Ab wann kann eine engagierte Minderheit die Gesellschaft verändern?

18.06.2018

Auch kleinere Gruppen von Menschen können fest etablierte gesellschaftliche Normen umstoßen, solange sie eine kritische Masse erreichen. Der Wendepunkt liege bei 25 %.

 

 

(London/pm) - In der bahnbrechenden Studie „Experimental evidence for tipping points in social convention“, veröffentlicht in Science, untersuchen Andrea Baronchelli, Dozent an der City University of London, und seine Mitarbeiter Damon Centola, Joshua Becker und Devon Breckbill von der University of Pensylvania die Macht engagierter Minderheiten und bieten die erste empirische Validierung der Theorie der kritischen Masse.

 

Diese Theorie besagt im Wesentlichen, dass Minderheitengruppen konventionelle Denkweisen der Mehrheit beeinflussen und wegfegen können. Die Forscher haben herausgefunden, dass sich mindestens ein Viertel der Bevölkerung auf eine soziale Norm einigen muss, um sie durchzusetzen: was einst akzeptabel war wird dann überraschend schnell inakzeptabel, und umgekehrt. Dabei kann eine einzelne Person den Unterschied machen…

 

Von der Gleichstellung der Geschlechter bis zur Akzeptanz (oder Intoleranz) gegenüber dem Tabakkonsum und Marihuana wurde auf die Theorie der kritischen Masse zurückgegriffen, um unzählige Fälle vom sozialen Wandel zu erklären. Obwohl die Theorie sehr populär war, wurde sie nie im Labor getestet.

 

Mehrere Studien hatten zwar erfolglos versucht, die „magische Zahl“ zu ermitteln. Doch die soziale Dynamik ist kompliziert und lässt sich nicht einfach anhand von Erfahrungen oder Beobachtungen vorhersagen.

 

Baronchelli und Centola zeigten im Jahr 2015, wie eine Gruppe von Individuen eine Einigung über eine soziale Konvention - den Namen einer Person - erzielen kann, auch wenn es keine zentralisierte Institution gibt (PNAS 2015). In der neuen Studie ging das Team von diesem Ergebnis aus und ließ eine Gruppe ihre eigene soziale Konvention entwickeln. Als die Einigung zustande kam, führten sie neue Mitglieder ein, die eine andere Lösung befürworteten.

 

 „Wenn es nur sehr wenige Menschen gibt, die anderer Meinung sind, passiert nichts: Die Gruppe ignoriert einfach ihre Anwesenheit“, sagt Andrea Baronchelli, Dozent an der City University of London. „Aber wenn ihr Anteil einen Schwellenwert erreicht, etwa 25% der Gruppe, folgt die gesamte Bevölkerung. Das stimmt mit unserem Modell überein, und die mehrmalige Wiederholung des Experiments bestätigt dieses Ergebnis.“

 

 Die Auswirkungen der Studie sind weitreichend, unter anderem für die Untersuchung von extremistischen und populistischen Bewegungen, aber auch generell für die Beobachtung der Online-Welt mit ihren unzähligen Interaktionen. „Mehrere Parteien, von der Regierung bis zu privaten Organisationen, nutzen heutzutage Individuen in virtuellen Räumen, um konventionelle Verhaltensweisen und Überzeugungen zu beeinflussen. Unsere Studie deutet darauf hin, dass diese Strategie erfolgreich sein könnte“, so Baronchelli weiter. Er fügt jedoch hinzu: „Unsere Ergebnisse sind auch ein Grund zur Hoffnung, obwohl natürlich weitere Studien außerhalb des Labors erforderlich sind. Probleme wie Mobbing und aggressives Online-Verhalten bis hin zu globalen Themen wie dem Klimawandel erfordern eine Verhaltensänderung. Das Engagement einer kritischen Masse von Personen kann einen wichtigen Schritt hin zu wünschenswerten Lösungen darstellen.“

 

 

 

Über City, University of London
 

 

City, University of London ist eine internationale Hochschule, die sich der akademischen Exzellenz verschrieben hat, mit einem Fokus auf Wirtschaft und Beruf und einem beneidenswerten zentralen Standort in London.

 

Das akademische Angebot der Stadt ist breit gefächert mit weltweit führenden Schwerpunkten in den Bereichen Wirtschaft, Recht, Gesundheitswissenschaften, Mathematik, Informatik, Ingenieurwesen, Sozialwissenschaften und Kunst einschließlich Journalismus und Musik. 

 

City hat rund 19.500 Studenten (35% auf Postgraduiertenniveau) aus mehr als 150 Ländern und Mitarbeiter aus über 75 Ländern. 

 

Im letzten REF (Research Excellence Framework) verdoppelte City den Anteil ihres gesamten akademischen Personals, das weltweit führende oder international herausragende Forschung leistet. 

 

Mehr als 130.000 ehemalige Studierende aus über 180 Ländern sind Mitglieder des City Alumni Network.

 

Die Geschichte der Universität geht auf das Jahr 1894 zurück, mit der Gründung des Northampton Institute auf dem heutigen Campus der City.  Im Jahr 1966 erhielt City den Universitätsstatus durch die Royal Charter und der Oberbürgermeister von London wurde sein Rektor  Im September 2016 trat City dem Verband der University of London bei und die Kronprinzessin wurde Rektorin der City.   

 

Unter der Leitung des Präsidenten, Professor Sir Paul Curran, investiert City seit 2010 in ihre akademischen Fachkräfte, ihren Immobilienbestand und ihre Infrastruktur und arbeitet weiter an der Verwirklichung ihrer Vision einer weltweit führenden Universität: Sie hat kürzlich eine neue Vision & Strategie 2026 verabschiedet.