestopoulosTaschenbuch (Broschur),

160 Seiten

Preis: € 10,00/CHF 12.50

ISBN  978-3-907126-02-8

Erhältlich im Buchhandel oder bei http://www.kurz-und-buendig-verlag.com/